Aus meinem Gedichte-Fundus

Zum Stichwort Tod ausgegraben:

 

Der Sackflohblues oder wie ich zum Tod kam

 

Komm, mein kleiner Held
und kriech zu mir ins Zelt
dort zeig ich dir – oho
den schönsten Floh
der Welt

Ich steige hinab ins
Totenreich
Zerberus lasse ich links liegen
ich habe eine Thermoskanne
mit Glühwein dabei
und 2 Käsebrötchen
in Stanniolpapier
Die Treppen führen weder
nach unten noch nach oben
gerade so, wie ich es sehen
will
überall brennende Fackeln
am Wegesrand
Bald bin ich rußgeschwärzt
Wyatt Earp und Doc Holiday
versperren mir den Weg
Sie sagen:
„Nigger sind hier unerwünscht!“
Ich besteche sie mit einem
Käsebrötchen
Die Zeit stöhnt, heult, winselt
Sekunden, Stunden, Tage
driften mir entgegen
Zerrgesichter
Ich begegne meiner Mutter
am Windeltisch
Ich sehe mich selbst als kleinen Bub
am Kiosk stehen
Wundertüten kaufen
wie ich in Gummistiefeln in der
Kloake des Baches auf Abenteuerreise
gehe
Jules Verne und Karl May kreuzen
meinen Weg
sie sehen ziemlich mitgenommen aus
ich schenke ihnen mein zweites
Käsebrötchen
Bald darauf erreiche ich ein
riesenhaftes Gewölbe
vor mir liegt das Meer der Seelen
myriaden Stimmen mischen sich zum
Meeresrauschen
alles ist in purpurnes Licht getaucht
die Linie des Horizonts
ein geschlossener Mund
die Oberlippe wie das Abendrot
Ich setze mich an den Strand
gerade so, dass die Wellen meine
Füße umspülen
es ist Zeit für den Glühwein
um mein kaltes Herz aufzuwärmen
ich trinke
schaue zum Horizont
ich rieche mich
es ist nicht das Salz
dann stehe ich hinter mir
sehe mich da sitzen wie in einem dieser
Bilder von Caspar David Friedrich
sind das meine Träume?
frage ich
meine Stimme ist wie aus Draht
mein Mund öffnet sich
meine Lippen klebrig vom
Glühwein
Plötzlich schrecke ich hoch
der irre Tod klopft mir auf die Schulter
„Hey Mann, haste für mich auch `nen
Schluck?“
ich reiche ihm den Becher
„Ich weiß, was du denkst“, sagt er
„Du könntest ewig hier sitzen bleiben …“
„Ja“, sage ich trocken
„und was ist mit meiner Einführung?“
Der Tod trinkt und schweigt
auf einmal werde ich furchtbar müde
und sinke zur Seite
lege meinen Kopf
auf seinen Schoß

 

19.02.2003

Sagen wollte ich noch

Das Smartphone, das ich zur Reparatur eingeschickt hatte, halte ich bereits wieder in Händen. Die SIM Karte, die ich blöderweise vergessen hatte herauszunehmen, war beigelegt.
Mal sehen, wie lange es nun hält. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht skeptisch wäre. Ich besorge mir am liebsten solche Teile, die als besonders stabil in Hinsicht Gehäuse und Verarbeitung gelten. Das ist mir wichtiger als anderer Schnickschnack, den ich sowieso nicht benötige. Die angepriesenen Outdoorqualitäten eines Smartphones/Handys sind in meinen Augen leider nach dieser Erfahrung mehr Fake als Fakt. Aber gut, vielleicht war ich ausgerechnet an ein sogenanntes Montags-Modell gekommen.

Mit Menschen kann einem ähnliches passieren. Und da hat man nicht mal eine Garantiezeit. Heute noch voller Versprechungen, und morgen bist du angeleimt. Alles schon erlebt. Bei Menschen nimmt die Nachhaltigkeit mindestens so rasant ab wie bei Technikprodukten. Freilich gibt`s rühmliche Ausnahmen. Aber aufgepasst: bei aller Liebe kann man nie ganz sicher sein. Genaugenommen ist die Liebe das Problem. Gut, dass es sowas wie eine Fake-Liebe gibt, die von echter Liebe kaum zu unterscheiden ist – und man selbst glaubt dran. Wenn die Sache dann schief geht, bringt man sich nicht gleich um, sondern greift sich einfach das nächstbeste Modell. Scheiß drauf. Gerade Frauen, die halbwegs gut aussehen und keinen Charakter haben, sind prädestiniert für eine solche Fake-Liebe*. Sie können gar nicht anders. Charakterlose Männer gibt es freilich auch genügend. Längst ist bekannt, dass Geld den Charakter verdirbt. Sowieso dann, wenn man schon als Arsch geboren wurde. Wie auch immer.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, beim sogenannten Montagsmodell. Kann passieren. Man will den Scheiß, oder lässt es sein.

 

*Sie surfen von einer Fake-Liebe zur nächsten.

Zimmer 7

Der Typ, der gerade diese Zeilen tippt, das bin nicht ich. Ich kann ihn beobachten, wie er das alles macht: morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, mit den Bürohühnern quatschen, Einkaufen, im Pub Bier trinken…, aber das bin nicht ich. Nicht wirklich – es ist ein Programm, das abläuft. Aber was ist schon wirklich? Heute Morgen, als ich aufwachte, kam mir alles total unwirklich vor. Lebe ich in derselben Welt wie gestern? Oder kriege ich es nur suggeriert? Fuck! Mich beschleicht das unheimliche Gefühl, dass irgendwas mit der Welt grundlegend nicht stimmt, und niemand merkt was. Jedenfalls nicht ernsthaft. Vielleicht haben viele einen ähnlichen Verdacht wie ich aber trauen sich nicht, darüber zu reden – weil es einfach zu verrückt ist. Dabei ist für uns das Leben, wie es sich abspielt, nur deswegen normal, weil wir nichts anderes kennen und unser Hirn darauf programmiert bzw. geeicht ist. Abweichungen gelten als pathologisch. Ich bin mir aber sicher, dass ich nicht irre bin, sondern die Welt. Ständig frage ich mich, was ich hier eigentlich mache. Spielt da jemand ein abgefahrenes Spiel mit uns? Nach dem Motto: du darfst jedes Zimmer dieses Hauses betreten, nur nicht Zimmer 7 im dritten Stock. Zimmer 7 ist tabu, kapiert! Darüber gibt`s keine Diskussion!
Oder anders gesagt: Wer über eine gewisse Grenze hinausdenkt, betritt gefährliches Terrain. Jedes Programm hat seine Knackpunkte. Wenn man nicht will, dass alles kippt, hält man sich besser an die Regeln. Dumm nur, dass ich im Denken ein verdammter Anarchist bin. Ich stehe auf der Türschwelle zu Zimmer 7. Ich habe Angst. Nein, es ist nicht direkt Angst. Ich kann es schwer in Worte fassen. Eine Art Kälte, würde ich sagen…

Der Typ, der gerade diese Zeilen tippt, das bin nicht ich. Habe ich das schon gesagt? Keine Ahnung, was mit mir heute los ist. Wiedermal einer von meinen idiotischen Tagträumen. Ich hätte gestern den Cidre besser ohne Wodka getrunken. Dazu die schwüle Hitze. Und auf der Wiese machten zwei Girls Yogaübungen, und ich musste immer wieder hingucken, auf ihre Ärsche und Titten, ihre weiblichen Kurven… Fuck! Das ist Leben!

P(r)ost

Nun sind die deutschen Fußballladies im Viertelfinale gegen Schweden ausgeschieden. Sehr bedauerlich – mir gefiel ihr beherztes Auftreten bei der WM in Frankreich. Das Spiel sah ich nicht. Hitze und Bier hatten mich mürbe gemacht. Nach dem Bergmannstraßenfest ging ich noch ins Pub. Torsten bediente. Weiß nicht – ich glaube, er mag mich, und da wenig los war, kamen wir ins Gespräch. Tut gut, ab und zu mit einer menschlichen Seele zu quatschen. Ich trank also noch ein paar Bier. Danach wurde es neblig in meiner Birne.
Verflucht, das Wochenende ist immer viel zu kurz! Könnte nicht heute erst Samstag sein? – und die deutschen Fußballfrauen hätten nochmal eine Chance, und ich würde bis zum Spiel durchhalten. Aber der Zeitfluss ist kompromisslos. Man steckt fest wie ein Fisch im Netz oder wie eine Gurke im Glas. Im Urlaub schrieb ich mir selbst eine Karte, die mich vor wenigen Tagen quasi aus der Vergangenheit erreichte. Ich schrieb mir: „Hey Kumpel, dich gibt`s mindestens zweimal: in der Vergangenheit und in der Zukunft… Halt die Ohren steif!“ Ich sollte meinem Ich in der Zukunft öfter mal Karten schreiben.

ohne Titel

Das Schreiben hilft mir bei der Selbstreflexion. Ich durchdenke mich selbst und die Dinge, die mir widerfahren, bewusster, wenn ich sie aufschreibe. Ebenso bedeutet mir das Schreiben als Mittel des kreativen Ausdrucks sehr viel, – Fantasien und Träume festzuhalten, an ihnen zu basteln. Jahrelang schrieb ich voller Eifer Prosagedichte und Lyrik. Niemals ist, was ich schreibe, von meiner Person losgelöst, sondern stets eine Aufarbeitung meines Denkens und meiner Lebenssituation. Ich mag die „Echtheit“ – die Authentizität bei Menschen wie bei Sachen. Also z.B. Handarbeit lieber als maschinell Gefertigtes. Und bei Menschen mag ich vor allem die offenen und ehrlichen Wesen, und nicht die Opportunisten, Populisten/Demagogen und Karrieristen. Ich habe ein gutes Gespür dafür, die ehrlichen Wesen von den verlogenen zu trennen (außer ich bin verliebt). Schon als Kind mied ich das Umfeld der Großmäuler.
Wer nicht mit den Wölfen heult, läuft freilich Gefahr, alleine zu bleiben. Darum hat das Schreiben auf den Blogs für mich eine besondere Wichtigkeit. Hier kann ich, obwohl alleine, meine Erfahrungen mit anderen Menschen teilen. Ich fühle mich weniger isoliert. Auch als Einzelgänger brauche ich ein soziales Feedback, sonst verkümmern meine geistigen und emotionalen Kräfte – jedenfalls langfristig.
Ich will darum allen danken, die auf meinen Blogs lesen und kommentieren. Sie glauben vielleicht nicht, was mir diese Resonanz bedeutet.

 

1980, im zarten Alter von Sechzehn, verfasste ich folgenden Text:

Ich will schreiben – ein Pinselstrich – noch habe ich keine Vorstellung. Ich lasse mich treiben von meinem Charakter, meinen Eigenarten, schreibe Worte nur so, die nichts sagen, gar nichts – nur so – eine Komposition, ein Gemälde gekleidet in Phrasen meines Intellekts, meiner Gedankengänge…
Was davon ist echt? Wie viel davon von mir, ganz von mir und nicht von den anderen?
Ich lernte sprechen und schreiben, ich schreibe Phrasen, die bestehen aus ihren Worten; aus ihren Strichen, aus ihren Farben zeichne ich ab, was sie mir vorgeben, und ich zeige ihnen eine neue Konstellation, eine andere Einstellung zum Leben – mische neue Farben, zeichne neue Formen, bereichere diese Welt – ein endloses Puzzle. Ich, ein neues Teil, werde eingefügt in eine Lücke. Wer setzt es zusammen?

Antimaterie

Wir leben also alle in einer Computersimulation, weil sich Materie- und Antimaterieteilchen nicht gegenseitig auslöschten, was sie aber nach heutigem Stand der Physik hätten tun müssen – damals beim Urknall. Das Universum, wie wir es heute sehen, dürfte es gar nicht geben. Gut. Ich wusste schon immer, dass irgendwas faul an der Sache ist. Aber eine Computersimulation? Nicht, dass ich so ein Leben in der Matrix für unmöglich hielte, aber wer oder was hat sie konstruiert? – und wozu der ganze Scheiß? Gott als Cyber-Freak?

Sonntag. Meine Waschmaschine läuft. Ich stelle mir vor, sie wäre eine Art Miniatur-Teilchenbeschleuniger, komme aber mit dem Gedanken nicht recht weiter… Ich habe ein Fantasieproblem. Vielleicht liegt es an der Hitze. Vielleicht habe ich noch nicht genug Drinks intus. Der Tag liegt vor mir wie ein offenes Scheunentor ohne Ideen. Das Pub öffnet erst 17 Uhr. Der Wirt ist in Urlaub. Bleibt freilich der Biergarten, der aber am Nachmittag brechend voll sein wird. Raus will ich auf alle Fälle. Vielleicht mit ein paar eisgekühlten Getränken in den nahen Park setzen und lesen: „Omon hinterm Mond“ von Wiktor Pelewin. Den Autoren kann ich nur empfehlen – sehr gut, wenn man ein Fantasieproblem hat.
Nur nicht zu früh starten, sonst kacke ich ab – wie gestern. Ich unterschätzte das Gemenge von Hitze, Sonne und Alkohol. Als ich am späten Nachmittag im Pub ankam, strich ich bereits nach einem Bier wieder die Segel. Normalerweise verlasse ich den Laden nicht unter drei. Es war mir fast peinlich – schließlich hat man seine Trinkerehre.

Wie aus dem Nichts kommt mir die Idee für einen Cocktail, den ich „Antimaterie“ nenne und im Schleudergang meiner Waschmaschine mixe. Geil.
Allen einen schönen Sonntag!

Optimist in der Liebe – Schwachkopf im Leben

Ziemlich unsichere Sache mit der ausklappbaren Aluleiter im engen Bad – die beiden Glühbirnen in der Deckenlampe (noch die alten von Osram mit Glühdraht) hatten auf einen Schlag den Geist aufgegeben, und ich tauschte sie aus. Immerhin hielten sie seit meinem Einzug, also länger als meine letzte Beziehung. Frauen kann man dummerweise nicht einfach austauschen (außer man ist Popstar). Dabei wäre es langsam an der Zeit für eine neue, die etwas Licht in mein Leben bringt. Das alleine vor sich hindümpeln ist auf Dauer nichts für mich. Irgendwo da draußen ist sie sicher, nur weiß sie es noch nicht. Die Arme. Auf er anderen Seite kann auch ich der Arme sein, der auf sie reinfällt (– wie beim verhängnisvollen letzten Mal). So weit darf man aber nicht denken, sonst schrumpelt die Sehnsucht nach Zweisamkeit zusammen wie ein Hetero-Schwanz in der Männerdusche. Was die Liebe angeht, bin ich seltsamerweise gnadenlos optimistisch. Etwas Dummheit darf man sich doch leisten, oder? Ich meine die Dinge, die einen kaputt machen, aber ohne die man nicht leben will. Darum brauten die Mönche Bier und gruben einen Tunnel zum benachbarten Nonnenkloster. Sie haben meine Sympathie. Und die Heimlichtuerei hat den Reiz sicher tausendfach erhöht. Hach! – ich wäre gerne mal bei einer solchen unterirdischen Orgie dabei gewesen…
Viel wichtiger als der Sex ist mir aber die Liebe. Nichts Schöneres in meinem Leben gab es, als einen dieser weitentfernten Sterne vom Nachhimmel zu holen und zu küssen. Lege dich neben mich – wir halten uns gegenseitig.