Die Neue

Es gibt seltsame Synchronizitäten: Die neue Mitarbeiterin, an deren Einarbeitung ich beteiligt bin, heißt wie mein Toilettenpapier…
Statt einen Tag Büro pro Woche, bin ich jetzt 2mal vor Ort, um der Neuen zur Seite zu stehen. Im Zuge dessen darf ich mich jede Woche unter Beobachtung einer dafür geschulten Kollegin einem Corona-Selbsttest unterziehen. Mein erstes Mal habe ich nun hinter mir – unter Aufsicht in der Nase bohren… (Was man nicht alles macht für den Brotverdienst.)
Ich weiß noch gut, wie schwer für mich der Einstieg in die Tumordokumentation war. Keine einfache Materie. Ich wünsche der Neuen einen guten Start und hoffe, dass ich ein wenig dazu beitragen kann. Mein erster Eindruck ist gut. Sie ist bei der Sache. Eine ruhige Person, etwas jünger als ich. Vorher arbeitete sie in der medizinischen Betreuung schwerbehinderter Kinder und Jugendlicher. Viel Privates tauschten wir noch nicht aus. Alles hat seine Zeit. Für mich bedeutet das Mentoring eine willkommene Abwechslung zu dem eher eintönigen Dokumentationsalltag im Homeoffice. Aber, wie ich schon feststellte, keine leichte Aufgabe. Vieles, worüber ich beim Dokumentieren nicht mehr nachdenke, weil mit der Zeit ein Automatismus greift, muss ihr erst erläutert werden. Dazu kommt der Sauerstoffmangel durch das Tragen der Maske, wenn wir zusammen vorm Bildschirm hocken. Regelmäßige Pausen sind notwendig! – sonst platzt einem der Schädel.
Etwa ein Drittel der Neuen kam nicht über die Probezeit hinaus. Die kognitiven Anforderungen sind nicht von Pappe. Zudem die zickigen Hühner. Man braucht ein dickes Fell. Von Vorteil ist auch eine gute Portion Humor. Natürlich können alle auch total lieb sein… und Schleimspuren hinterlassen… Ich bin gespannt, wie sich die Neue bei uns machen wird. Ich werde sie unterstützen, so gut ich kann.

Von Narrativen und Massenverarsche

Der Experimentator markierte einen langen Weg durchs Labyrinth mit Duftstoffen, auf welche Ratten gewöhnlich anspringen. Alternativ gab es einen unmarkierten viel kürzeren Ausweg. Wie zu erwarten war, schlugen die allermeisten Laborratten den langen Weg ein.
Wir richten uns nach den von unseren Regierungen (und den Leitmedien) evozierten Narrativen, egal ob sie bei näherem Hinschauen Quatsch sind oder sich gar als verhängnisvoll für uns herausstellen. Wir folgen den Rattenfängern. Der Versicherungsvertreter schließt die meisten Verträge ab, der bei seinen Kunden geschickt Angst für allerlei Bedrohungslagen schüren kann. Ebenso hat der Staat seine Bürger im Sack, wenn er das Narrativ eines schrecklichen Feindes erzeugen kann. So werden Kriege geführt, Unmenschlichkeiten legitimiert und Grundrechte ausgehebelt. Ist diese Maschinerie erstmal angelaufen, gibt es kein Zurück mehr. Selbst wenn die Sache längst verloren ist, werden viele Menschen felsenfest davon überzeugt sein, richtig gehandelt zu haben. Sie können nicht loslassen von dem Narrativ, dem sie sich verschrieben haben. Das Narrativ wird zum Kult erhoben und damit argumentativ unanfechtbar. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Menschen fallen immer wieder darauf rein… Vielleicht, weil in den Schulen nicht gerade der kritische Verstand gelehrt/unterstützt wird. Vielleicht, weil sie nur Haferflockenbrei in den Köpfen haben.

Wir schreiben das Jahr 2 der Corona-Zeitrechnung.

Brasko und die Vertreter für Sinn- und Gottesfragen

Das Leben hat keinen Sinn, außer man gibt ihm einen. Mit Gott verhält es sich ebenso. Ich entschied für mich, dass ich weder einen Sinn noch einen Gott brauche. Die Angebote reizen mich nicht. Regelmäßig tauchen nun die Vertreter für Sinn- und Gottesfragen bei mir auf. Äußerst aufdringliche Burschen. Schlimmer als die Zeugen Jehovas. Sie lauern mich überall auf. Schätze, sie haben es auf mich abgesehen. Ich gehöre zu den hartnäckigen Gott- und Sinnverweigerern. Wenn es nach ihnen ginge, so sagen sie, dürfte es so was wie mich gar nicht geben. Ich sei renitent und eine Gefahr für die Allgemeinheit… Erst neulich kurz vor Ostern nahm mich mal wieder einer ins Gebet. Ich hatte mein Küchenfenster zum Lüften ein paar Minuten geöffnet, und plötzlich stand der Typ mitten in meiner Wohnung. Er war angezogen wie diese „Men in Black“. Sie sehen alle so aus.

„Hey, so geht das aber nicht!“ fuhr ich ihn an. Er lächelte und pflanzte sich auf meine Couch.
„Lieber Mr. Brasko, Sie wissen, wir sind vom großen Rat ermächtigt, Sie überall und jederzeit aufzusuchen. Wären Sie nur etwas zugänglicher…“
„Ach, hör mir doch auf! Ich ändere meine Meinung nicht!“
„Wir wollen Ihnen nur helfen. Schauen Sie Ihr armseliges Leben an. Wenn Sie auf eines unserer Angebote eingingen, wäre Ihr Leben fortan viel reicher… reicher in jeder Hinsicht!“
„Ich berufe mich auf mein Grundrecht, „Nein“ sagen zu dürfen!“
Der Vertreter für Sinn- und Gottesfragen lachte laut auf: „Ja-ha-ha, das dürfen Sie, Mr. Brasko, das dürfen Sie…“ Und mit eiserner Miene fuhr er fort: „Doch nicht mehr allzu lange. Die Zeichen stehen auf Sturm. Keine Extrawürste mehr! Machen Sie es sich selbst und uns doch nicht so schwer… Noch können Sie aus unseren Angeboten frei wählen…“

Am Liebsten hätte ich diesen unverschämten Eindringling von meiner Couch geschmissen, aber 1. bin ich nicht gewalttätig, und 2. hätte ich ihn oder einen seiner Kollegen binnen Kurzem wieder an der Backe gehabt. Es war besser, ihn noch ein Weilchen zu erdulden… Also schlappte ich in die Küche, schloss das noch offenstehende Fenster und griff mir ein Bier aus dem Kühlschrank.

„Sie trinken zu viel, Mr. Brasko.“
„Wollen Sie auch eins?“
„Nein Danke, Alkohol und Drogen sind die falschen Götter. Sie vernebeln den Verstand, schädigen den Charakter und unterjochen das Individuum. Sie machen krank – Mr. Brasko, Sie sollten dem Alkohol abschwören. Wir können Ihnen dabei helfen.“
„Prost!“ Ich setzte mich dem Vertreter gegenüber und stellte das Bier auf den Couchtisch. „Warum nehmt Ihr eigentlich nie die Sonnenbrille ab? Habt Ihr allesamt Augenkrebs?“
„Lenken Sie nicht ab, Mr. Brasko. Ich machte mir die Mühe, ein Angebot extra für Sie herauszusuchen. Wie ich hörte, sind Sie derzeit solo und leben alleine. Wäre da nicht eine Familiengründung sinnstiftend? Auch in Ihrem Alter ist es dazu noch nicht zu spät. Wir würden Ihnen die passende Partnerin frei Haus liefern…“, er grinste mich breit an, „Sie sehen, wir sind sehr um Ihr Wohl bemüht… Adäquat der Beitritt in eine der Freikirchen, die momentan hoch im Kurs stehen… Was sagen Sie?“

Ich starrte den Vertreter für Sinn- und Gottesfragen an und versuchte seine Augen hinter den dunkel getönten Brillengläsern zu entdecken. Warum ließen sie mich nicht einfach in Ruhe? Ich kam meines Erachtens ganz gut ohne Lebenssinn und Gott aus.

„Ich scheiße auf das Angebot wie auf alle vorherigen! – Schert Euch endlich zum Teufel! Die allermeisten Menschen habt Ihr doch schon im Sack… Streicht mich einfach von der Liste. Einer, der Euch nicht folgt – na und?!“
„Mr. Brasko, Sie wissen genau, dass wir keine Ausnahmen zulassen können. Sie wären eine ständige Gefahr – wie ein Virus, der sich quasi aus dem Nichts ausbreiten könnte. Überlegen Sie sich mein Angebot gut. Vielleicht ist es das letzte… Es täte mir leid um Sie… Ich sehe doch, dass es Ihnen nicht gut geht. Die Einsamkeit zermürbt.“
„Danke für Ihr Mitgefühl – und nun verschwinden Sie!“ Ich begleitete den Vertreter für Sinn- und Gottesfragen zur Wohnungstür. Kurz überkam mich ein Anflug von Zuneigung. Er tat ja nur seine Arbeit…


Es war gestern und ist doch heute (7)

Fuck! Und wieder geht es zurück in die Monsterburg. Wir Menschen sind nicht die schlimmsten Raubtiere auf der Erde – sondern Monster! Jawohl! Durch die Bank! Vom ersten Geburtsschrei bis zum Greisenalter und den letzten Atemzügen … Vor allem hasse ich dieses um sich greifende Selbstmitleid der Gebrechlichen und Hilfsbedürftigen. Es kotzt mich an, dass sie mir immer und immer wieder sagen, wie schlecht es ihnen geht, und dass sie sterben wollen – und warum Gott sie nicht endlich erlöst! In jedem verdammten Zimmer erwartet mich eine Litanei von Einsamkeit, Ohnmacht und Angst. Klar, es gibt graduelle Unterschiede …, und es gibt sogar nette Begegnungen. Nicht alles ist so furchtbar, wie ich es gerade darstelle. Um Gottes Willen! Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich mag diese Monster sogar. Also, meine Gefühle ihnen gegenüber sind reichlich ambivalent. Das dürfen sie sein. Das müssen sie sogar sein – denn ich bin kein verdammter Heiliger! Auch wenn jetzt Ostern ist. Ich scheiße, ehrlich gesagt, auf Ostern und den ganzen religiösen Humbug! Das ist doch alles eine Farce! Den Menschen in Not oder am Rande der Gesellschaft geht es an solchen Tagen eher noch dreckiger. Die Altenheimbewohner kommen mit all dem nicht mehr klar. Die gutgemeinten Pflichtbesuche der Verwandtschaft bringen sie total durcheinander. Dann werden sie meist abgefüttert – alles in sie reingestopft! Man will ihnen ja was gutes tun. Und ich kann es nachts ausbügeln, und meine Kollegen tagsüber. Gerade an den Wochenenden oder über die Feiertage ist das ein Scheiß, weil dann natürlich keine Hausärzte zu erreichen sind. Und die Alten wollen, dass wir ihnen helfen, und wir können nicht mehr machen, als uns von Gesetzeslage aus erlaubt ist. Eigentlich. Für jede scheiß Tablette, die nicht in den Verordnungen steht, brauchen wir das Okay eines Arztes, und die Alten liegen uns in den Ohren, und ich muss ihnen sagen, dass wir keine Apotheke sind – dabei geht es oft nur um so dämliche Sachen wie Magen- oder Kopfschmerzen. Oder wenn die Monster nicht schlafen können, das ist überhaupt für mich das Schlimmste – da machen sie meine Nachtwachen zur Hölle, als wäre ich Schuld an ihrer verdammten Schlaflosigkeit – oder das, was sie für Schlaflosigkeit halten, aber in Wirklichkeit ist es nur die beschissene Angst vor dem Tod und diese Verzweiflung und Einsamkeit.
Für die gibt es keine Worte. Man muss sie erleben. Tag für Tag und Nacht für Nacht. Aber die Menschen feiern Ostern und suchen Ostereier … Fuck! Wir Menschen sind Monster. Diese ganze Nächstenliebesache ist ein verfluchter Schwindel! Ein ausgekochter, religiöser Schwindel! Nicht dass mir die Materialisten und Kapitalisten lieber wären … nein! Das sind genauso verwichste Monster, die nur auf einem anderen Pferd reiten. Sie fahren in ihren dicken Monsterautos durch die Straßen und machen auch auf Feiertagsidylle. Diese scheiß Idioten! Ich hasse sie! Ich hasse sie alle!
So, jetzt wisst ihr, wie ich ticke. Nun seid ihr dran. Kommt nur – ich bin gerade in der richtigen Stimmung! Von Monster zu Monster …

18.04.2014

Frohe Ostern!

Schieflage

Ich spüre es allerorts: Die Leute haben die Schnauze voll. Am Besten das Thema „Corona“ vermeiden. Weil man Repressalien fürchtet, trägt man Maske und hält Abstand. Doch das Ganze bricht an den schönen Frühlingstagen auf, wenn die Menschen zu Hunderten in die Parks strömen. Sie scheißen auf den Verordnungssalat und lassen ihrer Lebensfreude freien Lauf. Selbst die Ordnungshüter bringen sie nicht zur Raison. Ich beneide die Polizisten nicht um ihre tumbe Sisyphusarbeit. Statt Verbrecher zu jagen, wird ihnen nun auferlegt, harmlose Bürger zu drangsalieren. Die Grundrechte wurden ausgehebelt. Das Corona-Angstgespenst geht um. Für dumm und verantwortungslos/asozial werden all jene erklärt, die sich von der regierungsgesteuerten Corona-Propaganda nicht einwickeln lassen. Meinungsfreiheit?! – Fehlt nur noch, dass die Gedankenpolizei auf den Plan tritt…

Mir wird entgegengehalten, dass ich übertreibe. Kann schon sein, dass ich etwas sensibel reagiere, wenn mir Freiheiten weggenommen werden – Corona als Rechtfertigungsgrund ist mir einfach zu wenig. Dabei will ich weder die Existenz von Covid-19 ignorieren, noch die durch das Virus evozierten Erkrankungen kleinreden. In einer offenen Gesellschaft gibt es viele Risiken, zu verunglücken, zu erkranken und (vor der Zeit) zu sterben. Die Corona-Gefahr ist dahingehend einzuordnen. (Nicht mehr und nicht weniger.) Seit gut einem Jahr höre ich aber nur noch „Corona“… Wo bleibt der Sachverstand? Wo bleibt der lebendige Diskurs? Warum werden die Kritiker der Corona-Politik nicht gehört, sondern geächtet?

Ich spüre es allerorts: Die Menschen lassen sich nicht bändigen. In ihren Herzen scheißen sie auf die Staatsgewalt. (Von den Spießern/Opportunisten und Angsthasen mal abgesehen.)