Der Tag wird kommen

Nachdem wir unzählige Weltuntergänge verpassten, wird ein Tag kommen, an dem es wirklich so weit ist. Ebenso wie der individuelle Tod eines jeden Lebewesens von Stunde zu Stunde näher rückt – die Sanduhr des Lebens läuft unweigerlich ab. (Wer versteht den Sinn dahinter?) Die Menschen flüchten in Religion und Ideen. Pflanzen und Tiere suchen nicht nach einem Sinn. Das Muster ist immer dasselbe: Geburt – Wachstum – Reife – Fortpflanzung – Vergehen. Evolution durch Rivalität, Auslese, Überlebenskampf, Anpassung. Die Natur braucht keine ordnende Hand – sie trägt alles in sich. Die Natur braucht keine Gesetze und keine Moral. Sie existiert selbstverständlich.
Nur wir Menschen entwickelten unsere ganz eigenen Ideen, durchschnitten die Nabelschnur zu unserer Allmutter. Wir entwickelten Sprache, Bewusstsein, Geist, Technik… Und da gibt es die einen, die Bewusstsein und Geist als ein Geschenk ansehen, in Frieden mit sich und ihrer Umwelt leben wollen; und es gibt die anderen, die in ihrem Größenwahn Kriege gegen die Natur und gegen sich selbst führen. Deren Gier kennt keine Grenzen. Sie glauben, dass sie alles beherrschen können. Dieser Menschenschlag hat sich im Zeitalter des Materialismus und Kapitalismus durchgesetzt.
Der Wahnsinnige wird sein Ende finden wie alles andere auch. Aber mit dem Unterschied, dass der Wahnsinnige in Unfrieden und Unverstand auf sein Ende zusteuert. Dass er zuvor die Hölle auf Erden erzeugt.

   

Irgendwas lief gewaltig schief

Wie kommt es eigentlich zu einer solchen Verklärung/Romantisierung der Natur? Als ob da keine Kriege und Kämpfe ausgefochten würden. Menschenaffen hetzen einander durch die Wälder und sind nicht gerade zimperlich im gegenseitigen Umgang. Ameisenvölker fallen übereinander her – Schlachten epischen Ausmaßes werden zu unseren Füßen geführt. Tiere und Pflanzen konkurrieren ständig untereinander um die besten Abwehr- und Angriffsmethoden… Die Evolution zeigt sich gnadenlos und grausam im Kampf um Lebensraum und Nahrung. („The surviving oft the fittest.“) Kraft unserer geistigen Wassersuppe schwangen wir Menschen uns mit der Zeit zu den erfolgreichsten Prädatoren auf dem Erdball auf. Wir können uns nur noch selbst besiegen. Ständig befinden wir uns im Kampf mit uns selbst. Und wie beim Überlebenskampf in der Natur geht es um die Verteidigung oder um die Ausweitung von Einflussbereichen – national, wirtschaftlich, ideologisch/religiös/kulturell… aber auch in kleineren Dimensionen von Familien, Clans und diversen anderen Gruppenzugehörigkeiten. Wir proklamieren zwar gerne, dass wir die Natur beherrschen, uns sozusagen von ihr lösten und nun als „Krönung der Schöpfung“ die Erde beherrschen, doch mit etwas mehr Abstand betrachtet, sind wir nichts anderes als herumwuselnde Ameisenvölker, die sich gegenseitig bekriegen… und mal eben nebenbei die gesamte Biosphäre zerstören.
Wie kommt es eigentlich, dass wir uns als intelligent bezeichnen? Für die kurze Zeit, in der wir Menschen uns auf der Erde herumtreiben, richteten wir ganz schön viel Schaden an. Nicht nur in der Sache, sondern auch seelisch. Mit unserer Macht können wir offenbar schlecht umgehen. Irgendwas lief gewaltig schief. Die Evolution erzeugte mit dem Menschen eine biologische Naturkatastrophe globalen Ausmaßes… Mit etwas Glück haben wir noch ein paar Versuche, um das ein oder andere wieder gut zu machen, um mehr Achtung vor unseren Mitgeschöpfen zu zeigen, um unsere Macht für Frieden, Mitmenschlichkeit und gegenseitige Toleranz einzusetzen. Ich bin bei denen, die nicht einfach die Hoffnung aufgeben. Ich glaube wirklich an das Gute im Menschen. Auch wenn mich mein Verstand einen Traumtänzer nennt. Ich hadere oft mit mir selbst. Es ist alles so offensichtlich…

Fazit: Ich bin also Teil einer globalen biologischen Naturkatastrophe. Ehrlich, genauso fühle ich mich auch. Wie so ein Virus. Und noch blöder: Wie ein Virus mit einer eigenen Meinung.

    

Nichts Neues im Konsumwunderland

Der gesunde Menschenverstand war noch nie ein gutes Argument, weil ihn jede Seite für sich beansprucht. Wer medial die Hoheit besitzt, kann Meinungen nach Belieben lenken. Quantität siegt über Qualität. Das ist nicht neu. Wer seine Lügen am Besten verpackt, ist am erfolgreichsten. Heutzutage spricht man von Framing… Wir leben inmitten eines weltweiten Informationskrieges. Auch das ist nicht neu. Ständig schlagen Fakenews in unseren Köpfen ein und verunsichern uns. Valide Fakten werden unter den Tisch gekehrt, wenn sie sich für das eigene Meinungs- und Handlungsregime nachteilig auswirken könnten. Die „Kriegspropaganda“ zeichnet ein klares Schwarzweißbild. Es sollen keine Zweifel darüber entstehen, wen wir als Freund oder als Feind anzusehen haben. Erst nach dem Krieg erkennen wir, wie töricht es war, auf die Masche der Kriegstreiber hereinzufallen. Was aber, wenn es sich um einen endlosen Krieg handelt? Dann wären wir ewig in unserer Sichtweise gefangen/geframt, je nachdem auf welcher Seite des Konflikts wir ständen – nicht nur manipuliert, sondern total assimiliert.
Das Gute ist dann, was die Hoheit, der wir uns unterwarfen, als gut absegnet, und jeder, der dies in Frage stellt, wird als böse für die Gemeinschaft erklärt. Auch das ist nicht neu in der Geschichte der Menschheit. Die Verkleidungen des Teufels sind mannigfaltig. Besonders gefällt ihm die Verkleidung als Gutmensch und Spießer/Opportunist. Der Teufel hat ein Faible für perfide/hinterfurzige Taktiken. Viele von uns können den Diavolo in sich nicht ausmachen. Sie folgen relativ unkritisch/geradlinig seinem (kapitalistischem, ideologischem, religiösem…) Verführungs-Mantra.
Sei es so.


Im Altenheim nichts Neues

Mein Dreißigjähriger Krieg
Fand an der Front des Altenheims
Statt
Tod, Sterben, Siechtum
Waren Alltag
Normal
Für mich
Meine Kollegen
Kolleginnen

Nicht alle konnten das
Schlachtfeld sehen
Inmitten der Gesellschaft
Oder wollten es nicht
Sehen
Bis heute
Nicht
Mit den vielen Toten
In unseren Betten
Oft nachts
Ihre Gesichter bleich
Der Mund im letzten Atemzug
Erstarrt

Ich will euch nicht vergessen
Meine Lieben
Und nun sollte eine
Lange Liste eurer Namen folgen
Aber ich erinnere
Nicht alle
Ein paar wenige
Die aber für Euch alle
Stehen
Frau H., der ich die letzte
Träne abwischte
Herr K, dessen Hand ich
Bis zuletzt hielt
Die vielen Toten, die ich fand
Andächtig an ihren
Betten stand
Ein letztes Mal
Umarmte

In diesem unsichtbaren
Krieg
Der kein Ende nimmt
Die Generäle
Und Politiker sich
Gewissenlos über die
Schlachtpläne beugen

 

 

Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.

 

Von der Tradition, auf Kinder zu scheißen

„Scheiß nicht auf deine Kinder“, sagt Roger Hallam, Mitinitiator von Extinction Rebellion, in einem Spiegel-Interview (Nr. 48/23.11.2019). Er macht seine Aussage auf dem Hintergrund des durch die Menschheit erzeugten Klimawandels. Ich stimme ihm vorbehaltlos zu – ein Grund, warum ich keine Kinder zeugen wollte – es ergäbe sich für mich daraus ein unauflösbares moralisches Dilemma…
Hallam vergleicht den Klimawandel mit dem Holocaust. Nein, meine ich, Äpfel sollte man nicht mit Birnen vergleichen. Allerdings haben die Nazis damals auf ihre Kinder geschissen: sie verheizten sie im Weltkrieg.., wie es seit Menschengedenken überall dort geschieht, wo die Seuche Krieg grassiert. Ich würde sagen, dass wir schon immer verdammt gut darin waren, auf unsere Kinder zu scheißen. Unsere Scheiße hat Zukunft, und wir sind fein raus, weil wir dann tot sind – niemand wird uns zur Rechenschaft ziehen können. Also, liebe Leute: nochmal richtig auf die Kacke hauen! Heute ist Black Friday! Seid euren Kindern und Enkeln ein gutes Vorbild! Ignoranz forever! Wachstum forever! Konsum forever! Dann wachsen eure Kinder zu ebensolchen Arschlöchern wie ihr heran. Das hat schließlich Tradition.