Finale, Sommerpause, scheinheilige Moral und Rätsel

Wetten können noch angenommen werden. Frankreich gegen Kroatien. Danach ist der WM-Spuk auch wieder vorbei, und das Sommerloch kann sich ungehindert ausbreiten: keine Events und Spektakel, 50% der Deutschen auf Mallorca oder sonst wo (vielleicht auch etwas weniger), kein Polithorror, nur das übliche Tagesgeschäft mit abgeschobenen Flüchtlingen und einigen, die auf dem Weg ins geheiligte Europa im Mittelmeer ertrinken… nichts, worüber man sich noch aufregen müsste, schon gar nicht im Urlaub. Auch Trump könnte sich und uns dann mal eine Auszeit gönnen. Obwohl ich seinen Unterhaltungswert inzwischen schätze. Kann man sich noch eine Welt ohne Donald vorstellen?
Auch gut, dass diese thailändische junge Fußballmannschaft inzwischen aus der Höhle befreit werden konnte. Mann o Mann! Solche Aufregungen braucht man nicht in der Sommerpause. Die ganze Welt fieberte mit ihnen. Nun soll gar ein Film über die spektakuläre Rettungsaktion gedreht und aus der Höhle eine Touristenaktion gemacht werden. Das ist doch was! Hoffentlich kriegen die Familien der Fußballer etwas ab vom Braten – dann müssen sie nicht nach Europa auswandern…
Was las ich kürzlich in einem Artikel der Süddeutschen: „Es fällt uns leicht, mit den in der Höhle eingeschlossenen thailändischen Jungen mitzuleiden. Für Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer steht die Empathie dagegen infrage. Das ist ein gefährlicher Zivilisationsverlust.“ 
Wo er recht hat, hat er (Matthias Drobinski) recht, oder? Wir westlichen Wohlstandsbürger sind schon ziemlich pervers. Aber gut, neu ist das auch nicht. Ein Wunder jedoch, dass solche moralischen Diskrepanzen überhaupt noch jemandem auffallen.
Also, wie sieht`s aus? Deutschland – Kroatien… Ach, was schreibe ich! Frankreich – Kroatien natürlich. Spielten die Deutschen überhaupt mit bei dieser WM?
Mal sehen, wo ich mir das Endspiel nachher 17 Uhr angucke. Biergarten wäre nicht schlecht. Ich tippe, dass Frankreich gewinnt. Aber knapp. Die Kroaten werden kämpfen wie die Löwen. Nur die Franzosen sind abgebrühter, denke ich, und verfügen insgesamt über mehr spielerisches Potential. Ich hoffe einfach auf ein spannendes und gutes Finale mit `ner Menge Torszenen.
Hier mein Tipp: 2 zu 1 für die Frenchmen.
Zuletzt noch eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Ich muss sie endlich mal loswerden, auch weil`s thematisch gut passt. Wer mich kennt, der weiß, dass mich Mysterien faszinieren. So vieles auf der Welt entbehrt jeglicher Vernunft und lässt sich in meinen Augen nicht erklären. Kurz und gut: Warum rotzen/spucken Fußballer ständig? Was ist mit diesen Typen los? Kann man dieses Phänomen auch beim Damenfußball beobachten? Gibt es dazu Untersuchungen oder nachvollziehbare Erklärungen?

Frauen verstehen

Dass ich beruflich immer viel mit Frauen zu tun hatte, minderte zwar meine Hemmungen ihnen gegenüber, aber ein Frauenversteher wurde ich darum nicht. Zurzeit kommt es mir so vor, als seien sie mir ferner denn je, diese wundersamen Geschöpfe, die derart viel Anziehungskraft auf meine männliche Seele ausüben. Es ist weit mehr als das Sexuelle. Ohne Frau bin ich als Mann nicht komplett, – zwar überlebensfähig, aber nicht richtig lebendig. Als wäre die Farbe aus meinen Tagen verschwunden… In meinem Singledasein vegetiere ich dahin, schleppe mich durch ein selbstgezimmertes Beschäftigungsprogramm, aber Freude kommt dabei nicht wirklich auf.
Darum nehme ich auch immer wieder Anlauf…, verliebe mich neu. Es passiert einfach. Das Glück reicht mir die Hand und zieht mich an Bord. Ich will nicht wissen, dass das Glück nur trügerisch ist. Wie ein Verdurstender genieße ich es in vollen Zügen. Insgeheim bleibt freilich eine Restskepsis. Mit den Jahren sammelte man einige Erfahrungen mit Frauen. Nichts ist bei diesen Wesen, wie es scheint. Oder wie Heinrich Heine schreibt: „Bei Weibern weiß man niemals, wo der Engel aufhört und der Teufel anfängt.“
Täglich kann man in den Medien die Scheidungsdramen und neu aufflammenden Liebesbeziehungen der Reichen und Schönen verfolgen. Was wäre die Welt ohne dieses ganze Hin und Her in der Liebe?
Mann und Frau passen nicht wirklich zusammen, aber ohne einander können sie auch nicht. Es gibt keinen besseren Stoff für Tragödien, Romane und Lustspiele.
Kurz und gut: Mit meinem Scheitern in der Liebe bin ich alles andere als allein. Sisyphos lässt grüßen. Die Damenwelt wird mich so schnell nicht los.

Passend zum Thema „Frauen verstehen“ schickte mir meine Bürokollegin per Mail einen Witz:

Ein Mann geht an einem kalifornischen Strand spazieren und stolpert über eine alte Lampe. Er hebt sie auf und reibt an ihr und schon kommt ein Geist heraus.
Der Geist sagt: „OK, OK, du hast mich aus der Lampe befreit, Blablabla. Das ist schon das vierte Mal in diesem Monat und mir wird diese ewige Wünscherei so langsam leid, also vergiss das mit den drei Wünschen, du hast nur einen Wunsch frei!“
Der Mann setzte sich und dachte eine Weile nach, dann sagte er: „Ich wollte schon immer mal nach Hawaii, aber ich habe Angst zu fliegen und ich werde schnell seekrank. Könntest du mir eine Brücke nach Hawaii bauen, damit ich dort hinfahren kann?“
Der Geist lachte und sagte: „Das ist doch unmöglich. Denk‘ doch mal an den Aufwand! Wie könnten die Säulen bis auf den Boden des Pazifiks gebaut werden? Denk‘ an die Mengen von Stahl und Beton! – Nein! Denk‘ dir was anderes aus!“
Der Mann sagte „OK“ und versuchte sich einen wirklich guten Wunsch auszudenken. Schließlich sagte er: „Ich habe nie die Frauen verstanden, nie gewusst, wie sie in ihrem Inneren fühlen und was sie denken, wenn sie schweigen; nie gewusst, warum sie weinen, nie gewusst, was sie wollen, wenn sie „ach nichts!“ sagen; nie gewusst, wie ich sie wirklich glücklich machen kann. Mein Wunsch ist also, die Frauen verstehen zu können!“
Der Geist schaute den Mann etwa eine Minute lang an, dann erwiderte er:
„Willst Du diese Brücke zwei- oder vierspurig?“

Rührei in der Mikrowelle

Man kann eine Menge machen im Leben, z.B. Rührei in der Mikrowelle. Da unser Büro unweit der Kaffeeküche liegt, kriege ich solcherlei Ereignisse am Rande mit. Der junge Kollege mit den strahlenden Augen erklärt das Rezept. Er ist ein großer schlaksiger Kerl, ein echter Sonnenschein mit tiefer sonorer Stimme. Regelmäßig veranlasst er die Hühner zu Lachtiraden. Alle mögen ihn. Er gehört zu den Menschen, denen man schwer was krummnehmen kann. Wenn er die nötige Kohle hätte, würde er ein Fitnessstudio aufmachen, erzählte er, das sei sein Traum. Wenigstens hat er einen Traum…, dachte ich bei mir, – beneidenswert. Was man nicht alles macht. Vor ein paar Jahren hatte ich null Ahnung von Tumordokumentation, und nun verbringe ich wöchentlich 40 Stunden damit. Hätte ich wie mein junger Kollege einen Traum, würde es mir vielleicht nicht so schwerfallen. Wirklich, ich kann mir keinen Traumjob vorstellen. Mein beruflicher Ehrgeiz hält sich somit stark in Grenzen. Immerhin mache ich mit der Tumordokumentation was halbwegs Sinnvolles. Oder? Meiner Kollegin und mir kommt es immer häufiger so vor, als ob wir ohne Sinn und Verstand die Daten ins Dokumentationssystem kloppen. Das zugrundeliegende Konzept erscheint mir verworren und unzureichend durchdacht. Politischer Aktionismus? Mehr Schein als Sein? Hat überhaupt jemand den Durchblick – Krankenkassen, Ärztekammer, Senat? Die Onkologischen Zentren? – Unglaublich, wie viele Organisationen und Parteien involviert sind. Man kann nur hoffen, dass in den Leitungsebenen sehr gescheite Köpfe sitzen. Unsere Arbeit wird schon von Nutzen sein, sonst würde doch nicht solch ein Aufwand betrieben werden…
Das Wochenende steht wie immer im Zeichen des Blues. Jetzt nicht mehr über den Job nachdenken. Morgen geht`s bereits wieder ran an die Buletten. Tausende Tumorfälle warten in den Stahlschränken.

Die Fußball WM lief an. Heute Deutschland gegen Mexiko. Der Fußball bedeutet etwas Ablenkung – von der Arbeit, vom Schwarzen Hund, von allem. Ich glaube, es geht nicht nur mir so. Die Kneipen und Pubs voller Leute. Und ich mittendrin. Mal sehen, – weil zu voll mag ich es nicht. Vielleicht besser im Biergarten. Dort bauten sie eine Leinwand auf. Das Wetter scheint auch zu passen. Nur kein Stress. Notfalls schaue ich mir das Drama zuhause auf der Couch an. Nach den jüngst abgelieferten Leistungen der Deutschen Mannschaft bei den zwei Testspielen, bin ich einigermaßen besorgt. Ein Tipp fällt mir schwer. Aber Löw wird schon wissen, was er tut. Oder? Wie stark ist Mexiko? Das Ballspiel hat dort eine lange Tradition… noch aus Zeiten der Mayas. Aber natürlich hat der moderne Fußball mit den damaligen Bräuchen gar nichts zu tun. Heute steht der Spaß im Vordergrund. Na ja, und das Geld. Bei solch internationalen Turnieren auch Völkerverständigung. Ein Spiel erobert für vier Wochen die Welt. Selbst der ein oder andere Fußballignorant wird von der Stimmung mitgerissen. Das rätselhafte Wesen Mensch findet sich affenmäßig zusammen, um auf einen Bildschirm zu glotzen, wo zwei Mannschaften auf einem Spielfeld 90 Minuten lang einem Ball nachjagen, welchen sie nach gewissen Regeln in den Kasten des Gegners befördern müssen. Oder so ähnlich. Was man nicht alles macht. Mehr oder weniger leidenschaftlich. Wie Rührei in der Mikrowelle…

Das Fermi-Paradoxon

Es gibt zwei Antworten darauf, warum wir bisher noch keine Außerirdischen entdeckten. Sie sind entweder längst unter uns und verstecken sich prima, oder es ist quasi unmöglich, ihre Spuren im Kosmos zu entdecken, geschweige denn ihnen in Realo zu begegnen. Die schiere Vielzahl an Galaxien, Sternen und Planeten müsste selbst nach sehr ungünstigen Berechnungen immer noch eine große Anzahl von Alien-Zivilisationen bedingen. Doch wo sind sie? In Fachkreisen redet man vom Fermi-Paradoxon. Eine Theorie dazu erklärt der Philosoph Nick Bostrom in folgenden Sätzen:
„Man beginnt mit Milliarden von potenziellen Keimstellen für Leben und man landet am Ende bei einer Summe von Null außerirdischen Zivilisationen, deren Existenz wir beobachten können. Der große Filter muss also stark genug sein, dass man sogar mit Milliarden von Möglichkeiten nichts erreicht: keine Aliens, keine Raumschiffe, keine Signale — zumindest keine, die wir wahrnehmen können.“
Der große Filter ist es also. Er siebt uns als Zivilisationen in kosmologischen Zeiträumen einfach aus, so dass nicht mal der kleinste Krümel von uns übrigbleibt. Oder anders ausgedrückt: Alle Zivilisationen vernichten sich selbst, bevor sie den galaktischen Quantensprung schaffen – also bevor sie eine Technologie entwickeln konnten, sich weit über ihr Sonnensystem hinaus zu verbreiten.
Es gibt nicht wenige Wissenschaftler, die glauben, dass dieser Zeitpunkt für die Menschheit gekommen ist. Wir stehen am Scheideweg. Der große Filter wird auch uns erfassen, wenn wir weiterhin so sorglos mit unserem Planeten umgehen. Die Gefahren des Klimawandels werden unterschätzt. Ebenso ist die Gefahr eines eskalierenden nuklearen Vernichtungskriegs (trotz des Endes des Kalten Krieges) noch lange nicht gebannt. Die Gefahren, dass sich die Menschheit relativ kurzfristig selbstauslöscht, waren noch nie so hoch. Aber offenbar sind wir inzwischen gegenüber solchen apokalyptischen Vorstellungen total abgestumpft. Wir tanzen lieber auf dem Rand des Vulkans. Wir machen so, als gäbe es kein Ende. Für beinahe acht Milliarden Menschen geht derzeit die Sonne auf. Tag für Tag. Und alle machen einfach weiter, beharren auf dem Wachstumsgedanken – hinein in den Irrsinn. Wie können wir nur so blind in die Zukunft schauen?
Offenbar ist der große Filter eine Art Naturgesetz.

Was aber, wenn die Außerirdischen längst unter uns leben? Vielleicht sind einige Regierungen mächtiger Länder von ihnen infiltriert. Das könnte doch einiges erklären…
Oder ich bin ein Alien, und weiß es nur nicht. Oder bereits alle anderen sind Aliens. (Daran denke ich jeden Tag.) Vielleicht sind wir Menschen gar keine Kinder dieser Erde, sondern wurden hier vor vielen Tausend Jahren sozusagen auf eine neue Welt losgelassen. Eine Saat des Bösen. Eine Strafkolonie. Weit weg von den guten Alien-Zivilisationen.

Hund, der ins Bild läuft, am Bülowbogen

Ich male mal wieder. Bitte nicht falsch verstehen. Was für mich Malen ist, dazu würden viele Schmiererei sagen. Das Ergebnis versteht sich von selbst – Kunst ist das nicht (egal). Ich schmiere also Acryl Farbe auf eine Leinwand, wobei ich mir viel Zeit lasse. Manche Tage sind es nur wenige Pinselstriche oder ich habe schlicht gar keine Lust. Aber es kann mich auch überkommen, und die Zeit verfliegt nur so, während ich vor dem Bild stehe und immer wieder neu daran herumwerkele. Kurz und gut: ich mache mir damit keinen Stress.
Nachdem sie weg war, stellte ich die Staffelei auf. Ich wollte schon seit `ner gefühlten Ewigkeit wieder ein Bild malen. Nun hatte ich den Ansporn, die in den letzten Jahren gemalten und in der Wohnung aufgehängten Bilder nach und nach durch neue zu ersetzen. Bei dem Tempo wird es freilich noch ein Weilchen dauern, bis überall neue „Schmierereien“ von mir hängen.
Ich mag die meisten meiner Erzeugnisse. Bilder oder Gedichte. Sie kommen aus mir. Sie repräsentieren mein Inneres. Schon etwas mehr als nur Scheiße.
Es ist immer fatal, wenn man versucht, sich vergleichend zu bewerten. Sowieso im kreativen Bereich. Ich allein muss mit dem Ergebnis zufrieden sein. Der Entstehungsprozess ist unter Umständen viel wichtiger als das Endprodukt. Der Weg ist das Ziel… Ich muss mich mit dem, was ich mache, identifizieren können… Mein Gott, was labere ich hier ab? – ich sollte besser den Pinsel in die Hand nehmen. (Ha-ha – „Pinsel in die Hand nehmen“ ist gut – ha-ha!)
Ich habe sogar schon eine Idee für den Titel des Bildes: „Hund, der ins Bild läuft, am Bülowbogen“.
Wenn man wie ich nichts richtig kann, dann ist Malen `ne super Sache. Das kriegt jeder hin – man muss einfach wieder ein Stück Kind werden und ein paar Hemmungen und Ansprüche über Bord werfen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Anspruchsdenken in der Kunst tödlich ist. Ups – habe ich „Kunst gesagt? (Egal.)
Das ist es, was ich an unserer Welt am Meisten hasse: das auf Anspruch und Leistung dressierte Denken.
Was in unserer heutigen Welt als Kunst proklamiert wird, ist vor allem Künstlichkeit. Viel zu weltfremd, viel zu weit weg vom Individuum und seiner Lebenswirklichkeit. Die Inszenierung steht im Mittelpunkt.
Dabei bedeutet Kunst originär nichts anderes als der Prozess unserer Bewusstwerdung als Mensch, als denkende und fühlende Kreatur gegenüber einem Kosmos voller wahnsinniger Erscheinungen…; und jeder von uns, jeder Mensch kann einen Pinsel in die Hand nehmen und sich seine Existenzfragen von der Seele schmieren. Vergesst die sachverständigen Arschlöcher, die euch weiß machen wollen, was Kunst ist und was nicht. Befreit euch von dieser Gängelung. Lasst raus, was in euch steckt! Alle Menschen sind Künstler.
So. Fertig.
(Mit dem Bild noch nicht. Wahre Schmiererei braucht ihre Zeit.)

Blind

Würden alle Menschen in Burkas rumrennen, wären wir bei den allermeisten ziemlich verblüfft, wenn sie ihr Gesicht enthüllten. Vorausgesetzt freilich, wir hätten vorher eine gewisse Zeit lang Gespräche geführt oder in irgendeiner Sache miteinander zu tun gehabt.
Erkenntnis: Nicht jeder harte Typ sieht wie Clint Eastwood aus, und umgekehrt ist nicht jeder mit harten/markanten Gesichtszügen ein harter Typ. Ebenso verhält es sich bei Frauen: hinter einer erotischen Stimme muss sich keine Madonna oder Marylin Monroe verbergen, wie man umgekehrt geschockt sein kann, wenn eine schöne/sexy Frau den Mund aufmacht.
Ich weiß, das ist keine neue Erkenntnis. Trotzdem sind wir jedes Mal überrascht, wenn es uns passiert. Zu leicht lässt sich unser Hirn in die Irre führen. Viele kennen diesen Effekt vielleicht aus ihren Erfahrungen mit Blind Dates. Ich auch. Trotzdem bereue ich keines. Ich halte nichts davon, sich vorher Bilder zu schicken. Erstmal sollte ein intensiver geistiger Austausch stattfinden. Wenn sich dabei eine Vertrautheit entwickelt, bleibt zwar die Gespanntheit darauf, wie der andere wohl aussieht, aber meistens kann man dann die Abweichungen von der eigenen Vorstellung relativ gut wegstecken. Mit etwas Glück gewöhnt man sich sogar an den „neuen“ Anblick und findet intensiver zueinander. Ja-haha. Kann passieren. Ich mag diesen Weg des Kennenlernens, weil er zuerst weniger äußerliche, sondern innerliche Prädikate in den Vordergrund stellt. Klar, nicht alles, was sich innerlich einig ist, kann sich auch äußerlich… verbinden. (Härtefälle kommen leider vor.)
Oder der umgekehrte Fall: Da ist man sich möglicherweise zuerst durch die Erscheinung* sympathisch und passt sein Inneres daraufhin an. In der Zeit der Verliebtheit geht einem diese „Anpassung“ auch leicht von der Hand. Als intelligenter Mensch wischt man die geistigen Diskrepanzen lässig als irrelevant vom Tisch. Das kann lange gut gehen. Solange es mit dem Sex klappt, solange man viel miteinander unternimmt, solange man gemeinsame Wünsche und Ziele hat… Sowieso entwickelte sich längst eine intime Vertrautheit im Alltag. Man kann doch mit niemandem in allen Themen einer Meinung sein. Unterschiede wirken anregend. Auch hat man schon so viel miteinander erlebt…

Was ich eigentlich sagen will: Mir sind die echten Masken lieber als die vorgespiegelten. Lieber vordererst bewusst blind als das unwillkürliche Hineinschlittern in eine Blindheit. Okay. Ich weiß. Wie immer kann auch alles ganz anders laufen…

 

* hinzu kommt der Effekt des situativen Kennenlernens