Wechsel

Damit ich nicht ständig an den Verlust denke, stelle ich mir vor, dass das Rad in Reparatur ist. Und wenn ich es dann abhole, wird es wie neu sein… Ich hörte von Prominenten, die bei verlustig gegangenen Frauen ähnlich vorgehen. Aktuell Herr Neuer, seines Zeichens Torwart der Deutschen Nationalelf. Also, ich versteh`s. Ich meine, wenn ich er wäre… Aber da ich ich bin, gestaltet sich der Wechsel zu einer neuen Freundin leicht schwieriger bzw. langwieriger. Beim verlorenen Fahrrad sollte es nun zügiger klappen. Ich vermisse es total. Zu schönen Dingen, die ich täglich in Gebrauch habe, entwickele ich eine besondere Beziehung. Das Fahrrad war mehr als nur eine Sache für mich. Es hatte einen ideellen Wert. Was wir in den letzten zwei Jahren alles zusammen erlebten… Wenn ich den Spitzbuben erwische, der dich mir wegnahm – den mache ich platt!
Vorübergehend tröste ich mich mit meinem Reisefahrrad. Hatte ich eh vernachlässigt. Tut mir auch leid. Es ist vom Typ her ganz anders: größer und robuster, eben speziell für lange Touren mit viel Gepäck. Nicht so sehr der Blickfang wie das zierlich-elegante Brompton. Aber geil zu fahren – Kopfsteinpflaster und Bordsteinkanten kein Problem. Wie sieht`s heute mit dem Wetter aus? Ein Ausritt sollte drin sein. Dank auch dem einmaligen Feiertag in Berlin…

 

Rostock und mehr

„Kommst du wieder mit dem Rad?“ fragte sie per Email, und ich antwortete: „Klar, ich nehme mein geliebtes Rad überallhin mit, nur noch nicht ins Bett.“ Ich meinte mein Brompton-Faltrad, ohne das ich ganz selten das Haus verlasse. Für Wochenendtrips in eine andere Stadt finde ich es besonders gut geeignet. Ich falte es im Zug auf Kofferformat, so dass es als Reisegepäck durchgeht. Und vor Ort kann ich gleich damit losfahren.
Wiedermal kam ich für die paar Tage in Rostock bei meiner langjährigen Blog-Bekannten Lawe unter. Ein gutes Beispiel dafür, wie man übers Bloggen wertvolle menschliche Kontakte knüpfen kann. Schon lange ist mir Lawe eine gute Freundin, die ich nicht mehr missen will.
In Berlin wäre ich über die Tage versumpft – da bin ich mir sicher. Aber so war meine Zeit ausgefüllt mit viel frischer Ostseeluft und Fahrradtouren. Am späten Nachmittag trafen wir uns in Rostock zum Essen und Plaudern und landeten schließlich in Lawes Domicil, wo ich den Abend auf der Couch mit Leichtathletikgucken ausklingen lassen konnte.
Lawe ist immer in Erzähllaune. Schon nach kurzem schwirrte mir der Kopf, denn sie redet eigentlich ohne Unterbrechung. Als aufgeschlossene Person interessiert sie sich für viele Dinge, so dass wir sehr viele Themen anschnitten. Sie muss alles sofort in Sprache umsetzen und ist dabei kaum zu stoppen. Unglaublich diese Energie… Lawe ist eine agile junge Alte, ein Mama- und Omatier.
Nach dem morgendlichen gemeinsamen Kaffeetrinken startete ich meine Ausflüge an die Ostsee. Ich genoss auf den Wegen die Aussicht auf einen spektakulären Himmel und die nun schon herbstlich bunt eingefärbte Natur. Und schließlich die Ostsee! Die Horizontlinie, die mich immer wieder aufs Neue in ihren Bann zieht…, – was für ein Wunder doch unsere Welt ist! Meditativ saugte ich die Eindrücke auf und schoss mit dem Smartphone ein paar Fotos, welche aber bei weitem nicht an die erfahrene/gefühlte Wirklichkeit herankommen.

 

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