Es tut sich was

Gestern kam die Nachricht von der Geschäftsleitung: Die Homeofficepflicht wird aufgehoben. Ab nächster Woche darf ich wieder häufiger im Büro aufschlagen. Das freut mich. Für meine Gemütslage und Arbeitsmotivation ist das Homeoffice auf Dauer nichts, zumal in einem 100%-Job. Bei der (meiner Meinung nach) relativ eintönigen sowie nervig/frustrierenden Tumordokumentation, bietet ein soziales Umfeld vor Ort mehr Kommunikation, damit Frustkompensation und Aufmunterung… Der Feierabend verdient es, ihn wieder Feierabend zu nennen. Zuhause klappe ich einfach das Laptop zu und bemühe mich hinüber zur Couch. Das Büro dagegen verlasse ich beschwingt mit guten Feierabendwünschen meiner Kollegen und Kolleginnen… Auf zum verdienten Feierabendbierchen in der Kiezkneipe!
Natürlich hat auch das Homeoffice seine Qualitäten… gerade für jene mit einem langen stressigen Arbeitsweg. Denen gönne ich es, wenn sie weiterhin so viele Tage wie bisher im Homeoffice arbeiten dürfen. Darüber entscheidet nun unsere Chefin in individueller Absprache mit den Mitarbeitern. Die Direktive der Geschäftsleitung „so viel Homeoffice wie möglich“ entfällt.

Ich stolperte im Internet über die Nachricht, dass bereits einige Biergärten geöffnet haben. Das Wochenende verspricht viel Sonne für Berlin –  wird Zeit, mich mal wieder aus dem Kiez zu wagen, z.B. hin zum Schleusenkrug. Der BRLO-Biergarten bei mir um die Ecke beendet seinen Winterschlaf erst am 1. April.

Dicht dran – Lichtjahre entfernt

Der böse Russe verdrängt das böse Corona-Virus aus den Schlagzeilen. Ein Wintersturm jagt den nächsten. Ich sehe die Wolken fliegen und die kahlen Zweige der Stadtbäume sich wiegen. In der Nacht pfeift der Wind Lieder.

Der mittwöchendliche Bürotag gespickt mit kollegialen Plaudereien – herzerfrischend! Den Rest der Woche in der Homeofficeödnis, begleitet von TV-Geplapper.

Wie viele Lichtjahre liegen zwischen mir und der Welt da draußen? Wie nah bin ich mir selbst?    

Der Blick in den Kühlschrank zeigt an, dass ich einkaufen sollte. Nicht dass mir am Wochenende der Sprit ausgeht.

Alles Gute hat einmal ein Ende

Und das Ende kommt immer zu schnell. Morgen geht`s zurück ins Homeoffice. Im Grunde waren es auch nur vier freie Tage… Und wie war`s, Baby Blue? Naja, ich hatte mir nichts Besonderes vorgenommen. Reisen ist durch die Corona-Situation immer noch schwer möglich. Vielleicht hätte ich den ein oder anderen Tagesausflug unternommen, wenn das Wetter danach gewesen wäre. Wenigstens Anfang der Woche konnte ich noch Sonne und Ausgelassenheit im Park genießen. Danach wurde es mau mit den Aufenthalten außer Haus. So mutete die Urlaubswoche an wie Homeoffice bloß ohne Homeoffice. Jedenfalls überwiegend.
Heute den letzten pflichtfreien Faulenzertag genießen. Vielleicht was zu essen bestellen. Ich entdeckte vor Wochen in Kreuzberg ein kroatisches Restaurant, die haben Kalbsleber Berliner Art und noch ein paar andere Fleisch- und Fischgerichte, bei denen mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Man gönnt sich ja sonst nicht viel in diesen Zeiten. Und die Restaurants freuen sich sicher über Aufträge.
Also, auf in den Tag!

Keine Panik auf der Titanic

Der Sessel auf dem Gehsteig vor meinem Fenster bekam Zuwachs von einem Fahrradrahmen, einem Tintenstrahldrucker, einem großen Pappkarton und einem Kofferbett. Die Sonne steht knapp überm Horizont. Der Himmel schimmert hinter Dunstschleiern bläulich. Sieht kalt aus draußen. Auf den geparkten Autos bildete sich über Nacht Raureif… Meine Woche ließ ich im Homeoffice ausklingen. Die Arbeit am Rechner ist stupide. Nichts als Tumordiagnosen, Tumorbehandlungen, Tumorverläufe, Tumor-Histologien… Mammakarzinome, Lungenkarzinome, Kolonkarzinome, Nierenkarzinome, Harnblasenkarzinome, Prostatakarzinome, Pankreaskarzinome, Leberzellkarzinome, Melanome, Sarkome, Hirntumoren, Gynäkologische Tumoren, HNO-Tumoren, Lymphome, Leukämien… Nach bald vier Jahren bin ich der Tumordokumentation langsam aber sicher überdrüssig. Das Einzige, was meinen Arbeitsalltag aufhellt, sind die sozialen Kontakte, welche sich durchs Homeoffice stark reduzierten… Und von wegen Ausgleich: Im Zuge der Kneipenschließungen begegne ich oft tagelang keiner einzigen vertrauten Seele, abgesehen von der netten Supermarktkassiererin… Aber gut, ich will nicht jammern. Wenigstens habe ich einen sicheren Job. Die Maläsen halten sich in Grenzen, und in meinen vier Wänden finde ich es heimelig. Ich pflege meinen Corona-Speck und glotze die Mediathek rauf und runter. Dazu kommen die reizenden Kontakte mit den Bloggerinnen und Bloggern auf WordPress. (Huhu!)

Ohne dass ich es merkte, schob sich ein dicker Umzugslaster vor mein Fenster. Im Treppenhaus begegne ich immer wieder fremden Gesichtern. Die Umzugstätigkeit war in diesem Jahr rege. Ob das mit Corona zusammenhängt(?) Umziehen wäre ziemlich das Letzte, was ich jetzt wollte. Ich hoffe doch nicht, dass in naher Zukunft die Miete steigt… Scheiß Zukunftsängste, die wie lästige Fruchtfliegen im Kopf herumschwirren und denen nicht beizukommen ist. Was haben die nur alle mit Corona? – als gäbe es keine anderen Bedrohungen im Leben.  

Schätze, ich hänge im Dauerblues fest. Nicht tragisch, denn ich mag Blues. Nicht nur als Musik, sondern auch als Lebensgefühl. Da habe ich all denen was voraus, die mit Blues-Zeiten nicht so gut klarkommen. Ich freundete mich schon früh mit meinem verkorksten Leben an. Was nicht ist, das ist eben nicht… (Nr. 50437 meiner persönlichen Lebensweisheiten) oder: Keine Panik auf der Titanic.



Schlaglichter einer Woche

Die Bilder aus Argentinien zum Tod des ehemaligen Fußballstars Diego Maradona gruselten mich. Was für eine irre, schwachsinnige Verehrung!  Der kleine Mann wurde zu seinen Lebzeiten nicht fertig mit dem Kult um seine Person – und das brachte ihn letztlich ins Grab.

Die Verlängerung sowie Verschärfung der Corona-Maßnahmen wurden beschlossen. Bis 20. Dezember. Man musste kein Prophet sein. Also statt Pub und Kneipe alleine zuhause saufen, was meine alljährliche Weihnachtstristesse noch verstärken wird.

Trump scheint langsam in der Realität anzukommen. Er wird in ein tiefes Loch fallen und mit ihm die ganze Welt. Er war als Präsident des mächtigsten Staates der personifizierte Irrsinn. Ich dachte immer: Wir verdienen Trump. Er hält uns den Spiegel vor. War wohl etwas zu viel Spiegel.

Meine Kuschelstrickjacke hatte mit den Jahren ein paar Löcher bekommen. Ich fand einen süßen Schneider-Laden im Kiez, wo ich sie reparieren ließ. Die Inhaberin ist eine nette ältere Dame, die einem auch schöne Sachen auf Wunsch näht. Ich war so angetan von dem kleinen Laden, dass ich eine Bauchtasche in Auftrag gab, obwohl ich gar keine Bauchtasche brauche. Mit Taschen bin ich echt überversorgt.

Meine Bürokollegin bekam ihren eigenen Firmen-Laptop. Darauf ist sie stolz wie Bolle. Ich freute mich mit ihr. Zwei Wochen hatten wir uns ein Gerät geteilt, was auch prima funktionierte. Aber gut, so kann ich wieder freier meine Homeoffice-Tage planen.

Ich sitze im Halbdunkel an meinem Schreibtisch. Obenherum mit T-Shirt und Kuschelstrickjacke, untenherum Boxershorts und sonst nix. Schön, wenn man sich jederzeit am Sack kratzen kann…

Was nicht fehlen darf: „Prost! – Auf das Wochenende!“



Was für eine Woche

Die Übergabe des Firmenlaptops an meine Bürokollegin klappte problemlos. Wir teilen uns jetzt die HO-Zeit. Sie ist happy! Und ich freue mich, dass ich ihr damit aus ihrer latenten Unzufriedenheit helfen konnte.

Dann die US-Wahl, die uns seit Mittwoch in Atem hält. Sie verwies sogar Corona zeitweise auf Platz 2 in den Schlagzeilen. Trump wird man wohl gewaltsam aus dem Weißen Haus entfernen müssen. „Nein, ich will nicht!“ wird er wie ein trotziges Kind schreien, während sie ihm die Zwangsjacke überziehen…

Corona ist freilich dauerpräsent. Wir befinden uns im Wellenbrecher-Lockdown, wie er genannt wird. Momentan bäumt sich die Welle aber eher auf. Rund 21 Tausend Corona-Positive innert 24 Stunden!

Die Woche klingt ohne ein Feierabendbier im Pub aus. Sehr bedauerlich. Es ist einfach nicht dasselbe.

 

Das geheimnisvolle Erbe

Sonntägliche Friedhofsruhe, geradezu unheimlich die morgendliche Stimmung: die trübe und feuchte Witterung, die sich zersetzenden Herbstblätter auf dem grauen Pflaster, Rabengekrächze und Gruselgeschichten von H. P. Lovecraft vor dem Aufstehen…
Von einer Briefsendung der besonderen Art überrascht worden. Seitdem bin ich am Grübeln. Der Nachlass einer entfernten Verwandten, die bereits in den Sechzigern verstarb, liegt an. Da das ursprüngliche Testament aufgrund von Formfehlern als ungültig betrachtet wird, tritt nun die gesetzliche Erbfolge ein. Einer der noch lebenden Erben bin ich.  Ganz blicke ich da noch nicht durch. Und natürlich weiß ich nicht, worin der Nachlass besteht. Nun ist guter Rat teuer. Ich könnte es mir einfach machen und das Erbe ausschlagen… Zuerst will ich aber die zuständige Nachlassstelle kontaktieren in der Hoffnung, etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren. Auf eine Weise spannend ist diese Sache schon, aber auch unheimlich. Dem Schreiben war ein recht ausführlicher Stammbaum beigefügt. Ich blicke auf die Ahnenreihe mütterlicherseits – all die Verstorbenen, welche auf ein Ehepaar im 19. Jahrhundert zurückgehen, ein kleiner Friedhof entfernter Angehöriger und auf einem Ast meine Großmutter und Mutter bis hin zu mir. Umso mehr ich darüber nachdenke, desto neugieriger werde ich. Was gibt es da wohl zu erben? Und wo erhalte ich die Infos? Soll ich einen Anwalt aufsuchen? Besser erstmal selbst recherchieren und sehen, wie weit ich komme. Sechs Wochen bleiben mir.

Und sonst: Der Tag vor dem Lockdown. Ein gruseliges Corona-Jahr geht in seine letzte Kurve. Am Wochenende noch mal einen in der Kneipe gezwitschert. Für den Sonntag habe ich mir außer Wäschewaschen nichts vorgenommen. Die Woche wird mit zwei Homeoffice-Tagen beginnen. Ich dümpele vor mich hin. Es ist der Herbst-Blues. Der Gedanke an die Endlichkeit – wie viele Jahre noch? Als junger Mensch will man vom Sterben nichts wissen, weil es unendlich weit weg erscheint. Und als ein Mensch, der in die Jahre gekommen ist, will man auch nichts vom Sterben wissen, weil die Schatten bereits vor einem auftauchen. Lieber nicht dran denken.

So, dann mal auf in den Tag!