Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Solar Panel bei Amazon bestellen – oder: Wie sich Zeiten ändern

Langsam wird es ungemütlich in der Bude. Die Raumtemperatur sank auf ca. 16° C. Mit der Heizung scheint irgendwas nicht zu stimmen. Gestern fummelte ein Heizungsmonteur an den Hauptsicherungen und an der Heizungsanlage im Keller herum – kriegte ich so nebenbei mit. Leider zeigte sein Tun keine Wirkung. Die Steigleitungen sind immer noch kalt. Um am Schreibtisch nicht in Winterklamotten sitzen zu müssen, holte ich ein altes Elektroheizgerät hervor und stellte es hinter mir auf. Ich will gar nicht wissen, was das an Strom zieht.

Und sonst: Ich lebe. Ich arbeite, wenn auch nicht gerade fleißig. Ich trinke mein Bier in der Kupferkanne. Ich blicke aus dem Fenster. Ich schaue TV – dies und das. Ich verfolge die Nachrichten aus den Leitmedien. Ich höre die alternativen Medien. Ich mache mir meine Gedanken, schreibe ein paar Zeilen. Ich esse. Ich lege mich ins Bett und schlafe. Ich wache auf und mache weiter…

Wäre schön, wenn die Heizung bald funktionierte.

Es geht nichts über einen schönen Feierabend

Am schönsten sind jene Feierabende unmittelbar vorm Urlaub. So verließ ich also gestern beschwingt das Büro. Die Tumordokumentation hängt mir zum Hals heraus. Es ist nicht so, dass ich mich überarbeiten würde. Ich bin der Materie überdrüssig. Jede Pause davon empfinde ich als wohltuend. Diesmal leider nur eine Woche.
Die für den Nachmittag vorhergesagten Gewitter waren eingetroffen. Der Regen brachte etwas Abkühlung und wirkte erfrischend, jedenfalls solange er nicht in Sturzbächen niederging. Ich machte Zwischenstation in der Kupferkanne zum Feierabendbier. Es herrschte eine gemütliche Düsterkeit im Schankraum. Nur wenige Gäste saßen vereinzelt herum. Necip, der Wirt, war maulfaul. Ich unterhielt mich mit der alten Gabi, die Thekendienst hatte. Ich erzählte ihr von meiner geplanten Radreise in den Spreewald. Da wollte ich schon immer mal hin, und nun passte es. In den letzten Jahren bevorzugte ich als Ausflugsziel die Ostsee. In Rostock genoss ich die Gastfreundschaft einer guten Bekannten und Blogfreundin. Dann kam Corona, und wir entzweiten uns, d.h. sie kündigte mir die Bekanntschaft. Ich war ihr zu querdenkerisch. Auch die alte Gabi hatte mich verachtet, als ich ihr eröffnete, wie ich zur Coronapolitik stand und mich nicht impfen ließ. Doch das war gestern, und heute ist heute. Ich bin nicht nachtragend. Leben und leben lassen.
Nach meinen obligatorischen 3 Pils machte ich mich auf den Weg, um die nächste Station, den Nahkauf, anzusteuern. Der Regen war stärker geworden. Aber ich bin schließlich nicht aus Pappe.
Die Atmosphäre im Nahkauf gespenstisch: die meisten Regale leer, die Kühltheke zugedeckt. Der kleine Supermarkt an der Ecke rentiert sich nicht mehr. Schon vor 2-3 Wochen fiel mir auf, dass die Regale nicht nachgefüllt wurden, und ich sprach die jungen Angestellten darauf an. Viele Stammkunden (wie ich) und vor allem Alte werden den Markt schmerzlich vermissen, wegen seiner Nähe, nicht nur örtlich, auch oder vor allem wegen der menschlichen Nähe, welche das junge Team den Einkäufern vermittelte.
Ich packte eine Handvoll Waren in den Einkaufskorb. Die Sachen, die ich eigentlich kaufen wollte, waren aus: Kein Wodka, kein Gin… Ziemlich traurig das alles.
Draußen schüttete es inzwischen wie aus Eimern. Ich wollte nicht warten. Die Couch rief.

Tut das not?

Heute wird der im Stadtteil Kreuzberg liegende Heinrich-Platz feierlich in Rio-Reiser-Platz umbenannt. Das Programm startet 17 Uhr. Ton Steine Scherben (oder was davon übrig ist) sollen dort am Abend aufspielen. Kurz dachte ich daran hinzugehen. Aber wenn ich mir Claudia Roth und die anderen hauptstädtischen Kulturlaffen vorstelle, die dort anwesend sein werden, vergeht mir die Lust. Ich googelte dazu im Internet. „Rio hätte sicherlich nichts dagegen“, sagte sein Bruder in einem Interview. Außerdem erfahre ich, dass Claudia Roth Ton Steine Scherben 82-85 managte. Mist! – manches will ich gar nicht wissen! Ich nahm damals Rio Reiser und Ton Steine Scherben als Künstler/Rockmusiker wahr, die ganz klar gegen das Establishment und die Staatsgewalt zu Felde zogen. Also nicht, dass sich Rio Reiser in seinem Grabe umdreht… Die Grünen verraten seit vielen Jahren die Ideen und Haltungen, welche sie sich damals bei ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben hatten. Die aktuellen grünen Politiker sind in meinen Augen die größten Wendehälse vorm Herrn (zu 150% im Establishment angekommen).
Lieber höre ich mir gleich mal ein paar alte Rio Reiser-Songs an, als zu dieser Veranstaltung der Superheuchler zu gehen.

„… dieses Land ist es nicht!“

CSD Berlin 2022

Mit Worten kann ich es kaum beschreiben. Die Menschenmassen, die sich durch die Straße bewegten, den Wägen hinterher, von welchen die Musik schallte. Der Boden vibrierte im Technosound. Die Körper vibrierten. Unwillkürlich kamen mir die Tränen. Ich war überwältigt. Lebenslust und pure Freude wurden zelebriert. Der CSD-Umzug kam als Loveparade daher.
Nachdem ich mich sattgesehen hatte, ging ich ins Pub. Puschel, der Wirt, stand vor der Tür und lachte mich an. Die meisten Gäste saßen draußen auf Bänken, um das Umzugsgeschehen zu verfolgen. Ich setzte mich an die Bar, immer noch hin und weg von den Eindrücken.
„Der gehört zum Inventar“, sagte eine Bedienung, die mich kannte, als mich ein neues Gesicht hinter der Theke gleich abkassieren wollte. Ich lachte. Schön, wenn man sich noch kennt. Seit 2G war ich das erste Mal wieder im Pub. Fast fühlte ich mich als Fremdgänger, weil ich in den letzten Monaten ausschließlich in der Kupferkanne mein Bier genossen hatte.
Ich blickte hinaus auf das bunte Treiben. Der Zug nahm kein Ende.

Potsdamer Straße, Ecke Kurfürstenstraße

Menschenmassen
Schlaglichter

vorm Pub

der Zug nimmt kein Ende

Am Rande

Mann o Mann! – was für ein Aufwand, wenn man das Passwort seines Emailkontos wechselt! – dieser ganze Verifizierungsscheiß! – vor allem wenn man mit einem E-Mail-Programm (in meinem Falle Thunderbird) arbeitet – von wegen ganz einfach! – kann natürlich auch sein, dass ich ein bisschen doof bin… Ich brauchte eine geschlagene Stunde, bis ich mit dem E-Mail-Programm wieder arbeiten konnte.

Als ich aufwachte, regnete es. Langsam zeigt sich wieder die Sonne. Inzwischen nach 10 Uhr. Bald startet der CSD in der Leipziger Straße. Der Umzug kommt nachher unweit von meinem Zuhause durch die Potsdamer Straße, bis er in die Bülowstraße abbiegt. Ich wollte zumindest kurz gucken gehen. Ein paar Fotos machen. Großen Bock dazu habe ich aber gerade nicht. Auf meinem Vormittagsprogramm stehen eigentlich noch Wäschewaschen und Haareschneiden.
Ich igele mich zurzeit ein. Ich weiß, dass das nicht gut ist. Ich sollte mir einen Ruck geben… Schließlich ist Sommer. Herbst und Winter kommen früh genug. Und wer weiß, was noch kommt.

Mit was man nicht alles seine Zeit verbringt. Vordererst der Job, der einem einen großen Teil der Lebenszeit stiehlt. Und dann dieser ganze Technik-Scheiß. Die Strömung des Zeitgeistes reißt uns alle mit. Dagegen anschwimmen ist fast unmöglich. Eine kurze Strecke vielleicht. Ich bewege mich schon relativ am Rande…

Sommergedanken

4:0 siegten die deutschen Fußballdamen gegen Dänemark. Das hätte ich nicht erwartet. Ich kriegte nur das 1. Tor mit. Die 2. Halbzeit verpennte ich… Das war ein Einstieg in die EM nach Maß.

Der Sommer ist derzeit im Keller. Jedenfalls hier in Berlin. Seit Tagen kaum 20° C und zwischendurch immer wieder Regen. Gut, um die Wohnung zu lüften. Nicht so gutes Park- und Biergartenwetter.
Die Sommerferien haben begonnen. Die Deutschen fluten die südlichen Urlaubsländer. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, vom ganz normalen Chaos/Wahnsinn abgesehen. Krieg, Hunger, Elend und Naturkatastrophen gab es schon immer. Und dann die ewigen Warnungen der Politiker, die Schwarzmalereien in den Medien… Soll man sich deswegen den Urlaub vermiesen lassen?! 2 Jahre Corona-Knechtschaft waren genug. Schließlich hat man alles brav mitgemacht, da darf man sich für seinen Untertanengeist jetzt endlich belohnen. Oder etwa nicht? Wer weiß schon, was in Herbst und Winter alles auf uns zukommen wird.
Die Zeit fliegt nur so. Schon wieder Wochenende und bald Mitte Juli. Sportereignisse wie Wimbledon und die Tour de France laufen. Necip, der Wirt der Kupferkanne, spricht von der Sommerflaute. Für die Frauenfußball-EM schleppt er den großen Fernseher nicht raus. Zu wenig Interesse. Necip ist müde. Mindestens so müde wie ich. Tagtäglich hockt er vor der Kneipe mit seiner Schnupftabakdose… seine Nasenlöcher braun, das Hemd voller Flecken. In einer guten Woche fliegen seine Frau Rose und er in die Türkei. Für 2 Wochen. Sie haben dort eine Datscha am Meer, welche bisher hauptsächlich von ihren erwachsenen Töchtern genutzt wurde. Die Kupferkanne wird in dieser Zeit schließen. Das heißt, dass ich mir eine Alternative für meine Mittagspause suchen muss. In den 2G-Zeiten ging ich in den Kleistpark… Unglaublich, wenn ich daran zurückdenke, wie über die Ungeimpften gehetzt wurde, als Leute wie ich vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wurden. Solange ist das gar nicht her.

Der Sommer lenkt mit seiner Wärme und seinem Licht von allem ab. Der Sommer ist wie ein grüner Teppich, der alle Schmach, alle Ängste und Bedrohungen zudeckt. Der Sommer ist wie eine Mutter, die ihr Kind in den Schlaf singt. Alles scheint in bester Ordnung zu sein.

 

It`s summertime

Meine Fahrradreise bereits long ago – ich erinnere mich dunkel: da war doch was.
30 Tage Urlaub auf ein Kalenderjahr verteilt sind definitiv zu wenig!

Im Job läuft alles wie gehabt. Homeoffice im Wechsel mit Bürotagen. Unzählige Tumorfälle warten darauf, von uns dokumentiert zu werden. Wem das nicht irgendwann aus dem Hals heraushängt – also, ich weiß nicht. Regulär muss ich noch bis 2029 durchhalten, um dann mit einer Niedrigrente in die Altersarmut zu starten. Vielleicht mit etwas Glück erlebe ich das nicht mehr – ich arbeite dran. Prost!
Oder ist das zu defätistisch?

Na ja, erstmal ist Wochenende. Ich gönne mir mal wieder ein verlängertes, den Montag dazu. It`s summertime in Berlin. Wäre ich ein paar Jahrzehnte jünger, würden meine Hormone durchdrehen. Ein einziger Augenschmaus, was einem da in den Parks und Biergärten vor die Linse kommt. Nun, nicht dass mich der Anblick hübscher Frauen heute völlig kalt lässt, aber ich verspüre nicht mehr diesen wahnsinnigen Druck.
Wollte ich nochmal jung sein?

Vorbei ist vorbei. Das Leben findet im Jetzt statt. Ich beziehe mein durchgeschwitztes Bett, höre Blues, trinke in aller Gemütsruhe Gin Tonic, lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Wo ist all das Erlebte hin? Fand es überhaupt statt? Einiges zeugt davon: Bilder, Postkarten und andere Objekte… Ich hole sie so gut wie nie hervor, ab und zu alte Gedichte. Fotos und Objekte zeigen mir lediglich die Vergänglichkeit. Worte dagegen können mich zeitlos anrühren. Sie verstauben nicht. Jedenfalls nicht in dem Maße wie andere Sachen dem Zerfall ausgesetzt sind.
Ich sollte mehr lesen.

Eine Minute reiht sich an die andere. Niemand weiß, wo die Minuten herkommen. Manchmal vergehen sie nicht schnell genug, z. B. während ich vorm Computerbildschirm sitze und Tumoren dokumentiere. Aber insgesamt gesehen vergehen die Minuten viel zu schnell.
Warum sitze ich hier plötzlich als alter Sack?!


Haaaaatschii!!

Schneuz – Niesanfall von den vielen feinen Haaren. Was weg ist, ist weg. Also machte ich mich gleich nach dem Aufstehen ans Werk. Den Haarfestiger kann ich mir vorerst sparen – perfekte Urlaubsfrisur. Ich fühle mich (fast) wie neugeboren.  
Noch keinen Plan für den Vatertag. Necip will am Nachmittag grillen. Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe. Eigentlich wollte ich vor der Fahrradreise ein paar Kilo wegfasten.
Die Sonne tut sich schwer heute. Nicht, dass es noch schifft. Ein Bierchen wollte ich schon zischen gehen.

Eine Kollegin wurde positiv auf Corona getestet. Der erste Coronafall aus meiner nächsten sozialen Umgebung, den ich seit Anfang der Pandemie mitkriegte. So weit ich weiß, geht`s ihr gut. Die Chefin vermeldete den Namen der betroffenen Person nicht, doch durch den Buschfunk kriegten alle schnell mit, um wen es sich handelt. (Ich als einer der letzten.) Viele meiner Kollegen/Kolleginnen sind verwhatsappt. Ich lehne WhatsApp ab, ebenso Facebook und Twitter. Will ich nicht, brauch ich nicht. Gegen gewisse Dinge sträuben sich mir die Haare…

Haaaaatschii!! – nicht wegen der feinen Haare und nicht wegen irgendwelcher Pollen. Ich reagiere auch allergisch auf geistige Inhalte, die sich mit meinem Denken und Fühlen schwer vereinbaren lassen… Ich glaube, dass ich, als ich vor rund 60 Jahren (Mitte Dezember) das Licht der Welt erblickte, erstmal kräftig niesen musste.