Die Krankheit

Seit tausenden von Jahren grassiert eine Krankheit auf der Erde, die vor allem die menschliche Spezies betrifft:
Hirne erscheinen wie ausgelutscht, und die Herzen trocknen aus.
Nur wenige sind immun. Viele sind stumm.
Darum ist die Welt, wie sie ist. Darum gibt es immer wieder Kriege. Darum verhungern nach wie vor Menschen. Darum werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Der technische Fortschritt nimmt die Ethik in Geißelhaft.
Alles ist erlaubt im Transhumanismus. Schließlich geht es um das Heil der gesamten Welt.
Wer sich gegen diese Entwicklung auflehnt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Wer sich der Hybris der Technokratie verschließt, wird ins Abseits gestellt.
Der gesunde Menschenverstand ist unerwünscht. Wissenschaftler und Experten werden in den Priesterstand erhoben.
Das Individuum verliert seine Rechte. Es assimiliert sich ganz und gar in einer höheren Ordnung im Sinne einer neuen schönen Welt.
Hirn und Herz werden überflüssig.

Das Experiment

Es kommt mir so vor, als würden die Bevölkerungen weltweit von ihren Regierungen einem Stresstest unterzogen. Ich fühle mich an die psychologischen Experimente an der UNI erinnert. Seiner Fantasie kann man dabei freien Lauf lassen. Die Experimental-Psychologie ist hochinteressant. Schon erstaunlich, wie leicht man Menschen täuschen kann, und was sie alles mit sich machen lassen. Umso geschickter der Versuchsaufbau, desto mehr Leute folgen ohne großes Hinterfragen dem Narrativ des Experimentators. Und wenn der dazu einen weißen Kittel trägt und den Eindruck eines Gelehrten macht, bettelt der Proband geradezu darum, die Katze im Sack zu kaufen.

„Das sich Anpullern lassen ist alternativlos“, tönt der Experimentator, und im Chor wiederholen Millionen Menschen: „Jawohl alternativlos!“
„Alle Menschen müssen sich anpullern lassen, wenn wir wieder unsere Freiheit zurückhaben wollen“, fährt der Experimentator fort, und wieder erschallen Millionen Stimmen: „Jawohl, alle müssen sich anpullern lassen – nur dann bekommen wir unsere Freiheit zurück!“
„Wer sich nicht anpullern lässt, ist ein Ketzer. Und was macht man mit Ketzern?“ ruft der Experimentator und lacht dämonisch. Unisono antworten die Massen: „Auf den Scheiterhaufen mit den Ketzern! Sie sind schuld an unserem Unglück! Sie stehlen uns die Freiheit!“
„So soll es geschehen. Das Volk hat gesprochen“, der Experimentator verbeugt sich und tritt ab.

Indes diskutiert die politische Elite Deutschlands über eine allgemeine Impfpflicht. Vor wenigen Monaten noch hatten sich die meisten gegen Impfplicht und Impfzwang ausgesprochen. Nun, dass Politiker Wendehälse sind, dürfte allseits bekannt sein. Sie richten sich nach dem, was populär ist, was der Zeitgeist ihnen gebietet. „Nehme nie einen Politiker beim Wort“, sagte schon der hochgeschätzte alte Philosoph Bonanzamargot.

„Aber ist denn eine allgemeine Impfpflicht überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar?“ hört man einige Stimmen vorsichtig und leise fragen.
„Was nicht passt, wird passend gemacht!“ lacht der Experimentator, der jetzt als regierungstreuer Jurist auftritt.
„Und wie wollen wir die Impfpflicht umsetzen?“ hört man wieder einige Simmen vorsichtig und leise fragen.
„Das lasst mal meine Sorge sein!“ sagt barsch der Experimentator in der Uniform eines hochdekorierten Generals.

Ich frage mich, gegen wen momentan Krieg geführt wird – gegen das Virus oder gegen die Bevölkerung, speziell gegen die Bevölkerungsgruppe der Ungeimpften.
Wobei ich behaupte, dass ein Krieg gegen Viren per se absurd ist.
Ich konnte die Lust des Menschen an Kriegen nie nachvollziehen. Wenn ein Krieg ausbricht, beteuern alle Parteien, dass sie keine Schuld daran haben. Alle verteidigen sich nur.
Na dann, ich trinke auf den Sieger. Das wird in jedem Fall das Virus sein.
Prost Corona!

Desperado

Die menschliche Psyche gewöhnt sich auch an unangenehme Lebenslagen, wenn Gefahr, Angst, Unterdrückung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Fremdbestimmtheit kein Ende nehmen wollen. Als Kind floh ich in meine Spielewelt und konsumierte Massen von Süßigkeiten. Als Teenager entdeckte ich den Alkohol und die Kneipen. Noch heute trinke ich viel, aber nicht mehr exzessiv. Und nach wie vor gehe ich gern in die ein oder andere Kneipe, doch nicht täglich und schon lange nicht mehr „till the bitter end“. Es stimmt, dass im Alter die Getriebenheit nachlässt. Die Hörner stieß ich mir zur Genüge ab. Als junger Mann dachte ich jeden Tag, ich würde was verpassen, wenn ich nicht auf die Piste ging. Und meinen Kumpels ging es ebenso. Wir verabredeten uns, lungerten herum und tranken Bier. Unsere Hauptthemen waren Gott und die Welt, Saufen und Frauen. Vor allem Saufen und Frauen. Oder wir trafen uns zum Skat oder Billard. Genaugenommen wussten wir gar nicht, was wir wollten, Hauptsache Spaß haben. Nur nicht das Spießerleben unserer Eltern führen. Die Kneipe war unser Refugium. Was formulierte ehemals der olle Goethe? – „Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein.“ Das war unser Credo neben „leben und leben lassen“.
Während meine Kumpels einer nach dem anderen ins Spießerleben abrutschten (sie nannten es erwachsen werden), harrte ich in meinem selbstgewählten Desperadotum aus. Der Duktus der Leistungsgesellschaft war mir zuwider. Auch wenn ich einige Kompromisse im Zwischenmenschlichen und im Job eingehen musste, blieb ich innerlich ein Rebell. Meine Seele stand nicht zu Verkauf.
Ich gehörte nicht zu den Aufmüpfigen, die auf die Straße gingen, Parolen gegen das Establishment skandierten und Steine warfen. Das war nicht mein Ding. Die Maulhelden wollen sich immer nur selbst profilieren. Man muss sich nur mal die Lebenswege des ein oder anderen Politikers und Managers anschauen. Sie schliefen sich durch die Betten und Ideologien. Sie wissen immer genau, was sie wollen – nämlich oben stehen, egal in welchem System. Ihre Rücksichtslosigkeit verschleiern sie mit Worten wie Realpolitik, Alternativlosigkeit und Pragmatismus. Sie wollen am liebsten alle Menschen am Gängelband halten. Freiheit nur denen, die nach ihrer Pfeife tanzen.
Mit mir nicht.

    

Was man nicht alles macht

Nach dem Abi hatte ich keine Ahnung, was ich machen wollte. Der Druck war groß, irgendwas zu machen. Der Barras saß mir im Nacken. Ich wollte es auf alle Fälle vermeiden, eingezogen zu werden. Mit der Ausmusterung hatte es nicht geklappt. Mit einer Lehrstelle konnte ich Zeit schinden. Ich landete in einem Ingenieurbüro für Heizung/Sanitär/Lüftung als Azubi zum Technischen Zeichner. Ein öder Job. Die angestellten Technischen Zeichner, Techniker und Ingenieure fand ich ganz okay, aber die beiden Chefs waren Arschlöcher. Gott sei Dank mussten sie oft zu Baubesprechungen. Dann alberten wir herum oder schossen Bürofliegen mit Gummibändchen ab… Aus lauter Langeweile kritzelte ich Notizzettel voll. 8 Stunden können verdammt lang werden, wenn man die Arbeit nicht sonderlich mag. Aber ich hielt durch. Ich musste durchhalten. Gestern wie heute.

so in etwa sah mein Arbeitsplatz aus
im Sommer konnte es verdammt heiß werden
Bürofliegen sind lästig!
nach Feierabend die schönen Seiten des Lebens