Corona-Zeiten, meine Bürokollegin und die neue Betriebsvereinbarung

Beinahe täglich jammert meine Bürokollegin über ihren langen Arbeitsweg und die Zumutung in U- und S-Bahn von wegen Corona-Ansteckungsgefahr. Und ständig ihre versteckte Missgunst, weil ich die Möglichkeit zum Homeoffice habe. Kaum berichte ich etwas aus meinen Homeoffice-Erfahrungen, blockt sie ab. Sie meinte gar, ich sei unsensibel. Okay, erwiderte ich, dann sage ich eben gar nichts mehr.
Nun gibt es seit dem 1. Oktober eine neue Betriebsvereinbarung hinsichtlich der Corona-Maßnahmen. Unter anderem wird darin geregelt, wer zukünftig die Möglichkeit zum Homeoffice erhalten kann. Auch Kollegen/Kolleginnen mit mehr als einer Stunde Fahrtweg sollen bedacht werden. Da kann sich meine Bürokollegin freuen, dachte ich. Doch weit gefehlt! Sie ist immer noch am Motzen. Ständig sieht sie um sich herum Gespenster, welche sie benachteiligen wollen, z.B. bei der Laptop-Vergabe. Darum bot ich ihr an, den Firmenlaptop, den ich benutze, mit ihr zu teilen, worauf sie nur flapsig meinte: „Darum werden wir sowieso nicht herumkommen.“ Schön, schön, dachte ich bei mir, vergesse aber bitte nicht, dass ich zur Risikogruppe gehöre und prinzipiell Anrecht auf 100% Homeoffice habe.
Das Gehabe meiner Kollegin um die Sache mit dem Corona-Virus geht mir ganz schön auf den Keks. Gestern maß sie nach, wie weit wir auseinander sitzen. Ich hätte ihr auch ohne Maßband sagen können, dass es ca. 2 Meter sind. Auf unseren Büroplätzen dürfen wir weiterhin ohne Maske sitzen. Aber sobald wir uns gemeinsam am Bildschirm einen Tumorfall angucken, was u.a. beim Einlernen der neuen Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen häufig vorkommt, müssen wir Maske tragen, ebenso auf den Fluren und überall, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Nun gut, in anderen Betrieben wird schon lange unter solchen Vorgaben gearbeitet. Ich will mich nicht von der Aufgeregtheit der Hühner, insbesondere meiner Bürokollegin, anstecken zu lassen. Aber ich merke schon, wie in mir langsam der Ärger hochkocht. Ich und unsensibel?!? Leck mich doch am Arsch, du verrücktes Huhn! – Menschlich bin ich einigermaßen enttäuscht von meiner Bürokollegin. Was sind das für Menschen, die ständig denken, dass sie zu kurz kommen bzw. ungerecht behandelt werden? Und wenn man ihre Sichtweise geraderücken will, wollen sie es nicht hören. Mit jedem weiteren Wort begibt man sich auf ein Minenfeld…
Trotz allem will ich weiterhin gut mit meiner Bürokollegin klarkommen. Ich liebe es, wenn wir herumblödeln und lachen, oder wenn wir gemeinsam über schwierigen Fällen brüten und über die Arbeit stöhnen, oder wenn sie mir von ihren privaten Sorgen erzählt, von ihrer Tochter und ihren Eltern. Am Besten gehe ich nächstens, wenn sie mal wieder eine ihrer Unzufriedenheits-Phasen hat, runter auf die Straße und lasse einen tierischen Brüller fahren:
„Was ist das alles für eine Scheiße!!!!!!!“



17 Gedanken zu “Corona-Zeiten, meine Bürokollegin und die neue Betriebsvereinbarung

  1. Das Thema kenne ich auch von unserem Haufen. Da will eine Kollegin nicht den Platz mit einer anderen teilen, weil die am Tag zuvor dort gesessen hat. Es wird aber täglich alles desinfiziert etc. Also total bekloppter Grund, nicht ins Büro kommen zu müssen. Mit den Masken ist das bei uns auch so. Am Platz brauchen wir sie nicht, aber überall sonst. Noch ist es keine Pflicht, nur eine Empfehlung, aber (fast) jeder hält sich daran. Ich glaube, Männer würden nicht so einen Terz machen.

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  2. Keine Ahnung, was der Kollegin wirklich fehlt, ihre Defizite scheinen jedenfalls nicht nur auf die Arbeit beschränkt zu sein. Für meinen Teil bin ich dankbar, allein werkeln zu dürfen. Männer können auch Lumpen/Zicken sein, wie ich letztes Jahr erfahren durfte. Jetzt isses gut, von ehemals Sechsen sind wir nur noch zu zweit und falls ich mich mal ärgern muss, dann höchstens über mich selbst.

    Grüße!

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    • die kollegin verbeisst sich gern… nicht nur jetzt wegen homeoffice und corona, sondern auch bei schwierigen tumorfällen. sie will dann unbedingt zu einem ergebnis kommen und kann nicht mal fünfe gerade sein lassen. sie ist in solchen phasen nur schwer runterzuholen. halt eine charaktereigenschaft – als defizit würde ich das nicht ansehen. normalerweise kann ich ihre „zickereien“ ganz gut wegstecken, aber zur zeit habe ich probleme damit. es ist zu viel. meine alte bürokollegin hatte zwar auch ihre launen und ticks, war aber insgesamt ausgeglichener.

      grüße zurück in den feiertag!

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    • … außerdem habe ich auch deswegen verständnis mit ihr, weil sie privat viel an der backe hat mit ihrer tochter und ihren eltern. doch auch da liegt es zum teil an ihr, dass sie sich zu sehr in die dinge verbeißt und meint, die ganze verantwortung läge bei ihr. sie muss auch mal loslassen können – und das fällt ihr schwer.
      die möglichkeit zum homeoffice würde ihr manches leichter machen, meint sie. vielleicht ist das so… ich bin skeptisch und denke, dass sie sich davon zu viel erwartet. wir werden sehen.

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  3. Es gibt Menschen, die sind chronisch unzufrieden, das äußert sich im permanenten Klagen. Deine Kollegin kann auch dazu gehören. Diese Menschen wollen nichts hören, was nicht zu ihr „Klagelied“ passt oder gar Veränderung schafft, sonst hätten sie ja keinen Grund zum Klagen mehr. 😁😁. Du könntest tausendmal den Stuhl, auf den sie sitzt, auspolstern, sie würde weiter darüber klagen, dass der Stuhl zu hart wäre oder würde eine neue „Platte“ auflegen „der Stuhl wackelt“

    Ich selber halte mich, wenn ich chronische Unzufriedenheit vermute. Mit Ratschlägen zurück. Ich lasse einfach das Klagelied im Raum stehen und nachhallen. Es wird dann in deren Ohren nach nachhallen.🤓

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    • Mit der Zurückhaltung ist das manchmal schwierig, weil ich mit meinem Verstand an die Sache rangehe. Ich sehe das dann wie eine Mathematik-Aufgabe und wundere mich, warum die oder der andere nicht dieselbe Lösung sieht.
      Na ja, und wenn dann persönliche Angriffe kommen, ist’s eh aus mit der Coolness.
      Und du stehst über sowas?

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      • ich arbeitet jahrelang mit einer jungen Kollegin zusammen, die hatte ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. Sie war außer Stande auch nur ein Blatt Papier von mir zu übernehmen, auf dem ich schon das Datum oder die Anrede geschrieben hatte. Anfangs war ich verletzt, dann verärgert, dann brüskiert, dann stutze ich, dann amüsierte es mich. Ja..es war immer das gleich Spiel mit ihr. Ihr Vater – unser damaliger Chef – hatte eine Profilneurose und sie hatte einiges von ihrem Vater übernommen.
        Achja,, chronisch unzufriedene Menschen wollen ungern Verantwortung für mehr als nur die Familie übernehmen. Und das auch einem einfachen Grund. Sie können nicht mehr klagen und sich der Kritik ausgesetzt und dieser wollen sie sich auf keinen Fall aussetzen. Eines ihrer Lieblingssätze ist: „Alles bleibt an mir hängen“ 😁

        Wenn du die richtige Einstellung zu deiner Kollegin findest, dann hast du einen unterhaltsamen Tag 😁😁😁😉

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      • Ich werde sehen, wie das an meinem Arbeitsplatz weitergeht. Ich bin in der Regel ein Mensch, der in solchen Situationen eher deeskaliert. Aber auch ich habe eben Grenzen… Die Arbeit an sich ist schon schwer genug.

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      • die stehen bei unseren problemen weniger im vordergrund – wirken eher verdeckt von der dokumentationsroutine. wie bei allem, mit dem man tagtäglich zu tun hat, gerät man in ein fahrwasser der abstumpfung.

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      • Im Yoga nennen wir es Klesá (Leiden, Schmerz)- also ein Verhalten, dass das wahre Motiv vor den anderen und auch vor sich selbst verschleiert. Davon haben jeder ein umfangreiches Repertoire und ich mache dabei auch keine Ausnahme. Manchmal leide ich lieber, als das ich mich am Lappen reiße oder mir die Frage stelle „Warum machst du das?“

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