Irgendwas lief gewaltig schief

Wie kommt es eigentlich zu einer solchen Verklärung/Romantisierung der Natur? Als ob da keine Kriege und Kämpfe ausgefochten würden. Menschenaffen hetzen einander durch die Wälder und sind nicht gerade zimperlich im gegenseitigen Umgang. Ameisenvölker fallen übereinander her – Schlachten epischen Ausmaßes werden zu unseren Füßen geführt. Tiere und Pflanzen konkurrieren ständig untereinander um die besten Abwehr- und Angriffsmethoden… Die Evolution zeigt sich gnadenlos und grausam im Kampf um Lebensraum und Nahrung. („The surviving oft the fittest.“) Kraft unserer geistigen Wassersuppe schwangen wir Menschen uns mit der Zeit zu den erfolgreichsten Prädatoren auf dem Erdball auf. Wir können uns nur noch selbst besiegen. Ständig befinden wir uns im Kampf mit uns selbst. Und wie beim Überlebenskampf in der Natur geht es um die Verteidigung oder um die Ausweitung von Einflussbereichen – national, wirtschaftlich, ideologisch/religiös/kulturell… aber auch in kleineren Dimensionen von Familien, Clans und diversen anderen Gruppenzugehörigkeiten. Wir proklamieren zwar gerne, dass wir die Natur beherrschen, uns sozusagen von ihr lösten und nun als „Krönung der Schöpfung“ die Erde beherrschen, doch mit etwas mehr Abstand betrachtet, sind wir nichts anderes als herumwuselnde Ameisenvölker, die sich gegenseitig bekriegen… und mal eben nebenbei die gesamte Biosphäre zerstören.
Wie kommt es eigentlich, dass wir uns als intelligent bezeichnen? Für die kurze Zeit, in der wir Menschen uns auf der Erde herumtreiben, richteten wir ganz schön viel Schaden an. Nicht nur in der Sache, sondern auch seelisch. Mit unserer Macht können wir offenbar schlecht umgehen. Irgendwas lief gewaltig schief. Die Evolution erzeugte mit dem Menschen eine biologische Naturkatastrophe globalen Ausmaßes… Mit etwas Glück haben wir noch ein paar Versuche, um das ein oder andere wieder gut zu machen, um mehr Achtung vor unseren Mitgeschöpfen zu zeigen, um unsere Macht für Frieden, Mitmenschlichkeit und gegenseitige Toleranz einzusetzen. Ich bin bei denen, die nicht einfach die Hoffnung aufgeben. Ich glaube wirklich an das Gute im Menschen. Auch wenn mich mein Verstand einen Traumtänzer nennt. Ich hadere oft mit mir selbst. Es ist alles so offensichtlich…

Fazit: Ich bin also Teil einer globalen biologischen Naturkatastrophe. Ehrlich, genauso fühle ich mich auch. Wie so ein Virus. Und noch blöder: Wie ein Virus mit einer eigenen Meinung.

    

Unter Viren

Der Mensch sollte sich mit Viren gut auskennen, denn er selbst ist eine Art Virus auf der Erde. Innert der letzten 200 Jahre verachtfachte sich die Weltbevölkerung. Dummerweise gibt`s für unseren „geliebten“ Planeten weder eine Intensivstation noch eine Impfung. Unsere Mitgeschöpfe im Tier- und Pflanzenreich werden zunehmend verdrängt und ausgebeutet. Wir Menschen brachten unsägliches Leid über die Erde. Wir machen in Kriegen nicht einmal vor uns selber halt. Es sträuben sich mir regelmäßig die Haare, wenn wir uns als intelligente Lebensform selbstbeweihräuchern oder als die Krönung der Schöpfung bezeichnen. Feiern wir also auch im Corona-Jahr 2020 brav Weihnachten, fressen uns voll und sprechen vom „Fest der Liebe“… Rülps! – So soll es sein.
Es gibt Tage, an denen denke ich: Schade, dass Covid-19 relativ harmlos ist… Bitte nicht falsch verstehen. Ich wünsche niemandem den Tod. Aber unserer Erde täte eine Dezimierung der Viruslast Mensch ganz gut. Wir denken immer nur an uns. Unglaublich, wie rücksichtslos wir auf diesem Planeten agieren – der Vergleich mit Viren, die einen Organismus befallen, ist nicht von der Hand zu weisen.
Es erstaunt mich, wie willfährig die meisten unter uns seit Monaten in den Tenor der Corona-Maßnahmen einstimmen. Dabei geht es um nichts Geringeres als um ziemlich herbe Einschränkungen der Grundrechte, um eine zunehmende Überwachung bis hin in den privaten Bereich… Sehr viele Menschen leiden durch die restriktiven Corona-Maßnahmen wirtschaftlich und menschlich Not… Okay, die Gesundheit steht über allem, und natürlich ist es erste Bürgerpflicht, sich solidarisch mit den Schwachen, Kranken und Alten zu zeigen, welche durch das Virus besonders bedroht sind… (Lach!)* Wie kommt das?!? – Sind wir in Corona-Zeiten plötzlich zu besseren Menschen mutiert??
Dann bitte weiter so, wenn es um den Schutz der Tiere und Pflanzen geht! Dann bitte weiter so, wenn es um die Bewahrung der Schöpfung auf dem Planeten Erde geht! Dann bitte weiter so bei der Ächtung von Krieg und Gewalt! Schluss mit Ausbeutung und sozialer Ungerechtigkeit!
Endlich nehmen wir Menschen uns kollektiv zurück, finden zu einer neuen Demut und leben mit der Natur in Einklang…

Hach! – was trinke ich eigentlich da!? – Haut gut rein, das Gesöff!



* Nach 30 Jahren in der Altenpflege musste ich an dieser Stelle einfach laut in mich hinein lachen – Weinen geht nicht mehr.

Alles

„Prof. Dr. Bonanza, ich stelle Sie den Bloggern erstmal vor. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsche Angaben bezüglich Ihrer Vita mache.“
Hust. Äh. Freilich.“
„Sie studierten auf der Mond-Universität fast alles, was man studieren kann.“
„Richtig.“
„Ihre Doktorarbeit hatte den Titel „Menschlicher Größenwahn und Kosmologie, Zusammenhänge, Widersprüche und die Auflösung von Materie und Raum.“ Ein sehr komplexes Thema…“
„In der Tat.“
„Kurze Zeit später erhielten sie eine Professur auf dem Mars…“
„Ich korrigiere: es war der Merkur, nicht der Mars. Ein erheblicher Unterschied!“
„Entschuldigen Sie, Prof. Bonanza… natürlich Merkur! Und dort erfanden sie das Lehrfach „Alles“, in welchem Sie bis heute unterrichten.“
„So in etwa. Wobei ich das Lehrfach nicht erfand – da es ja schon immer „Alles“ gab.“
„Können Sie vielleicht unseren nichtwissenden Bloggern kurz erläutern, welche Lehrinhalte Sie Ihren Studenten vermitteln?“
„Kurz gesagt „Alles“. Spezieller würde ich sagen, dass es um das Verständnis für „Alles“ geht. Im Wesentlichen beleuchte ich dabei das Scheitern des menschlichen Geistes.“
„Aber nicht im dystopischen Sinne.“
„Nein. Ich halte den Menschen für dumm genug, sich geistig weiterzuentwickeln.“
„Wie bitte!?“
„Ganz genau. Es geht nicht um den Sieg einer vermeintlichen Intelligenz über die Dummheit. Ich könnte Ihnen tausend Beispiele nennen, wo die Dummheit zielführender als ein intelligentes System ist. Das beste Beispiel hierfür ist die Natur, welche seit Anbeginn aller Zeiten nach ganz simplen Methoden vorgeht.“
„Sie wollen sagen, dass der ganze technische Fortschritt uns Menschen nicht weiterbringt?“
„Nur bedingt. Bisher führte er vor allem zu einer maßlosen Überschätzung unseres Wissens und unserer Fähigkeiten. Ziemlich dumm eigentlich – Haha.“
„Was wollen Sie der Menschheit sagen, Prof. Bonanza? Dass sie sich auf dem Holzweg befindet?“
„Am liebsten würde ich der Menschheit „Alles“ sagen. Aber dafür bin ich zu klein. Selbst Gott hatte diesbezüglich seine Probleme… Doch das ist ein anderes Kapitel. Ich erforsche nicht die Vorstellung des Menschen von Gott, sondern „Alles“ inklusive unserer fehlerhaften Prämissen in Bezug auf den Kosmos und das Menschsein… Was will ich der Menschheit sagen? Hm. Ganz trivial: Sie sollte ihren Blick auf die Gesamtheit ihrer Art und der Welt lenken und sich nicht in Kleinkriegen verlieren. Es wäre besser, wenn sie sich wieder besser in „Alles“ einfügte und keinen Sonderstatus für sich beanspruchte.“
„Und Ihre eigenen Ziele?“
„Ich habe da jemanden auf dem Saturn kennengelernt und werde wohl bald übersiedeln… Die Liebe – alles oder nichts… die Tragikomik des Individuums unterm Sternenzelt.“
„Vielen Dank für das Gespräch, Prof. Bonanza. Wir wünschen Ihnen viel Glück in der Liebe und auf Ihrem weiteren Schaffensweg.“
„Danke. Es wird sich alles fügen. Hust.“

 

Sternenstaub

Vorm Aufstehen einen 90minütigen Vortrag zu den astronomischen Voraussetzungen für intelligentes Leben reingezogen. Prof. Lesch referiert. Etwa in der Mitte nicke ich wieder ein und träume von einer Klassenfahrt mit Lesch als Lehrer, und der labert und labert… Mein Gott, denke ich, wo nimmt er nur die Energie her? Und dazu so witzig! So spricht er z.B. von der Inkontinenz des Mars, der seine Atmosphäre nicht halten kann, und von der erektilen Dysfunktion des Menschen in der bemannten Raumfahrt, der seit 50 Jahren keinen mehr hochkriegt, also so richtig hoch, wenigstens bis zum Mond. Haha! Der hätte mal meine Morgenlatte sehen sollen…
Schließlich führt er das anthropische Prinzip an: Jedes intelligente Lebewesen, welches ist, kann sich selbst nur dort vorfinden, wo intelligentes Leben möglich ist (John Leslie). Ich ergänze: Also im Pub. Das Ende des Vortrags kriege ich nicht mehr mit, weil meine Blase drückt und ich mich als ausreichend ausgeschlafen betrachte. Ich höre noch, wie Lesch sagt: „Und das ist wahrscheinlich der schönste Satz meines Vortrages: Der Mensch besteht zu 95% aus Sternenstaub.“ Ich reibe mir die Augen und wanke zum WC. Dann lasse ich hier mal etwas Sternenstaub…

Weihnachten ist rum, und die Sonne lacht. Doch der nächste menschliche Irrsinn steht bereits vor der Tür. Über Sieben Milliarden Menschen weltweit lassen es krachen, nennen es Silvester. Was denken sich wohl intelligente Besucher von anderen Sternen, wenn sie das sehen. Ehrlich, ich schäme mich für meine Miterdbewohner. Liebe Außerirdische, es ist nicht das, wonach es aussieht. Es ist ein alter Brauch. Wir verabschieden das alte Jahr und begrüßen das neue. Völlig harmlos. Also fast. In Berlin bunkert man sich am Besten ein. Die Berliner übertreiben es ein wenig. Sie saufen und haben sich nicht mehr unter Kontrolle. Eigentlich sollte fürs Knallen wie im Straßenverkehr eine Promillegrenze gelten. Es gibt einfach zu viele Menschen, die geistig zum Saufen nicht befähigt sind, oder es nicht lernten. Ich weiß, wovon ich rede. Nichts Schlimmeres als Kneipengäste, die blöd werden, weil sie nicht saufen können. Man sollte „Gepflegtes Trinken“ als Pflichtfach in der Schule einführen, das würde diese alkoholischen Auswüchse reduzieren. Hätte mir vielleicht damals geholfen. Aber nun ist`s zu spät… Auch die Einführung eines „Sauf-Zertifikates“ könnte helfen. Das müsste dann für alle über Vierzehn Pflicht sein und alle zwei Jahre wiederholt werden. Am besten in der Kombination mit einem Erste-Hilfe-Kurs.
Ich merke schon, ich stecke voller guter Ideen heute. Prinzipiell glaube ich ja an die Intelligenz des Menschen. Wenn da nicht diese Ausreißer nach unten wären… Die müssten wir noch in den Griff kriegen, das wäre einen Asbach Uralt wert! Haha!
Ich kann mir gut vorstellen, dass Prof. Lesch auch gern mal einen hebt. Es sei ihm gegönnt. Immer und immer wieder uns Dumpfbacken das Universum erklären, macht bestimmt mürbe. Ich würde sehr gern mit ihm gepflegt einen trinken gehen. Wir sind gar nicht so weit auseinander, ich meine in Jahren. Und wenn wir dazu meinen Hausarzt einladen, können wir zur Auflockerung eine Runde Skat kloppen…, bevor die geistigen Getränke wirken.

 

Blob

Von einem der wunderlichsten Geschöpfe der Natur las ich zufällig heute Morgen beim Stöbern in den Internet-Nachrichten. Der Artikel trug die Überschrift „Ein Superorganismus von schleimiger Intelligenz“ – was sofort mein Interesse erweckte.
Bei der Lektüre empfand ich eine große Faszination aber auch Abscheu gegenüber dieser scheußlich und fremdartig anmutenden Kreatur…, die uns beispielhaft zeigt, wie intelligent das Leben an sich ist – auch ohne ein Gehirn (in unserem Sinne) zu besitzen.
Ich erachte unser Gehirn sowieso in zunehmendem Maße als überflüssig (die Gründe dafür würden hier zu weit führen).
Ist es nicht ein Fluch, denken zu können? Natürlich steht mir eine solche Beurteilung gar nicht zu als Individuum in der schieren Masse der Menschheitspopulation.
Und was heißt eigentlich „denken“? Wir Menschen proklamieren zu gern über dieses Attribut unsere Einzigartigkeit im Universum. Aber das ist doch lächerlich!
Der Blob wird mir zunehmend sympathisch, umso länger ich über die Menschheit nachdenke. Was für ein Wesen! Was für eine Gelassenheit und Ruhe! Nicht zu verunsichern und unterzukriegen!
Ab und zu komme ich mir selbst vor wie ein Blob, wenn ich am Schreibtisch vor mich hin sinniere.
Ich möchte zu diesem Urvertrauen zurückfinden…, das z.B. beim Malen eines Bildes den Pinsel führt, in das ich mich fallen lassen kann und aufgehoben fühle – ganz ohne Nachdenken und Wissensungetüm. Wie in der Liebe! Wie ein Blob!