Eine Fantasie, die an ihrem Ende ist

Ärgerliche Wolken schieben meine Träume beiseite. Ich schwächele. Der Dienstag schlägt den Montag tot, der Mittwoch den Dienstag, der Donnerstag den Mittwoch und der Freitag den Donnerstag. Heute ist Samstag. Der Wodka schmeckt immer gleich.
Worte fressen sich wie saurer Regen durch mein Herz. Ich kann ihnen nicht entweichen. Die Enttäuschung ist übermächtig. Ich schwächele.
Ich fliehe vor der Hilfe. Ich werde niemals ein Vogel sein. Und auch kein Fisch. Oder Eisbär.
Auf der Couch lasse ich meine Arschbacken tanzen.

Besonders Sonntags

Wobei ich sagen muss: Ich war schon immer faul wie ein Waschbär. Ich brauche dazu kein Corona. Wörter wie „Fleiß“ und „Arbeit“ sind bei mir absolut negativ besetzt. Lieber auf der Couch abhängen und Bier saufen. Dazu die Glotze einschalten. Irgendwas läuft immer. Gestern Vormittag lief „Eine schrecklich nette Familie“ – auf welchem Kanal war das nochmal? Ed O`Neill als Al Bundy – ich liebe diesen Typ!
Wie oft habe ich mich eigentlich schon am Sack gekratzt? Heute noch nicht? Dann wird`s aber Zeit. Morgen ist schon wieder Montag, und ich muss fünf Tage lang so tun, als ob ich arbeite… Wat mutt dat mutt, sagte schon Konfusius. Ich liebe alte Weisheiten.
Die Waschmaschine läuft. Solche Sachen erledige ich immer früh am Tag. Später habe ich keine Böcke mehr. Ich denke rationell. Was weg ist, ist weg. Wieder so eine Weisheit. Mein Leben ist voll davon. Und mein Glas schon wieder leer…
Das Bier im Kühlschrank schmilzt dahin. Ich sollte mir nachher was liefern lassen, und gleich noch eine Pizza (oder besser zwei Pizzen) dazu. Die gebeutelte Gastronomie unterstützen. Und dem Typen von Lieferando ein ordentliches Trinkgeld geben. So bin ich halt.


Unauflösbare Zweifel

„Und sonst – wie geht`s dir heute?“
„Wie soll`s mir schon gehen… nicht anders als sonst. Materiell gesehen sogar ganz gut. Ich habe ein Dach überm Kopf, habe Arbeit und bin nicht in den Miesen.“
Karl schaut mich an. Er hat diesen Bick, dem ich nicht lange standhalten kann. Ich grinse verlegen.
„Stimmt schon, wenn ich ehrlich bin, geht’s mir beschissen. Die Ratten fressen mich von innen auf. Ich bring es nicht zusammen: Das Leben, die Maloche, das Geld, die Liebe und den Tod, das Sternenzelt darüber. Ich verstehe es nicht.“
Karl sitzt auf der Couch, die ich zusammen mit meiner Ex kaufte, als wir in Berlin zusammenzogen. Er liest meine Gedanken. „Halte einfach durch“, sagt er.
„Einfach?“
Aber Karl hat recht. Einfach weitergehen. Nicht zurückschauen. Immer der Nase nach.
„Warum zweifelst du an dir?“ fragt Karl plötzlich.
Ich tauche ab in die Leere meines Selbst. Es gibt dort nichts zum Festhalten. Nicht mal ein Bild entsteht vor meinem geistigen Auge. Nichts. Ich gehe in die Küche und fülle mein Glas.
„Gute Frage“, sage ich, als ich an den Schreibtisch zurückkehre, „verdammt gute Frage! Willst du auch ein Glas? … Ja? Dann bediene dich.“
Karl ist mehr als nur ein Gast. Er gehört inzwischen zu meiner Wohnung wie das Mobiliar. Oder wie Edgar ins Pub.
Ich proste Karl zu. Er prostet von der Couch zurück und meint:
„Du solltest nicht so viel an dir zweifeln.“
„Leicht gesagt.“
„Aber ein Anfang.“
„Scheiße, Karl, das ist doch alles Humbug!“

Ich weiß, dass für Karl damit Ende Gelände ist. Er verabschiedet sich wie immer herzlich, indem er mich brüderlich umarmt aber mir im nächsten Moment sein Knie in die Eier rammt…
Ich sacke vor Schmerzen zusammen und ächze: „Danke Karl…
Fick dich!“