Es war gestern und ist doch heute (26)

Es regnete Tag und Nacht. Die Blätter fielen zuhauf, abgerissen von schweren Tropfen und Hagel. Ein Wolkenheer in grauem Rüstzeug zog über das Land. In der Nacht donnerten und blitzen seine Geschütze in einer fernen, unwirklichen Schlacht. Am Morgen blies ein heftiger Wind. Viele Blätter waren gefallen und leuchteten rot und gelb in der Sonne. Immer wieder lösten sich neue und tanzten gen Boden. Dem Herbstwind gefiel das Spiel, und er rief die Sonne: „Komme hervor und lasse die Erde leuchten!“ Und die Strahlen der Sonne brachen durch die Wolken und fielen auf das nasse Laub. Das war eine Farbenpracht! Daneben der Alltag der Menschen und die Hektik der Stadt in gleichgültigem Grau. Und der Wind rief auch die Menschen, aber nur wenige hatten gefallen an dem Spiel. Der Wind war wie ein Kind, und auch die Sonne vergaß ihren mütterlichen Ernst. Die zwei scherzten – ei! – ein Hut machte sich davon, Papierbällchen strauchelten über das Pflaster, Blätter tanzten Ringelreih, bis sie schließlich irgendwo klebenblieben: unter dem Schuhabsatz eines Passanten, in einer Pfütze, zertreten, verrottend.
Dieses Spiel wiederholt sich jedes Jahr, jedes Jahr dieselben Zeichen der Vergänglichkeit im Rhythmus eines schlagenden Weltherzens. Das Leben ist kurz. Nur kurz wirbelt das Blatt durch die Luft, um dann eins zu werden mit der Erde, und macht sie fruchtbar.

(1985)

Egal an was du stirbst, du stirbst auf jeden Fall

Im Allgemeinen stirbt jeder. Zumindest sind mir keine Highlander, Vampire, Unsterbliche oder hunderte Jahre alte Menschen bekannt, was nicht heißt, dass es die nicht gibt. Ich bin mittlerweile zur Überzeugung gekommen, dass ich zu den normalen Sterblichen gehöre. Ich sehe meine Tage dahinschmelzen. Das Leben ist eine Art Knast, in dem man sitzt und nicht rauskommen will…
Früher mochte ich den Herbst. Das änderte sich, seit ich mich selbst im Herbst meines Lebens befinde. Frühling und Sommer sind unwiederbringlich vorbei. Und während sich die Natur nach dem Winter wieder erholt und im Frühling des folgenden Jahres neu erblüht, wird mich der Tod zur letzten Ruhe betten. Nein, nicht unbedingt in diesem Winter. Möglicherweise fahre ich noch ein paar Runden mit auf dem Karussell. Vater und Mutter warten auf mich. Ich sehe sie winken. Keine Ahnung, warum das Karussell eine solche Anziehungskraft auf mich ausübt, so dass ich gar nicht mehr runterwill. Es ist zum Heulen.

Das Loslassen vom Leben und von der Liebe ist das Schwierigste. Das kann man nicht üben. Manche glauben an ein Leben nach dem Tod. Sie glauben an den Himmel oder an die Wiedergeburt. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich muss noch ein wenig Geduld haben. Es ist so, als würde ich in einer langen Reihe stehen, in welcher sich die Anstehenden Geschichten darüber erzählen, was denn am Ende auf sie wartet. Ich frage: „Warum stehen wir überhaupt wie Blödiane hier rum?!“ Von den vor und hinter mir Stehenden höre ich „Psst!“. Einige blicken mich mahnend an. Offenbar verletzte ich mit meiner Frage ein Tabu.

Ich denke: Das Leben ist nicht nur Knast, sondern explizit eine Todeszelle.

Öde ist immer noch besser als blöde

Ich verbrachte 2 Tage im Büro und 3 im Homeoffice. Ich hatte nur wenig kollegialen Kontakt, und das Dokumentieren war öde.

Karl Lauterbach seines Zeichens Deutschlands derzeitiger Bundesgesundheitsminister rührt bereits wieder eifrig die Werbetrommel für Masken und Impfungen und droht mit schärferen Maßnahmen für den Herbst und Winter, wenn die Bürger nicht artig sind und deswegen die Zahlen steigen. Das sei keine Angstmache, fügte er seiner Rede hinzu. Wie kommt er darauf, dass seine Anmahnungen den Menschen evtl. Angst machen könnten? (Muss ich als Ungeimpfter Angst haben, wieder in keine Kneipe gehen zu dürfen, beschimpft und geächtet zu werden?)  

Das Wochenende läutete ich mit einem Feierabendbier in der Kupferkanne ein. Die üblichen Freitags-Stammis waren da. Man lässt ein paar Sprüche ab und lacht zusammen. Necip klagte über die steigende Miete und andere steigende Kosten. Nächste Woche müsse er die Preise anheben. Bisher gab ich immer reichlich Trinkgeld…

Als Fatalist habe ich relativ wenig Ängste. Irgendwer sagte: Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Ich lebe im Hier und Jetzt. Etwas trübsinnig machen mich die Aussichten hinsichtlich Rente und meinem näher rückenden Ableben aber schon. Schließlich weiß ich als Ex-Altenpfleger, wie beschissen es kommen kann. Nur gut, dass man nicht in die Zukunft schauen kann.
Wenn die Dumpfbacken in den Machtzentralen der Welt so weiter machen, erübrigen sich bald alle Sorgen um die Zukunft.

Gar nicht so übles Herbstwetter heute in Berlin. Ich sollte rausgehen und durch den Kiez streunen…  

  

Na dann, nochmal Spreewald

Drei Übernachtungen im „Spreewald-Idyll“ stehen kurz bevor. Am Tag der Deutschen Einheit reise ich mit Zug + Faltrad an. Kaum einen Monat ist es her, dass ich eine Fahrradreise die Spree rauf bis Lübben unternahm. Da war noch Spätsommer, und ich war weitgehend mit Kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs. Ein wenig wärmer werde ich mich diesmal anziehen müssen.
Ich bin gespannt, wie sehr der Herbst inzwischen im Spreewald Einzug hielt, wie sich die Atmosphäre veränderte… Geplant sind eine Radtour nach Burg, mit dem Paddelboot durch die Kanäle und Fließe, außerdem die nähere Erkundung Lübbenaus (wo ich auch übernachte). Ich hoffe natürlich, dass ich nicht aufgrund von Regen absaufe… (Nein, es soll lt. Wetterfrosch ab Dienstag ganz gut werden.)
Kein großes Ding diese Reise, aber allemal besser, als die ganze Urlaubswoche in Berlin zu hocken. Und ich werde wieder ein paar (schöne) Bilder mitbringen, mit denen ich meine nächsten Blogbeiträge schmücken kann.

Übergangszeit

Die Wohnung ist kühl. Ich greife an die Steigleitungen. Noch nicht warm, konstatiere ich. Im letzten Winter konnte ich meine Wohnung allein mit der Wärme der über Putz liegenden Rohre halbwegs warmhalten.
Ich öffne das Fenster und blicke in einen feuchten wolkenverhangenen Herbsttag. Vorbei mit der Kurze-Hosen-Zeit. Die Äste der Stadtbäume wiegen sich im Wind. Am Straßenrand sammeln sich gefallene braune Blätter zu Haufen. Wie man im Frühling beinahe zusehen kann, wie es überall sprießt und grünt, werden nun binnen weniger Wochen Stadt und Landschaft in ein herbstliches Farben-Potpourri getaucht.
Da ich in der ersten Oktoberwoche nochmals Urlaub habe, entschloss ich mich kurzerhand zu einem Wiedersehen mit dem Spreewald. Diesmal werde ich mit dem Zug und meinem Faltrad anreisen. Ich buchte ein günstiges Zimmer für 3 Nächte. Gerne würde ich mal eine Kanufahrt machen, außerdem mit dem Fahrrad mehr von dieser hübschen Gegend erkunden, als es mir beim letzten Besuch möglich war…, noch einmal tief durchatmen, bevor mich das Stadtgrau einen langen Winter lang gefangen halten wird.

 

Keep Cool

Ganz schön was los im Haus. Das durchdringende Geräusch einer Bohrmaschine schmeißt mich aus dem Bett. Es ist so laut, als ob es direkt von der anderen Seite der Wand kommt, an der ich schlafe. Im Treppenhaus ein morgendliches Getrampel auf und ab – wahrscheinlich die Handwerker und Bewohner, die vor dem Lärm fliehen, stelle ich mir vor. Ich gucke nicht durch den Spion. Das Bohren kann nicht endlos dauern, denke ich, und tatsächlich ist nach einer halben Stunde erstmal Ruhe. Ich sitze im Halbdunkel am Schreibtisch und tippe drauflos, ohne zu wissen, wohin es mich führt. Befinde ich mich bereits im Tag? Freundlich beginnt er nicht. Es ist kühl, aber ich will darum noch nicht die Heizung aufdrehen. Laut Thermometer an der Pinwand liegt die Zimmertemperatur bei 20°C. Zum Eisklumpen werde ich schon nicht werden. Der Blick aus dem Fenster zeigt einen düsteren nasskalten Herbsttag in Berlin. Die Wettervorhersage bestätigt, was ich sehe. Nein, ich lasse mich vom Wetter nicht runterziehen. Da gibt es andere Dinge, die an meinen Nerven zerren, die wie Backsteine auf meiner Brust liegen. Schon relativ am Anfang der erklärten Pandemie mit Lockdowns und allerlei Maßregelungen konstatierte ich, dass ich vor den Menschen mehr Angst habe als vor dem Virus. Die meisten meiner Mitmenschen sehen es genau umgekehrt. Für sie bin ich ein Wirrkopf oder schlimmer. Es wird in der Öffentlichkeit und in den Medien in diesem Zusammenhang mit allerlei abwertenden Attributen herumgeworfen. Gute Bekannte melden sich nicht mehr. Verachtung liegt in der Luft. Man fühlt sich zum Bürger 2. Klasse degradiert. Ungeimpfte dürfen dies und das nicht mehr. Längst wurde die freiwillige Impfung durch vielfältige Verordnungen zum Impfzwang, besonders in einigen Berufsgruppen. Ich halte dieses ganze staatlich legitimierte Vorgehen gegen Ungeimpfte für menschenverachtend. Es passiert hier gesellschaftliches Mobbing der fiesesten Art. (Und nein, liebe Freni, ich steigere mich da in nichts hinein.)
Gut, dass es auch Menschen gibt, die sich impfen ließen aber das Ganze nicht so verbissen sehen, die ihren gesunden Menschenverstand noch nicht an Staat und Massenmedien abgegeben haben. Und dann gibt es natürlich jene, die mutig gegen die staatlichen Maßnahmen demonstrieren und im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kopf hinhalten, oder die in den alternativen Medien kritisch berichten und nicht nachlassen, die Fehler, Widersprüche und Lügen unserer Regierenden zu benennen. Es ist gut zu wissen, dass man mit seiner Wahrnehmung und seinen Gefühlen nicht alleine steht – auch wenn es mir manchmal (z.B. auf meinen Blogs) so vorkommt. Viele trauen sich nicht, offen zum Thema Corona und Impfung zu reden, oder sie gehören zu denjenigen, die für Menschen wie mich nur Verachtung übrighaben.

That`s it.
Der Herbsttag grinst frech zu mir in die Wohnung, als wolle er sagen „keep cool, old boy“… Ich weiß, jeder Scheiß hat einmal ein Ende: Bohrmaschinen am Morgen, keifende Frauen, Regentage, Kälte, Winter, Hunger, schlechte Regierungen, Diktaturen, Faschismus, Unterdrückung, Gewalt, Kriege, Corona, Krankheiten…

Schätze, es wird Zeit für einen Drink.