In der ersten WM-Woche

Tat echt weh, als die Deutsche Mannschaft gegen die Japaner verlor. Zwischendurch sah ich Gutes im deutschen Spiel aufblitzen. Aber zu einem Sieg gehören eben Tore. Nun wird es sauschwer gegen Spanien am Sonntag. Tut mir vor allem leid für den Hansi Flick – irgendwie mag ich ihn. Vielleicht liegt`s daran, dass er aus meiner alten Heimat (Heidelberg) stammt.
Egal, es kommt wie`s kommt. Ich werde mir die WM auch ohne deutsche Beteiligung anschauen, jedenfalls das ein oder andere Spiel. Wer wird letztendlich Weltmeister – Spanien, Portugal, England, die Niederlande, Frankreich, Senegal, Brasilien, Ecuador, Japan? – Ecuador gefiel mir ausgezeichnet gegen das Oranje-Team, und den flinken, fleißigen Japanern würde ich es auch gönnen. Es müssen nicht immer die Favoriten sein, die sich den Pokal holen.

Ansonsten: Alles läuft ganz normal weiter: Da und dort ein bisschen Krieg, ein paar Klima-Kleber, schwachsinnige Politik, unterirdische Fernsehunterhaltung, heuchlerische Moraldebatten, Energiekrise, Inflation, Black Friday, Konsumirrsinn, Vorweihnachtszeit…  Von Woche zu Woche geblitzdingst und das Leben ist lalalala-wunderbar.

Macht euch locker

Heute startet die so sehr in der öffentlichen Kritik stehende Fußball-WM in Katar.
Noch immer warte ich auf meinen normalerweise alljährlichen Katarrh der Atemwege. Den letzten hatte ich Ende 2019.
Ich werde mir bestimmt das ein oder andere Spiel der WM anschauen.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Entschuldigung.)

Wieso soll ich die WM durch Nichtgucken boykottieren? Viele reagieren meines Erachtens wie trotzige Kinder: „Gucke ich nicht! – Nein, ich gucke diese WM nicht!“ Der Suppenkasper lässt grüßen.
Wir Deutschen gefallen uns viel zu oft in der Rolle der Spaßbremse.  Okay, ich bin auch nicht gerade der große Gute-Laune-Verbreiter. Darum trinke ich gern Bier… um mich locker zu machen.
Nicht, dass ich was gegen moralische Einwände hätte. Aber: Schon vergessen, wohin Deutschland seine Waffen liefert? – Nur mal so als Nachdenkimpuls.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Enschuldigung.)

Unglaublich, was für ein Spaltpilz während der letzten Jahre um sich greift. Wir lassen uns in Geimpfte und Ungeimpfte spalten, in Richtigdenker und Querdenker, in Raucher und Nichtraucher, in verantwortlich Handelnde und Asoziale, in Ukrainefreunde und Russlandfreunde, in Weltretter und Klimaleugner, in WM-Boykotteure und WM-Gucker… und vieles mehr.
Macht euch mal locker, Leute. Ich beiße nicht. Ich bin ungeimpft, vor allem ungeimpft von Ideologie.

Ich schütze mich

Ich bin unter meinen Kollegen und Kolleginnen einer der wenigen nach wie vor Ungeimpften, wenn nicht der einzige Ungeimpfte. Viele sind mehrfachgeimpft. Seit Anfang der ausgerufenen Corona-Pandemie 2020 war ich nicht krank. Ich fiel nur 2 Tage aus, weil ich mir den Magen verdorben hatte. Meine Corona-Schnelltests waren stets negativ (ich musste mich regelmäßig testen, wenn ich ins Büro kam). Mir kommt das fast schon unheimlich vor, denn der Krankenstand unter den Geimpften ist maximal hoch. Viele bekamen trotz der Impfung Corona. Vielleicht litten auch einige an Impfnebenwirkungen, was natürlich laut unserem Bundesgesundheitsminister unmöglich sein kann – lieber wird von Long Covid gesprochen.
Aktuell startet eine neue Impfkampagne aus dem Bundesgesundheitsministerium unter dem Motto „Ich schütze mich“. Die kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen. Lachen ist bekanntlich die beste Medizin.
Also, liebe Leute, lasst euch impfen! Damit macht ihr den besten Gesundheitsminister, den Deutschland je hatte, glücklich. Dass ich als Ungeimpfter noch nicht an Corona erkrankte, ist sicher ein glücklicher Einzelfall (eine Anomalie).
Prost! Auf die Impfung! Auf Lauterbachs Impfkampagne! Auf die Gesundheit!

Womit ich wiedermal bei der Frage wäre, ob Ehrlichkeit immer das Beste ist

Oder: Wo macht Ehrlichkeit Sinn, und in welchen Situationen sind Lügen oder das Vorenthalten von Information sogar angebracht/hilfreich (ohne deswegen Gewissensbisse zu bekommen)?

Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben log oder etwas verheimlichte. Ich weiß nur, dass dies bei mir jedes Mal ein Gefühl des Unbehagens auslöste. Sogar die sogenannten Notlügen, mithilfe derer man sich z.B. um eine Verabredung drückt, versetzen mir einen kleinen Stich in die Brust. Nichtdestotrotz log ich mich wie wahrscheinlich jeder andere durchs Leben. Als Egoisten, die wir Menschen in aller Regel sind, wollen wir uns gut darstellen bzw. das Beste für uns rausholen. Stellt sich die Frage, wie weit der Einzelne dabei geht.

Wenn wir auf Partnersuche sind, rücken wir unsere positiven Seiten in den Vordergrund und verschweigen weitgehend das Negative. Bei der Jobsuche oder dem Vorstellungsgespräch dasselbe, was ziemlich einsichtig erscheint… und gesellschaftlicher Usus sein dürfte. Intelligent, wie wir sind, geben wir wohldosiert ein paar Fehler/Schwächen zu, um beim Gegenüber authentisch und ehrlich rüberzukommen. Jeder kennt diese Spielchen. Alles Taktik.
Vorsicht vor Menschen, die ihre Ehrlichkeit besonders betonen!

Trotz aller nachvollziehbarer Rechtfertigungen zu lügen, mag ich Lügen nicht. Und noch mieser finde ich den Betrug durch das Verschweigen relevanter Tatsachen, weil meiner Meinung nach heimtückischer. Eine Lüge kann ich durch etwas Grips-Arbeit entlarven, aber wenn ich völlig im Dunkeln gelassen werde… tja.
Ich will gar nicht wissen, was uns Normalos alles vorenthalten wird. Echten investigativen Journalismus gibt es kaum noch. Wer den Mächtigen und ihren Geheimnissen zu nahekommt, muss sich warm anziehen oder gar um sein Leben fürchten.

Viele Menschen lügen oder schweigen, weil sie Angst vor Repressalien haben, sich schützen wollen. Viele lügen oder schweigen, weil sie sich dadurch Vorteile erhoffen, also ganz normales Arschlochverhalten. Wir sehen es im Großen wie im Kleinen. Wir leben inmitten eines Dschungels der Täuschungen und des Betruges. Ich wollte nie lügen… doch es kam der Tag, an dem ich es lernte und meine Unschuld/Naivität verlor.

(Bleibt die Frage, ob Ehrlichkeit überhaupt Sinn macht.)

Egal an was du stirbst, du stirbst auf jeden Fall

Im Allgemeinen stirbt jeder. Zumindest sind mir keine Highlander, Vampire, Unsterbliche oder hunderte Jahre alte Menschen bekannt, was nicht heißt, dass es die nicht gibt. Ich bin mittlerweile zur Überzeugung gekommen, dass ich zu den normalen Sterblichen gehöre. Ich sehe meine Tage dahinschmelzen. Das Leben ist eine Art Knast, in dem man sitzt und nicht rauskommen will…
Früher mochte ich den Herbst. Das änderte sich, seit ich mich selbst im Herbst meines Lebens befinde. Frühling und Sommer sind unwiederbringlich vorbei. Und während sich die Natur nach dem Winter wieder erholt und im Frühling des folgenden Jahres neu erblüht, wird mich der Tod zur letzten Ruhe betten. Nein, nicht unbedingt in diesem Winter. Möglicherweise fahre ich noch ein paar Runden mit auf dem Karussell. Vater und Mutter warten auf mich. Ich sehe sie winken. Keine Ahnung, warum das Karussell eine solche Anziehungskraft auf mich ausübt, so dass ich gar nicht mehr runterwill. Es ist zum Heulen.

Das Loslassen vom Leben und von der Liebe ist das Schwierigste. Das kann man nicht üben. Manche glauben an ein Leben nach dem Tod. Sie glauben an den Himmel oder an die Wiedergeburt. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich muss noch ein wenig Geduld haben. Es ist so, als würde ich in einer langen Reihe stehen, in welcher sich die Anstehenden Geschichten darüber erzählen, was denn am Ende auf sie wartet. Ich frage: „Warum stehen wir überhaupt wie Blödiane hier rum?!“ Von den vor und hinter mir Stehenden höre ich „Psst!“. Einige blicken mich mahnend an. Offenbar verletzte ich mit meiner Frage ein Tabu.

Ich denke: Das Leben ist nicht nur Knast, sondern explizit eine Todeszelle.

Wenn der Tag lang ist

… denke ich allerlei zusammen. Das meiste ist schnell vergessen. Das ein oder andere notiere ich mir, weil ich weiß, dass ich es sonst vergesse. Manches davon war es nicht wert zu notieren. (Egal.) Es ist so ähnlich wie mit den Steinen oder Muschelschalen an einem Strand, die ich aufhebe und einstecke. Zuhause schmeiße ich die meisten wieder weg. Sie sehen nicht mehr so glanzvoll aus wie bei erster Betrachtung.

Warum gibt es eigentlich für Deutsche keinen weiblichen Plural? fragte ich mich. Keine Ahnung, wo ich da gerade war. Vielleicht im Zug, oder auf dem Fahrrad, oder ich saß im Biergarten. Ich ging im Geiste alle möglichen Länder/Staaten durch und bildete den Plural der Bewohnerinnen:
Französinnen, Engländerinnen, Belgierinnen, Schweizerinnen, Amerikanerinnen, Schwedinnen, Russinnen, Polinnen, Chinesinnen…
Für Deutschland gibt es nur die Deutschen, weiblich wie männlich. Jedenfalls hörte ich noch nie von Deutschinnen oder Deutschländerinnen. (Ich bin gespannt, wie der aktuelle Genderisierungs-Wahn dieser sprachlichen Anomalie begegnet.)

Ist manchmal schon merkwürdig, was mir so alles durch den Kopf geht.

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin

Wenn ich mein Leben schon wegwerfe, dann doch bitte auf meine Rechnung mit Alkohol oder Drogen. Ich kann jeden verstehen, der beide Beine in die Hand nimmt, um nicht in einem mörderischen Krieg verheizt zu werden… für irgendwelche dubiosen Machthaber, die von Vaterland und Patriotismus salbadern, um das Volk bei der Stange zu halten…, dabei geht es diesen Schwätzern hauptsächlich um ihren eigenen Machterhalt.
Warum machen nur immer wieder so viele mit? Warum lassen sich so viele Menschen vor den Karren der Mächtigen spannen? Solche Fragen quälen mich regelmäßig. Zeitlos aktuell bleibt der Slogan der Friedensbewegung „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ (- eine wunderbare Utopie, oder nicht?) Als überzeugter Kriegsdienstverweigerer gehöre ich zu jenen, die nicht hingehen. Dabei geht es nicht allein um die Angst, im Krieg mein Leben zu verlieren… Ich will nicht zum Mörder werden (- schließlich hat man ein Gewissen). In jedem Krieg geschehen tausendfacher Mord und unfassbare Gräuel. Heutzutage verschleiert man die Kriege, indem man sie nicht mehr Kriege nennt. Man redet von Spezialoperationen oder Terrorbekämpfungen oder man verteidigt die Freiheit (wo auch immer und gegen wen auch immer). Welch Heuchelei!

Ich leistete lieber den sogenannten Ersatzdienst im Altenheim und landete, was ich mir nicht vorstellen konnte, in einer anderen Art Schützengraben…, wo täglich gestorben und gelitten wird, wo gute Menschen verheizt werden, mit ihren traumatischen Erlebnissen alleine gelassen werden, wo gelogen wird, dass sich die Balken biegen, wo Abstumpfung zur Notwendigkeit wird, wo Kritik nur hinter vorgehaltener Hand möglich ist… Ich befand mich fast 30 Jahre in einem Krieg in der Mitte unserer Gesellschaft, von vielen unbemerkt, von vielen ignoriert, von vielen peinlich berührt wahrgenommen, von den üblichen Schwätzern begleitet, die stets Verbesserungen versprechen.

Vielleicht sind Kriege, wie sie unübersehbar schrecklich und tödlich von Menschen gegen Menschen seit Jahrtausenden geführt werden, nichts anderes als ein grausiges Abbild innerer Kriege, die ständig ablaufen. Das Innere kehrt sich nach außen und zeigt die hässliche Fratze des Menschen. Oder ich bemühe das Bild des Vulkans, wo der Druck im Innern der Erde früher oder später einen Weg nach draußen finden muss, dann mit vernichtenden Auswirkungen.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ – Die Welt braucht Menschen und keine Schwätzer. Die Welt braucht Ehrlichkeit und keine Heuchelei. Die Welt braucht Entspannung und Liebe, nicht Druck und Hass. Die Welt braucht Menschen, die ihre Waffen niederlegen und sich umarmen.

Waffen für den Frieden?

Die Argumente unserer Politiker für Waffenlieferungen an die Ukraine ähneln an Kurzsichtigkeit stark denen der Waffenlobby in den USA. Der Wilde Westen sollte aber meiner Meinung nach langsam mal Vergangenheit sein.
Die Verfügbarkeit von Feuerwaffen erhöht immer die Wahrscheinlichkeit tödlicher Gewalt. Ihre Abschreckungswirkung funktionierte lediglich durch das monströse Vernichtungspotential und die Reichweite von Atomraketen während des Kalten Krieges…, wobei wir ganz schön Glück hatten.
Wer mit dem Feuer spielt, wird früher oder später im Feuer umkommen.
Ich weiß, dass meine pazifistische Denkweise aus der Mode gekommen ist. Waffen sind heute wiedermal sexy. Schon geil, so ein Leopard-Panzer… Mit was sonst soll man das Böse in der Welt im Zaume halten?
Der Teufel lacht sich indes ins Fäustchen.