Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen

Nein, das Format eines Albert Schweitzer habe ich freilich nicht. Dazu fehlt es mir an Energie und Glauben. Ich erinnere mich, dass mir meine Mutter von Albert Schweitzer vorschwärmte. Er gehörte zu ihren Idolen.
Zufällig spülte mir das Worldwide Web dieses Zitat Albert Schweitzers (vorheriger Beitrag) zu, und ich war überrascht, wie gut es in die heutige Zeit passt. Noch nie wurde in unserer relativ jungen Demokratie so viel von Vater Staat bestimmt. Diese Entwicklung nahm schon lange vor Corona Fahrt auf und spitzte sich jetzt in der „Pandemielage“ zu. Wir Menschen versklaven uns zusehends selbst in einem undurchschaubar durchreglementierten Staatsgebilde, in einer hartherzigen und von jeglicher Vernunft losgelösten Bürokratie, in einem Gesundheitssystem, das profitorientiert ausgerichtet ist, in einer Konsumlandschaft, die in uns schwachsinnige Begehrlichkeiten weckt, in einem Meer von Versicherungen, welche uns für den Schadensfall das Blaue vom Himmel herunter versprechen… Dazu verlassen wir uns blind auf das, was in Tagesschau und anderen Formaten der Leitmedien tagtäglich auf uns einprasselt. Und zum Ausgleich betäuben wir uns mit allerlei dämlichen Fernsehshows, Soaps etc. mit intellektuell/geistig unterirdischem Nährwert. Wie soll in einer solchen Umgebung der mündige Bürger überstehen? – oder sich heranbilden? Doch nur, wenn er in Albert Schweitzers Sinne das Heft selbst in die Hand nimmt – auch auf das Risiko hin zu scheitern, bzw. mal falsch zu liegen. Natürlich, nicht jeder wird und kann ein Albert Schweitzer werden, aber man kann sich doch wenigstens seine Würde als selbstdenkender und freier Mensch bewahren… Darum spricht mir Albert Schweitzer mit diesem Zitat aus der Seele.


Es war gestern und ist doch heute (9)

Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen – wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolg haben. Ich lehne es ab, mir den eignen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen; lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs als die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen: dies ist mein Werk. Das alles ist gemeint, wenn ich sage: Ich bin ein freier Mensch.

(Albert Schweitzer, 1875 – 1965)


Neutralisiert

Mich dünkt, es ist schon wieder Sonntag – und ich starte in die 2. Urlaubswoche… seufz.
Gestern saß ich nach dem Einkauf ein Stündchen im Nelly-Sachs-Park. Der ist gemütlicher als der großflächige Park am Gleisdreieck. Stimmungssache, wo es mich hintreibt. Ich platzierte mich auf eine Parkbank mit Blick auf den Teich und die dahinter aufragenden Hausfassaden. Die Sonne arbeitete sich fleißig durch die dahinziehenden Wolkenflotten. Lieblingsmusik und süffiges Oktoberfestbier hoben meine Stimmung nicht wesentlich – ich fühle mich derzeit wie neutralisiert.

In der Nacht diesmal keine angenehmen oder lustigen Träume. Stattdessen ärgerte ich mich über einen Chef, der mich rausschmiss. Er kam als Zyklop daher. Ich regte mich tierisch auf. Meine Sichtweise und Argumente interessierten ihn nicht. Der Zyklopen-Chef ließ mich kalt lächelnd abblitzen. Null Chance. Beinahe wäre ich ihn körperlich angegangen…  
Danach träumte ich von einer Gruppe Delinquenten, die einer nach dem anderen von einer regenbogenfarbenen Lichterscheinung gemeuchelt wurden. Die Lichterscheinung stellte sich dar wie in der Luft schwebende, parallel aneinandergeheftete Strohalme. Das sah erstmal nicht bedrohlich aus…, bis sich die Einzelteile als Mini-Laserschwerter herausstellten, die sich auf der Suche nach einem Opfer voneinander lösten, um es gnadenlos anzugreifen und zu durchbohren. Kaum ein Körperteil wurde ausgespart. Sie nahmen sich immer nur einen der Männer vor und fügten sich dann wieder zu der anfänglich beschriebenen regenbogenfarbenen Formation zusammen. Die Männer schrien und schlugen wie wild um sich, aber es nützte nichts. Dazu war ein monotones Summen zu hören, nicht laut, etwa wie bei einer Leuchtröhre. Mit diesen Eindrücken wachte ich auf. Schon lange nicht mehr so schlecht geträumt.

Immerhin: Mir bleibt noch eine ganze Woche Urlaub! Mit jedem Tag kann sich alles ändern. Oder nichts. Dann ist es so. Das Herz schlägt. Die Lungen füllen sich mit Luft. Die Verdauung funktioniert. Ich kriege Rückmeldungen von allen Körperteilen – mehr oder weniger angenehm… Man wird alt. Auch immer wieder ein Thema: das Altwerden. Es ist widerlich.

Gute Worte

Prof. Bhakdi ist nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler, sondern auch ein Herzensmensch. Auf dem Podcast der Partei „Die Basis“ lauschte ich heute Morgen einem Interview mit ihm. Dabei ging es nicht primär um die wissenschaftliche Seite der Corona-Pandemie. Vielmehr sprach Herr Bhakdi davon, wie sich seine Haltung auf dem Hintergrund seiner Biografie erklärt – warum er es für geboten hält, gemeinsam gegen die verhängnisvolle Corona-Politik der Regierung aufzustehen und politisch aktiv zu werden. Er hatte nie viel mit Politik am Hut, erzählte er, aber jetzt könne er gar nicht anders…
Es lohnt sich reinzuhören.

Und bitte nicht falsch verstehen: Ich mache hier keine Werbung für eine Partei. Es geht mir um die Worte dieses feinen und aufrechten Menschen Sucharit Bhakdi.

Ausgeträumt

„Wer keine Wurst will, der kriegt auch keine“, rief ich in die Runde, als ich mich daranmachte, das Essen zu verteilen. Ich lachte laut los über meinen Satz – und davon wachte ich auf… Ich blinzelte in die abgedunkelte Wirklichkeit meiner Wohnstatt und schielte zum Wecker auf dem Nachttisch. Doch schon 7 Uhr 30. Mit Bedauern registrierte ich, dass ich ausgeschlafen war. Ausgeträumt!
Ich zog den Vorhang auf und blickte in einen weiteren Regentag. Na gut, grummelte ich, das Leben ist kein Ponyhof – eine Lieblingsplattitüde meiner Ex… Der letzten? grübelte ich, oder der Vorletzten? Egal. Vielleicht der Zukünftigen – har, har, har! – Und diesmal lachte ich in realo.
Das Procedere Bett machen, Abwasch vom Vortag erledigen, die morgendliche Toilettensitzung zur Entspannung meiner Eingeweide und das Hochfahren des Computers hatte ich binnen weniger Minuten erledigt. Übung macht den Meister. An Übung sollte es mir in meinem 59sten Lebensjahr nicht mangeln, zumindest bei gewissen elementaren Verrichtungen. Eine weitere Plattitüde in diesem Zusammenhang ist: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich komme gern möglichst schnell zum Vergnügen. Per fiktivem Gong rief ich den Frühschoppen aus. Ich setzte mich mit einem Drink an meinen Schreibtisch und ging die Nachrichten durch, ohne wirklich an den Nachrichten Interesse zu haben. Aber mal sehen, was der Wetterfrosch im Internet sagt: Regenschauer heute, Regenschauer morgen, Regenschauer übermorgen… Regenschauer die gesamte nächste Woche, dazu Temperaturen zwischen 10 und 15°C. Schön, und jetzt die gute Nachricht…
Wie ein eingesperrter Tiger tapste ich durch meine Vier Wände – hin und her, von Zimmer zu Zimmer (ich habe immerhin zwei und die Küche) auf der Suche nach der guten Nachricht. Sie musste hier irgendwo verborgen liegen. Ich zog meinen fiktiven Indiana Jones Hut tief in die Stirn und knallte mit der fiktiven Indiana Jones Peitsche – Klatsch! Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich den Schatz gleich entdeckte! So funktionieren Abenteuerfilme nicht. Der Held muss erst allerhand Schwierigkeiten meistern. Okay, dachte ich, ich lege eine Pause am Schreibtisch ein, nicht dass mir die dunklen Mächte meinen Drink wegsaufen.

Erkenntnis

Das Universum ist ein gewaltiges Kunstwerk. Betrachtest du nur einen Farbklecks, wirst du es nicht erfassen. Zerlegst du es in seine Einzelteile, wirst du es nicht erfassen. Wir Menschen geben ihm einen Rahmen, obwohl es keinen Rahmen hat. Wir sind Teil dieses gewaltigen Kunstwerks. Jeder für sich, und alle miteinander. Die Erkenntnis kommt mit dem Loslassen. Die Erkenntnis kommt mit dem Durchschauen der selbstgeschaffenen Wände. Die Erkenntnis war schon immer da. Finde dein Drittes Auge. Öffne dein Drittes Auge. Träume dich in die Welt, und du erhältst Antworten.
Vergesse, dass es dich gibt.