Heiligabend 2021

…ist ein Pisstag (in Berlin). Ich war noch mal kurz Einkaufen, damit ich am Wochenende nicht auf dem Trockenen sitze. Natürlich war der Nahkauf ziemlich voll. Die Bediensteten trugen Weihnachtsmannmützen. (Oder wie nennt man die noch?) Eigentlich gehöre ich nicht zu jenen, die auf den letzten Drücker vor Feiertagen einkaufen. Aber Einkaufen ist für einen alleine lebenden mehr als nur das Auffüllen seiner Regale und des Kühlschranks. Es bedeutet eine Gelegenheit für echte menschliche Kontakte, auch wenn man dabei nicht viel redet. Man grüßt sich, wird kurz beachtet. Wenigstens ein paar Minuten am Tag. Weihnachten ist mir schnuppe, aber für viele, die ebenso alleine in ihrer Wohnhöhle hausen wie ich, ist diese Zeit besonders deprimierend. Noch schlimmer trifft es die Obdachlosen. Die durch die Corona-Maßnahmen der Regierung hervorgerufene Vereinzelung in der Gesellschaft verschärft die Lage zusätzlich. Eine schöne Bescherung ist das, wenn man sich am sogenannten Fest der Liebe besonders einsam und gesellschaftlich abgewiesen fühlt… Nein, bei mir ist alles noch relativ okay. ich bin seit ewigen Zeiten Weihnachtsverweigerer. Gott sei Dank gibt es keine Weihnachtspflicht.

Der Bürotag war mein Highlight der Woche. Auf meinem Schreibtisch fand ich ein kleines Geburtstagsgeschenk. Das rührte mich. Ich kam sogar mal wieder zu einer Umarmung. Dann führte ich noch ein langes Telefonat mit meiner Bürokollegin (die an dem Tag im Homeoffice arbeitete). Es hatte zwischen uns in den letzten Monaten eine Verstimmung gegeben. Die konnten wir endgültig ausräumen. Sie erzählte mir, warum sie sich kommunikativ zurückgezogen hatte. Es lag nicht daran, dass ich mit der Corona-Impfung auf Kriegsfuß stehe. Es hatte mit anderen Problemen zu tun und Blablabla. Uff! – ich war echt glücklich. In der Mittagspause ging ich raus, holte mir ein Bier bei einem nahen Kiosk (Spätkauf), setzte mich in den Kleistpark und lächelte vor mich hin. Was für eine verrückte Welt!
Die Zeit verging an diesem Tage wie im Fluge. Wie wunderbar ist es doch, sich angenommen und wertgeschätzt zu fühlen! – So sollte es sein zwischen uns Erdenbürgern: nicht gegenseitig aufstacheln lassen, sondern zusammenhalten. Es geht nicht darum, dass man in allen Dingen übereinstimmt. Es geht um Mitgefühl, gegenseitiges Verständnis und Menschlichkeit.  

Allen Bloggern und Lesern schöne Feiertage!

    

Luftschnappen

Heute Montagssonne. Das ist erfreulich. Lädt zum Luftschnappen ein. Mit einer Flasche Roten in den Park gehen. Meine Lieblingsmusik in den Ohren. Oder einfach nur Berlin lauschen… Ach ja, und riechen, viel riechen.

Es wird eine kurze Arbeitswoche. Ein Bürotag umrahmt von zwei Homeofficetagen. Wahrscheinlich relativ entspannt. Viele haben Urlaub. Und alle befinden sich im Weihnachtsmodus. Außer mir. Ich tötete Weihnachten vor langer Zeit. Es existiert nicht mehr in meinem Herzen. Aber gut: Wer`s braucht. Leben und leben lassen. Vielleicht erinnern sich manche an die Weihnachtsbotschaft. Ich meine Nächstenliebe und so. Ein paar Tage Waffenstillstand – lach!

Ich darf nicht vergessen, mich mit Wodka, Wein und Bier einzudecken, damit ich über die Zeit komme. Sollte ich nicht vor mir herschieben. Nicht auf den letzten Drücker. Viele befürchten leere Regale. Es wäre eine Katastrophe, wenn das Arschwischpapier wieder ausginge… Aber vielleicht kann man sich über die Feiertage mit Geschenkpapier behelfen.

Schön, dass dieses Jahr bald rum ist, auch wenn es nicht danach aussieht, als würde 2022 besser. Abhaken! – wie schlechten Sex oder einen verkorksten Tag oder ein mieses Gedicht oder einen Kater nach einer durchzechten Nacht. Man muss es nehmen, wie`s kommt. Genug Larifari für heute. Die Sonne steht vor der Tür und wird langsam ungeduldig.

 

Tja

Nachdem ich wegen der Ablehnung meines Teilzeitantrages (30-Std.-Woche) schriftlich nachgehakt hatte, wurde mir jetzt von der Geschäftsleitung ein Angebot für eine unbefristete Teilzeit (32-Std.-Woche) ab 01. August 22 gemacht. Ich denke, ich werde einlenken, obwohl dieses Angebot nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht. Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ich könnte natürlich auch hartnäckig bleiben und mir bei Verdi Rat und Hilfe erbitten… Doch tut das Not? Ich mag solche Auseinandersetzungen nicht. Die kosten nur Nerven und sind demotivierend. Schließlich habe ich noch ein paar Jahre bis zur Rente und bin eigentlich froh, dass ich nach der Altenpflege wieder einen relativ vernünftigen und sicheren Arbeitsplatz ergattern konnte. Auch wenn mir die Tätigkeit nicht unbedingt liegt. Aber ich fuchste mich rein in die medizinische Dokumentation und die schwierige Materie der Tumoren.
Ruckzuck wird August 22 sein… Und wer weiß, was bis dahin noch alles im Zuge des Corona-Irrsinns passieren wird. Verliere ich meinen Job, wenn die allgemeine Impfpflicht kommt? Muss ich auswandern? In meinem Kopf fahre ich derzeit Achterbahn, wenn ich nachts wachliege.

Wie auch immer – nur nicht verzweifeln.

Was man nicht alles macht

Nach dem Abi hatte ich keine Ahnung, was ich machen wollte. Der Druck war groß, irgendwas zu machen. Der Barras saß mir im Nacken. Ich wollte es auf alle Fälle vermeiden, eingezogen zu werden. Mit der Ausmusterung hatte es nicht geklappt. Mit einer Lehrstelle konnte ich Zeit schinden. Ich landete in einem Ingenieurbüro für Heizung/Sanitär/Lüftung als Azubi zum Technischen Zeichner. Ein öder Job. Die angestellten Technischen Zeichner, Techniker und Ingenieure fand ich ganz okay, aber die beiden Chefs waren Arschlöcher. Gott sei Dank mussten sie oft zu Baubesprechungen. Dann alberten wir herum oder schossen Bürofliegen mit Gummibändchen ab… Aus lauter Langeweile kritzelte ich Notizzettel voll. 8 Stunden können verdammt lang werden, wenn man die Arbeit nicht sonderlich mag. Aber ich hielt durch. Ich musste durchhalten. Gestern wie heute.

so in etwa sah mein Arbeitsplatz aus
im Sommer konnte es verdammt heiß werden
Bürofliegen sind lästig!
nach Feierabend die schönen Seiten des Lebens


Wer kein Herz hat, kann nicht herzkrank werden

Die Personalchefin bügelte meinen Antrag auf Teilzeit ab. Sie argumentierte betriebswirtschaftlich mit der Bürobelegung. Man müsse schon sehr wichtige Gründe vorbringen. Möglicherweise sehe ich einfach zu gesund aus (bin alleinstehend, habe kein Kind zuhause oder ein Elternteil, um das ich mich kümmern muss). Auch ist es nicht mein Ding, Mitleid zu erbetteln. Ich kündigte an, ihrem ablehnenden Bescheid zu widersprechen, dann freilich ausführlich begründet und mit ärztlicher Bescheinigung.
Reichlich aufgewühlt und demoralisiert ging ich in den Feierabend und gab in der Kupferkanne allen Gästen einen aus. In der Nacht schlief ich kaum. Ich nahm mir kurzfristig Urlaub für ein verlängertes Wochenende. Danach weitersehen. Am besten werde ich Montag den Arzt aufsuchen…

Hinzu kommen die nach wie vor deprimierenden Nachrichten hinsichtlich der weltweiten Corona-Massenpsychose, die gewaltig an meinen Nerven nagen. Ich fühle mich wie in einem Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.
Wenigstens der momentan Goldene Oktober ist eine kleine Freude, und dass ich in der Kupferkanne mein Bier auch als Ungeimpfter bekomme.