Am Morgen des 4. Advents

noch im beschaulichen Hansestädtchen Wismar

rechtzeitig zum WM-Finale am Nachmittag zurück im grauen Häusermeer Berlin

Das Finale zwischen Argentinien und Frankreich konnte spannender nicht sein, ein Wechselbad der Gefühle.
Am Ende siegten im Elfmeterschießen die Messi`aner – insgesamt verdient, wie ich meine. Die meisten Kneipengäste freuten sich für die Argentinier.
Nach dem Spiel war ich reif für die Koje.

Samstagnachmittag in der Kupferkanne

Marokko erkämpfte sich gegen Portugal ein 1:0 und zieht ins Halbfinale ein. Stimmung wollte keine echte aufkommen. Nur wenige Gäste verfolgten das Spiel. Ich saß einigermaßen verloren an der Bar.  Die Portugiesen blieben hinter ihren Erwartungen zurück. Der Schankraum war düster und rauchverhangen. Wann sah ich das letzte Mal die Sonne? Ganz Berlin liegt seit Tagen unter einer Dunstglocke. Der Superstar Christiano Ronaldo schaute ziemlich betreten drein. Ich wollte mich für die Marokkaner freuen, aber die Lethargie hielt mich fest mit sanftem Säufergriff.

In der dritten WM-Woche

Die Fußball-WM befindet sich seit dem Achtelfinale in der ruhigen Phase, nicht mehr jeden Tag wird gekickt, dafür sind die Spiele maximal dramatisch. Bereits vier Spiele wurden im Elfmeterschießen entschieden (wenn ich mich nicht verzählte), 2 x für die Kroaten mit dem besseren Ende, gestern gegen den Favoriten Brasilien. Nun mal sehen, wie sich Marokko gegen Portugal schlägt. Ich hätte nichts gegen eine Überraschung. Spannend sollte es auf jeden Fall werden. Das Spiel wird 16 Uhr angepfiffen. Ich stelle mich auf einen Fußballnachmittag in der Kupferkanne ein.
Das Leben ist schon hart, wenn man nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß. Da greift man nach jedem Strohhalm – okay, lieber Fußball in der Kupferkanne gucken als arbeiten.

Heute ist Alles

Ich falle durch mein Leben zurück in die Vergangenheit. Ich durchquere 6 Jahrzehnte. Meine Erinnerungen wirbeln durcheinander. Es gibt kein Oben und kein Unten. Trotzdem fühlt es sich an, als würde ich fallen… wie durch Nebel. Bilder tauchen fetzenhaft auf und werden wieder verschluckt. Es ist, als würde ich durch 1000 TV-Programme zappen. Ich kann nicht anhalten. Mein Leben ist ein Puzzle, das in alle Richtungen auseinanderfliegt. Erinnerung und Verstand versuchen es krampfhaft in einen Rahmen zu pressen…
Heute ist heute, und heute ist Alles. Ich sitze an meinem Schreibtisch und falle. Meine Finger fallen auf die Tastatur, um festzuhalten, was nicht festzuhalten ist. Die Puzzleteile verlieren an Farbe. Lief nicht alles nach Wunsch? Mein Leben ist mein Leben ist mein Leben. Der beste Kampf ist der, den man nur verlieren kann und ihn trotzdem kämpft…

Ich treffe mich mit Sisyphos zum Bier in der Kupferkanne.
„Was geht ab, Alter?“ fragt mich Sisyphos.
„Nichts anderes als bei dir“, antworte ich und grinse, „ich mache einfach weiter.“
Gabi steht am Zapfhahn und sorgt dafür, dass uns nicht der Saft ausgeht.

Ein Nachmittag im Zeichen des Fussballs

Als ich nach dem Samstags-Einkauf zum Bier in die Kupferkanne kam, wusste ich nicht, dass ein Knallerspiel bevorstand – Bayern München war im Olympiastadion zu Gast. Gabi bediente. Langsam füllte sich die Kneipe. Das Bier ging gut weg. Necip saß mit der Fernbedienung am anderen Ende der Theke. Es liefen 3 TV-Bildschirme. Ich blieb vorne an der Eingangstür, weil da die Luft noch am besten war, außerdem nahe dem Zapfhahn… Gabi konnte es kaum übersehen, wenn mein Glas einer neuen Füllung bedurfte. Eine Halbzeit wollte ich bleiben. Die Bayern würden sicher überlegen aufspielen und bald in Führung gehen. Aber wider Erwarten konnte Hertha ganz gut mithalten. Zwar gingen die Münchner noch vor der Pause in Führung, aber die Berliner blieben dran… ein echt spannendes kurzweiliges Spiel, kämpferisch mit vielen Torchancen und guten spielerischen Szenen. Also hängte ich die 2. Halbzeit dran. (Ich kann flexibel sein.) Am Schluss unterlag die Hertha 2:3, trotzdem konnte man der Mannschaft eine super Leistung bescheinigen. Schade, dass es nicht zum Unentschieden reichte.
Viele Gäste gingen. Sie waren nur zum Fußballgucken gekommen. Auch für mich wurde es Zeit. Also nicht, dass ich betrunken war… Sagen wir mal, ich hatte genug, was sich auch in der Rechnung widerspiegelte, die mir Gabi reichte.


das fast leere Pilsglas auf der Theke ist meins

Öde ist immer noch besser als blöde

Ich verbrachte 2 Tage im Büro und 3 im Homeoffice. Ich hatte nur wenig kollegialen Kontakt, und das Dokumentieren war öde.

Karl Lauterbach seines Zeichens Deutschlands derzeitiger Bundesgesundheitsminister rührt bereits wieder eifrig die Werbetrommel für Masken und Impfungen und droht mit schärferen Maßnahmen für den Herbst und Winter, wenn die Bürger nicht artig sind und deswegen die Zahlen steigen. Das sei keine Angstmache, fügte er seiner Rede hinzu. Wie kommt er darauf, dass seine Anmahnungen den Menschen evtl. Angst machen könnten? (Muss ich als Ungeimpfter Angst haben, wieder in keine Kneipe gehen zu dürfen, beschimpft und geächtet zu werden?)  

Das Wochenende läutete ich mit einem Feierabendbier in der Kupferkanne ein. Die üblichen Freitags-Stammis waren da. Man lässt ein paar Sprüche ab und lacht zusammen. Necip klagte über die steigende Miete und andere steigende Kosten. Nächste Woche müsse er die Preise anheben. Bisher gab ich immer reichlich Trinkgeld…

Als Fatalist habe ich relativ wenig Ängste. Irgendwer sagte: Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Ich lebe im Hier und Jetzt. Etwas trübsinnig machen mich die Aussichten hinsichtlich Rente und meinem näher rückenden Ableben aber schon. Schließlich weiß ich als Ex-Altenpfleger, wie beschissen es kommen kann. Nur gut, dass man nicht in die Zukunft schauen kann.
Wenn die Dumpfbacken in den Machtzentralen der Welt so weiter machen, erübrigen sich bald alle Sorgen um die Zukunft.

Gar nicht so übles Herbstwetter heute in Berlin. Ich sollte rausgehen und durch den Kiez streunen…  

  

Es geht nichts über einen schönen Feierabend

Am schönsten sind jene Feierabende unmittelbar vorm Urlaub. So verließ ich also gestern beschwingt das Büro. Die Tumordokumentation hängt mir zum Hals heraus. Es ist nicht so, dass ich mich überarbeiten würde. Ich bin der Materie überdrüssig. Jede Pause davon empfinde ich als wohltuend. Diesmal leider nur eine Woche.
Die für den Nachmittag vorhergesagten Gewitter waren eingetroffen. Der Regen brachte etwas Abkühlung und wirkte erfrischend, jedenfalls solange er nicht in Sturzbächen niederging. Ich machte Zwischenstation in der Kupferkanne zum Feierabendbier. Es herrschte eine gemütliche Düsterkeit im Schankraum. Nur wenige Gäste saßen vereinzelt herum. Necip, der Wirt, war maulfaul. Ich unterhielt mich mit der alten Gabi, die Thekendienst hatte. Ich erzählte ihr von meiner geplanten Radreise in den Spreewald. Da wollte ich schon immer mal hin, und nun passte es. In den letzten Jahren bevorzugte ich als Ausflugsziel die Ostsee. In Rostock genoss ich die Gastfreundschaft einer guten Bekannten und Blogfreundin. Dann kam Corona, und wir entzweiten uns, d.h. sie kündigte mir die Bekanntschaft. Ich war ihr zu querdenkerisch. Auch die alte Gabi hatte mich verachtet, als ich ihr eröffnete, wie ich zur Coronapolitik stand und mich nicht impfen ließ. Doch das war gestern, und heute ist heute. Ich bin nicht nachtragend. Leben und leben lassen.
Nach meinen obligatorischen 3 Pils machte ich mich auf den Weg, um die nächste Station, den Nahkauf, anzusteuern. Der Regen war stärker geworden. Aber ich bin schließlich nicht aus Pappe.
Die Atmosphäre im Nahkauf gespenstisch: die meisten Regale leer, die Kühltheke zugedeckt. Der kleine Supermarkt an der Ecke rentiert sich nicht mehr. Schon vor 2-3 Wochen fiel mir auf, dass die Regale nicht nachgefüllt wurden, und ich sprach die jungen Angestellten darauf an. Viele Stammkunden (wie ich) und vor allem Alte werden den Markt schmerzlich vermissen, wegen seiner Nähe, nicht nur örtlich, auch oder vor allem wegen der menschlichen Nähe, welche das junge Team den Einkäufern vermittelte.
Ich packte eine Handvoll Waren in den Einkaufskorb. Die Sachen, die ich eigentlich kaufen wollte, waren aus: Kein Wodka, kein Gin… Ziemlich traurig das alles.
Draußen schüttete es inzwischen wie aus Eimern. Ich wollte nicht warten. Die Couch rief.

Sommergedanken

4:0 siegten die deutschen Fußballdamen gegen Dänemark. Das hätte ich nicht erwartet. Ich kriegte nur das 1. Tor mit. Die 2. Halbzeit verpennte ich… Das war ein Einstieg in die EM nach Maß.

Der Sommer ist derzeit im Keller. Jedenfalls hier in Berlin. Seit Tagen kaum 20° C und zwischendurch immer wieder Regen. Gut, um die Wohnung zu lüften. Nicht so gutes Park- und Biergartenwetter.
Die Sommerferien haben begonnen. Die Deutschen fluten die südlichen Urlaubsländer. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, vom ganz normalen Chaos/Wahnsinn abgesehen. Krieg, Hunger, Elend und Naturkatastrophen gab es schon immer. Und dann die ewigen Warnungen der Politiker, die Schwarzmalereien in den Medien… Soll man sich deswegen den Urlaub vermiesen lassen?! 2 Jahre Corona-Knechtschaft waren genug. Schließlich hat man alles brav mitgemacht, da darf man sich für seinen Untertanengeist jetzt endlich belohnen. Oder etwa nicht? Wer weiß schon, was in Herbst und Winter alles auf uns zukommen wird.
Die Zeit fliegt nur so. Schon wieder Wochenende und bald Mitte Juli. Sportereignisse wie Wimbledon und die Tour de France laufen. Necip, der Wirt der Kupferkanne, spricht von der Sommerflaute. Für die Frauenfußball-EM schleppt er den großen Fernseher nicht raus. Zu wenig Interesse. Necip ist müde. Mindestens so müde wie ich. Tagtäglich hockt er vor der Kneipe mit seiner Schnupftabakdose… seine Nasenlöcher braun, das Hemd voller Flecken. In einer guten Woche fliegen seine Frau Rose und er in die Türkei. Für 2 Wochen. Sie haben dort eine Datscha am Meer, welche bisher hauptsächlich von ihren erwachsenen Töchtern genutzt wurde. Die Kupferkanne wird in dieser Zeit schließen. Das heißt, dass ich mir eine Alternative für meine Mittagspause suchen muss. In den 2G-Zeiten ging ich in den Kleistpark… Unglaublich, wenn ich daran zurückdenke, wie über die Ungeimpften gehetzt wurde, als Leute wie ich vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wurden. Solange ist das gar nicht her.

Der Sommer lenkt mit seiner Wärme und seinem Licht von allem ab. Der Sommer ist wie ein grüner Teppich, der alle Schmach, alle Ängste und Bedrohungen zudeckt. Der Sommer ist wie eine Mutter, die ihr Kind in den Schlaf singt. Alles scheint in bester Ordnung zu sein.

 

2 – 1

Die Zeit schreitet unaufhörlich voran und kümmert sich nicht um mich. In meinem Leben passiert nicht viel. Ich hänge fest in der Tretmühle. In meiner Freizeit packt mich oft die Lethargie und ich halte mich vor dem Bildschirm am Leben. Immerhin darf ich mittlerweile (als Ungeimpfter) wieder mein Feierabendbier in der Kneipe oder im Biergarten genießen… Gestern wollte ich zur Kupferkanne. Auf dem Programm stand Fußball „Dortmund – Hertha“. Ein entscheidendes Spiel für die Hertha von wegen Klassenerhalt. Vorweg, ich bin kein Fußballfan – aber zum Zeit totschlagen…, zumal ich es genieße, ab und zu in Gesellschaft zu sitzen. In den meisten Berliner Kiezkneipen kommt man eh nicht um den Fußball herum. Ich mag diese althergebrachte Kneipenszene irgendwie, wo sich die einfachen Leute auf ein Bier treffen. Okay, da hocken jede Menge Scheintote (so langsam gehöre ich auch zu denen)… Aber inzwischen entdecken auch die jüngeren Generationen (hauptsächlich Studenten) diese alten Kneipen für sich, weil dort die Getränke noch relativ billig sind, weil der Wirt (meist) umgänglich ist und auf die Wünsche seiner Gäste eingeht, weil diese Kneipen Originalität/Nostalgie verströmen.
Also ich kam dann doch nicht mehr raus aus meiner Wohnhöhle und verbrachte den Nachmittag träge auf der Couch. Die Lust auf Gesellschaft war verpufft… Wozu rausgehen? fragte ich mich, ich habe doch alles hier, was ich brauche. Die Lethargie zog mich runter. Mal sehen, ob ich heute den Abflug schaffe. Wenigstens für 2-3 Stündchen. Park und Biergarten liegen quasi vor der Tür. Ein sonniger Sonntag wartet auf mich.
Wie ging eigentlich das Spiel für die Hertha aus? Ich googele das jetzt…