Na dann, nochmal Spreewald

Drei Übernachtungen im „Spreewald-Idyll“ stehen kurz bevor. Am Tag der Deutschen Einheit reise ich mit Zug + Faltrad an. Kaum einen Monat ist es her, dass ich eine Fahrradreise die Spree rauf bis Lübben unternahm. Da war noch Spätsommer, und ich war weitgehend mit Kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs. Ein wenig wärmer werde ich mich diesmal anziehen müssen.
Ich bin gespannt, wie sehr der Herbst inzwischen im Spreewald Einzug hielt, wie sich die Atmosphäre veränderte… Geplant sind eine Radtour nach Burg, mit dem Paddelboot durch die Kanäle und Fließe, außerdem die nähere Erkundung Lübbenaus (wo ich auch übernachte). Ich hoffe natürlich, dass ich nicht aufgrund von Regen absaufe… (Nein, es soll lt. Wetterfrosch ab Dienstag ganz gut werden.)
Kein großes Ding diese Reise, aber allemal besser, als die ganze Urlaubswoche in Berlin zu hocken. Und ich werde wieder ein paar (schöne) Bilder mitbringen, mit denen ich meine nächsten Blogbeiträge schmücken kann.

Es geht nichts über einen schönen Feierabend

Am schönsten sind jene Feierabende unmittelbar vorm Urlaub. So verließ ich also gestern beschwingt das Büro. Die Tumordokumentation hängt mir zum Hals heraus. Es ist nicht so, dass ich mich überarbeiten würde. Ich bin der Materie überdrüssig. Jede Pause davon empfinde ich als wohltuend. Diesmal leider nur eine Woche.
Die für den Nachmittag vorhergesagten Gewitter waren eingetroffen. Der Regen brachte etwas Abkühlung und wirkte erfrischend, jedenfalls solange er nicht in Sturzbächen niederging. Ich machte Zwischenstation in der Kupferkanne zum Feierabendbier. Es herrschte eine gemütliche Düsterkeit im Schankraum. Nur wenige Gäste saßen vereinzelt herum. Necip, der Wirt, war maulfaul. Ich unterhielt mich mit der alten Gabi, die Thekendienst hatte. Ich erzählte ihr von meiner geplanten Radreise in den Spreewald. Da wollte ich schon immer mal hin, und nun passte es. In den letzten Jahren bevorzugte ich als Ausflugsziel die Ostsee. In Rostock genoss ich die Gastfreundschaft einer guten Bekannten und Blogfreundin. Dann kam Corona, und wir entzweiten uns, d.h. sie kündigte mir die Bekanntschaft. Ich war ihr zu querdenkerisch. Auch die alte Gabi hatte mich verachtet, als ich ihr eröffnete, wie ich zur Coronapolitik stand und mich nicht impfen ließ. Doch das war gestern, und heute ist heute. Ich bin nicht nachtragend. Leben und leben lassen.
Nach meinen obligatorischen 3 Pils machte ich mich auf den Weg, um die nächste Station, den Nahkauf, anzusteuern. Der Regen war stärker geworden. Aber ich bin schließlich nicht aus Pappe.
Die Atmosphäre im Nahkauf gespenstisch: die meisten Regale leer, die Kühltheke zugedeckt. Der kleine Supermarkt an der Ecke rentiert sich nicht mehr. Schon vor 2-3 Wochen fiel mir auf, dass die Regale nicht nachgefüllt wurden, und ich sprach die jungen Angestellten darauf an. Viele Stammkunden (wie ich) und vor allem Alte werden den Markt schmerzlich vermissen, wegen seiner Nähe, nicht nur örtlich, auch oder vor allem wegen der menschlichen Nähe, welche das junge Team den Einkäufern vermittelte.
Ich packte eine Handvoll Waren in den Einkaufskorb. Die Sachen, die ich eigentlich kaufen wollte, waren aus: Kein Wodka, kein Gin… Ziemlich traurig das alles.
Draußen schüttete es inzwischen wie aus Eimern. Ich wollte nicht warten. Die Couch rief.

Sommergedanken

4:0 siegten die deutschen Fußballdamen gegen Dänemark. Das hätte ich nicht erwartet. Ich kriegte nur das 1. Tor mit. Die 2. Halbzeit verpennte ich… Das war ein Einstieg in die EM nach Maß.

Der Sommer ist derzeit im Keller. Jedenfalls hier in Berlin. Seit Tagen kaum 20° C und zwischendurch immer wieder Regen. Gut, um die Wohnung zu lüften. Nicht so gutes Park- und Biergartenwetter.
Die Sommerferien haben begonnen. Die Deutschen fluten die südlichen Urlaubsländer. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, vom ganz normalen Chaos/Wahnsinn abgesehen. Krieg, Hunger, Elend und Naturkatastrophen gab es schon immer. Und dann die ewigen Warnungen der Politiker, die Schwarzmalereien in den Medien… Soll man sich deswegen den Urlaub vermiesen lassen?! 2 Jahre Corona-Knechtschaft waren genug. Schließlich hat man alles brav mitgemacht, da darf man sich für seinen Untertanengeist jetzt endlich belohnen. Oder etwa nicht? Wer weiß schon, was in Herbst und Winter alles auf uns zukommen wird.
Die Zeit fliegt nur so. Schon wieder Wochenende und bald Mitte Juli. Sportereignisse wie Wimbledon und die Tour de France laufen. Necip, der Wirt der Kupferkanne, spricht von der Sommerflaute. Für die Frauenfußball-EM schleppt er den großen Fernseher nicht raus. Zu wenig Interesse. Necip ist müde. Mindestens so müde wie ich. Tagtäglich hockt er vor der Kneipe mit seiner Schnupftabakdose… seine Nasenlöcher braun, das Hemd voller Flecken. In einer guten Woche fliegen seine Frau Rose und er in die Türkei. Für 2 Wochen. Sie haben dort eine Datscha am Meer, welche bisher hauptsächlich von ihren erwachsenen Töchtern genutzt wurde. Die Kupferkanne wird in dieser Zeit schließen. Das heißt, dass ich mir eine Alternative für meine Mittagspause suchen muss. In den 2G-Zeiten ging ich in den Kleistpark… Unglaublich, wenn ich daran zurückdenke, wie über die Ungeimpften gehetzt wurde, als Leute wie ich vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wurden. Solange ist das gar nicht her.

Der Sommer lenkt mit seiner Wärme und seinem Licht von allem ab. Der Sommer ist wie ein grüner Teppich, der alle Schmach, alle Ängste und Bedrohungen zudeckt. Der Sommer ist wie eine Mutter, die ihr Kind in den Schlaf singt. Alles scheint in bester Ordnung zu sein.

 

It`s summertime

Meine Fahrradreise bereits long ago – ich erinnere mich dunkel: da war doch was.
30 Tage Urlaub auf ein Kalenderjahr verteilt sind definitiv zu wenig!

Im Job läuft alles wie gehabt. Homeoffice im Wechsel mit Bürotagen. Unzählige Tumorfälle warten darauf, von uns dokumentiert zu werden. Wem das nicht irgendwann aus dem Hals heraushängt – also, ich weiß nicht. Regulär muss ich noch bis 2029 durchhalten, um dann mit einer Niedrigrente in die Altersarmut zu starten. Vielleicht mit etwas Glück erlebe ich das nicht mehr – ich arbeite dran. Prost!
Oder ist das zu defätistisch?

Na ja, erstmal ist Wochenende. Ich gönne mir mal wieder ein verlängertes, den Montag dazu. It`s summertime in Berlin. Wäre ich ein paar Jahrzehnte jünger, würden meine Hormone durchdrehen. Ein einziger Augenschmaus, was einem da in den Parks und Biergärten vor die Linse kommt. Nun, nicht dass mich der Anblick hübscher Frauen heute völlig kalt lässt, aber ich verspüre nicht mehr diesen wahnsinnigen Druck.
Wollte ich nochmal jung sein?

Vorbei ist vorbei. Das Leben findet im Jetzt statt. Ich beziehe mein durchgeschwitztes Bett, höre Blues, trinke in aller Gemütsruhe Gin Tonic, lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Wo ist all das Erlebte hin? Fand es überhaupt statt? Einiges zeugt davon: Bilder, Postkarten und andere Objekte… Ich hole sie so gut wie nie hervor, ab und zu alte Gedichte. Fotos und Objekte zeigen mir lediglich die Vergänglichkeit. Worte dagegen können mich zeitlos anrühren. Sie verstauben nicht. Jedenfalls nicht in dem Maße wie andere Sachen dem Zerfall ausgesetzt sind.
Ich sollte mehr lesen.

Eine Minute reiht sich an die andere. Niemand weiß, wo die Minuten herkommen. Manchmal vergehen sie nicht schnell genug, z. B. während ich vorm Computerbildschirm sitze und Tumoren dokumentiere. Aber insgesamt gesehen vergehen die Minuten viel zu schnell.
Warum sitze ich hier plötzlich als alter Sack?!


Bumm!

Das Wochenende bringt etwas Abkühlung. Tagestemperaturen um die 20°C reichen mir völlig.
Ein paar Pfützen im Hof zeugen vom gestrigen Gewitterregen, die Straße ist bereits wieder abgetrocknet.

Meine Hausbank schickte mir ihre neuen Geschäftsbedingungen (127 Seiten kleingedruckt) verbunden mit einer Erhöhung der Kontogebühren. Sie benötigen meine Zustimmung… Wie sagt man redensartlich? – Sie nehmen es von den Lebenden.

Seit langem wieder mal eine Bierflasche im Eisfach vergessen. „Bumm!“ machte es irgendwann. Nun ja, ich springe nicht wegen jedem seltsamen Geräusch aus dem Bett. Stunden später, als ich eine Schlafpause einlegte, fiel mir die Bierflasche ein. Na super! dachte ich.

Und sonst: In 2 Wochen habe ich Urlaub. Eine kleine Fahrradreise ist geplant: Nach Hamburg mit dem Zug, mit Fahrrad und Zelt die Elbemündung bis Brunsbüttel, von dort am Nord-Ostseekanal quer durch Holstein bis Kiel, dann die Ostseeküste entlang Richtung Lübeck/Wismar/Rostock, solange ich Bock habe, meine Kräfte reichen, das Wetter mitmacht…, schlussendlich mit dem Zug zurück.

Sicher gibt es noch dies und das, was ich erzählen könnte. Aber das ist auch nicht interessanter.

Goldfische träumen gern

Im frühmorgendlichen Traum war ich auf einer Reise ans Meer. Irgendwo im Süden, unterwegs mit dem Fahrrad, aber auch mit Zug und Bus. Ich wollte zuhause anrufen, weil ich nicht mehr wusste, wie lange mein Urlaub ging, aber ich bekam keine Verbindung… Irgendwann gab ich es auf. Das Meer konnte nicht mehr weit sein.

… Das erste Tageslicht fällt durch die Vorhänge ins Zimmer. Ich reibe mir die Augen. Kein Zweifel, ich bin aufgewacht. Alles um mich herum kommt mir super bekannt vor. Das mit dem Anruf hat sich somit erübrigt. Das mit der Reise ans Meer auch. Immerhin warten vier Tage ohne Tumordokumentation auf mich.
Der Morgenblues lässt nicht lange auf sich warten. Er erreicht mich spätestens, wenn ich am Schreibtisch sitze und nicht recht weiß, was ich machen soll. Ich starte den Computer und überfliege Mails und Internetnachrichten… Willkommen im Goldfischglas.

Es war gestern und ist doch heute (14)

Ich war in Südfrankreich. Auf dem Camping Platz von Cassis, 15 km östlich von Marseille. Der Boden war hart wie die letzten Male. Ich sah auf die Felsenküste und fuhr zu den Calanques. Ich hatte mein Fahrrad im Zug von Karlsruhe bis Marseille mitgenommen. Früh morgens kam ich in Marseille an. Es war schön. Der kalte Wind war schön. Ich brannte innerlich.
Ich erinnere mich an den Campingplatz. Und ich erinnere mich an Cassis, an den kleinen Hafen, die Bucht, den Strand, die Felsen, die Calanques…, den wunderbaren Sternenhimmel.
Eine Woche Cassis, Altweibersommer am Mittelmeer, das Meer glitzerte kalt… Um mir die Zeit zu vertreiben, fuhr ich mit dem Rad zu den Calanques und den Nachbarorten Richtung Toulon.
Ich weiß nicht mehr, wie ich es mitbekam. In den Cafés mit TV waren plötzlich alle ganz aufgeregt. Ich sah die Bilder der einstürzenden Türme, ich hörte die Diskussionen und die Betroffenheit in der fremden Sprache. Mein Gott, dachte ich, was ist da passiert?! Am nächsten Morgen kaufte ich mir die „Daily Mail“ mit den schockierenden Bildern als Aufmacher. Das Ganze war irgendwie unreal. Ich schaute aufs Meer. Es war nach wie vor herrlich, und doch lag etwas Unbestimmtes in der Luft. Ich war allein. Ich hatte niemanden. Zuhause war nur meine Ex, die mit ihrem neuen Freund rumbumste. Meine Reise ans Mittelmeer war eine Flucht gewesen. Und während ich einsam und melancholisch die mediterrane Schönheit genoss, passierte diese grauenhafte Geschichte mit den Twin Towers – am anderen Ende der Welt. Wie unheimlich ist doch die Vorstellung, dass wir (die westliche Welt) von arabischen Terroristen bedroht werden. Als ich in den Cafés saß, beobachtete ich die Menschen und versuchte zu  unterscheiden, ob sie erschrocken auf den Anschlag reagierten oder gegenteilig eine gewisse Genugtuung, gar Freude empfanden. Letzteres war durchaus bei einigen der Fall.
Ich saß manche Stunden auf dem Mäuerchen, das den Bowlesplatz umschränkte. Viele Erinnerungen flogen mich an. Doch war alles anders. Ich war anders. Der Ort Cassis dagegen schien in all den Jahren stillgestanden zu haben. Im Kern hatte sich kaum etwas verändert.
Nach einer Woche brach ich mit dem Fahrrad nach Marseille auf. Ich wollte über Avignon zur Rhône fahren, dann den Fluss hoch bis Lyon… Doch riss mir die Kette in den Banlieues von Marseille. Es war Sonntag. Ich war fix und fertig. Die Spätsommersonne blendete mich, und die Einsamkeit nagte an mir. Noch am selben Tag fuhr ich mit dem Zug zurück in die Heimat.

Vor acht Jahren – wo stehe ich heute? Wo steht meine Angst?
Was wissen wir wirklich von der terroristischen Bedrohung? Schauen wir nicht nur voyeuristisch auf solche monströsen Geschehen wie am 11.09.01? Haben wir uns damit psychologisch auseinandergesetzt? Was passiert heute noch im Namen dieses Terroranschlags?
Gibt es eine realistische Bedrohung von islamistischen Terroristen auf unsere westlichen Werte, die einen Kampfeinsatz  deutscher Soldaten in Afghanistan rechtfertigt?

(verfasst am Jahrestag 11.09.2009)


Home-Holidays

Da ist er nun, der letzte Urlaubstag. Ging wiedermal ruckzuck. Besondere Erlebnisse hatte ich keine, abgesehen von der Demo am Potsdamer Platz. Adäquat zum Homeoffice waren es Home-Holidays. Ich übte mich im Weiterexistieren. Der bedröppelte August tat sein Übriges dazu, dass ich mich in meinen vier Wänden einigelte. Auch heute regiert draußen der Siff… bei angenehmen 15°C. Noch verweigere ich mich tapfer, in die Jeans zu schlüpfen. Haben wir vielleicht Sommer, oder was?!
An die Arbeit will ich noch nicht denken, aber natürlich kann ich die Gedanken nicht ganz verdrängen. Morgen werde ich eine Menge Emails durchzuackern haben. Ich wünsche mir einen langsamen Wiedereinstieg. Mein Lustpotential sprengt das untere Ende jeglicher Skala. Aber es wird schon werden… nach den ersten Kontakten mit den Hühnern.
August ade, Sommer ade, welcome to the fuckin` job!