Eine gelungene Woche

Kalt wurde es. Als ich mein Brompton von der Inspektion abholte, tränten mir die Augen. Die Generalüberholung tat dem Bike gut. Beschwingt radelte ich meinem Feierabendbier entgegen. Wieder eine Woche geschafft, und es war nicht die schlechteste. Schon seit meinem letzten Spreewald-Aufenthalt (Anfang Oktober) wollte ich das Brompton überholen lassen, was nun endlich erledigt ist. Die Werkstatt arbeitete flott. Nur einen Tag lang musste ich meinen zweirädrigen Liebling entbehren.
Außerdem brachte ich am Donnerstag das jährliche Mitarbeitergespräch hinter mich. Ich war dabei entspannter als gedacht… redete frei von der Leber weg. Am Ende hätte ich die Chefin fast umarmt. Nein – natürlich nicht! Tierisch erleichtert war ich aber schon.
Dann der Dienstag, der damit begann, dass ich kein Internet mehr hatte. Statt wie geplant Homeoffice also Büro. Nach meiner Fehlermeldung beim Festnetzanbieter hatte ich eine freundliche Technikerin an der Strippe. Die meinte, es müsse an meinem Router liegen, denn bis zum Router sei die Leitung fehlerlos. Am Ende sendete sie mir 30 GBytes zur Überbrückung auf mein Mobilphone – gratis!
Es lebt eben nichts ewig, vor allem Elektrogeräte – leben oft nicht lange über die Garantiezeit hinweg. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Meine HiFi-Anlage kaufte ich 1986 und genieße ihren hervorragenden Klang bis heute.
Weil ich technische Pannen/Defekte gerne schnell erledigt weiß, flitzte ich nach Feierabend zur Mall of Berlin und besorgte mir einen neuen Router. Und was soll ich sagen? – das Internet funzt wieder!
Einen Teil meines zu erwartenden Weihnachtgeldes verbriet ich allerdings in dieser Woche. Nun hoffe ich, dass erstmal Ruhe im Karton ist. Kleine Herausforderungen finde ich ganz okay, sie sollten aber nicht gehäuft auftreten.  

 

Das gute an den Toten ist, dass sie nie mehr aufwachen

Nächtliche Träume sind nicht immer schön. Das Aufwachen auch nicht. Selbst wenn die Sonne scheint.

Zuerst zu den Träumen, die ich meist vergesse aber manchmal fetzenhaft im Gedächtnis behalte, vor allem jene, die mich beunruhigen.

Da war eine neue Pandemie – nein, es war eher eine Insektenplage. Jeder Quadratzentimeter des Erdbodens war voller Insekten. Es gab kein Mittel gegen sie. Ein Fünftel der Menschheit fiel ihnen zum Opfer… Ich wachte auf, die Blase drückte, und ich ging Pinkeln.

Danach fand ich mich wieder in einer Gruppe teilweise mir bekannter und unbekannter Menschen. Wir saßen um einen großen ovalen Tisch herum. Ein Typ, den ich eigentlich immer für einen guten Kumpel gehalten hatte, begann mit einer miesen Rede über mich… verhöhnte mich ausschweifend. Was war mit ihm los? Ich lachte darüber und wunderte mich, warum er damit nicht aufhörte. Bald verging mir das Lachen. Er stimmte ein Spottlied an, und einige aus der Gruppe sangen mit.

Als ich aufwachte, war das Tageslicht ins Zimmer eingedrungen. Die Wirklichkeit hatte mich wieder. So genau weiß ich aber nicht, was die Wirklichkeit ist. Langsam wurde ich mir selbst gewahr in dem Leben, welches sich bei meiner Geburt auftat und mich seitdem gefangen hielt mit seinen Gesetzen, Regeln und Forderungen. Ich stand auf und schob den Vorhang zurück, blickte in den morgendlich blauen Himmel. Alles zeigte sich wie am Vortag.

   

Büromania

Die Kapriolen des Wetters schlagen aufs Gemüt. Anfang Juli, jede Menge Regen und kühle Temperaturen. Fürs wohlverdiente Wochenende hätte ich mir ein wenig Sonne gewünscht, etwas Aufmunterung für meine büromüden Glieder. So fühlt sich also ein Bürojob an. Nach vier Monaten bin ich mehr als drin. Überdruss macht sich breit. Die Tumordokumentation ist oft eine zähe und unzufriedenstellende Angelegenheit. Ich brüte über den Fällen und kloppe sie ins Tumordokumentationssystem. An einem guten Tag komme ich auf Dreißig. Mehr schaffe ich (noch) nicht. Zurzeit arbeite ich kunterbunt alles an Papiermeldungen ab: Diagnosebögen, Therapiebögen, Todesmeldungen, Epikrisen, Histologien… alle Entitäten.
Nach acht Stunden vor den Computerbildschirmen habe ich Augenkrebs, und mein Kopf wünscht sich nur noch Entspannung.
Vom diesjährigen Sommer bekam ich bisher nicht viel mit. Die Arbeit bestimmt den Alltag. Für Unternehmungen nach Feierabend und an den Wochenenden fehlen mir meist Energie und Lust.
Ich befinde mich wieder mitten in der Tretmühle mit all ihren Mühseligkeiten. Zum einen froh, dass ich den Absprung aus der Altenpflege schaffte – habe ich nun einen Job, der mich auf andere Weise erschöpft. Zum einen stolz auf das, was ich in den letzten zwei Jahren leistete, um überhaupt an diesen Punkt zu kommen – hadere ich mit dem Weg, den ich einschlug. Ich weiß, ich könnte mehr als zufrieden sein – und bin`s verflucht noch eins nicht!
Wie bei einem Puzzle, das sich nach und nach zu einem verständlichen Bild zusammensetzt, verändert sich mit jedem neuen Tag ein klein wenig die Sicht auf die Menschen, Dinge und Orte im Leben. Und irgendwann fragt man sich: Wohin verschwand die Sonne? Wo blieben Glück und Ausgelassenheit? Was ist mit dieser Stadt und ihren Menschen passiert? War die Welt schon immer so verrückt? Wohin ging die Liebe? Was ist mit mir?

Meine Kollegin trinkt viel Tee. Auf den Etiketten ihrer Teebeutel stehen kluge Sprüche. Sie kam um den Schreibtisch herum und reichte mir eins der Etiketten. Ich las: „Deine Überzeugung ist deine Stärke“. „Hm-hm-hm“, brummte ich in meiner Manier und bedankte mich.
Ich bin froh über jeden zwischenmenschlichen Anker, jede nette Geste und jedes freundliche Gespräch, welche den Bürotag auflockern und gefühlt verkürzen.