Nix wie weg

Was soll man sagen, wenn es nichts mehr zu sagen gibt? Auf die Menschheit in der heutigen Zeit übersetzt, bedeutet das: Ende Gelände. Bereits seit einigen Jahrzehnten. Ganz nett war noch die Demokratisierung einiger Gesellschaften durch die industrielle Revolution. Die Überführung in den Kapitalismus kam nicht nur den Wirtschafts-Magnaten zugute, sondern auch dem Kleinen Mann. Demgegenüber stand die Idee des Sozialismus, die vollkommen die Natur des Menschen ignorierte. Wir sind nun mal keine Bonobos. Wir sind aggressive Schimpansen. Größtenteils.
Ich liebe meine Mitmenschen. Ehrlich. In den drei Jahrzehnten, als ich Altenpfleger war, wurde mir bewusst, wie ähnlich wir uns im Prinzip alle sind – dass wir im Großen und Ganzen dasselbe Schicksal teilen. Dabei spielt es keine Rolle, wo wir herkommen, welche Hautfarbe wir haben, oder welche Religionen/Ideologien wir für uns präferieren.
Genaugenommen war mir das schon vorher bewusst. Aber es ist freilich nicht von Nachteil, wenn man seine Weltsicht durch Erfahrungen unterfüttern kann. Nun gehe ich auf die Sechzig zu, und der Käs ist für mich gegessen – oder niemand kann mir noch was vom Pferd erzählen.

So weit, so gut. Ich sitze also im Biergarten und höre über die Ohrstöpsel meine Lieblingsmusik. Plötzlich zucke ich zusammen. Ein paar Meter vor mir entdecke ich meine Ex, wie sie an der Theke ansteht. Das habe ich nicht erwartet. Ekelhaft!  – war mein erster Impuls. Ich muss so schnell wie möglich weg. Ich schaue sie mir dennoch kurz an und stelle beruhigt fest, dass sie, seitdem sie mich verließ, nicht gerade attraktiver wurde. Im Gegenteil. Sie nähert sich im Aussehen meinen Büro-Hühnern an. Damals sagte sie zu mir: „Dann geh doch zu diesen Kuhfrauen!“
Ich trank so schnell wie möglich mein Bier aus und schlich mich an ihr vorbei. Gespenstern aus der Vergangenheit sollte man besser aus dem Weg gehen.

4 Gedanken zu “Nix wie weg

  1. Auch wenn die Wunden, die mein Ex verursacht hatte, schon längst verheilt waren, fühlte ich mich doch erst komplett befreit, als ich erfuhr, dass er endlich aus meiner ehemaligen Wohnung aus- und aus meinem Bezirk weggezogen war. Hätte ich eine solche Begegnung wie du gehabt, ich hätte ähnlich reagiert.

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    • für mich ist die frau gestorben. darum ist es keine schöne situation, sie plötzlich zu sehen.
      sie wohnt gott sei dank in einem anderen stadtteil, so dass die wahrscheinlichkeit gering ist, ihr zu begegnen. was sie hierher führte, weiß ich nicht – ist auch wurscht.

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  2. Nach unserer Trennung 2007 hat meine damalige Verlobte bis heute ihr Gewicht (den Fotos im Internet nach) auch annähernd verdoppelt – keine Ahnung, wie die Frauen das bloß machen… 😉

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