Die Bayern wählen

Sehr geehrte Damen und Herren! Kommen Sie näher! Treten Sie ein! Erleben Sie nie dagewesene Sensationen! Die Bayern wählen! Aktuell für Sie in der Erstaufführung eine Horrorkomödie der CSU „Das Eis schmilzt“! Danach ein Requiem für die SPD „Wir pulverisieren uns selbst“! Neu dabei der Aufsteiger der Stunde, die AFD, mit dem Gassenhauer: „Gebt uns unseren Adolf zurück“! Für das Rahmenprogramm sorgen die Grünen, heute mit einem besonders schaurigen Lach Yoga! Meine Damen und Herren machen Sie mit! Hahaha! Weiter geht es mit der FDP und ihrer Tanztruppe! Lassen Sie sich überraschen! Die Rocky Horror Picture Show ist ein Dreck dagegen! Erleben Sie mit, wie sich Franz Josef Strauß im Grabe umdreht! Kommen Sie näher! Treten Sie ein! Bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe! Die Bayern wählen! Nur keine Hemmungen! Wir sind für Sie da, falls es Ihnen zu gruselig wird…

Unteilbar

Unteilbar ist nichts. Soweit ich weiß, ist es nur eine Frage der Energie – man kann quasi alles zerschießen. Wir stoßen dabei in immer irrwitzigere mikrokosmische Dimensionen vor, die sich kein Schwein mehr vorstellen kann. Gespensterteilchen fliegen uns um den Kopf, und eine ominöse Dunkle Materie durchdringt alles, ohne dass wir sie zu fassen kriegen. Ich bin schon immer fasziniert von solcherlei Grundlagenforschung. Ich würde gern wissen, woher mein Arsch kommt sowie das ganze Außenherum. Gott ist als Erklärung nicht mein Ding. Wenn ich mir anschaue, wie sich die Menschen ihren Gott zerschießen…, sie sich zwar in den monotheistischen Religionen auf denselben Gott berufen, aber machtbesessen, wie sie sind, in Juden, Christen, Moslems und was weiß ich alles zerfallen. Und damit nicht genug, sie schlagen sich dabei noch gegenseitig die Köpfe ein. Vollkommen irre: Zum einen der CERN Teilchenbeschleuniger, wo Wissenschaftler die Grundlagen des Daseins erforschen, und zum anderen Horden von Idioten, die sich aufgrund unterschiedlicher Glaubensrichtungen anfeinden und bekriegen. Was ist nur in den 14 Milliarden Jahren nach dem Urknall passiert, dass ich hier in dieser bescheuerten Welt hocke und nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll? Können nicht einfach alle nur Menschen sein? Die Erde ist furchtbar winzig im kosmischen Maßstab, weniger als ein Sandkorn auf einem endlos langen Strand… Wozu dieser Heckmeck mit Religionen, Nationen und Grenzen? Einfach mal in einer sternenklaren Nacht auf eine Wiese legen und gucken… einfach nur gucken. Seht Ihr was anderes als ich?

Heute findet in Berlin die „Unteilbar-Demo“ statt. Unter dem Motto: „Solidarität statt Ausgrenzung“. Zehntausende werden kommen. Gute Sache eigentlich. Aber allein der Gedanke an die sich durch die Stadt wälzende Menschenmenge schreckt mich ab. Gut, man will ein Zeichen setzen. Es gibt politische und religiöse Kräfte, die die Menschen wiedermal auseinanderdividieren wollen. Hatten wir in der Geschichte mehrmals. Ein Ränkespiel der Kräfte. Das Spalten einer Gesellschaft scheint leichter von der Hand zu gehen als ihr Zusammenwachsen. Die Bindungskräfte der Menschen reichen bei weitem nicht an die der Materieteilchen heran. Unteilbar ist wie gesagt nichts. Aber einen Tag lang können die Demonstranten im Umfeld von (scheinbar) Gleichgesinnten von einer unteilbaren und besseren Welt träumen. Wem`s gefällt. Ich werde bei dem tollen Herbstwetter lieber in die Peripherie Berlins fahren und am Ufer eines Sees bei einem Bier gedankenverloren in die Sonne blinzeln.

Am Tag der Deutschen Einheit

Keine Ahnung, wie ich dazu kam. Jedenfalls habe ich ihn in der Playlist von Spotify.
„Das Spiel der Fliegen“ von Engerling. Gefällt mir gut der Song.
Am Tag der Deutschen Einheit verbringe ich den Vormittag mit Musikhören und Trinken. Mehr war noch nicht. Ich drehte zum ersten Mal die Heizung auf. Mir ist trotzdem kalt. Das Licht des Tages flunkert zu mir ins Zimmer. Eine Fliege, die mich seit Tagen nervte, erwischte ich endlich auf dem Bildschirm meines Laptops. Die Fliegenklatsche ließ ihr keine Chance. Ich schnippe ihren Kadaver in den Papierkorb.
Feiertage interessieren mich so wenig wie Denkmäler, aber natürlich finde ich`s gut, dass man als Arbeitnehmer frei hat. Ich brauche keine extra Gedenktage. Ich brauche auch keine Gräber. Alles ist in mir, als ob es da schon immer gewesen wäre. Wie alt bin ich eigentlich?
Gestern Nachmittag erfuhr ich im Pub vom Tod Graciano Rocchigianis. Ich nahm die Nachricht beiläufig wahr. Ein Stammgast thematisierte es. Er war echt betroffen. „Rocky“ starb im Alter von 54 auf einer Schnellstraße in Sizilien. Er war zu Fuß unterwegs und wurde von einem Auto erfasst. Das Ende einer deutschen Boxerlegende. Sein Leben war schillernd. Er hatte eine Fresse zum Reinhauen, aber sympathisch. Ich mag Typen wie ihn. Man verzeiht ihnen die Scheiße, die sie mitunter bauen. Weil man spürt, dass sie im Herzen gut sind. Also, „Rocky“…, steige ein letztes Mal in den Ring und zeige es den Fuzzys da oben im Himmel!

„Das Spiel der Fliegen wird nie enden“ heißt es im Song von Engerling, und ich stimme ein.

Erledigt

Die Sonne will es nochmal wissen, aber natürlich hat sie verloren wie ich. Man kann halt nicht einfach aus seiner Haut. Ich mixe mir einen Drink nach dem anderen und registriere, dass der Vorrat im Kühlschrank schmilzt. Im Großen und Ganzen habe ich alles Notwendige für heute erledigt: Wäsche gewaschen, Kartoffeln gekocht und mir einen runtergeholt. Alles geklappt. Nur ein paar Worte zu schreiben, schaffte ich noch nicht. Ich überlegte hin und her, wartete auf Inspiration, las die Nachrichten und einige Beiträge von Bloggern, surfte im Internet: Trump hat sich in Kim Jon Hig Un verliebt erfuhr ich u.a. … Sowas aber auch. Eine Arschlochliebe, – soll`s geben. Lindner appelliert, die AFD-Wähler nicht schlechter zu machen, als sie sind. Oder so ähnlich. Logo Pogo. Schließlich ist die AFD inzwischen zweitstärkste politische Kraft im Lande. Lindner ist ein echt heller Kopf. Er kann Eins und Eins zusammenzählen. Aber ich mag ihn nicht. Ich mag ihn noch weniger als Westerwelle, falls sich noch jemand an den Schwuli erinnert. Nein, ich habe absolut nichts gegen Homosexuelle. Ich habe gegen gar keine Minderheit nichts, und auch nichts gegen Juden, solange sie sich nicht wie Arschlöcher aufführen. Ich bin da ganz ehrlich und schere mich einen Dreck drum, ob meine Aussagen politisch korrekt sind. Ich verabscheue die heutige Politikerklasse, die nur noch konfus im Sinne ihres jeweiligen politischen Machtstrebens zwischen unterschiedlichen Haltungen herumeiert und keinerlei Rückgrat mehr zeigt. Trotzdem würde ich niemals die AFD wählen. Eine echte Arschloch-Partei das. Offenbar haben Arschlöcher gute Chancen, gewählt zu werden. Auch nichts Neues. Kacke aber auch. Was mache ich eigentlich noch auf der Welt, wenn ich alles so zum Kotzen finde? Nicht nur die Politik. Fast dasselbe gilt für die Liebe. Man verliebt sich meist in die größten Arschlöcher… Ist es nicht so?
Man kann halt nicht aus seiner Haut. Die Sonne schreit mich von der Seite an. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich weiß nicht, was ich von dem Leben halten soll, von alldem, was mir jeden Tag wie eine Welle „Irgendwas“ entgegenschwappt.

Gespräch unter Brüdern

Wenn du die Welt zum Guten verändern willst, musst du selbst aktiv werden, dich politisch oder gesellschaftlich engagieren.
Meinst du, das wüsste ich nicht? Wie soll ich aber in einer Welt, wo Geld und Macht bestimmend sind, in eine Position gelangen, in der ich wirklich etwas bewirken kann?
Indem du schon dort etwas veränderst, wo du lebst. Du kannst bei dir anfangen. Und schließlich als Vorbild für deine Mitmenschen wirken.
Bitte sei realistisch! Wie viele Menschen haben in diesem Sinne das Zeug dazu, Heilige zu werden? Ich sicher nicht.
Niemand muss zum Heiligen werden. Fange z.B. einfach mal mit vegetarischer Ernährung an, trinke weniger Alkohol und begegne deinen Mitmenschen mit Freundlichkeit und Toleranz, statt mit Missmut.
Unmöglich!
Aber warum? Versuche es…
Nö. Ich will eigentlich so bleiben, wie ich bin.
Aber die anderen sollen sich verändern?
Okay, du hast mich erwischt. Wie kann ich von anderen Menschen eine Veränderung verlangen, wenn ich selbst nicht bereit bin, mich zu verändern… Klar wie Kloßbrühe das.
Eben. Darum geht`s. Aufeinander zugehen. Nicht immer die Gegenseite in die Pflicht nehmen. Bewege dich und erwarte nicht nur die Bewegung bei deinem Mitmenschen. Das sind gute alte Weisheiten.
Die aber nicht viel Erfolg zeitigten, wenn ich mir die Menschheitsgeschichte so anschaue. Oder?
Ja, der Mensch ist in der Tat ein schwieriger Fall. Aber deswegen die Hoffnung aufgeben? Damit verschlimmern wir nur alles, weil wir denen in die Karten spielen, die unsere Welt unmenschlich machen wollen.
Trotzdem. Diese Aasgeier werden immer obenauf sein. Die können wir mit einem Furz Gutmenschentum nicht zu Fall bringen. Die selbstgefälligen Krösusse in den Schaltzentralen der Macht, egal ob in Wirtschaft oder Politik, kriegen wir niemals klein.
Vielleicht geht es gar nicht darum, sie zu Fall zu bringen, sondern die Welt einfach dort, wo man ist, ein klein bisschen besser zu machen.
Aha! Ich soll mich also weiterhin ducken und muss meinen Unmut über die Zustände runterschlucken?! Soll ich mit meiner Meinung hinterm Berg halten bei Missständen, wie ich sie z.B. damals als Altenpfleger erlebte? Und dabei ging es nicht um weitentfernte Dinge, sondern um Geschichten, an denen ich unmittelbar beteiligt war. Selbst dort fühlte ich mich ohnmächtig. Vielleicht war ich auch einfach zu schwach…
Ich sagte nicht, dass es leicht ist.
Danke. Super. Ich bleibe mal beim Beispiel Altenpflege, weil ich glaube, mich da ein wenig auszukennen…, also in Bezug auf die letzten ca. 30 Jahre und die ganzen Diskussionen um Pflegenotstand und Missstände in der Pflege in dieser Zeit… Moment, ich muss mal kurz Luft holen!
Nein. Entschuldige. Das Thema habe ich eigentlich beerdigt. Weißt du, warum? Weil ich kotzen muss, wenn ich daran denke!!
Das tut mir leid. Ich bin sicher, dass du ein guter Altenpfleger warst.
Wie bitte?!? Ich war ein scheiß Altenpfleger. Ich konnte nichts an den Verhältnissen ändern. Stattdessen machte ich jahrelang mit. Jawohl, ich war ein Mitläufer, ähnlich wie viele Menschen im Dritten Reich, die zwar Kacke fanden, was die Nazis machten, aber nie offen aufbegehrten. Kann ich ihnen auch nicht verdenken bei dem, was sie erwartet hätte. Und was hätte mich erwartet, wenn ich damals die schlimmen Sachen, die ich miterlebte, nach Außen getragen hätte? Es hätte mich (nur) meinen Job gekostet… Ich soll ein guter Altenpfleger gewesen sein?
Du wolltest dort etwas bewirken, wo du warst. Du wolltest von innen heraus etwas ändern. Bestimmt mochten dich die Alten.
Ich war zu schwach. Ich machte mich mitschuldig. Lassen wir das Thema.
Wir Menschen müssen schlimme Dinge erleben, um innerlich zu reifen. Ich habe Respekt vor dem, was du als Altenpfleger geleistet hast. Viele Menschen würden den Hut vor dir ziehen.
HA-HA. Entschuldige, dass ich laut lachen muss.
Du bist verbittert.
Gut möglich.
Vielleicht kann dir Gott Trost geben.
Gott?
Ja, Jesus Christus, sein Sohn, der für uns am Kreuz starb und uns unsere Sünden vergab.
Ist das dein Ernst?
Mein Bruder, du bist zurzeit einsam, quälst dich mit Selbstvorwürfen und hast kein wirkliches Zuhause mehr… Gott hat immer ein offenes Ohr für dich. Du kannst ihm alles sagen. Und unsere Gemeinde wird dich voller Güte in die Arme schließen.
Scheiße. Ich glaube, wir beenden an diesem Punkt besser das Gespräch. Ich komme schon klar. Ich habe nichts gegen Gott und Jesus. Aber…, sei mir bitte nicht böse, ich gehe lieber in den Puff oder in die Kneipe als in die Kirche. Ich brauche nichts als die Wahrheit, und die sehe ich Tag für Tag auf der Straße. Und, wie`s aussieht, ist die Wahrheit verdammt hässlich, aber das macht nichts. Das habe ich nun erkannt. Danke… – danke fürs Gespräch.
Gott ist mir dir, Bruder.

Blablabla

Was ich witzig an Löws Analyse zum desolaten Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball WM 2018 finde, ist, dass ich auf die Grundaussagen, die er aktuell traf, als relativer Fußball Laie bereits kam, als die Deutschen noch im Turnier waren. Nichts als Blablabla von ihm.
Okay, wenigstens angestrengt haben sie sich gestern gegen den Weltmeister Frankreich. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, bei dem horrenden Salär, das die Fußball Stars erhalten.
Stimmt, Fußball interessiert mich gar nicht besonders. Aber ich sehe doch einiges, was sich prima auf andere Gesellschaftsbereiche übertragen lässt. Ich schaue mir den Käse an, weil er exemplarisch für die gesamte Schieflage in unserer Republik ist (und weil ich nichts besseres zu tun habe). Ich meine nicht nur die Schieflage, dass das Geld stets hin zu den Reichen fließt, und die Armen weiter ausgebeutet werden. Was mir ebenso bitter aufstößt, sind diese blöden Analysen und Sprüche, die von den Verantwortlichen abgesondert werden – das ganze Blablabla. Niemand redet mal Tacheles, weil ein jeder an seinem Pöstchen klebt. Unsere Bundeskanzlerin ist darin Spitzenreiterin. Aber die anderen Politiker liefern auch jede Menge Verdummungsgeschwätz ab. Bestimmt glauben viele selbst dran, was sie da an Blablabla unters Volk bringen. Sie müssen dran glauben, oder sie gehen seelisch vor die Hunde. Ich gehe halt mal davon aus, dass jeder Mensch eine Seele hat, selbst Politiker, Funktionäre und Banker.
Der Jogi kommt ja bei vielen gut an, besonders bei Frauen. Kann mir mal jemand verraten, warum? (Ist es sein Dackelblick?)
Auch die Merkel hat einen Schlag bei… ich weiß nicht. Ich weiß es nicht. Bei wem nur??
Nun lief mal wieder ein Aufschrei durch die Republik, als sich in Chemnitz der Mob sammelte und von extrem Rechten und Neonazis angeführt seinen Ausländerhass herausschrie. Anlass war ein Tötungsdelikt am Rande eines Stadtfestes. Als Täter wurden Ausländer verdächtigt. Kann ja sein. Jeden Tag passieren in Deutschland abscheuliche Verbrechen von Einheimischen und eben auch von Ausländern. Der Mob zog also unter dem Deckmantel eines Trauermarsches durch Chemnitz und betrieb Hetze gegen Ausländer, verbal und… Ich war nicht dabei und weiß nicht, ob es zu regelrechten Hetzjagden gegen fremdländisch aussehende Mitbürger kam. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Schritt dahin nur ein kleiner war. Immer mehr Stimmen machen sich breit, die sagen, dass es keine Hetzjagden gab. Dann vielleicht das nächste Mal? frage ich mich. Und was höre ich dazu über die Medien, in TV-Diskussionen etc.? Blablabla. Für mich ist schon lange klar, dass es in Deutschland eine latente Fremdenfeindlichkeit gepaart mit Rassismus und Antisemitismus gibt. Das ist keine fuckin` neue Erscheinung. Dieses krude rechte Gedankengut war zu allen Zeiten auch in der Mitte der Gesellschaft vertreten – man musste bei der ein oder anderen Stammtischdiskussion nur mal genau hinhören. AfD und Pegida schöpfen lediglich aus einem bereits vorhandenen Potential. Und im Osten haben sie aufgrund des dort teilweise immer noch vorherrschenden Minderwertigkeitskomplexes am meisten Erfolg.
Eigentlich sind die Zusammenhänge ganz einfach. Dazu muss man keine Experten und (fragwürdigen) Statistiken bemühen. Man muss sich dort, wo man lebt, nur mal umgucken… Die Hässlichkeit vieler menschlichen Umtriebe springt jedenfalls mir direkt ins Auge. Ich mache da keine Unterschiede zwischen rechts oder links, zwischen Deutschen und Ausländern. Wenn ich nur mal hier in Berlin die Machenschaften der arabischen Clans betrachte, wird mir ganz anders… Aber deswegen empfinde ich nicht automatisch eine Abneigung gegen alle Ausländer, Migranten oder Flüchtlinge.
Oder um auf den Fußball zurückzukommen: Wenn ein Spieler mit ausländischer Herkunft ein Tor schießt, ist er verdammt schnell integriert. Auf der anderen Seite: Wenn ein gut integrierter Ausländer auf dem Platz versagt, ergießt sich verbal-rassistische Hetze über ihn. So einfach sind wir Menschen gestrickt. Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Mal so zwischendurch

Ich finde es vorsichtig gesagt unverschämt, dass den Leuten komplexe Gesetzeskonstruktionen wie das Datenschutzgesetz oder das Urheberrecht vor den Latz geknallt werden, ohne ihnen eine Anleitung oder anderweitige Hilfen an die Hand zu geben, wie sie z.B. als Blogbetreiber nicht in Konflikt mit diesen Vorschriften kommen. Ein solches Vorgehen öffnet z.B. Tür und Tor für ungerechte und unverhältnismäßige Abmahnpraktiken, mittels derer sich fiese und skrupellose Anwälte bereichern. So einfach kann Geld verdienen nur in einer verkorksten Gesellschaft sein. Für jeden Scheiß braucht man heute ein Spezialwissen oder entsprechende Beratung. Das sieht in meinen Augen so aus, als ob man gar keine mündigen Bürger wünscht, indem man Gesetze und Vorschriften derart kompliziert gestaltet und im Fachjargon formuliert, dass man unmöglich allein mit dem gesunden Menschenverstand durchsteigt. Und wer sind die, die uns sowas zumuten? Ja, das wüsste ich gern, wer diese vermaledeiten Armleuchter sind, die solche Gesetze auf den Weg bringen und verabschieden. Keiner kann mir sagen, dass unsere Politiker da besser durchblicken, wenn sie nicht gerade Jura studierten, als… ich oder du, als der Laie von nebenan, der zuhause einen Computer hat und vielleicht aus privaten oder geschäftlichen Gründen ein Blog oder eine Website anlegt.
Mann, ich könnte platzen vor Wut! Das ist genau das, was ich an unserem Gesellschaftssystem schon immer hasste! Dieses an der Realität und dem Volk vorbei entscheiden… Die Menschen werden eingeschüchtert und kleingehalten. Alle paar Jahre sollen sie das richtige Kreuzchen machen und ansonsten am Besten die Schnauze halten, jeden Scheiß erdulden und brav in ihrem Job malochen.
So gesehen gehöre ich auch zu den Wutbürgern, aber nicht zu dem rechten Gesocks um AFD und Pegida, sondern zu den roten Socken. Ab und zu muss man mal Dampf ablassen! Auch dazu ist ein Blog da. Und ich finde es klasse, dass wir alle diese Möglichkeit im Internet nutzen können. Aber vielleicht gibt es gute Gründe, warum ich meine Meinung anonym sagen will, nicht um als Troll das Web unsicher zu machen, sondern weil ich z.B. nicht will, dass mein Arbeitgeber oder meine Verwandtschaft hier liest. Als ich noch in der Altenpflege arbeitete, prangerte ich manche Missstände, die ich erlebte, an (nannte selbstverständlich dabei niemanden namentlich). Trotzdem wäre mein Arbeitgeber sicher nicht begeistert gewesen, wenn er auf den ein oder anderen Text auf meinem Blog gestoßen wäre. Solchen Konflikten will ich durch meine Blog-Anonymität aus dem Wege gehen, weil ich natürlich auf meinen Arbeitsplatz angewiesen bin. Es kann aber auch andere meiner Meinung nach legitime Gründe geben für das Aufrechterhalten der Anonymität im Netz…

So, das war`s erstmal. Ich würde mir ein paar Gedanken von euch dazu wünschen. Bin ich mit meinem Ärger allein? Sehe ich die Dinge falsch?