Kurzer Essay zu einfachen Wahrheiten und Wahrheitskonflikten in sich durchdringenden Bezugssystemen

Karl sagt: „Die Sonne lacht.“ Regine sagt dagegen: „Es regnet Hunde und Katzen.“
Wer von beiden hat recht? Einer muss die Unwahrheit sagen.
Nun wohnt Karl in München, und Regine ist in Hamburg, als sie ihre Aussage macht.
Beide sagen die Wahrheit, wie der Meteorologe bestätigt. Dies soll mir als einfaches Beispiel dafür dienen, dass wir ohne Kenntnis des Bezugssystems, in welchem eine Aussage getroffen wird, schwer beurteilen können, ob es sich um die Wahrheit oder die Unwahrheit handelt.
Wenn`s nur immer so trivial wie in diesem Fall wäre. Doch das Prinzip gilt allgemein: Bevor wir vorschnell etwas als Lüge/Unwahrheit abtun, müssen wir uns das Bezugssystem anschauen, das als Basis für die Aussage dient. So verstehen wir z.B., warum für den Wissenschaftler der Klimawandel stattfindet, während der Wirtschaftsboss und so mancher Politiker von einem Klimawandel nichts wissen will, wenn wir uns die unterschiedlichen Bezugssysteme anschauen, in denen die Aussagen getroffen werden. Das Ergebnis ist auch in diesem Fall noch relativ einfach: Ich glaube dem Klimaforscher, weil er von Berufs wegen die objektivste Aussage treffen kann. Haarig wird es aber, wenn der Wirtschaftsboss zudem Klimaforscher ist, oder der Klimaforscher von dem Wirtschaftsboss bezahlt wird. Es ist nun die Frage, welches Bezugssystem übermächtig ist. So bekommt in der Regel derjenige das Monopol auf die Wahrheit, der über den größten Einfluss (durch Macht und Geld) besitzt. Insgeheim rebellieren wir vielleicht gegen die uns vorgesetzten Wahrheiten. Aber das ist nicht mehr als ein Schiss in den Wind, wenn eine Mehrheit von Menschen aus Angst oder Opportunismus die falschen Wahrheiten glauben will. Wie wir aus dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ und den Fall des Galilei Galileo nicht erst seit gestern wissen, ginge eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass die Mächtigen ihr Wahrheitsmonopol aufgäben.
Wir sehen also: Für den Hausgebrauch reicht es aus, wenn man sich deutlich macht, welche Bezugssysteme Aussagen zugrunde liegen. Wir können dann mittels einer objektiven Einschätzung (z.B. durch den Meteorologen) den Wahrheitsgehalt erkennen.  Wenn es aber nun um Wahrheiten geht, die den Mächtigen nicht in den Kram passen, muss man verdammt aufpassen, dass der gesunde Menschenverstand nicht aufs Glatteis geführt wird. Nun greifen Werkzeuge wie Propaganda und Einschüchterungen, Fakten werden manipuliert, Menschen gekauft…  Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, so dass man am Ende nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Wenn nun alle lügen, wem ist noch zu trauen? So vieles passiert auf der Welt, und wir werden nie die ganze Wahrheit dazu erfahren.
Ich schätze, das müssen wir aushalten. Herumspinnen zaubert die Wahrheit auch nicht her. Am Besten gar nicht mehr hinhören – wenn doch: niemals seinen kritischen Verstand ausschalten. Das sind wir uns und dem Geist der Aufklärung schuldig.

Apropos: Hier in Berlin lacht die Sonne.



Deckel drauf, und gut ist

Also, ich wäre bereit fürs Jüngste Gericht. Wozu noch warten. Dann haben wir`s wenigstens hinter uns. Die Sache liegt doch klar auf der Hand. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die Menschheit das 21. Jahrhundert überlebte. Die Zeichen stehen schon lange auf Sturm. Es ist nur noch die Frage, wann es passiert. Und wie.
Von mir aus gleich. Ich habe nichts vor. Ob ich noch ein paar Tumorfälle mehr oder weniger dokumentiere, dürfte egal sein. Ich hänge nicht an diesem Job. Manchmal denke ich, die haben`s wenigstens hinter sich, also die mit metastasiertem Lungenkarzinom zum Beispiel. Zuletzt dokumentierte ich davon eine Menge aus Klinikberichten. Diese Menschen, von denen ich sonst nichts weiß – einige sind nicht älter als ich. Ich dokumentiere ihren Leidensweg von Operationen, Chemo- und Strahlentherapien. Ein Leidensweg, der sich über Monate oder gar Jahre erstreckt. Der Tumor wird besiegt – Vollremission, und eine unbestimmte Zeitspanne später das Rezidiv…
Was für eine scheiß Welt, denke ich, warum geht sie nicht endlich unter… mit Katz und Maus. Dann wäre Ruhe. Wozu sich dieses Elend noch länger anschauen, wenn man weiß, worauf es unweigerlich hinausläuft. Ja, ich weiß, da ist noch die Liebe. Eine Hoffnung. Darum leben wir doch. Nur für die Liebe. Oder? Das mit dem Geld ist eine dumme Ersatzbefriedigung. Beziehungsweise ein Mittel zum Zweck. Wie die Macht. Einer muss schließlich das Sagen haben. Kann der letzte Depp sein, egal. Alles würde sonst in seine Einzelteile zerfallen. Anarchie ist Utopie. Wir sind nicht Gott, auch wenn wir auf der Erde Gott spielen.
Also. Deckel drauf. Am Besten gleich und radikal.