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Was wir Wirklichkeit nennen, gestaltet sich über ein mehrdimensionales Beziehungsgeflecht, in welchem sich alle mikro- und makrokosmischen Phänomene ergeben. Materie existiert als solche nicht. Sie manifestiert sich in unserer Draufsicht als Informationskonstrukt/-paket, mit dem wir interagieren.
Das eigentliche Substrat des Daseins ist Bewusstsein… Geist…Seele… Liebe… Gott… Die Begrifflichkeiten eiern um das Wesentliche herum, ohne es völlig zu erfassen. Das Wesentliche entzieht sich hartnäckig in die Unbestimmbarkeit.
Ein vom Materialismus geprägter Blick auf die Wirklichkeit zeigt uns lediglich eine Oberfläche ohne Deutung und Sinn. Wir erkennen Strukturen, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten ohne Verständnis für das Ganze. Wir blicken in relativ begrenzte Ausschnitte des Weltgefüges. Der Materialismus verliert sich im Detail bis zur völligen Unsinnigkeit. Der Materiebegriff löst sich auf.
Mein Ansinnen: Wir sollten mehr mit dem Herzen und weniger durch Mikroskope und Teleskope sehen. Die Welt ist kein Bausatz. Sie ist nicht mit dem Verstande zu begreifen. Keine noch so monströse KI wird uns die letzten Antworten liefern. Es wird immer eine unbestimmbare Unbekannte in der Gleichung verbleiben.


Es war gestern und ist doch heute (13)

Ein Toter erregt sich zum wiederholten Mal

Gegenwärtige Endzeit!
Gegenwärtiger denn je


Die Menschen anonym
Hinter Mauern ihrer Zugehörigkeiten
Der Sumpf der Verflechtungen verschluckt sie
Mit einem Gurgeln:
All die kleinen Arschlöcher
Zwischen Politik, Wirtschaft, Kapital und Größenwahn
Taumeln trunken auf und ab
In tausend Herden
Sie spielen mit Zahlen und Statistiken
Der Wahnsinn steckte schon lange in ihren Köpfen
Sie lernten das Nachäffen
Das Nachäffen wurde ihre zweite Natur
Ihr Glück zum Anstrich
Bitte, ganz nach Belieben übermalen!
Oh! scheiß Leere in mir
Du verhinderst mein kleines Glück
Es blättert schneller ab, als ich pinseln kann

Gegenwärtige Eiszeit!
Gegenwärtiger denn je


Die Sehnsucht wächst wie wahnsinnig
Lässt mir nur Fugen, in die ich mich zwänge
Ich verkrieche mich wie ein verängstigtes Kind
Mein Blick starrt in mich hinein
Und da ist nichts als Sehnsucht:
Sie kriecht durch meinen Körper
Bis alle meine Glieder regungslos liegen
Meine Gedanken verflüchtigen sich wie Wasserdampf
Und mein Herz?
Mein Herz verloren im Moment

Gegenwärtiges Marionettendasein!
Gegenwärtiger denn je


Zitiert die Liebe in Sprechblasen und verschnürt sie
Zu Paketen nützlichen Seelenheils
Die bedingungslose Leidenschaft steht dem Glück im Wege
Ein netter Mensch zu sein – „DER NETTE MENSCH“
Oh! halte mir die netten Menschen vom Leib!
Bevor ich mich vergesse
Ihre Charaktere lassen sich wie Zinnsoldaten
In Blei gießen
Sie funktionieren wie winzige Zahnräder eines Uhrwerks
Von dem sie nur das „TICK-TACK“ begreifen
Ihre Existenz verpufft
Wie ein Staubpilz unter meinem Fuß
Diese netten Menschen hangeln sich durchs Leben
Wie Affen von Banane zu Banane
Und sind sie endlich alt
Bleiben Trümmer
Trümmer, Trümmer, Trümmer!

Gegenwärtig quäle ich mich
Gegenwärtig quäle ich mich mehr denn je


Über das betonharte Pflaster ihrer blendenden Gesellschaft


(ca. 1990)


Es war gestern und ist doch heute (11)

ABGEBRANNT

Ich habe keine müde Mark mehr im Sack, aber ich bin doch noch ein Mensch?! Zwei Tage und zwei Nächte schwitzte ich in meinem Bett, grübelte, was zu tun sei. Ich erniedrige mich in jedem Falle.
Das Beste wäre, einfach nicht daran zu denken. Was soll`s: Eine Woche oder zwei ohne Geld… Der Hunger verschwindet, und fließend Wasser habe ich allemal.
Ich dusche mir Schweiß und Gestank von Körper und Seele, bringe mich in Form. Danach fühle ich mich wieder halbwegs als Mensch.
Es drängt mich nach draußen.
Würde doch eine verheißungsvolle Nachricht oder ein WUNDERBRIEF im Briefkasten liegen. Oh, dass die Welt zu einem leeren Geldbeutel schrumpfen kann!
Ich schaue aus dem Fenster und verstehe nichts: Die Helligkeit des Tages, Geräusche emsiger Betriebsamkeit, ein leichter Wind, Nachrichten aus dem Radio, Nachrichten von weit her – Krieg in Europa. Alles durchdringt mich, schmerzt und lähmt, weil…, weil ich traurig bin über die Unabänderlichkeit, über die Kleinkariertheiten, über die vergangene Liebe, über diesen schwindeligen Kreislauf von Tag und Nacht – endlose Wiederholungen in den alltäglichen Verrichtungen.
Aber: Raffe dich auf! Zähme deine Gedanken! Du bist doch noch ein Mensch!
Draußen wartet die Welt.

Und ich bringe es, setze mich mit einer Lektüre in den Park. Das Panorama der Kleinstadt breitet sich vor mir aus, zur Mittagszeit eine friedliche Idylle – zu friedlich für meinen haltlosen Geist. Ich finde keine rechte Muße in dieser heilen Welt. Alle meine Gedanken drehen sich um die Zukunft: Was soll werden?
Ich überdenke die Situation immer und immer wieder, wie sich das abzeichnende Dilemma vermeiden ließe, die Erniedrigung!

Als ich nach Hause gehe, taumele ich – und dann plötzlich eine fixe Idee – ich greife zum Telefon. Es ist einen Versuch wert. Doch die niederschmetternde Auskunft folgt auf dem Fuße:
„P. ist in Urlaub“, sagt die Stimme am anderen Ende der Leitung.
Und ich weiß nichts davon… Sie hatte bei unserem letzten Zusammentreffen nichts davon erwähnt. Mir schießen die Tränen in die Augen. Welche Auswege bleiben noch? Natürlich, sie hat ihre eigenen Angelegenheiten. Was erwarte ich noch von ihr?

Ich rolle mich in mein Bett. Mein Stolz…, mein Stolz, denke ich verwirrt und zittere vor Schmerz, winde mich, springe auf… zum Kühlschrank. Hungern muss ich noch nicht.
Ich stelle mir vor, wie du mich mitleidig beobachtest. Oft genug nervte ich dich mit meinen Tiraden, angetrunken, mit meiner Ablehnung gegen die Konventionen, meinem billigen Sarkasmus:
„… nur nichts Ungebräuchliches tun, gel?“
Ich ließ es dich spüren, dass ich dich davon nicht ausschloss, ebenso deine Familie, deine Freunde, einfach jeden, mit dem du Kontakt hattest.
War ich gut drauf, also fünf Bier aufwärts, wollte ich gegen die ganze beschissene Welt anrennen.
Wie gutmütig und geduldig ertrugst du meine menschenverachtenden Ausbrüche, die dich oft verletzen mussten… bis zuletzt.
Du hattest den Mut und betätigtest den Schleudersitz, um dich aus dieser schlingernden Maschine mit Triebwerksschaden herauskatapultieren zu lassen – um dich zu retten, wie du sagtest.

Langsam finde ich mich wieder. Was sind schon fünf Jahre?
Ich identifiziere meine Vergangenheit an meinen Gedichten und Bildern, an den Büchern meiner Lieblingsautoren, meinen Lieblingsschallplatten und meinen Freunden.
Ich bin noch derselbe. Habe ich die Demütigungen nötig, dass mein Stolz wie über Eis von mir schlittert und mit ihm meine ganze Kraft, mein Selbstbewusstsein?
Oh nein, ihr Dämonen, ihr zwingt mich nicht so schnell in die Knie, und ihr Menschen zweimal nicht! Ihr schmeckt nach Einheitskost. Eure Seelen habt ihr, pflichtbewusst, wie ihr seid, beim Eismann abgegeben…
Fünf Jahre Exkursion ins Innere intellektueller Spießer – da muss doch außer Entbehrungen noch was abfallen, oder? Ich weiß, P., du verstehst mich nicht… Du weißt dich bei allem, was ich sage, nur umso mehr bestätigt.

Ich trinke! Ich trinke auf unsere Unverbesserlichkeit!



(Sommer 1990)

Mother Freedom

Einigen meiner Arbeitskolleginnen sagte ich, dass ich mich nicht impfen lasse… Wenn der Buschfunk so gut funktioniert, wie ich denke, dürften es inzwischen fast alle wissen. Bisher ereilten mich keine kritischen Äußerungen – man hält sich da offenbar (noch) zurück. Natürlich weiß ich nicht, was hinter meinem Rücken palavert wird. Ganz sicher stößt meine Entscheidung bei der ein oder anderen Kollegin und wahrscheinlich auch bei meiner Chefin auf Unverständnis – gehöre ich doch zur sogenannten Risikogruppe. Jedenfalls entschied ich mich, in die Offensive zu gehen, weil mir die wiederholten Fragen nach meinem Impfstatus auf den Keks gehen.

Nun aber erstmal 2 Wochen Urlaub – Hurra! Auch mit den derzeit eingeschränkten Freiheiten eine Freude. Sogar eine besondere! … Wir kennen das aus Kindertagen: Der Wert einer Freiheit orientiert sich am Maß der bestehenden Unfreiheit.

Über das Lebendige hinaus

Stolz ist die Quelle meiner Kraft. Ich meine nicht den falschen Stolz: die Eitelkeit der Schönen oder die Arroganz der Mächtigen. Ich meine den urtümlichen Stolz des Seins, die Erhabenheit eines jeden Geschöpfes und jeder Erscheinung. Über das Lebendige hinaus.

Darum: Stolze Menschen zeigen Achtung voreinander und vor der Natur. Sie hören einander zu. Sie zeigen ihr Wohlwollen. Sie umarmen sich. Und wenn sie streiten, kommen sie danach wieder aufeinander zu.
Stolze Menschen stützen die Schwachen und kritisieren den Machtmissbrauch.

Die Welt gehört uns Menschen nicht. Aber wir verhalten uns so, als würden wir alles einfach in Besitz nehmen können.
Wir hören der Natur nicht zu. Wir hören uns auch untereinander nicht zu.

Wir sollten zurückfinden zu unserem urtümlichen Stolz, der uns mit allen anderen Wesenheiten verbindet.

Der falsche Stolz ist Gift für unsere Seelen. Er trennt uns von der universellen Liebe und sperrt uns in den Kerker der Verdammnis und Eigenliebe.

Darum: Stolze Menschen vermeiden Lügen. Sie betrügen weder andere noch sich selbst. Sie sind ein Quell an Aufrichtigkeit und Wahrheit. Sie lassen sich nicht leicht hinters Licht führen. Sie schauen hinter die Dinge.

Stolze Menschen sind weise.


Ohne Frauchen will ich nicht leben

Buchidee: Ein Hundeleben in 10 Kapiteln

  1. Kapitel: Wie wir uns kennenlernten
  2. Kapitel: Die ersten Ausflüge
  3. Kapitel: Zwischen Lieblingsknochen und Gassigehen
  4. Kapitel: Mit Frauchen beim Tierarzt
  5. Kapitel: Durch dick und dünn
  6. Kapitel: Frauchen ist krank
  7. Kapitel: Als ich einen Einbrecher verjagte
  8. Kapitel: Warum hat sie mich nicht mehr lieb?
  9. Kapitel: Versöhnung
  10. Kapitel: Die Spritze


Ohne Frauen will ich nicht leben

Ich befinde mich im Sonntag + Zustand. Das heißt: Sonntag + Feiertag… Der Frauentag, Feiertag in Berlin, läutet meine Urlaubswoche ein.
Letztes Jahr fiel der Frauentag auf den Sonntag. Ich weiß noch, wie meine alte Bürokollegin anmerkte, dass sie nicht mehr in den Genuss des neuerschaffenen Berliner Feiertages kommen würde. Im Juni 2020 ging sie in Rente. Ich denke gern an sie zurück. Ohne ihre Geduld und ihre ruhige Art beim Erklären, hätte ich einen schwereren Start erwischt. Sie machte mir meine Fehler nie zum Vorwurf. Als Neuling im Büro fühlte ich mich unter ihrem „mütterlichen Schutz“. Dafür ein dickes Dankeschön!

Frauen spielten in meinem Leben eine große Rolle: als Mutter, Lehrerinnen, Mentorinnen, Arbeitskolleginnen, Freundinnen, Gesprächspartnerinnen und Liebhaberinnen. Mein Lebensgefühl stieg und fiel mit Frauen. Die schönsten und aufregendsten Zeiten erlebte ich an der Seite von Frauen… Die traurigsten Abschnitte bescherten mir gescheiterte Beziehungen. Ich konnte den Frauen nicht gerecht werden, oder sie wurden mir nicht gerecht. Mein Freiheitsgebaren ließ sich schwer mit einer dauerhaften Beziehung vereinbaren. Ich konnte nicht der Partner sein, den sich Frau gemeinhin wünscht… als „Vater“ ihrer Kinder, als Fels in der Brandung, der stets Schutz und Geborgenheit vermittelt. (Nein, ich habe keine eigenen Kinder.) Es tut mir leid… So viel Liebe setzte ich in den Sand.

Und natürlich will ich meiner Mutter gedenken, die 2013 in meiner alten Heimat verstarb. Von ihr habe ich die Sensibilität und die Freude am Gespräch über Gott und die Welt. Von ihr habe ich meine Sentimentalität… Ich liebte sie, wie man seine Mutter nur lieben kann, bis ihre psychische Erkrankung sie mir entfremdete… „Liebe Mama, bitte verzeihe mir, dass ich Dir nicht mehr der Sohn sein konnte, den du gebraucht hättest.“

Die Frauen in meinem Leben investierten viel Liebe in mich. Wurde ich ihrer Liebe gerecht?… Warum überkamen mich so oft Fluchtgedanken?
Wäre ich nur so stark wie eine Frau… Die Stärke von Müttern ist unübertroffen. Und ich meine hier nicht die Stärke, die zur Macht führt, sondern die Herzensstärke, die Stärke der Liebe.

Entschuldigt meine Sentimentalität bei dem Thema. Meine Liebe zu den Frauen ist ungebrochen… Sie sind Wunder und Sehnsucht meines Lebens.