2 – 1

Die Zeit schreitet unaufhörlich voran und kümmert sich nicht um mich. In meinem Leben passiert nicht viel. Ich hänge fest in der Tretmühle. In meiner Freizeit packt mich oft die Lethargie und ich halte mich vor dem Bildschirm am Leben. Immerhin darf ich mittlerweile (als Ungeimpfter) wieder mein Feierabendbier in der Kneipe oder im Biergarten genießen… Gestern wollte ich zur Kupferkanne. Auf dem Programm stand Fußball „Dortmund – Hertha“. Ein entscheidendes Spiel für die Hertha von wegen Klassenerhalt. Vorweg, ich bin kein Fußballfan – aber zum Zeit totschlagen…, zumal ich es genieße, ab und zu in Gesellschaft zu sitzen. In den meisten Berliner Kiezkneipen kommt man eh nicht um den Fußball herum. Ich mag diese althergebrachte Kneipenszene irgendwie, wo sich die einfachen Leute auf ein Bier treffen. Okay, da hocken jede Menge Scheintote (so langsam gehöre ich auch zu denen)… Aber inzwischen entdecken auch die jüngeren Generationen (hauptsächlich Studenten) diese alten Kneipen für sich, weil dort die Getränke noch relativ billig sind, weil der Wirt (meist) umgänglich ist und auf die Wünsche seiner Gäste eingeht, weil diese Kneipen Originalität/Nostalgie verströmen.
Also ich kam dann doch nicht mehr raus aus meiner Wohnhöhle und verbrachte den Nachmittag träge auf der Couch. Die Lust auf Gesellschaft war verpufft… Wozu rausgehen? fragte ich mich, ich habe doch alles hier, was ich brauche. Die Lethargie zog mich runter. Mal sehen, ob ich heute den Abflug schaffe. Wenigstens für 2-3 Stündchen. Park und Biergarten liegen quasi vor der Tür. Ein sonniger Sonntag wartet auf mich.
Wie ging eigentlich das Spiel für die Hertha aus? Ich googele das jetzt…

   

Feierabendbier

Inzwischen besuchte ich nach der weitgehenden Aufhebung der C-Regeln ein paarmal die Kupferkanne. Vom C-Virus keine Rede mehr, jedenfalls nicht in meiner Anwesenheit (was mir ganz recht ist). Thema sind nun die steigenden Preise, vor allem für den Wirt Necip – die ewige Sorge ums wirtschaftliche Überleben. Die kleinen Sparer beißen ins Gras, während die Großen immer größer werden. Der Mittelstand geht den Bach runter. Eine Entwicklung, welche in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts begann und sich zusehends beschleunigt. Ottonormalbürger muss mit immer mehr Einbußen rechnen. Vor allem die Alten sind betroffen. Die materielle Wohlfühlblase des Wirtschaftswunderlandes löst sich auf. Statt sozialer Hängematte ein Nagelbrett – „Stirb langsam“ in Deutschland.
Ich kann wirklich froh sein, einen relativ krisensicheren Arbeitsplatz zu haben. Beim Bier muss ich noch nicht knausern. Ich genieße es, etwas abseits an der Theke zu sitzen und meinen Gedanken nachzuhängen… Ab und zu wechsele ich ein Wort mit Necip oder einem Stammgast. Aller guten Dinge sind… mindestens drei, sage ich zu Gabi, die immer freitags hinter dem Tresen steht. Sie lacht und bedient den Zapfhebel. Ein Bierstrahl zischt ins Glas (ich liebe dieses Geräusch).

Mittagspause in der Kupferkanne

Rose steht hinter der Theke und begrüßt mich freudig. Necip, ihr Mann, bleibt verhalten, sitzt mit der Tageszeitung an einem Tisch und schlürft Kaffee. Spontan entschloss ich mich, meine Mittagspause in der Kupferkanne zu verbringen. Seit ein paar Tagen ist der Zutritt für Ungeimpfte wieder erlaubt.
„Na, wie geht’s dir?“ lacht Rose strahlend, „Gut siehst du aus!“
„Unkraut vergeht nicht“, lache ich zurück. Ich schaue mich um. Es hat sich nichts verändert. Dasselbe Inventar, dieselben Stammgäste.
„Entschuldige, dass…“ meint Rose ernsthafter, „sie kontrollierten häufig, zu allen Tageszeiten.“
„Klar“, winke ich ab. Wir schwatzen noch ein wenig, und ich genieße das frisch gezapfte Bier. Was ein Balsam für meine geschundene Seele! So ähnlich muss sich ein Knasti bei seinem ersten Kneipenbesuch in Freiheit fühlen.

Der April beginnt eisig. Der Winter will sich noch nicht geschlagen geben. Die Coronapandemie wütet trotz der Lockerungen noch immer in den Köpfen. Die Masken werden freiwillig getragen. Die permanente mediale Einschüchterung der Menschen zeigt nachhaltig Wirkung. Die Regierung führt seit 2 Jahren einen vergeblichen Krieg gegen ein Virus, welcher zum Psychokrieg gegen die eigene Bevölkerung mutierte. Immerhin ist die Impfpflicht erstmal vom Tisch. Ein Teilerfolg für all jene, die die irrsinnige Corona-Politik kritisieren.

Es scheint eine gute Zeit für Krieg zu sein. Wahnsinnige Machthaber spielen mit tödlichen Waffen. Ein Land, die Ukraine, wird zum Schachbrett, die Bevölkerung zum Bauernopfer. Keine Seite will verlieren, egal wie viele Menschenleben der Krieg noch kosten wird. Ich will auf keiner Seite stehen. Solcherlei Schwarzweiß Denken mag ich nicht. Niemand muss mir sagen, auf welcher Seite die Guten, und auf welcher Seite die Bösen stehen. Krieg ist böse. Krieg kennt keine Gewinner. Krieg ist kein Spiel. Krieg zeigt die dunkle Seite des Menschen. Krieg ist das schlimmste Verbrechen der Welt. Krieg ist Brudermord.

Trotz der dunklen Wolken, die von allen Seiten näherrücken, verläuft mein Leben weitgehend in normalen Bahnen… Ich bestelle ein zweites Pils. Die Stammgäste in der Kupferkanne lachen und juxen miteinander. Ich grinse breit und fühle mich wohl wie schon lange nicht mehr.

Wer macht hier Probleme?

„Hat Necip mit dir noch nicht geredet?“ fragte die alte Gabi spitz.
„Nein – wieso?“ gab ich zur Antwort, wobei ich natürlich wusste, worauf sie anspielte.
„Weil du ungeimpft bist.“
„Ach so… Ich will keine Probleme machen.“
„Wir kriegen die Probleme.“
„Kein Problem, ich setze mich raus.“

Ich wartete, bis die alte Gabi das Bier fertiggezapft hatte, zahlte sofort und verließ den Schankraum. Außer mir war nur ein weiterer Gast in der Kupferkanne gewesen. Aber wir Deutschen sind eben Regel-Fuzzies wie aus dem Bilderbuch.
Zügig trank ich mein Bier, denn es war ganz schön kühl. Eine gute Gelegenheit, gleich mal zum Pub zu radeln, dachte ich, um zu testen, wie streng dort die Regeln ausgelegt werden.

Im Pub bediente eine kleine Russin mit immensem Busen, die ich nicht kannte. Nur Edgar, ein alter Stammgast, saß an einem Tisch und las ein Buch, das er dicht vor seine Nase hielt. Ich setzte mich an die Bar und bestellte ein Bier. Mir wurden keine Fragen nach meinem Impfstatus gestellt. Beim 2. Bier entspannte ich mich ein wenig. Einige andere kamen herein und wurden auch nicht gefragt und wiesen sich auch nicht coronaregelgerecht aus (soweit ich es mitkriegte). Ich bestellte ein 3. Bier.


im Pub

Sie hätten besser nicht gefragt

Ein junges Paar betrat den Gastraum. Artig fragten sie an der Theke, ob sie auch ungeimpft ein Bier bekämen. Die alte Gabi bediente. Sie bedeutete den beiden, dass sie mit der Außenbestuhlung vorliebnehmen sollten. „Ich bringe es Ihnen dann raus.“ Es war ein schöner Tag – also kein Problem, draußen sein Bierchen zu trinken. „Sympathisches Pärchen… Sie hätten besser nicht gefragt“, sagte ich lachend. „Ja-ha-ha“, meinte Gabi und fügte kurz darauf mit ernster Miene hinzu, dass sie kein Verständnis für Leute habe, die sich nicht impfen ließen. Uff! dachte ich, jetzt schweige ich wohl besser.

Wer kein Herz hat, kann nicht herzkrank werden

Die Personalchefin bügelte meinen Antrag auf Teilzeit ab. Sie argumentierte betriebswirtschaftlich mit der Bürobelegung. Man müsse schon sehr wichtige Gründe vorbringen. Möglicherweise sehe ich einfach zu gesund aus (bin alleinstehend, habe kein Kind zuhause oder ein Elternteil, um das ich mich kümmern muss). Auch ist es nicht mein Ding, Mitleid zu erbetteln. Ich kündigte an, ihrem ablehnenden Bescheid zu widersprechen, dann freilich ausführlich begründet und mit ärztlicher Bescheinigung.
Reichlich aufgewühlt und demoralisiert ging ich in den Feierabend und gab in der Kupferkanne allen Gästen einen aus. In der Nacht schlief ich kaum. Ich nahm mir kurzfristig Urlaub für ein verlängertes Wochenende. Danach weitersehen. Am besten werde ich Montag den Arzt aufsuchen…

Hinzu kommen die nach wie vor deprimierenden Nachrichten hinsichtlich der weltweiten Corona-Massenpsychose, die gewaltig an meinen Nerven nagen. Ich fühle mich wie in einem Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.
Wenigstens der momentan Goldene Oktober ist eine kleine Freude, und dass ich in der Kupferkanne mein Bier auch als Ungeimpfter bekomme.

 

Und sonst

Die Serie Magnum mit Tom Selleck ist zurück im Vormittagsprogramm auf NITRO! Ein Schmankerl für meine letzten Urlaubstage. Allerdings wurde der originale Soundtrack ersetzt. Aber gerade dieser tolle Soundtrack prägte die Serie. Okay, Magnum ist auch ohne klasse, aber da sieht man mal, wie sehr die Filmmusik mit einem Film oder einer Serie verwächst. Es fehlt jetzt einfach was.
Bestimmt steckt ein Geld-Ding dahinter, von wegen irgendwelcher Rechte. Was weiß ich. Ich fragte beim Zuschauerservice von NITRO nach – Ob ich eine Antwort erhalten werde?

Necip hat für den Samstag wieder ein Grillfest geplant, mittlerweile das 3. in diesem Sommer. Die kommen gut an, nicht nur bei den Stammis. Allerdings ist fürs Wochenende Regen angesagt. Mal sehen, ob es stattfinden kann. Bei Regen macht es freilich keinen Sinn. Das wäre schade. Necip wünschte sich einen besseren Sommer fürs Geschäft.

Wird wieder Zeit, dass ich den elektrischen Haarschneider aus seinem Etui hole… Es hat was von Rasenmähen auf dem Kopf.

Die Nachrichten schaue/höre ich schon seit einigen Tagen nicht mehr. Ich habe die Schnauze voll von Inzidenzwerten, 3G- und 2G-Regeln, wie viele Bürger inzwischen 1x und 2x geimpft sind. Der Corona-Politik und den Leitmedien zeige ich den Stinkefinger! – FUCK YOU!
Und alle anderen, die glauben, sie wären mit ihrer Impfung auf dem Dampfer der Glückseligen, kann ich nur bedauern.

Ich kaufte mir eine neue Armbanduhr, eine Automatik – nicht ganz billig, aber man gönnt sich ja sonst nichts in Zeiten von Lockdowns und anderer bescheuerter Corona-Regeln. Geliefert wird das gute Stück allerdings erst im September. Ich freue mich drauf!

 

Nach dem Einkauf

Nach dem Einkauf
2 Flaschen Wasser mit Kohlensäure
2 Flaschen Coca-Cola light ohne Koffein
Und 1 Flasche Wodka Absolut
Setzte ich mich vor die Kupferkanne
Mein Fahrrad mit dem Einkauf
Im Blick
Die Stammgäste waren drinnen
Auf ihren alten Stammplätzen
Unter sich fühlten sie sich am wohlsten
Sie grüßten mich, als ich einen Blick reinwarf
Ich grüßte zurück
Außer mir saßen nur noch 2 Jungs draußen
Etwas versteckt im Schatten
Ich setzte meinen Kopfhörer auf und schwelgte
In meiner Lieblingsmusik
Das frischgezapfte Pils vor mir
Ich ließ los
Und genoss
Was auch immer
Wahrscheinlich alles.



Hundstage

Wie müsste wohl eine Kreatur aussehen, die all den Wahnsinn auf der Welt verkörpert? – Vor Augen habe ich die Monster in H.P. Lovecrafts Erzählungen, unvorstellbare Mixturen des Grauens, die mich durch manche Nacht begleiten.
Ich wache in der grauen Normalität eines Spätsommertages in Berlin auf. Spätsommertag? – Moment mal, wir befinden uns Mitte August in den Hundstagen. Seit vielen Wochen dümpelt der Sommer vor sich hin. Bei Temperaturen um die 20°C und Regenschauern reißt es hier in Deutschland niemanden vom Hocker. Na ja, immer noch besser, als in der Hitze zu versengen, meinte ich zu Necip. Der nickte. In Antalya und an anderen Orten am Mittelmeer hatte es vor einer Woche noch Temperaturen über 40°C. Dazu die verheerenden Waldbrände. Nein, da haben wir es in Berlin wirklich gut, sagte er, und auch vom Hochwasser blieben wir verschont… Nur nicht von der Corona-Idiotie, dachte ich zu Ende. Necip kippte sich eine Brise Schnupftabak auf den Handrücken. Er hatte sich das Schnupfen angewöhnt. Auf seiner Oberlippe blieb eine braune Spur zurück. Er zog ein schmutziges Tempotaschentuch aus dem Hosensack und wischte sich die Nase ab. Ich schaute angewidert weg.
Neben Corona brandete der Klimawandel in den Medien auf. Und wieder bliesen fast alle ins selbe Horn. Und wieder kamen sie mit ihren Zahlen… Die Menschheit hatte es verkackt, wollte es aber nicht akzeptieren. Allerhand Strategien wurden entworfen, mit Hilfe derer man das Schlimmste abwenden wollte. Klaus Schwab und einige andere Strippenzieher wussten längst, dass es viel mehr brauchte.
Ich sah die Verkörperung des menschlichen Wahnsinns aus den Tiefen des Ozeans auftauchen, tausendmal gewaltiger als Godzilla. Vor unserem Ende sollten wir unseres eigenen Wahnsinns angesichtig werden… Necip hatte sich bereits die nächste Brise Schnupftabak auf seinen Handrücken gekippt. Ich nahm einen großen Schluck meines Pils. Der Brunnen plätscherte angenehm im Hintergrund. Ein paar junge Araber lungerten um den Kiosk gegenüber herum. Ein Zwerg lief vorbei. Dahinter eine alte Frau mit Rollator. Eine Fixerin huschte in den Schankraum. Sie wollte schnell noch zur Toilette.