Will man die Gastronomie zugrunde richten?

Der Wirt schimpfte über die Regierung, monierte u.a., dass er nicht verstehe, warum sich die Menschen für die Außengastronomie freitesten müssen, währenddessen viele hundert Menschen in den Parks ungetestet aufeinander hocken. Will man die Gastronomie in Deutschland zugrunde richten?
Ich musste an seine Worte denken, als ich gestern im Park mein Bier trank. Er konnte einem echt leidtun, hatte er doch stets alles Mögliche getan, um die Hygienevorgaben zu erfüllen.
Inzwischen schießen die Testzentren in Berlin wie Pilze aus dem Boden, wobei nicht alle lautere Geschäftspraktiken verfolgen. Dem Betrug wird durch die derzeitigen Bestimmungen Vorschub geleistet.
Die Sonne hatte mich in den Park gelockt. Vor der Kupferkanne sitzt man nachmittags im Schatten. Auch gebe ich offen zu, dass ich keinen Bock auf den Test hatte. Ich tankte Vitamin-D und erfreute mich an der Vitalität und Ausgelassenheit in meinem Blickfeld. Um dem Corona-Irrsinn zu entfliehen, ist der Park (neben der eigenen Wohnhöhle) der beste Ort.

Künstler im Nichtstun

Der Urlaub endet, wie er begann – mit einem Ausreißer des Wetters nach oben. Es soll fantastische 23°C werden. Also hier in Berlin. Und sonnig! Oder zumindest teilweise sonnig. Von den Urlaubstagen dazwischen reden wir besser nicht – die Fortführung des Aprils unter anderem Namen. Ansonsten freue ich mich natürlich über jeden arbeitsfreien Tag, auch wenn ich mehr oder weniger drinnen hocke. Ich bin Künstler im Nichtstun. Freilich, etwas mehr Abwechslung hätte ich mir gewünscht… Heute also unbedingt ein paar Sonnenstrahlen einfangen und mir vorstellen, mein Urlaub begänne erst.

Ich finde mich kacke

O Mann! Es gibt nichts schönzureden. Kurzentschlossen nahm ich die Haarschneidemaschine aus ihrem Futteral und machte, was längst überfällig war. Besser wie ein kurzgeschorener Idiot aussehen als wie ein Zausel. Mit dem Trost in der Hinterhand: Sie wachsen wieder. Und ich muss ja nicht so oft in den Spiegel schauen… Vielleicht sollte ich erstmal ausschließlich Homeoffice machen.
Anfühlen tut sich mein kurzgeschorenes Haar schön flauschig… Ich streiche mir mehrmals mit der Hand über den Kopf. Angenehme sinnliche Erfahrungen sind für einen Alleinlebenden immens wichtig: zärtliche Selbstberührungen oder sich selbst tätscheln.

Die Morgensonne lacht. Irritiert blinzele ich in den Tag. Vom Schnee sind auf der Straße nur noch krustige, schmutzige Inselchen übrig. Der Himmel tiefblau über Berlin…

  

Groovie

Immerhin wurde es am Nachmittag noch schön, d.h. die Sonne schien. War dann nur noch halbtrist im Park bei einer Flasche Cidre und meiner Lieblingsmusik im Ohr. Die Menschen stapelten sich auf den Wiesen und Wegen. Mir zu viel. Aber ich hatte genug intus, um la-la-la… Ich saß wie meist auf der Holztribüne vor einer größeren Sandfläche und schaute jungen Leuten bei einem Ballspiel zu. Sie schlugen per Schläger einen roten Gummiball hin und her. Tok – tok – tok – tok… machten sie ausgesprochen gut. Ein Flaschensammler, Marke deutscher Krautrocker + Althippie, setzte sich dazu, rauchte einen Joint und unterhielt sich mit denen, die vom Spiel pausierten. Sie kannten ihn schon. Nette Leute. Sprachen spanisch untereinander, konnten aber auch exzellent deutsch. Ich sah sie schon öfters spielen. Ein paar machen das richtig professionell. Bestimmt gibt es Wettbewerbe. Das Tok – tok – tok -tok verschwand, als ich meine Ohrhörer einsetzte und die Musik auf volle Lautstärke drehte. Yeah, it`s groovie, yeah-yeah – ich wippte im Takt der Musik mit dem Kopf und sah dem Ball zu, wie er von Schläger zu Schläger flitzte. Der Flaschensammler erhob sich und suchte die Holztribüne nach Pfandflaschen und Dosen ab. Viele reichten ihm unaufgefordert das Leergut. Da auf der Tribüne eine Menge Menschen herumsaßen, schätzungsweise über hundert, konnte er alle halbe Stunde einsammeln gehen. Danach zauberte er den nächsten Joint hervor und witzelte mit den jungen Leuten… Cooler Typ. Ich motzte den Cidre mit Wodka auf und ließ mich treiben. Zwischenzeitlich bekriegte ich mich mit den Wespen, die heiß auf den Cidre waren. Als ich die Flasche mit einer Stofftasche abdeckte, hatte ich Ruhe. Diese Stofftasche muss magische Kräfte besitzen. Ich habe sie schon viele Jahre lang. Sie ist nicht einfach eine Stofftasche. Ich bekam sie von einem besonderen Menschen. Vielleicht schreibe ich mal davon. Aber nicht heute – la-la-la…

 

Noch ein, zwei Bierchen

So! – mein Schreibtisch ist wieder sauber von Arbeitskram. Zwei Wochen Urlaub winken. Mein Zurückwinken fällt müde aus. Meine Freude hält sich in Grenzen. Urlaubsstimmung ist anders, aber ich hoffe, dass sich da noch was in mir entfaltet. Vielleicht bringt mich ein Ausflug zum Schlachtensee in Schwung. Mit dem Fahrrad freilich. Der Biergarten der Fischerhütte hat bestimmt geöffnet. Das Wetter scheint mitzuspielen. Hinz und Kunz werden unterwegs sein. Vatertag. Schon jetzt strömen allerlei Menschen an meinem Fenster vorbei Richtung Park am Gleisdreieck. Raus will ich auf jeden Fall. Schon allein zwecks Bewegung, frische Luft und Sonne. Vorher noch ein Bierchen oder zwei, Liegestützen am Fenstersims (gewöhnte ich mir in der Zeit des Homeoffices an), am sauberen Schreibtisch sitzen und auf nichts warten.

 

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der hat`s echt drauf!

 

Glückshammelei

Meine Lieblingsparkbank war besetzt, und so musste ich umdisponieren. Es sollte auf jeden Fall ein Sonnenplatz sein. Den fand ich nach kurzem Umschauen auch. Eine Rundbank um einen Baum bot sich an. Keine Ahnung, warum da niemand saß, denn es ist einer der schönsten Plätze des Parks mit Blick auf den Teich und die Hausfassaden gegenüber. Oft treffen sich dort Teenager oder arabischstämmige Großfamilien mit allerlei Picknickgedöns und Wasserpfeifen. Ich bin halt in manchen Dingen ein Glückshammel, in anderen dagegen weniger (– aber das ist hier nicht das Thema). Ich ließ mich also nieder und öffnete die erste Flasche Radler. Wie gesagt schöner Ort. Mit meiner Lieblingsmusik im Ohr ließ ich den lieben Herrgott einen guten Mann sein. Ich wusste, dass es wahrscheinlich der vorerst letzte Sonnentag sein sollte. Sniff!

 

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Nelly-Sachs-Park


Die Waschmaschine rumpelt und quietscht vor sich hin. Aus dem Hintergrund von meinem  Lieblingsbluessender Aardvark (übersetzt: Erdferkel) aus Texas beschallt… Ich tippe quasi blind auf der Tastatur, nicht weil ich das besonders gut kann, sondern weil es inzwischen so düster ist, dass ich kaum noch die Buchstaben erkenne. Schon krass im Vergleich zu gestern. Schätze, dass ich den Sonntag bei Kerzenlicht in meiner Bude verbringen werde. Mir bleibt noch ein wenig Zeit zu überlegen, ob ich ein paar Tage unbezahlten Urlaub draufsattle, also bis Ostern, und wie ich`s meiner Chefin verklickern könnte – also im Fall des Falles. Ich fing gerade an, mich an diesen „Ausnahmezustand“ zuhause zu gewöhnen, putzte die ein oder andere Ecke der Wohnung, räumte dies und das auf… Nun wollte ich endlich das Bild auf meiner Staffelei weitermalen, das dort lediglich vorgezeichnet und mit wenigen ersten Pinselstrichen seit einem guten Vierteljahr verweilt. Ich lasse mich halt nicht gern drängen, auch nicht von mir selbst. Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Seufz. Alles nicht so einfach. Nein, ich will nicht jammern! Weit gefehlt! Ich bin nur furchtbar empfindsam…, zur Neurasthenie neigend (wie viele Künstler).