Eine kurze Woche

Die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub verging relativ schnell – wie jede erste Woche nach einem Urlaub. Außerdem wich sie durch einen Rufbereitschaftseinsatz etwas von der Routine ab. Ach ja, und sie war durch den Pfingstmontag kürzer… Der Rufbereitschaftseinsatz war extraordinär. Die Alarmanlage ließ sich nicht scharfschalten, und der Anlagenbetreiber erreichte keinen Servicetechniker – also keinen, der in einem solchen Fall zu uns kommt (eine ärgerliche Sache!). Es wurde für K., unseren IT-Mann, und mich eine lange Nacht. Meine Anwesenheit war geboten, weil ich Rufbereitschaft hatte, und K. war da, weil er noch am meisten Ahnung von der Anlage hat. Da kein Servicetechniker der Betreiberfirma vor Ort erschien, versuchte K. telefonisch das Problem zu lösen. Bis nach 2 Uhr probierten wir herum. Dann fanden wir Gott sei Dank eine Zwischenlösung und konnten das Objekt verlassen.
Was wäre das Leben ohne solche Highlights? Ich bin K. dankbar, dass er die gesamte Kommunikation übernahm. Alleine wäre ich aufgrund fehlender fachlicher Kompetenz aufgeschmissen gewesen. Sowieso ist man in solchen Ausnahmesituationen um jeden Beistand froh.
Das nächste Highlight der Woche war angenehmerer Natur. Die Kupferkanne, wo ich in den letzten Jahren (vor Corona) regelmäßig meine Mittagspausen verbrachte, hatte wieder geöffnet! Beim Vorbeifahren sah ich, dass Tische draußen standen. Offenbar ist in den Außenbereichen der Gastronomie eine Verköstigung wieder erlaubt. So kam ich in den Genuss meines ersten frischgezapften Feierabendbieres seit ca. 7 Monaten!

     

Künstler im Nichtstun

Der Urlaub endet, wie er begann – mit einem Ausreißer des Wetters nach oben. Es soll fantastische 23°C werden. Also hier in Berlin. Und sonnig! Oder zumindest teilweise sonnig. Von den Urlaubstagen dazwischen reden wir besser nicht – die Fortführung des Aprils unter anderem Namen. Ansonsten freue ich mich natürlich über jeden arbeitsfreien Tag, auch wenn ich mehr oder weniger drinnen hocke. Ich bin Künstler im Nichtstun. Freilich, etwas mehr Abwechslung hätte ich mir gewünscht… Heute also unbedingt ein paar Sonnenstrahlen einfangen und mir vorstellen, mein Urlaub begänne erst.

Mother Freedom

Einigen meiner Arbeitskolleginnen sagte ich, dass ich mich nicht impfen lasse… Wenn der Buschfunk so gut funktioniert, wie ich denke, dürften es inzwischen fast alle wissen. Bisher ereilten mich keine kritischen Äußerungen – man hält sich da offenbar (noch) zurück. Natürlich weiß ich nicht, was hinter meinem Rücken palavert wird. Ganz sicher stößt meine Entscheidung bei der ein oder anderen Kollegin und wahrscheinlich auch bei meiner Chefin auf Unverständnis – gehöre ich doch zur sogenannten Risikogruppe. Jedenfalls entschied ich mich, in die Offensive zu gehen, weil mir die wiederholten Fragen nach meinem Impfstatus auf den Keks gehen.

Nun aber erstmal 2 Wochen Urlaub – Hurra! Auch mit den derzeit eingeschränkten Freiheiten eine Freude. Sogar eine besondere! … Wir kennen das aus Kindertagen: Der Wert einer Freiheit orientiert sich am Maß der bestehenden Unfreiheit.

Die Neue

Es gibt seltsame Synchronizitäten: Die neue Mitarbeiterin, an deren Einarbeitung ich beteiligt bin, heißt wie mein Toilettenpapier…
Statt einen Tag Büro pro Woche, bin ich jetzt 2mal vor Ort, um der Neuen zur Seite zu stehen. Im Zuge dessen darf ich mich jede Woche unter Beobachtung einer dafür geschulten Kollegin einem Corona-Selbsttest unterziehen. Mein erstes Mal habe ich nun hinter mir – unter Aufsicht in der Nase bohren… (Was man nicht alles macht für den Brotverdienst.)
Ich weiß noch gut, wie schwer für mich der Einstieg in die Tumordokumentation war. Keine einfache Materie. Ich wünsche der Neuen einen guten Start und hoffe, dass ich ein wenig dazu beitragen kann. Mein erster Eindruck ist gut. Sie ist bei der Sache. Eine ruhige Person, etwas jünger als ich. Vorher arbeitete sie in der medizinischen Betreuung schwerbehinderter Kinder und Jugendlicher. Viel Privates tauschten wir noch nicht aus. Alles hat seine Zeit. Für mich bedeutet das Mentoring eine willkommene Abwechslung zu dem eher eintönigen Dokumentationsalltag im Homeoffice. Aber, wie ich schon feststellte, keine leichte Aufgabe. Vieles, worüber ich beim Dokumentieren nicht mehr nachdenke, weil mit der Zeit ein Automatismus greift, muss ihr erst erläutert werden. Dazu kommt der Sauerstoffmangel durch das Tragen der Maske, wenn wir zusammen vorm Bildschirm hocken. Regelmäßige Pausen sind notwendig! – sonst platzt einem der Schädel.
Etwa ein Drittel der Neuen kam nicht über die Probezeit hinaus. Die kognitiven Anforderungen sind nicht von Pappe. Dann noch die zickigen Hühner. Man braucht ein dickes Fell. Von Vorteil ist auch eine gute Portion Humor. Natürlich können alle auch total lieb sein… und Schleimspuren hinterlassen… Ich bin gespannt, wie sich die Neue bei uns machen wird. Ich werde sie unterstützen, so gut ich kann.

Alles Gute hat einmal ein Ende

Und das Ende kommt immer zu schnell. Morgen geht`s zurück ins Homeoffice. Im Grunde waren es auch nur vier freie Tage… Und wie war`s, Baby Blue? Naja, ich hatte mir nichts Besonderes vorgenommen. Reisen ist durch die Corona-Situation immer noch schwer möglich. Vielleicht hätte ich den ein oder anderen Tagesausflug unternommen, wenn das Wetter danach gewesen wäre. Wenigstens Anfang der Woche konnte ich noch Sonne und Ausgelassenheit im Park genießen. Danach wurde es mau mit den Aufenthalten außer Haus. So mutete die Urlaubswoche an wie Homeoffice bloß ohne Homeoffice. Jedenfalls überwiegend.
Heute den letzten pflichtfreien Faulenzertag genießen. Vielleicht was zu essen bestellen. Ich entdeckte vor Wochen in Kreuzberg ein kroatisches Restaurant, die haben Kalbsleber Berliner Art und noch ein paar andere Fleisch- und Fischgerichte, bei denen mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Man gönnt sich ja sonst nicht viel in diesen Zeiten. Und die Restaurants freuen sich sicher über Aufträge.
Also, auf in den Tag!

Leben retten

Die Kursleiterin war eine selbstbewusste junge Frau. Sehr hübsch! … Als betrieblicher Ersthelfer muss ich alle zwei Jahre meine Kenntnisse auffrischen. Die meisten Kursteilnehmer(innen) benötigten die Teilnahme wegen des Führerscheins. (Ich war mit Abstand der Älteste.) Wir waren mit Pausen von 8 Uhr bis 15 Uhr 30 zugange. Natürlich bestand im Kursraum Maskenpflicht. Solange am Stück musste ich den Mundnasenschutz noch nie tragen. Ätzend! – nach einer Weile bekam ich Kopfschmerzen. Einige der praktischen Anwendungen konnten aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht geübt werden, was mir ganz recht war.
Der Tag zog sich… Erleichterung machte sich breit, als die Kursleiterin die Teilnahme-Bescheinigungen aushändigte. Vorher warb sie noch ein wenig für den „Verein“, der diese Kurse ausrichtete. Übrigens suche man händeringend Kursleiter(innen), und sie wandte sich an uns, man brauche dafür keinerlei Vorbildung. Einzige Bedingung sei die Vollendung des 18. Lebensjahres… Sie selbst mache es als Nebenjob.
Als ich auf der Straße stand, zog ich mir die Maske vom Gesicht und saugte die frische Luft (sofern man in Berlin-Mitte von frischer Luft sprechen kann) in tiefen Atemzügen ein. Schön! Die Sonne schien, kam aber in den Straßenschluchten kaum an. Ich radelte zügig durch den Stadtverkehr nach Hause. Der Wind war eisig.

 

Alles in allem ein guter Büro-Tag

Mittwoch ist derzeit mein Büro-Tag… Ich holte mir bei den anwesenden Hühnern ein Pfund menschliche Nähe und ein paar Quassel-Einheiten ab. Tat gut. Den Feierabend genoss ich bei einer Vitamin-D-Dusche im Park. Der Wetterfrosch hatte den vorerst letzten Sonnentag vorhergesagt.
Es war wohltuend, die Ausgelassenheit der vielen jungen Menschen zu beobachten, die spielten, herumturnten oder einfach nur zusammenklönten. Andere hockten wie ich alleine dazwischen, hörten Musik per Kopfhörer, lasen oder studierten Unterlagen. Düfte von Wasserpfeifen und Dope stiegen mir in die Nase. Ich saugte all diese Eindrücke auf, während ich mich von meiner Lieblingsmusik beschallen ließ und mein Feierabendbier trank. Das Leben kann wunderbar leicht sein, wenn man sich einfach treiben lässt… So darf ein Arbeitstag ausklingen.
Als ich das Gefühl hatte, genug relaxt zu haben, machte ich mich auf den Heimweg. Ich habe es nicht weit. Auf der Rampe zum Park kam mir ein vollbesetzter Mannschaftswagen der Polizei entgegen… Nochmal Glück gehabt, dachte ich bei mir.

Wohin gehen wir?

Das Leben der Menschen auf der Erde bedeutete Knechtschaft, nachdem die Menschen das freie Leben in der Natur aufgegeben hatten und sich „zivilisierten“… Wie kam es dazu, dass wir uns zur Sesshaftigkeit entschieden? Wie kam es dazu, dass wir uns nach und nach von der Natur entfremdeten? Mussten wir notwendigerweise an den zivilisatorischen Punkt gelangen, an dem wir heute stehen? Wann begann die Misere der Kriege? Wie wurden wir uns selbst zu Feinden?
Das Rad der Menschheitsgeschichte kann niemand zurückdrehen. Wir wurden zu Abhängigen eines Systems, das wir selbst entwickelten. Wir machten uns die Erde untertan mit all seinen Geschöpfen. Wir schufen eine Hierarchie losgelöst von der Natur. Wir knechten unsere eigenen Artgenossen. Wir verwechseln Macht mit Freiheit. Wir propagieren Menschlichkeit, handeln jedoch unmenschlich.
Wer sind wir? Woher kommen wir? (Wohin gehen wir?) Was machte uns zu den Monstern, die wir (aktuell) sind?

Ich gönne mir ein verlängertes. Einmal mehr schlafen gehen ohne eine achtstündige fremdbestimmte Verpflichtung am nächsten Tag. Es war mal wieder so weit, und ich nahm mir diese kleine Freiheit. Auch wenn dabei ein kostbarer Urlaubstag flöten geht. Scheiß drauf!
Soll ja fast frühlingshaft werden die nächsten Tage. Der Schnee der letzten Woche floss bereits fast vollständig in die Gullys. Nur wenige dreckige Inseln erinnern noch an das weiße Wunder.
Die Zeit vergewaltigt sowieso alles. In ihrem warmen Arsch stecken wir fest, bis von uns nichts mehr übrig ist… und wir alle im Gully sind.


Im Büro gewesen

1 Tag pro Woche ist erlaubt. Will man öfter ins Büro kommen, muss man das vor der Chefin explizit begründen. Wir waren zu sechst. Wenn alle kommen, sind wir ca. 30.
Ich genoss die Begrüßung am Morgen und die Gespräche mit den Kolleginnen, die da waren. Nach ein paar Stunden kam die Sonne raus. In meiner Mittagspause marschierte ich um den Block. Auf der Sonnenseite schmolz der Schnee.
Zum Feierabend war die Sonne weg. Die Wege vereist. Ebenso mein Fahrrad, das ich im Hof abgestellt hatte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als es zu schieben.
Ich traf Necip, den Wirt der Kupferkanne, auf dem Heimweg. Fast erkannte ich ihn nicht, wie er in dicker Winterjacke und mit Mütze daherkam. Wir beklagten, dass die Politik beschlossen hatte, den Lockdown zu verlängern. Wenigstens waren wir bisher gesund geblieben. Schmerzlich wurde mir bewusst, wie sehr ich die Kneipen vermisse: die menschliche Wärme und Nähe, die kleinen/kurzen „Aufsteller“, maskenlose lachende Gesichter…
In meinem Briefkasten fand ich einen Brief von der „Bundesregierung“. Darin 2 Berechtigungsscheine für jeweils 6 Schutzmasken, die ich mir in der Apotheke abholen kann. 2 Euro Eigenanteil pro Berechtigungsschein. Warum sie das in zwei Zeiträume splitteten – keine Ahnung.
Ich packte meinen kleinen Einkauf aus, während mein Fahrrad im Wohnungsflur auftaute. Danach fläzte ich mich mit einem Bier auf die Couch und schaltete die Glotze an… einfach damit etwas lief.


und nein – das Damenrad auf dem Bild rechts oben ist nicht meins

Vom geistigen Abstand halten

Das neue Jahr fing an, wie das alte aufhörte. Mehr oder weniger. Für mich privat und im Job.
Die Hühner wie immer fleißig am Gackern und Dokumentieren. Zu fleißig für meinen Geschmack. Ich komme nicht immer hinterher. Ich will auch gar nicht hinterherkommen. Anrufe wie „Können wir Dir etwas abnehmen?“ nerven mich. Ich hasste schon immer den Wettbewerb. Das Hervorgetue ist nicht meine Welt. Am Schlimmsten fand ich es in der Altenpflege. Wie abscheulich, damit anzugeben, wie viele Bewohner(innen) man bis zum Frühstück schaffte. Ich konnte da nie mithalten. Wurde halt hinter meinem Rücken getuschelt. Scheiß drauf! Es waren ja nicht alle so arschgeigenhaft drauf. Irgendwie brachte ich es hin, dass man mich meist in Ruhe ließ. Einige dagegen bekamen die volle Breitseite des kollegialen Unmuts ab, – wurden z.B. bei der Pflegedienstleitung angeschwärzt im Sinne von: „Wir sehen nicht ein, dass wir für diese Schlaftablette mitarbeiten“. Ich fand so was immer extrem mies… Von den Rädelsführern hielt ich geflissentlich Abstand.
Solch niederträchtiges menschliches Verhalten begegnete mir nicht nur in Schule und Beruf, sondern auch im Privaten. Ich gehe so weit zu sagen, dass alle Bereiche menschlichen bzw. gesellschaftlichen Lebens durchseucht sind von solch kleingeistigen Umtrieben. Mehr oder weniger. Man muss nur mal in den jetzigen Corona-Zeiten genau hinschauen… Ehrlich, ich mache mir mehr Sorgen um den gesellschaftlichen Frieden als um Covid-19.