Im Altenheim nichts Neues

Mein Dreißigjähriger Krieg
Fand an der Front des Altenheims
Statt
Tod, Sterben, Siechtum
Waren Alltag
Normal
Für mich
Meine Kollegen
Kolleginnen

Nicht alle konnten das
Schlachtfeld sehen
Inmitten der Gesellschaft
Oder wollten es nicht
Sehen
Bis heute
Nicht
Mit den vielen Toten
In unseren Betten
Oft nachts
Ihre Gesichter bleich
Der Mund im letzten Atemzug
Erstarrt

Ich will euch nicht vergessen
Meine Lieben
Und nun sollte eine
Lange Liste eurer Namen folgen
Aber ich erinnere
Nicht alle
Ein paar wenige
Die aber für Euch alle
Stehen
Frau H., der ich die letzte
Träne abwischte
Herr K, dessen Hand ich
Bis zuletzt hielt
Die vielen Toten, die ich fand
Andächtig an ihren
Betten stand
Ein letztes Mal
Umarmte

In diesem unsichtbaren
Krieg
Der kein Ende nimmt
Die Generäle
Und Politiker sich
Gewissenlos über die
Schlachtpläne beugen

 

 

Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.

 

Von der Tradition, auf Kinder zu scheißen

„Scheiß nicht auf deine Kinder“, sagt Roger Hallam, Mitinitiator von Extinction Rebellion, in einem Spiegel-Interview (Nr. 48/23.11.2019). Er macht seine Aussage auf dem Hintergrund des durch die Menschheit erzeugten Klimawandels. Ich stimme ihm vorbehaltlos zu – ein Grund, warum ich keine Kinder zeugen wollte – es ergäbe sich für mich daraus ein unauflösbares moralisches Dilemma…
Hallam vergleicht den Klimawandel mit dem Holocaust. Nein, meine ich, Äpfel sollte man nicht mit Birnen vergleichen. Allerdings haben die Nazis damals auf ihre Kinder geschissen: sie verheizten sie im Weltkrieg.., wie es seit Menschengedenken überall dort geschieht, wo die Seuche Krieg grassiert. Ich würde sagen, dass wir schon immer verdammt gut darin waren, auf unsere Kinder zu scheißen. Unsere Scheiße hat Zukunft, und wir sind fein raus, weil wir dann tot sind – niemand wird uns zur Rechenschaft ziehen können. Also, liebe Leute: nochmal richtig auf die Kacke hauen! Heute ist Black Friday! Seid euren Kindern und Enkeln ein gutes Vorbild! Ignoranz forever! Wachstum forever! Konsum forever! Dann wachsen eure Kinder zu ebensolchen Arschlöchern wie ihr heran. Das hat schließlich Tradition.