Ein Beispiel aus besseren Blog-Zeiten

https://bonanzamargot.twoday.net/stories/6031533/

Ich durchforste immer mal wieder meine älteren Sachen, bleibe an dem ein oder anderen Gedicht oder Beitrag hängen. Damals bloggte ich auf Twoday und arbeitete in der Altenpflege. Berlin lag noch in weiter Ferne. Ich wohnte in Schriesheim am Tor zum Odenwald. Ich lese die alten Sachen und ein Stück vergangenes Leben kommt zurück. Es trifft mich hart und weich zugleich. Es erscheint mir weit weg und nah zugleich.
Ich ließ die Altenpflege hinter mir, weil ich die Schnauze voll hatte. Schon eine ganze Weile. Ich will die Gründe jetzt nicht vertiefen. Wer etwas Fantasie hat und die Pflegesituation in den letzten Jahrzehnten beobachtete, kann sich denken, was ich meine.
Ich ließ meine Heimat hinter mir und zog nach Berlin. Wenn nicht jetzt, wann dann? dachte ich, zumal eine Liebe in Berlin auf mich wartete… Ich migrierte zu WordPress, weil Twoday langsam zur Geisterstadt verkam. Innerhalb weniger Jahre ergaben sich gewaltige Umwälzungen in meinem Leben – privat und beruflich.
Was mein Schreiben angeht, blieb ich mir im Großen und Ganzen treu. Natürlich schreibe ich heute weniger Gedichte über die Altenpflege. Und momentan auch keine Liebesgedichte und Reiseberichte.
Ich kann nicht verhehlen, dass ich etwas enttäuscht von meiner neuen Blog-Heimat bin. Es mangelt an Diskutierfreudigkeit. Es geht mir gar nicht so sehr um die Likes. Viel wichtiger sind mir die Gedanken der Leser zu meinen Beiträgen.

    

Keep Cool

Ganz schön was los im Haus. Das durchdringende Geräusch einer Bohrmaschine schmeißt mich aus dem Bett. Es ist so laut, als ob es direkt von der anderen Seite der Wand kommt, an der ich schlafe. Im Treppenhaus ein morgendliches Getrampel auf und ab – wahrscheinlich die Handwerker und Bewohner, die vor dem Lärm fliehen, stelle ich mir vor. Ich gucke nicht durch den Spion. Das Bohren kann nicht endlos dauern, denke ich, und tatsächlich ist nach einer halben Stunde erstmal Ruhe. Ich sitze im Halbdunkel am Schreibtisch und tippe drauflos, ohne zu wissen, wohin es mich führt. Befinde ich mich bereits im Tag? Freundlich beginnt er nicht. Es ist kühl, aber ich will darum noch nicht die Heizung aufdrehen. Laut Thermometer an der Pinwand liegt die Zimmertemperatur bei 20°C. Zum Eisklumpen werde ich schon nicht werden. Der Blick aus dem Fenster zeigt einen düsteren nasskalten Herbsttag in Berlin. Die Wettervorhersage bestätigt, was ich sehe. Nein, ich lasse mich vom Wetter nicht runterziehen. Da gibt es andere Dinge, die an meinen Nerven zerren, die wie Backsteine auf meiner Brust liegen. Schon relativ am Anfang der erklärten Pandemie mit Lockdowns und allerlei Maßregelungen konstatierte ich, dass ich vor den Menschen mehr Angst habe als vor dem Virus. Die meisten meiner Mitmenschen sehen es genau umgekehrt. Für sie bin ich ein Wirrkopf oder schlimmer. Es wird in der Öffentlichkeit und in den Medien in diesem Zusammenhang mit allerlei abwertenden Attributen herumgeworfen. Gute Bekannte melden sich nicht mehr. Verachtung liegt in der Luft. Man fühlt sich zum Bürger 2. Klasse degradiert. Ungeimpfte dürfen dies und das nicht mehr. Längst wurde die freiwillige Impfung durch vielfältige Verordnungen zum Impfzwang, besonders in einigen Berufsgruppen. Ich halte dieses ganze staatlich legitimierte Vorgehen gegen Ungeimpfte für menschenverachtend. Es passiert hier gesellschaftliches Mobbing der fiesesten Art. (Und nein, liebe Freni, ich steigere mich da in nichts hinein.)
Gut, dass es auch Menschen gibt, die sich impfen ließen aber das Ganze nicht so verbissen sehen, die ihren gesunden Menschenverstand noch nicht an Staat und Massenmedien abgegeben haben. Und dann gibt es natürlich jene, die mutig gegen die staatlichen Maßnahmen demonstrieren und im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kopf hinhalten, oder die in den alternativen Medien kritisch berichten und nicht nachlassen, die Fehler, Widersprüche und Lügen unserer Regierenden zu benennen. Es ist gut zu wissen, dass man mit seiner Wahrnehmung und seinen Gefühlen nicht alleine steht – auch wenn es mir manchmal (z.B. auf meinen Blogs) so vorkommt. Viele trauen sich nicht, offen zum Thema Corona und Impfung zu reden, oder sie gehören zu denjenigen, die für Menschen wie mich nur Verachtung übrighaben.

That`s it.
Der Herbsttag grinst frech zu mir in die Wohnung, als wolle er sagen „keep cool, old boy“… Ich weiß, jeder Scheiß hat einmal ein Ende: Bohrmaschinen am Morgen, keifende Frauen, Regentage, Kälte, Winter, Hunger, schlechte Regierungen, Diktaturen, Faschismus, Unterdrückung, Gewalt, Kriege, Corona, Krankheiten…

Schätze, es wird Zeit für einen Drink.

 

Keine Glosse

Die Mehrheit der Menschen in diesem Land glaubt an die Beständigkeit unserer Demokratie. Die Grundrechtseinschränkungen seien notwendig im Kampf gegen das Virus. Die Propaganda in den Leitmedien wird nicht wahrgenommen. Die führenden Politiker werden nicht auf ihre widersprüchlichen Aussagen zu Corona festgenagelt. Wer gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, dem drohen Polizeigewalt und Verhaftung. Prominente, Journalisten, Ärzte und Wissenschaftler, die sich gegen die Coronapolitik der Regierung aussprechen, werden mundtot gemacht und diffamiert.
Die Mehrheit der Menschen in diesem Land findet den Druck auf Ungeimpfte gut. Schließlich sei die Impfung der einzige Weg aus der Krise. Ungeimpfte verhindern die Rückkehr in die Normalität. Menschen, die sich nicht impfen lassen, sind Volksschädlinge…, die man aus der Mitte der Gesellschaft entfernen muss.
Die Mehrheit der Menschen in diesem Land hält die Rede von Gesundheitsdiktatur, Überwachungsstaat und aufkommende chinesische Verhältnisse für Verschwörungstheorien. Nach zwei Diktaturen in den letzten 100 Jahren doch nicht bei uns! Corona sei eine Ausnahmesituation. Schließlich geht es um unser aller Gesundheit. Das gefährliche Virus muss eingedämmt werden – am besten bis auf 0. Alle müssen wir in diesem Kampf Opfer bringen. Die Impfung ist alternativlos.
Die Mehrheit der Menschen in diesem Land sieht keine Gefahr für unsere Demokratie und unsere Grundrechte. Wer auf der richtigen Seite steht, vernünftig ist und sich impfen lässt, habe doch keinerlei Einbußen zu befürchten. Als Mehrheit kann man über eine Minderheit bestimmen – ist das nicht das Wesen der Demokratie? Grundgesetz und Menschenrechte können niemals für alle gelten. Was da geschrieben steht, war eine blöde Idee der Gründerväter unserer Demokratien.

Wer seine grundlegende Freiheit aufgibt, um ein wenig vorübergehende Sicherheit zu erlangen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.
(im Original: Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.)
Benjamin Franklin

Wahl zum 20. Deutschen Bundestag

Sieht nach einem sonnigen Sonntag aus in Berlin mit angenehmen Temperaturen bis über 20°C. Schön für die Sonntagsspaziergänger, die Kirchgänger und diejenigen, die ganz konventionell wählen gehen. Das lässt sich heute alles wunderbar verknüpfen. Dann findet außerdem der Berlin-Marathon statt. Es wird einiges los sein in der Stadt. Da die Läufer unweit durch die Potsdamer Straße kommen, werde ich mich gegen Mittag auch mal aufmachen. Vielleicht spielt vorm Pub wie vor 2 Jahren eine Live-Band.
Ansonsten warte ich gespannt auf die ersten Hochrechnungen am frühen Abend. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD bahnt sich an. Wer die meisten Prozentpunkte einheimst, sollte den Kanzler stellen. Meine Stimme bekam keiner der Kandidaten (bzw. der Parteien) des sogenannten Triells. Aber traditionell präferiere ich Rot vor Schwarz. Ich fühle mich seitjeher den Arbeitern und dem einfachen Volk verbunden. Lieber ehrliche Stammtischgespräche als hochtrabendes intellektuelles Geschwätz. Von letzterem kriege ich regelmäßig Hirn-Hämorrhoiden. Wahrscheinlich wurde deshalb nie was aus meinen vielfältigen Studier-Bemühungen. Insgeheim wusste ich es schon damals, aber das Studentenleben kann recht süß sein. In Karlsruhe gab es gegenüber der Technischen Hochschule eine Menge Kneipen, außerdem den Rotlichtbezirk. Und die Heidelberger Altstadt hatte auch einige Spelunken in petto. Ich bin vielleicht ein unverbesserlicher Grübler und Träumer aber nicht kopflastig – als junger Mann war ich eher hormon-lastig.
Die Hormone veränderten sich mit den Jahren, aber das andere blieb… Also, mal sehen, wer heute Abend die Nase vorne hat. Scholz` Nase ist ziemlich kurz. Laschet sollte man nicht abschreiben – Söder kann davon ein Lied singen.
Wie auch immer: Es hat sich ausgemerkelt. Und ich werde bestimmt nicht zu denen gehören, die sich Frau Merkel zurückwünschen. Ebenso gehörte ich nie zu denen, die sich die Mauer wiederwünschten. Ich bin immer froh, wenn schlechte Dinge passé sind. Und es liegt an uns allen, dass Schlechtes nie wiederkommt.

Auf die Zukunft!

Alle Achtung

Ich war nie ein Fan ihrer Musik, aber sie ist eine der wenigen prominenten Künstler, die Haltung zeigen. Nena sagte ihre Tour 2022 ab – mit folgender Erklärung (die ich den Internet-Medien entnahm): „Ihr Lieben, ich will nicht lange drum rumreden. Meine Tour 2022 wird nicht stattfinden. Und ich werde sie auch kein zweites Mal verschieben. Ich stehe zu meiner Aussage: Auf einem Nena-Konzert sind alle Menschen willkommen. Hier in unserem Land geht es derzeit in eine ganz andere Richtung, und ich mache da nicht mit.“
Hätten nur noch mehr den Mumm zu solchen Aussagen. Stattdessen blasen viele Künstler ins selbe Horn wie Regierung und Leitmedien und fördern damit die Spaltung unserer Gesellschaft.

Für die beste aller Welten (nur für Geimpfte)

Jeder Mensch wünscht sich Sicherheit. In allerlei Belangen. Wobei die Schwerpunkte voneinander abweichen können. Auch gibt es Menschen, die risikofreudiger sind als andere. Risiko ist nicht gleich Risiko. Jeder Mensch schustert sich selbst zusammen, welchen Schutz er sich wo wünscht, oder wo er welches Risiko in Kauf nimmt. Die Versicherungen und das Gesundheitssystem verdienen daran – nicht wenig, behaupte ich. Man schwatzt uns überflüssige Versicherungen auf. Ebenso soll es für jedes Zipperlein Medikamente bzw. Behandlungen geben. Wie sinnvoll oder verhältnismäßig es im konkreten Fall ist, soll möglichst nicht hinterfragt werden. Wir liefern uns einer Maschinerie aus, die angeblich nur für unser Wohl arbeitet. So wird es uns jedenfalls verkauft. Wir dürfen uns in sicheren Händen fühlen. Kritisches Nachfragen ist dabei Sand im Getriebe. Für alles gibt es Fachleute, die schon wissen werden, was sie tun oder empfehlen. Und seit Neuestem vertrauen wir quasi blind der Politik sowie den Leitmedien. Ist es nicht wunderbar, wenn sich so viele kompetente Geister zusammenschließen, um das Beste für uns alle zu bewirken?! – Wow! – Sogar die Multi-Milliardäre (Dagobert Duck vornean) opfern sich altruistisch für den Segen der Menschheit auf. Es kommt mir fast so vor wie die Wiederkehr Jesu auf Erden. Endlich siegen Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe – länderübergreifend! Dass es dafür die ein oder andere Impfung braucht, ist nebensächlich. Oder? Das ist doch nicht zu viel verlangt – für Liebe und Freiheit auf der ganzen Welt! Und auf dem Mond! Und noch viel weiter!
Demütig falle ich als dummer kleiner Mensch in den Staub und finde zurück zum Glauben. Ich bin nur einen Piks oder zwei oder drei oder vier oder fünf… Pikse entfernt davon, ein vollkommener und guter Mensch zu werden. Für das Glück und die Sicherheit der gesamten Welt! Ich danke Herrn Lauterbach. Ich danke Herrn Drosten. Ich danke Herrn Wieler. Ich danke Frau Merkel. Ich danke den vielen anderen, die unermüdlich für die richtige Sache kämpfen und sich von Wirrköpfen, Querdenkern und Verschwörungstheoretikern nicht beirren lassen. Vor meinen Augen tut sich das Paradies auf…

Die Zeit rast

Kaum sind August und Urlaub zu Ende, finde ich mich Mitte September wieder, also fast. Da fällt mir ein, dass wir heute den 11.09.21 haben. Nine Eleven hat seinen 20sten Jahrestag. Ist das nicht irre? Passend dazu der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Die Taliban dürfen sich freuen. Für die Mädels, die in den Zeiten des Nation-Buildings zu jungen aufgeschlossenen Frauen nach westlichem Vorbild heranreiften, tut es mir besonders leid. Welcome back in the middle age. Traurig. Auch der dekadente Westen macht im Zuge der Corona-Pandemie seit Monaten Rückschritte hin zum Totalitarismus… Das war wohl nichts mit dem Nation-Building. Als Vorbilder taugen wir nicht viel, oder nur bedingt. Unsere Worte und Versprechen sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Das war schon immer so. Ich denke z.B. an die Unterdrückung und Beinahe-Ausrottung der Ureinwohner Amerikas – nach dem Motto „Passt euch gefälligst an, oder krepiert eben“. Das ganze umkleiden wir mit unseren hehren Verfassungen und ach so fortschrittlichen Demokratien. Wie stolz wir doch auf unsere Überlegenheit sind! Sowieso sind wir immer die Guten… Darum wollen auch alle zu uns nach Deutschland.
Okay, bevor mir schlecht wird, muss ich das Thema wechseln. Ein paarmal tief durchatmen. Aus dem Fenster blicken. Es regnet nicht mehr. Die Autos stehen an den Straßenrändern Spalier. Das Kopfsteinpflaster glänzt von der Nässe. Vereinzelt Spaziergänger und Jogger. Ein hundsnormaler Samstagvormittag. Déjà-vu.

Was ist Kunst?

Immer mal wieder brandet die Frage auf „Was ist Kunst?“.

Für die einen muss z.B. ein Bild mit einer besonderen Kunstfertigkeit einhergehen, um für sie als Kunstwerk durchzugehen. Sie sehen den Wert eines Produkts an die Arbeit gebunden, die darin steckt, oder an eine besondere Leistung. Wobei diese Betrachter Fantasie, Intuition und Leidenschaft nicht unbedingt als eine besondere Leistung anerkennen. Das sind meist dieselben, die der abstrakten und modernen Kunst gegenüber abgeneigt sind. Diese Personengruppe orientiert sich am Gegenständlichen, einer Leistung und dem Gebrauchswert. Ich gehe soweit zu sagen, dass diesen Menschen Kunst als Muse fremd ist. Sie machen sich lustig über Kunstwerke, die sie aus ihrer materialistischen Sichtweise für „entartet“ halten.
Aber gut, Kunst ist frei, und somit sollen auch freie Meinungsäußerungen dazu erlaubt sein. Wir Menschen sind unterschiedlich orientiert: die einen mehr materialistisch/grobstofflich und die anderen eben mehr geistig/feinstofflich. Ich will die unterschiedlichen Orientierungen und Veranlagungen nicht werten. Ich habe große Achtung vor Menschen, die ein Handwerk beherrschen, auch vor Spezialisten in Technikbereichen und Informatik. Und es gibt Menschen, die Kunst und Technik auf wunderbare Weise in ihren Werken zusammenbringen, z.B. in der Architektur, in Projekten wie dem damaligen Bauhaus. All das ist zweifelsohne Kunst. Aber auch das Bild auf meiner Staffelei ist Kunst, und das Gedicht, das ich auf einen Bierdeckel kritzele, ist Kunst. Kunst braucht keinen Auftraggeber und keine großen Namen. Der Kunsthandel verzerrt den Blick auf die Kunst. Das Publikum bekommt den Eindruck, dass Kunst umso wertiger sei, desto höher der Marktwert eines Produktes oder umso berühmter der Künstler – was in den meisten Fällen korreliert. – Bullshit! – Die Wertigkeit eines Kunstwerks ist abgekoppelt vom Geldwert. Kunst ist als Wert ebenso nicht fassbar wie Liebe. Wir gehen eine Beziehung ein und fühlen dabei keinen Sachwert, sondern einen Beziehungswert. Als Künstler denke ich nicht darüber nach, was Kunst ist… Ich mache sie. Kunst ist mein Ausdruck, Mensch zu sein (– ein Lebewesen mit Fantasie, Intuition, Bewusstsein, Liebe).

Was ist Kunst?
Für die einen wird sie eine Sache bleiben, die sie nicht so richtig nachvollziehen können. Und für die anderen bedeutet Kunst möglicherweise alles!

Meine Wahlbenachrichtigung kam

Noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Das Wahllokal liegt Luftlinie ca. 500 Meter Luftlinie westlich in einer Schule. Am selben Tag findet der Berliner Marathon statt. Die Strecke verläuft zwischen hier und dem Wahllokal. Das könnte zu gewissen Zeiten ein Hindernis darstellen. Aber auch kein großes.
Ich dachte über die Möglichkeit der Briefwahl nach, nicht weil ich mir den Weg sparen will, sondern um diese Option das erste Mal in meinem Leben auszuprobieren. Na ja, und ich würde mir die Corona-Regeln ersparen, Maske und trallala… Ich bin noch unentschlossen.
Unentschlossen, wem ich meine Stimme gebe, bin ich weniger. Alle Parteien, welche die Corona-Maßnahmen + Impfkampagne befürworten, kommen nicht in Frage. Die AfD fällt aufgrund ihres braunen Anstrichs per se weg. Seit geraumer Zeit liebäugele ich mit der vor einem Jahr gegründeten Partei Die Basis. Deren Leute setzen sich seit Monaten gegen die bornierte und verlogene Corona-Politik ein. Sie haben mehr Beachtung verdient. Am Samstag halten sie eine Wahlveranstaltung am Potsdamer Platz ab. Das ist quasi um die Ecke. Mal gucken.

  

Am meisten gruselt es mich vor mir selbst

Ich meine jetzt nicht, dass ich gruselig aussehe – das mögen andere beurteilen. Das Selbstbild ist eine intime Sache. Am besten beschäftigt man sich nicht zu sehr damit, hängt alle Spiegel ab und verschrottet die Personenwaage.
Nein, ich meine etwas anderes, wenn ich von dem Grusel vor mir selbst rede. Wie soll ich es erklären… Gestern Abend hatte ich einen kurzen Moment, in dem mir kurz die Absurdität der eigenen Existenz gewahr wurde – aber beschreibt Absurdität dieses Gefühl überhaupt richtig… Es war vielmehr etwas Monströses und Undenkbares – äußerst gruselig! – Die Tür zum verbotenen Zimmer öffnete sich einen Spalt und auch nur einen kurzen Augenblick lang, aber der genügte, um dieses schaurige, schwer zu beschreibende Gefühl in mir auszulösen. Ich muss dazu sagen, dass ich derlei Momente öfter mal habe, nicht täglich aber immer wieder mal, wenn ich mit mir alleine bin und vor mich hin sinniere. Ich bin davon wie geschockt oder geflasht. Es folgen Grübeleien über das Leben, die Geburt und den Tod. Wie kann das alles sein? Wir tauchen als bewusste Existenz auf, irren einige Zeit lang auf einem Spielfeld herum, das wir Wirklichkeit nennen, um schließlich wieder zu verschwinden. Dazu bekommen wir sowas wie eine Spielanleitung mit Regeln und Aufgaben serviert, nach denen wir uns orientieren sollen. Fragen nach dem Sinn der ganzen Veranstaltung werden von den Materialisten mit Kopfschütteln quittiert – dafür ginge man in die Kirche. Oder: Frage doch deinen Religionslehrer.
Das Lebens-Korsett, welches die Gesellschaft vorgibt, ist eine heilige Kuh und darf nicht hinterfragt werden. Für eigene Gedanken bist du viel zu dumm, Junge – du bist doch kein Philosoph! Halte dich mal brav an die Regeln, erledige deine Aufgaben, dann wird aus dir schon was werden.
Bereits in meiner Kindheit und Jugend öffnete sich vor meinem geistigen Auge ab und zu die Tür zum verbotenen Zimmer. Mit wem hätte ich über diese Erfahrungen reden sollen? Am ehesten noch mit meiner Mutter (vor ihrer Erkrankung). Kein Pfarrer und kein Religionslehrer verstand mich. Sie wollten mir lediglich ihren Gottesglauben verkaufen. Und wieder ging es um Regeln und Aufgaben.
Natürlich war mir bald klar, dass, wer auf dem Spielfeld des Lebens mithalten wollte, nicht einfach ausscheren konnte – ansonsten erwarteten einen die Psychiatrie und medikamentöse Fixierung.
Damals begann ich mit dem Aufschreiben meiner Gedanken, verfasste meine ersten Gedichte. Unter den Deutschaufsätzen stand oft „Thema verfehlt“. Und als eines meiner Gedichte vor der Klasse vorgetragen wurde, meinte der Deutschlehrer lapidar: Junge – du bist doch kein Goethe. (Immerhin gefiel das Gedicht den Klassenkameraden.)

Seit ich denken kann, lebe ich (mal etwas mehr, mal etwas weniger) mit dieser kognitiven Dissonanz zu meiner „Spielfeld-Umgebung“… Jetzt in Corona-Zeiten ist das sich abgestoßen und fremd fühlen kaum noch zu ertragen. Als hätte ich nicht genug mit dem puren Horror der eigenen Existenz zu tun.