Alter Walter!

Wie einem ein Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf geht, so gehen mir gewisse Floskeln nicht mehr aus dem Sinn. Aktuell „Alter Walter“ als Ausdruck des Erstaunens, Unverständnisses oder Genervt Seins. Aus Lust an der Laune ergänze ich die Floskel wortmalerisch, so dass daraus „Alter Walter, gefalteter Gestalter…“ wird oder ähnliches. Der Anlässe gibt es jede Menge im Alltag. Wenn mir in tölpelhafter Manier ein Lapsus passiert, richte ich diese Worte auch an mich selbst oder gen Himmel an den großen Zampano. Man soll sich nun nicht vorstellen, dass ich ständig „Alter Walter!“ ausrufe. Ich falle ungern auf und äußere solche Floskeln lautsprachlich nur, wenn ich alleine bin – wie z.B. jetzt in meinen vier Wänden: „Alter Walter, gefalteter Gestalter!“
Ich schaue aus dem Fenster, und das Erstaunen lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten.

 

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Auf der Biermeile

Quer durch Berlin zu radeln, ist eine Herausforderung. Wiedermal wurde mir bewusst, in was für einer berstend vollen Wahnsinnsstadt ich lebe. Der mittlerweile vertraute Kiez vermittelt mir das nicht in dem Maße. Wenn man also durch Berlin radelt, muss man alle Sinne hellwach halten. Nach einigen Bier auf der Biermeile freilich nicht mehr ganz einfach. Ich war froh, als ich wieder in vertraute Gefilde kam. Zuletzt noch ein Bier im Biergarten am Gleisdreieck, und der Kanal war voll.
Zu viele Menschen, zu viele Rüben, zu viel Verkehr, zu viele Ampeln, zu laut, zu wuselig… zu viele Eindrücke.

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Ich machte mein Fahrrad an einem Straßenschild fest und schlappte los, trank da und dort einen Halben in der Sonne (die Preise waren horrend) … Mir reichte es bald. Wenn ich was nicht mag, dann ist es Gedränge. Wo ich auch stehenblieb, stand ich jemandem im Wege. Nicht dass ich vom Bierfest enttäuscht war, ich kannte es schon von früheren Besuchen. Es sollte einfach ein Ausflugsziel sein, um mir den Samstagnachmittag um die Ohren zu schlagen.

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Auf solchen Massenveranstaltungen gerate ich automatisch in einen inneren Konflikt. In der Regel hege ich gegenüber meinen Mitmenschen Gefühle wie Zuneigung und Anteilnahme – ich gehöre schließlich zur selben Spezies… Ich kann stundenlang im Biergarten sitzen und meine lieben Mitmenschen betrachten. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ab einer gewissen Dichte kippt die eigentlich positive Stimmung in mir. Die Menschen um mich herum verwandeln sich in oberflächliche, widerliche fressende und saufende Kreaturen. Ekel erfasst mich, und ich verlasse fluchtartig diesen Ort. Nur weg von hier!
Ähnlich kann es mir auch in Shoppingcentern, Fußgängerzonen oder auf von Menschen überfluteten Plätzen gehen. Mich zieht es dann an ein ruhiges Plätzchen in einem Park oder in eine mäßig besuchte Kneipe.
Ich halte meine Reaktion für völlig normal… Seltsam diese Welt – für viele kann es nicht voll genug sein. Verstehe ich nicht.

Spaghetti nach dem Regen

Kürzlich hatte ich eine Vision: Ich sah vor meinem geistigen Auge die Figur eines Mischwesens, halb Mann, halb Frau. Der Kopf mit einem langen Vollbart, wie ihn traditionell viele Moslems tragen, der aber seit einigen Jahren auch bei westlichen Männern stark in Mode ist (siehe z.B. Bloggerkollege Hypermental), Gesicht und Haarschopf waren von meiner Ex; und der Oberkörper: rechts die behaarte Brust eines Mannes, links eine weibliche Brust mit mehreren Brustwarzen… oder mehrere dicht aneinanderliegende weibliche Brüste mit je einer Brustwarze – genau habe ich es nicht mehr in Erinnerung. Jedenfalls hingen daran mehrere Missgeburten, die gesäugt wurden. Als ich diese Eingebung hatte, saß ich im Biergarten und schaute Löcher in die Luft. Die Bedeutung erschließt sich mir nicht. Wäre aber ein interessantes Motiv zum Malen.

Die Waschmaschine läuft. Endlich wieder Wochenende! Meine Bürokollegin war ungewöhnlich gut drauf. Sie freute sich darauf, mit ihrem Enkel zum Feuerwehrfest zu gehen. Ich nahm mir das Bierfest auf der Karl-Marx-Allee vor. Hoffentlich bleibt es trocken… Und hoffentlich treffe ich bei meiner kleinen Rundfahrt durch Berlin nicht auf meine Ex (man soll den Teufel nicht an die Wand malen).

Ein Starkregen läutete das Wochenende ein. Ich schaffte es gerade noch in die trockene Höhle des Pubs…, genoss das Geräusch des prasselnden Regens, den Blick hinaus auf die Straße und die frische Luft, die in den Schankraum strömte. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Und so trank ich mehr als meine üblichen drei Bier.
Es sah irgendwann danach aus, als ob der Regen nachließe. Noch ein Bier? Nein, ich hatte genug. Obwohl ein netter Kerl neben mir saß, der mir zwischenzeitlich seine halbe Lebensgeschichte erzählte. Etwas schleppend, aber wirklich interessant. Er hatte alles hinter sich und wartete auf das Ende. Keineswegs verbittert – ganz im Gegenteil: er genoss seine Freiheit „jetzt und hier“. Lediglich seine Krankheiten und Gebrechen schränkten ihn ein – aber naja. Mir ginge es ähnlich, meinte ich – doch war klar: er hatte einen Vorsprung
Zuhause rieb ich mir die Haare mit einem Handtuch trocken und kochte Spaghetti.

Sagen wollte ich noch

Als ich an der Absperrung stand, mein Bier trank und auf den Umzug wartete, durchströmte mich eine Welle des Stolzes, dass ich in einer solch aufgeschlossenen Stadt wie Berlin wohnte. Die Menschen (Jung und Alt), die beim CSD zusammenkamen, waren allesamt friedlich gesinnt und wollten nur eins: Für die Freie Liebe demonstrieren und Spaß haben. Nichts zu sehen von Rassisten, Nationalisten und anderem rückwärtsgewandtem Gesocks. Die hatten sich wahrscheinlich in ihre Mäuselöcher verkrochen oder betrachteten das Spektakel getarnt und kleinlaut vom Rande. Ich dachte bei mir: Bevor rechte oder islamistische Spinner in dieser Gesellschaft die Macht übernehmen, sind es die vielen toleranzgeprägten Menschen, die hier zusammenströmen, Schwule, Lesben, Transsexuelle… Mag sein, etwas zu viel Karneval, und die scheiß Technomusik ist auch nicht meins, aber was zählt, ist der weltoffene Geist dabei. Bei aller Kritik an dem oberflächlichen Gehabe meiner Mitmenschen, finde ich solche Events doch gut, weil sie für mehr Toleranz und Frieden werben. Ich halte es nur nicht lange im Getümmel aus. Egal ob mit oder ohne Bierbetäubung. Und auf Pillen stehe ich nicht.
War jedenfalls schön zu sehen, dass dieser Gesellschaft noch lange nicht der Sumpf rechter Ideologie droht – auch wenn einem bei manchen Nachrichten angst und bange werden kann. In Berlin jedenfalls ist Interkulturalität Programm. Und wem das nicht passt, der kann ja nach Hinterfurzingen ziehen*.

 

*frei nach Donald Trump

Zeittotschlagen beim CSD

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Ich hatte mich mit der Zeit vertan und war zu früh vor Ort. Um einiges zu früh. Der Verkehr lief noch, und es wurde erst peu à peu voller am Nollendorfplatz, von wo aus ich das Geschehen betrachten wollte. Asiaten hatten Getränke in Wannen voller Eis herangekarrt und verkauften die Dosen und Flaschen zur Hälfte günstiger als die Getränkestände. Da stand ich also blöde rum mit meinem Bier und wartete auf den Umzug.

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Inzwischen strömten immer mehr Menschen herbei und platzierten sich am Straßenrand. Zwei Stunden vergingen – da wurde es mir zu bunt, und ich marschierte dem Zug entgegen Richtung Zoo.

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Vorneweg wie immer die Polizei, und danach sah ich den ersten Wagen. Ich steckte mitten im Getümmel. Wollte ich das? Außerdem drückte das Bier. Also nichts wie zurück zu meinem Fahrrad.

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Im Pub auf die Toilette und ein Bier. Draußen das ganz normale Chaos, etwas zugespitzter als sonst wegen der vielen Straßensperrungen. Eigentlich war es noch zu früh, um nach Hause zu gehen. Zum Biergarten wollte ich aber nicht mehr. Ich hatte genug vom Maulaffen feilhalten und dem städtischen Treiben. Also blieb ich noch ein Stündchen beim Wirt an der Bar hängen und genoss die Ruhe unter ein paar vertrauten Figuren.

Sommer in Berlin

Kacke nochmal, die Woche schlauchte. Aber ich liebe den Sommer und will nicht über die hohen Temperaturen jammern. In der Sonne schwitzen und kaltes Bier trinken. Dazu meine Lieblingsmusik hören, verträumt in die Runde schauen. So lässt es sich leben. Nach ein/zwei Stunden zieht es aber auch mich in den Schatten. Seit Tagen trage ich ein neues Buch mit mir herum. Vielleicht beginne ich am Wochenende endlich mal mit der Lektüre. „Das Schlangenmaul“ von Jörg Fauser – sollte nach meinem Geschmack sein. Ist halt so, dass ich nach acht Stunden Tumordokumentation keine Lust mehr auf irgendeine kognitive Beschäftigung habe.

Heute keinen schweren Gedanken nachhängen, sondern nur blöde aus der Wäsche gucken – kann ich eh am besten. Mal sehen, wie ich durch den Tag komme. Später einen Abstecher zum Nollendorfplatz machen, am Straßenrand stehen und gaffen, wenn der CSD Umzug vorbeikommt. Danach von der Sonne das Hirn wegballern lassen und bierselig dahindösen…
Auf geht`s, junger Mann!

 

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