Haaaaatschii!!

Schneuz – Niesanfall von den vielen feinen Haaren. Was weg ist, ist weg. Also machte ich mich gleich nach dem Aufstehen ans Werk. Den Haarfestiger kann ich mir vorerst sparen – perfekte Urlaubsfrisur. Ich fühle mich (fast) wie neugeboren.  
Noch keinen Plan für den Vatertag. Necip will am Nachmittag grillen. Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe. Eigentlich wollte ich vor der Fahrradreise ein paar Kilo wegfasten.
Die Sonne tut sich schwer heute. Nicht, dass es noch schifft. Ein Bierchen wollte ich schon zischen gehen.

Eine Kollegin wurde positiv auf Corona getestet. Der erste Coronafall aus meiner nächsten sozialen Umgebung, den ich seit Anfang der Pandemie mitkriegte. So weit ich weiß, geht`s ihr gut. Die Chefin vermeldete den Namen der betroffenen Person nicht, doch durch den Buschfunk kriegten alle schnell mit, um wen es sich handelt. (Ich als einer der letzten.) Viele meiner Kollegen/Kolleginnen sind verwhatsappt. Ich lehne WhatsApp ab, ebenso Facebook und Twitter. Will ich nicht, brauch ich nicht. Gegen gewisse Dinge sträuben sich mir die Haare…

Haaaaatschii!! – nicht wegen der feinen Haare und nicht wegen irgendwelcher Pollen. Ich reagiere auch allergisch auf geistige Inhalte, die sich mit meinem Denken und Fühlen schwer vereinbaren lassen… Ich glaube, dass ich, als ich vor rund 60 Jahren (Mitte Dezember) das Licht der Welt erblickte, erstmal kräftig niesen musste.

Entenjagd mit Rennboot

Auf dem Weg blies mir eine steife Brise entgegen… Ich hockte mich mit einer Pulle Bier an den Ententeich im Nelly-Sachs-Park. Nach Kneipe oder Biergarten war mir nicht. Der Wind spielte mit meinem Haar, das Wasser des kleinen Sees kräuselte sich und funkelte in der Sonne. Gefühlsmäßig ein kleiner Vorgeschmack auf meine Radreise in 2 Wochen – Am Wasser sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, eins werden mit dem Wind, der Sonne, der Landschaft, den Wesenheiten um mich herum.

Nelly-Sachs-Park


Bumm!

Das Wochenende bringt etwas Abkühlung. Tagestemperaturen um die 20°C reichen mir völlig.
Ein paar Pfützen im Hof zeugen vom gestrigen Gewitterregen, die Straße ist bereits wieder abgetrocknet.

Meine Hausbank schickte mir ihre neuen Geschäftsbedingungen (127 Seiten kleingedruckt) verbunden mit einer Erhöhung der Kontogebühren. Sie benötigen meine Zustimmung… Wie sagt man redensartlich? – Sie nehmen es von den Lebenden.

Seit langem wieder mal eine Bierflasche im Eisfach vergessen. „Bumm!“ machte es irgendwann. Nun ja, ich springe nicht wegen jedem seltsamen Geräusch aus dem Bett. Stunden später, als ich eine Schlafpause einlegte, fiel mir die Bierflasche ein. Na super! dachte ich.

Und sonst: In 2 Wochen habe ich Urlaub. Eine kleine Fahrradreise ist geplant: Nach Hamburg mit dem Zug, mit Fahrrad und Zelt die Elbemündung bis Brunsbüttel, von dort am Nord-Ostseekanal quer durch Holstein bis Kiel, dann die Ostseeküste entlang Richtung Lübeck/Wismar/Rostock, solange ich Bock habe, meine Kräfte reichen, das Wetter mitmacht…, schlussendlich mit dem Zug zurück.

Sicher gibt es noch dies und das, was ich erzählen könnte. Aber das ist auch nicht interessanter.

2 – 1

Die Zeit schreitet unaufhörlich voran und kümmert sich nicht um mich. In meinem Leben passiert nicht viel. Ich hänge fest in der Tretmühle. In meiner Freizeit packt mich oft die Lethargie und ich halte mich vor dem Bildschirm am Leben. Immerhin darf ich mittlerweile (als Ungeimpfter) wieder mein Feierabendbier in der Kneipe oder im Biergarten genießen… Gestern wollte ich zur Kupferkanne. Auf dem Programm stand Fußball „Dortmund – Hertha“. Ein entscheidendes Spiel für die Hertha von wegen Klassenerhalt. Vorweg, ich bin kein Fußballfan – aber zum Zeit totschlagen…, zumal ich es genieße, ab und zu in Gesellschaft zu sitzen. In den meisten Berliner Kiezkneipen kommt man eh nicht um den Fußball herum. Ich mag diese althergebrachte Kneipenszene irgendwie, wo sich die einfachen Leute auf ein Bier treffen. Okay, da hocken jede Menge Scheintote (so langsam gehöre ich auch zu denen)… Aber inzwischen entdecken auch die jüngeren Generationen (hauptsächlich Studenten) diese alten Kneipen für sich, weil dort die Getränke noch relativ billig sind, weil der Wirt (meist) umgänglich ist und auf die Wünsche seiner Gäste eingeht, weil diese Kneipen Originalität/Nostalgie verströmen.
Also ich kam dann doch nicht mehr raus aus meiner Wohnhöhle und verbrachte den Nachmittag träge auf der Couch. Die Lust auf Gesellschaft war verpufft… Wozu rausgehen? fragte ich mich, ich habe doch alles hier, was ich brauche. Die Lethargie zog mich runter. Mal sehen, ob ich heute den Abflug schaffe. Wenigstens für 2-3 Stündchen. Park und Biergarten liegen quasi vor der Tür. Ein sonniger Sonntag wartet auf mich.
Wie ging eigentlich das Spiel für die Hertha aus? Ich googele das jetzt…

   

Feierabendbier

Inzwischen besuchte ich nach der weitgehenden Aufhebung der C-Regeln ein paarmal die Kupferkanne. Vom C-Virus keine Rede mehr, jedenfalls nicht in meiner Anwesenheit (was mir ganz recht ist). Thema sind nun die steigenden Preise, vor allem für den Wirt Necip – die ewige Sorge ums wirtschaftliche Überleben. Die kleinen Sparer beißen ins Gras, während die Großen immer größer werden. Der Mittelstand geht den Bach runter. Eine Entwicklung, welche in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts begann und sich zusehends beschleunigt. Ottonormalbürger muss mit immer mehr Einbußen rechnen. Vor allem die Alten sind betroffen. Die materielle Wohlfühlblase des Wirtschaftswunderlandes löst sich auf. Statt sozialer Hängematte ein Nagelbrett – „Stirb langsam“ in Deutschland.
Ich kann wirklich froh sein, einen relativ krisensicheren Arbeitsplatz zu haben. Beim Bier muss ich noch nicht knausern. Ich genieße es, etwas abseits an der Theke zu sitzen und meinen Gedanken nachzuhängen… Ab und zu wechsele ich ein Wort mit Necip oder einem Stammgast. Aller guten Dinge sind… mindestens drei, sage ich zu Gabi, die immer freitags hinter dem Tresen steht. Sie lacht und bedient den Zapfhebel. Ein Bierstrahl zischt ins Glas (ich liebe dieses Geräusch).

Ostersonntag

Ich kam nur bis zum Park am Gleisdreieck. Es war kühler als gedacht. Zuerst steuerte ich den BRLO-Biergarten an. Ich wendete auf der Stelle, als ich der Menschenschlange am Bierstand gewahr wurde. Auch der Park war gut besucht, aber nicht übervoll. Ich fand einen Sonnenplatz auf der Holztribüne an dem großen Sandbecken. Keine Frescobol- und keine Volleyballspieler zu sehen, was ich eigentlich erwartet hatte (um mich von ihrem Spiel hypnotisieren zu lassen). Sonnenbebrillt und mit dem Kopfhörer auf den Ohren starrte ich vor mich hin. Aus meinem Rucksack holte ich eine Flasche Roten. Um mich herum jede Menge meist jüngere Leute, die sich sonnten, Eiskugeln schleckten, zusammensaßen, lachten, plauderten.
In mir hatte sich eine Leere ausgebreitet, die ich nicht zurückzudrängen vermochte. Ich hätte einfach aus mir herausschlüpfen können und in den Weltäther entweichen. Bye, bye Bon… Der Griff zur Flasche automatisch, die Gedanken flossen an mir vorbei wie ein Bach. Ich stellte meine nackten Füße in die Strömung. Ich schaute auf meine Füße. Ich redete mit meinen Füßen…
Es gibt Dinge, die kann man niemandem erklären.
Das Leben ist perforiert. Nur aus der Entfernung sieht es stabil aus. Die meisten Menschen machen den Anschein, als wären sie weit von ihrem Leben entfernt. Sie haben große Angst, näher hinzugucken.
Ganz schön gruselig das alles, dachte ich bei mir und killte den Rotwein mit einem letzten großen Schluck aus der Pulle.



Familie beim Eisessen

Life goes on

Meine derzeitige Lieblingskollegin gab mir einen Ausflugstipp für Ostern mit in den Feierabend. Sie war erst kürzlich mit ihrem Mann am Orankesee und ließ sich nicht davon abhalten, mir ein paar Stichworte auf einen Zettel zu notieren, inkl. einem Museumstipp: das Mies van der Rohe Haus – ein Museum für Moderne Kunst (dort um die Ecke).
Ich googelte den Orankesee… und erkannte ihn wieder. Erinnerungen schoben sich blass und zögerlich zurück in mein Bewusstsein. Meine Ex und ich hatten fast jedes Wochenende Ausflüge in alle möglichen Ecken Berlins unternommen. Die Namen der von uns angesteuerten Örtlichkeiten merkte ich mir nicht alle. Deshalb sagte mir „Orankesee“ erstmal nichts, als mir meine Kollegin davon erzählte. Mit dem Fahrrad wäre es ein kleiner Tagesausflug. Die Strecke führt von meiner Haustüre aus ca. 14 Kilometer mitten durch Berlin Richtung Hohenschönhausen. Vielleicht nicht die schlechteste Idee für Ostersonntag oder Ostermontag. Am Schlachtensee, wo es mich sonst hinzieht, wird es grausam überfüllt sein. Überall wird es voll sein. Berlin quillt von Menschen über, die bei dem zu erwartenden schönen Frühlingswetter natürlich alle nach draußen strömen. Menschenmassen ertrage ich nur in einer mäßigen Dichte gut. Gedränge ist mir zuwider. Zum Herdentier tauge ich nicht.