Wenn man an nichts böses denkt

Meine Gesundheitskasse fordert eine Nachzahlung von 2017 aus der Zeit, als ich wohl ein paar Wochen vom Ende meiner Fortbildung bis zum Antritt meiner neuen Arbeitsstelle als freiwilliges Mitglied versichert galt. Natürlich fiel ich aus allen Wolken, denn es geht immerhin um einen Betrag von fast 400 Euro, ein Drittel davon Säumniszuschlag. Ich ackerte also meine alten Unterlagen durch, fand aber dazu kein Schreiben meiner Gesundheitskasse. Wenn ich mal davon ausgehe, dass ihre Geldforderung zurecht besteht, so sehe ich doch nicht ein, diesen vehementen Säumniszuschlag obendrauf zu zahlen.
Nach zwei Telefonaten erfuhr ich nun, dass es damals tatsächlich ein Schreiben mit dieser Forderung an mich gab (eine Kopie will man mir zusenden). Warum ich diesen Brief offenbar nicht erhielt, weiß der Teufel! – denn sicherlich hätte ich die Forderung beglichen. In solchen Angelegenheiten bin ich einigermaßen pflichtbewusst.
Der freundliche Mitarbeiter meiner Gesundheitskasse machte mir immerhin das Angebot, dass er aus Kulanz den Säumniszuschlag halbiert, wenn ich den Betrag auf einen Ritt überweise. Okay, dachte ich, blöd gelaufen, aber was soll ich machen? Ich gab also klein bei.
Verärgert über diese alte Forderung bin ich trotzdem. Vielleicht sollte ich den Wechsel zu einer anderen Gesundheitskasse in Erwägung ziehen… Ich gehöre zu den Menschen, die erst einen Ruck brauchen, um sich über einen Anbieterwechsel Gedanken zu machen. Das betrifft nicht nur Gesundheitskassen, sondern auch all die anderen Anbieter von Serviceleistungen wie Telefon, Mobilfunk, Internet, Strom, Haftpflicht und andere Versicherungen sowie Geldinstitute. Wie ätzend, sich mit all diesem Kram auseinanderzusetzen!

 

Corona-Zeiten, meine Bürokollegin und die neue Betriebsvereinbarung

Beinahe täglich jammert meine Bürokollegin über ihren langen Arbeitsweg und die Zumutung in U- und S-Bahn von wegen Corona-Ansteckungsgefahr. Und ständig ihre versteckte Missgunst, weil ich die Möglichkeit zum Homeoffice habe. Kaum berichte ich etwas aus meinen Homeoffice-Erfahrungen, blockt sie ab. Sie meinte gar, ich sei unsensibel. Okay, erwiderte ich, dann sage ich eben gar nichts mehr.
Nun gibt es seit dem 1. Oktober eine neue Betriebsvereinbarung hinsichtlich der Corona-Maßnahmen. Unter anderem wird darin geregelt, wer zukünftig die Möglichkeit zum Homeoffice erhalten kann. Auch Kollegen/Kolleginnen mit mehr als einer Stunde Fahrtweg sollen bedacht werden. Da kann sich meine Bürokollegin freuen, dachte ich. Doch weit gefehlt! Sie ist immer noch am Motzen. Ständig sieht sie um sich herum Gespenster, welche sie benachteiligen wollen, z.B. bei der Laptop-Vergabe. Darum bot ich ihr an, den Firmenlaptop, den ich benutze, mit ihr zu teilen, worauf sie nur flapsig meinte: „Darum werden wir sowieso nicht herumkommen.“ Schön, schön, dachte ich bei mir, vergesse aber bitte nicht, dass ich zur Risikogruppe gehöre und prinzipiell Anrecht auf 100% Homeoffice habe.
Das Gehabe meiner Kollegin um die Sache mit dem Corona-Virus geht mir ganz schön auf den Keks. Gestern maß sie nach, wie weit wir auseinander sitzen. Ich hätte ihr auch ohne Maßband sagen können, dass es ca. 2 Meter sind. Auf unseren Büroplätzen dürfen wir weiterhin ohne Maske sitzen. Aber sobald wir uns gemeinsam am Bildschirm einen Tumorfall angucken, was u.a. beim Einlernen der neuen Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen häufig vorkommt, müssen wir Maske tragen, ebenso auf den Fluren und überall, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Nun gut, in anderen Betrieben wird schon lange unter solchen Vorgaben gearbeitet. Ich will mich nicht von der Aufgeregtheit der Hühner, insbesondere meiner Bürokollegin, anstecken zu lassen. Aber ich merke schon, wie in mir langsam der Ärger hochkocht. Ich und unsensibel?!? Leck mich doch am Arsch, du verrücktes Huhn! – Menschlich bin ich einigermaßen enttäuscht von meiner Bürokollegin. Was sind das für Menschen, die ständig denken, dass sie zu kurz kommen bzw. ungerecht behandelt werden? Und wenn man ihre Sichtweise geraderücken will, wollen sie es nicht hören. Mit jedem weiteren Wort begibt man sich auf ein Minenfeld…
Trotz allem will ich weiterhin gut mit meiner Bürokollegin klarkommen. Ich liebe es, wenn wir herumblödeln und lachen, oder wenn wir gemeinsam über schwierigen Fällen brüten und über die Arbeit stöhnen, oder wenn sie mir von ihren privaten Sorgen erzählt, von ihrer Tochter und ihren Eltern. Am Besten gehe ich nächstens, wenn sie mal wieder eine ihrer Unzufriedenheits-Phasen hat, runter auf die Straße und lasse einen tierischen Brüller fahren:
„Was ist das alles für eine Scheiße!!!!!!!“