Sonnenuntergang

Die Sonne in den Augen meiner Mitmenschen
zu finden, wird immer
schwieriger
und wohin ging meine Strahlkraft?
als wäre das Leben
ein unsinniges Brettspiel
mit seelenlosen
Figuren
die sich zombiehaft voranschieben
bis zur Klippe
und ich zwischen ihnen
ein Verlorener
ein Desperado
im Wartezimmer des Todes

Hätte ich doch nie die Sonne gesehen!

 

 

Groovie

Immerhin wurde es am Nachmittag noch schön, d.h. die Sonne schien. War dann nur noch halbtrist im Park bei einer Flasche Cidre und meiner Lieblingsmusik im Ohr. Die Menschen stapelten sich auf den Wiesen und Wegen. Mir zu viel. Aber ich hatte genug intus, um la-la-la… Ich saß wie meist auf der Holztribüne vor einer größeren Sandfläche und schaute jungen Leuten bei einem Ballspiel zu. Sie schlugen per Schläger einen roten Gummiball hin und her. Tok – tok – tok – tok… machten sie ausgesprochen gut. Ein Flaschensammler, Marke deutscher Krautrocker + Althippie, setzte sich dazu, rauchte einen Joint und unterhielt sich mit denen, die vom Spiel pausierten. Sie kannten ihn schon. Nette Leute. Sprachen spanisch untereinander, konnten aber auch exzellent deutsch. Ich sah sie schon öfters spielen. Ein paar machen das richtig professionell. Bestimmt gibt es Wettbewerbe. Das Tok – tok – tok -tok verschwand, als ich meine Ohrhörer einsetzte und die Musik auf volle Lautstärke drehte. Yeah, it`s groovie, yeah-yeah – ich wippte im Takt der Musik mit dem Kopf und sah dem Ball zu, wie er von Schläger zu Schläger flitzte. Der Flaschensammler erhob sich und suchte die Holztribüne nach Pfandflaschen und Dosen ab. Viele reichten ihm unaufgefordert das Leergut. Da auf der Tribüne eine Menge Menschen herumsaßen, schätzungsweise über hundert, konnte er alle halbe Stunde einsammeln gehen. Danach zauberte er den nächsten Joint hervor und witzelte mit den jungen Leuten… Cooler Typ. Ich motzte den Cidre mit Wodka auf und ließ mich treiben. Zwischenzeitlich bekriegte ich mich mit den Wespen, die heiß auf den Cidre waren. Als ich die Flasche mit einer Stofftasche abdeckte, hatte ich Ruhe. Diese Stofftasche muss magische Kräfte besitzen. Ich habe sie schon viele Jahre lang. Sie ist nicht einfach eine Stofftasche. Ich bekam sie von einem besonderen Menschen. Vielleicht schreibe ich mal davon. Aber nicht heute – la-la-la…

 

Noch ein, zwei Bierchen

So! – mein Schreibtisch ist wieder sauber von Arbeitskram. Zwei Wochen Urlaub winken. Mein Zurückwinken fällt müde aus. Meine Freude hält sich in Grenzen. Urlaubsstimmung ist anders, aber ich hoffe, dass sich da noch was in mir entfaltet. Vielleicht bringt mich ein Ausflug zum Schlachtensee in Schwung. Mit dem Fahrrad freilich. Der Biergarten der Fischerhütte hat bestimmt geöffnet. Das Wetter scheint mitzuspielen. Hinz und Kunz werden unterwegs sein. Vatertag. Schon jetzt strömen allerlei Menschen an meinem Fenster vorbei Richtung Park am Gleisdreieck. Raus will ich auf jeden Fall. Schon allein zwecks Bewegung, frische Luft und Sonne. Vorher noch ein Bierchen oder zwei, Liegestützen am Fenstersims (gewöhnte ich mir in der Zeit des Homeoffices an), am sauberen Schreibtisch sitzen und auf nichts warten.

 

img_20200520_160545

der hat`s echt drauf!

 

Glückshammelei

Meine Lieblingsparkbank war besetzt, und so musste ich umdisponieren. Es sollte auf jeden Fall ein Sonnenplatz sein. Den fand ich nach kurzem Umschauen auch. Eine Rundbank um einen Baum bot sich an. Keine Ahnung, warum da niemand saß, denn es ist einer der schönsten Plätze des Parks mit Blick auf den Teich und die Hausfassaden gegenüber. Oft treffen sich dort Teenager oder arabischstämmige Großfamilien mit allerlei Picknickgedöns und Wasserpfeifen. Ich bin halt in manchen Dingen ein Glückshammel, in anderen dagegen weniger (– aber das ist hier nicht das Thema). Ich ließ mich also nieder und öffnete die erste Flasche Radler. Wie gesagt schöner Ort. Mit meiner Lieblingsmusik im Ohr ließ ich den lieben Herrgott einen guten Mann sein. Ich wusste, dass es wahrscheinlich der vorerst letzte Sonnentag sein sollte. Sniff!

 

img_20200328_154522

img_20200328_154501-1

Nelly-Sachs-Park


Die Waschmaschine rumpelt und quietscht vor sich hin. Aus dem Hintergrund von meinem  Lieblingsbluessender Aardvark (übersetzt: Erdferkel) aus Texas beschallt… Ich tippe quasi blind auf der Tastatur, nicht weil ich das besonders gut kann, sondern weil es inzwischen so düster ist, dass ich kaum noch die Buchstaben erkenne. Schon krass im Vergleich zu gestern. Schätze, dass ich den Sonntag bei Kerzenlicht in meiner Bude verbringen werde. Mir bleibt noch ein wenig Zeit zu überlegen, ob ich ein paar Tage unbezahlten Urlaub draufsattle, also bis Ostern, und wie ich`s meiner Chefin verklickern könnte – also im Fall des Falles. Ich fing gerade an, mich an diesen „Ausnahmezustand“ zuhause zu gewöhnen, putzte die ein oder andere Ecke der Wohnung, räumte dies und das auf… Nun wollte ich endlich das Bild auf meiner Staffelei weitermalen, das dort lediglich vorgezeichnet und mit wenigen ersten Pinselstrichen seit einem guten Vierteljahr verweilt. Ich lasse mich halt nicht gern drängen, auch nicht von mir selbst. Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Seufz. Alles nicht so einfach. Nein, ich will nicht jammern! Weit gefehlt! Ich bin nur furchtbar empfindsam…, zur Neurasthenie neigend (wie viele Künstler).

 

Der Ausverkauf der Parkbänke

Bisher hatte ich Glück und konnte stets einen Platz an der Sonne ergattern. Streiten würde ich mich nicht um eine Parkbank. Als aufgeschlossener und freundlicher Zeitgenosse nehme ich mich gerne zurück. Es gibt Familien und Liebespaare, die die Bank viel besser als ich nutzen können. Aber wenn ich erstmal sitze, dann sitze ich. Freilich: würde man mich höflich fragen, würde ich bestimmt den Platz räumen. Eine Konversation könnte wie folgt ablaufen:

„Werter Herr, dürfte ich in aller Vorsicht eine Bitte an Sie herantragen. Ich will nicht unverschämt wirken…“
„Na klar, Mann, schieß los!“
„Wie Sie sehen, sind Plätze in der Sonne rar. Seit einer Stunde spaziere ich durch den Park, und nun suche ich ein schönes Plätzchen zur Rast. Wie gesagt, ich will nicht unverschämt wirken, aber ich sah Sie bereits vor einer Stunde hier sitzen…“
„Ja, Mann, ich sah Dich auch, wie Du hier seit einer Stunde wie ein Geier immer wieder vorbeikommst… Und nun willst Du dich also hierher pflanzen.“
„Ich würde mich auch gerne neben Sie setzen, aber wie Sie wissen, gibt es derzeit gewisse Umstände, die diese Nähe verbieten…“
„Ja, Mann, die fuckin` Corona-Abstandsregel. Okay: Ich wollte mich sowieso langsam vom Acker machen. Bewege Deinen Arsch also noch einmal rund um den Park, und dann bin ich weg.“
„Sie sind zu gütig, gnädiger Herr. Ich würde lieber hier warten, damit mir der Platz sicher wäre.“
„Fuck, ich mag`s gar nicht, wenn man mich drängt.“
„Aber nein! Fühlen Sie sich bitte nicht bedrängt. Beachten Sie mich gar nicht. Ich mache mich unsichtbar.“
„Scheiße Mann! Du hast verdammtes Glück, dass ich heute einen guten Tag habe! Unsichtbar? Ich lach mich tot! So hässlich, wie Du bist, kann man Dich unmöglich übersehen.“
„Mein Herr, bitte nehmen Sie Abstand von solcherlei Beleidigungen! Ich hatte Sie lediglich höflich gebeten…“
„Ganz genau, Mann! Und nun hab` ich`s mir anders überlegt. Verdufte aus meinem Blickfeld! Hopp-Hopp-Hopp! Es gibt auch noch andere Bänke, worauf du Deinen hässlichen Arsch pflanzen kannst.“
„Sie Rüpel! Ich werde einem Parkaufseher von Ihrem schlechten Benehmen berichten. Man muss sich nicht alles bieten lassen! Sie sind eine Schande für die zivilisierte Menschheit!“
„Fick Dich!“

Wie gesagt, wer mich höflich bittet, hat durchaus eine Chance. Ehrlich, in Wirklichkeit würde ich mich niemals wie in dem erdachten Gespräch verhalten… Im Gegenteil würde ich sofort nach der höflichen Anfrage aufspringen und meinen Platz anbieten. Ich kann`s mir auch auf der Wiese bequem machen oder mich im benachbarten weit größeren Park auf die Suche nach einem schönen Plätzchen machen. Die meisten Menschen sind aber schüchtern wie ich, und deswegen hatte ich meine Ruhe, trank Radler mit einem Schuss Wodka und hörte meine Lieblingsmusik durch Ohrstöpsel. Gute zwei Stunden lang.
Auch heute verspricht es wieder, ein ausnehmend schöner Frühlingstag zu werden…
Wehe dem, der seinen hässlichen Arsch auf meine Lieblingsparkbank pflanzt!!

 

img_20200327_154256

img_20200327_154102

der Platz an der Sonne

 

Muße auf der Parkbank

Ich wünschte dem netten Kassierer Marke Raimund Harmstorf einen schönen Feierabend.
„Ich habe zwei Tage frei!“ sagte er freudestrahlend.
„Dann wünsche ich schöne Tage!“ Und bedauernd fügte ich hinzu: „Leider sind die Freizeittätigkeiten reichlich eingeschränkt…“
„Ich werde zwei Tage schlafen.“ Raimund Harmstorf reichte mir das Wechselgeld.
„Verstehe“, seufzte ich.

Wir müssen den Jungs und Mädels hohen Respekt und Dankbarkeit zollen dafür, dass sie in den Supermärkten die Stellung halten. Und es gibt noch eine Menge anderer Berufsgruppen, die ein hohes Ansteckungsrisiko in Kauf nehmen, damit unser Gesundheits- und Versorgungswesen weiterhin funktioniert. Von der Mehrarbeit, die sie aktuell haben, ganz abgesehen. Ich will mir gar nicht vorstellen, in diesen Zeiten noch meinen letzten Job als Altenpfleger auszuüben…

Ruckzuck hatte ich meinen kleinen Einkauf zusammengepackt und radelte zum nahen Nelly-Sachs-Park. Er liegt auf dem Weg. Eine der Parkbänke in der Sonne war unbesetzt, und ich ließ mich nieder. Einfach nur schön, wenn man sonst den ganzen Tag in den vier Wänden hockt. Ich war vielleicht fünf Minuten gesessen, da näherte sich ein Streifenwagen auf dem Parkweg. Bitte nicht schon wieder! stöhnte ich. Als er auf meiner Höhe war, nickte ich dem Polizisten auf dem Beifahrersitz zu, und der nickte zurück. Sie fuhren an mir vorbei. Ich konnte aufatmen.

 

img_20200324_150727-1

img_20200324_151906

mal ein bisschen in die Luft geguckt

 

Vorgetankt

Diesmal war Mehl das Objekt der Begierde in dem kleinen Supermarkt am Bülowbogen. Die ansonsten nette und super geduldige Kassiererin wirkte gestresst. Denn auch die Mitnahme von Mehl ist rationiert, und sie musste die Einkäufer(innen) ständig darauf hinweisen und mit ihnen herumdiskutieren.
Ich hatte im Park am Gleisdreieck die Nase in die Sonne gestreckt. Eine Menge Menschen radelten, spazierten, joggten, skateten auf den Wegen oder saßen wie ich einfach irgendwo herum. Nicht immer habe ich Spaß daran, wenn mir Kiff-Geruch in die Nase steigt und dazu dumpfbackiger Rap-Gesang an meine Ohren dringt. Sowas stört mein inneres Gleichgewicht. Da half der Apfelwein, den ich dabeihatte, nur wenig. Ich zog mich in den nahen Biergarten zurück, aber dort hielt ich es auch nur ein Bier lang aus. Wenn mich erstmal der Schwarze Hund am Wickel hat, brauche ich entweder guten Sex oder zumindest eine gute Unterhaltung, um mich zurück ans Licht zu holen. Ich hatte also null Chance.
Immerhin tankte ich etwas Sonne vor. Heute grüßt ein trister Donnerstag durchs Fenster. Das Pub wird mir fehlen.

 

Wo der Spaß aufhört

Gespenstische Sonntagsruhe. Vielleicht auch Einbildung. Viel schneller noch, als sich das Corona-Virus ausbreiten kann, nahm ein schwer zu beschreibendes ungutes Gefühl kollektiv Besitz von den Einwohnern der Stadt.
Wie immer tätigte ich gestern Mittag meinen Wochenendeinkauf. Viele luden ihre Einkaufswägen randvoll. Einige Regale waren tatsächlich leergeräumt. Als ich zum Wein kam, griff auch ich zu. Zwei Flaschen Müller-Thurgau statt der üblichen einen. Anschließend im Pub mit der Vernichtung meiner Gehirnzellen weitergemacht. Meine Lieblingsbeschäftigung. Neben mir an der Bar saß Rainer, ein siebzigjähriger Hüne aus Münster, dem die untere Zahnreihe fast komplett fehlte. Wir fanden schnell ins Gespräch über die Virus-Panik, das Altwerden, den Trottel Trump und die trottelige Welt im Ganzen. Er hatte ein wildes Leben hinter sich. Ein Alt-Achtundsechziger, der nicht total zum Spießer mutiert war. Wir witzelten über das Virus, was der Wirt so gar nicht lustig fand, denn der hatte einen dicken Hals. Ab Dienstag sollen alle Berliner Bars, Kneipen und Clubs schließen. (Heute las ich in den Internetnachrichten, dass es wohl schon ab sofort gilt.) Scheiße. Was mache ich den lieben langen Tag, wenn Berlins Kneipen dicht sind? Was für öde Wochen stehen mir bevor?! Das ist nun wirklich nicht mehr lustig! Am Ende geht der Wirt pleite, und mein gestriger Pub-Besuch war für alle Zeiten mein letzter… Und ich dachte, ich könnte den Weltuntergang im Pub oder in irgendeiner anderen Kneipe begießen… Das Leben ist hart.
Die Sonne lacht. Wenigstens sie hat den Humor noch nicht verloren. Gute alte Sonne. Trinkst du einen mit? Nachher auf der Parkbank. Ich kann dir ein paar Geschichten erzählen. Ja, aus meinem Leben. Mann o Mann. Wir Menschen sind schon… speziell.

 

Antimaterie

Wir leben also alle in einer Computersimulation, weil sich Materie- und Antimaterieteilchen nicht gegenseitig auslöschten, was sie aber nach heutigem Stand der Physik hätten tun müssen – damals beim Urknall. Das Universum, wie wir es heute sehen, dürfte es gar nicht geben. Gut. Ich wusste schon immer, dass irgendwas faul an der Sache ist. Aber eine Computersimulation? Nicht, dass ich so ein Leben in der Matrix für unmöglich hielte, aber wer oder was hat sie konstruiert? – und wozu der ganze Scheiß? Gott als Cyber-Freak?

Sonntag. Meine Waschmaschine läuft. Ich stelle mir vor, sie wäre eine Art Miniatur-Teilchenbeschleuniger, komme aber mit dem Gedanken nicht recht weiter… Ich habe ein Fantasieproblem. Vielleicht liegt es an der Hitze. Vielleicht habe ich noch nicht genug Drinks intus. Der Tag liegt vor mir wie ein offenes Scheunentor ohne Ideen. Das Pub öffnet erst 17 Uhr. Der Wirt ist in Urlaub. Bleibt freilich der Biergarten, der aber am Nachmittag brechend voll sein wird. Raus will ich auf alle Fälle. Vielleicht mit ein paar eisgekühlten Getränken in den nahen Park setzen und lesen: „Omon hinterm Mond“ von Wiktor Pelewin. Den Autoren kann ich nur empfehlen – sehr gut, wenn man ein Fantasieproblem hat.
Nur nicht zu früh starten, sonst kacke ich ab – wie gestern. Ich unterschätzte das Gemenge von Hitze, Sonne und Alkohol. Als ich am späten Nachmittag im Pub ankam, strich ich bereits nach einem Bier wieder die Segel. Normalerweise verlasse ich den Laden nicht unter drei. Es war mir fast peinlich – schließlich hat man seine Trinkerehre.

Wie aus dem Nichts kommt mir die Idee für einen Cocktail, den ich „Antimaterie“ nenne und im Schleudergang meiner Waschmaschine mixe. Geil.
Allen einen schönen Sonntag!