Es überkam mich

Ein besonderer Tag heute: Ich putzte die Fenster! Die Welt erstrahlt in neuem Glanze. Wenn auch nicht 100% streifenfrei.
Endlich auch die Wiedereröffnung des Biergartens vor meiner Haustüre gecheckt. Na ja, etwas kompliziert das Ganze mit Platzzuweisung und Angabe von Namen und Adresse. Sie haben auch Bier to go. Ich denke, da trinke ich lieber mein Bier im Park. Dort gibt`s außerdem mehr Eyecatcher.

 

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mit dem Bier war alles okay

 

Ausflug

Der Übergang vom Homeoffice zum Urlaub ist eher gleitend. Ganz anders als sonst, wenn ich quasi aus dem Büro auschecke, zum Pub radle und den Urlaubsbeginn begieße. Ich werde mir öfter selbst sagen müssen: „Hallo! – du hast Urlaub!“
Am Vatertag waren wie erwartet Hinz und Kunz unterwegs. Sowieso am idyllischen Schlachtensee. Trotzdem war`s herrlich, für ein paar Stündchen dem Berliner Häusermeer zu entfliehen. Den Biergarten der Fischerhütte durchzogen Menschenschlangen hin zur Selbstbedienung. Viele hielten Abstand, viele auch nicht. Ich stand auch an… eine gefühlte Ewigkeit. Also gleich zwei frischgezapfte Augustiner mitgenommen. Das beste Bier seit langem, das ich mir hinter die Binde goss!
Danach eine Runde um den Schlachtensee gedreht plus Abstecher an die Spinner Brücke, einem bekannten Motorrad-Treff. Zig dicke Maschinen standen chromblitzend am Straßenrand, während die schweren Jungs im Biergarten der Raststätte schmausten. Ich trank ein lecker Hefeweizen vom Fass und sah mich satt an der illustren Kulisse…
Am frühen Abend war ich zurück und ließ den Tag auf einer Parkbank im Nelly-Sachs-Park ausklingen.
Die Menschen genossen die Corona-Lockerungen. Genaugenommen waren die noch bestehenden Regeln obsolet, da kaum einzuhalten und von vielen ignoriert. So ein halber Lockdown wie aktuell ist meiner Ansicht nach lächerlich bis schwachsinnig. Was bei den obrigkeitshörigen und disziplinierten Asiaten ganz gut funktionieren mag, wird zumindest in einer multikulti Metropole wie Berlin zur Farce. Aber gut. Spielen wir halt mit und haben immer eine Maske parat.

 

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Melancholie und Lebenslust

Der Biergarten am Gleisdreieck hat unter Auflagen wieder geöffnet. Ich las die Regeln auf der Brwhouse-Website. Es sind nicht wenige. Darunter auch die Angabe von Namen und Adresse, damit das Gesundheitsamt evtl. Infektionsketten besser nachverfolgen kann. Schon komisch, wenn die Menschenmassen nebenan im Park anonym und relativ unbefangen hinsichtlich Abstands- und Hygieneregeln zusammenkommen, und im Biergarten wird ein solcher Aufriss darum gemacht. Aber ich bin neugierig. Werde das heute testen. Endlich mal wieder ein frisch gezapftes Helles!

Die Eisheiligen sind zwar vorbei, aber die kühle Witterung dauert an. Gestern im Park zog es ganz schön. Die Sonne versteckte sich oft hinter dicken dunklen Wolken. Ich saß ein gutes Stündchen draußen und beobachtete das bunte Treiben der vielen jungen Menschen, die Sport trieben oder einfach nur zusammensaßen mit Wasserpfeife und Bier. Der Flaschensammler kam auf seine Kosten (– nicht mein netter Flaschensammler vom Nelly-Sachs-Park).
Eine Frau lief den Park ab, um Zeitungen für ein Almosen loszuwerden. Nicht die bekannte Obdachlosenzeitung. War irgendwas anderes. Ich gab ihr etwas Kleingeld in den Becher. Sie setzte sich neben mich, und wir quatschten ein paar Minuten über Dies und Das: das Wetter, die Corona-Situation, die Leute im Park… Nette Person. Nicht unansehnlich und auch nicht verwahrlost. Was für ein Lebensschicksal wohl dahintersteckt, überlegte ich mir, als sie weitergezogen war – Drogen, Alkohol… Ich atmete tief durch und steckte mir wieder die Ohrstöpsel ein, um weiter meine Lieblingsmusik zu hören. Nichts schöner als diese Tagträumerei, dabei den Blick schweifen lassen. Die Gedanken klimperten vor sich hin auf einer ominösen Klaviatur in meinem Kopf. Der Wind blies mir ins Gesicht, und selbst hinter der Sonnenbrille blinzelte ich. Ich sah auf die Lebenslust um mich herum und war beinahe glücklich.

 

Vorgetankt

Diesmal war Mehl das Objekt der Begierde in dem kleinen Supermarkt am Bülowbogen. Die ansonsten nette und super geduldige Kassiererin wirkte gestresst. Denn auch die Mitnahme von Mehl ist rationiert, und sie musste die Einkäufer(innen) ständig darauf hinweisen und mit ihnen herumdiskutieren.
Ich hatte im Park am Gleisdreieck die Nase in die Sonne gestreckt. Eine Menge Menschen radelten, spazierten, joggten, skateten auf den Wegen oder saßen wie ich einfach irgendwo herum. Nicht immer habe ich Spaß daran, wenn mir Kiff-Geruch in die Nase steigt und dazu dumpfbackiger Rap-Gesang an meine Ohren dringt. Sowas stört mein inneres Gleichgewicht. Da half der Apfelwein, den ich dabeihatte, nur wenig. Ich zog mich in den nahen Biergarten zurück, aber dort hielt ich es auch nur ein Bier lang aus. Wenn mich erstmal der Schwarze Hund am Wickel hat, brauche ich entweder guten Sex oder zumindest eine gute Unterhaltung, um mich zurück ans Licht zu holen. Ich hatte also null Chance.
Immerhin tankte ich etwas Sonne vor. Heute grüßt ein trister Donnerstag durchs Fenster. Das Pub wird mir fehlen.

 

Frühling in Berlin, Kiez-Tour und das Toilettenpapier-Rätsel

Meine Kiez-Tour führte mich vorbei am Straßenstrich über den Nollendorfplatz zum Winterfeldplatz. Der Türke hatte geöffnet und auch schon erste Tische und Stühle aufgestellt. Na also, dachte ich, holte mir ein großes Flens und ließ mich gleich mal nieder. Das erste Mal in diesem Jahr kam meine Sonnenbrille zum Einsatz. Ich hatte sogar einen Anflug von Urlaubsgefühl.
Immer mehr Menschen (vor allem Rentner) fanden am frühen Mittag diese städtische Ruhe- und Sonnenoase. Der Türke stellte weitere Tische auf.

 

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am Winterfeldplatz

 

Nach einer guten entspannten Weile radelte ich zum Nahkauf unweit meiner Wohnung. Der Nahkauf ist ein kleiner Supermarkt am Bülowbogen mit etwas Tante-Emma-Flair. Die Mitarbeiter(innen) sind sehr nett und auch mal zu einem kleinen Plausch mit den Kunden/Kundinnen aufgelegt. Viele Regale waren leer, aber eigentlich wollte ich sowieso nur Wein und Bier nachkaufen.
An der Kasse fiel mir auf, dass die Nachstehenden ihre Wägen u.a. mit Klopapier vollgepackt hatten. Ich konnte mir eine ironische Bemerkung nicht verkneifen:
„Es gibt noch Klopapier?“
„Ja“, lachte die Kassiererin, „es kam vorhin eine neue Lieferung.“
„Oh! Dann sollte ich schnell noch eine Runde durch den Laden drehen…“
Die Leute mit dem vielen Klopapier hatten wohl verstanden, wie ich es meinte und flüchteten sich in ein verhaltenes Lachen. Ich wünschte mir, dass einer von ihnen das Geheimnis der übermäßigen Nachfrage an Toilettenpapier in den Zeiten des Corona-Virus lüftete – aber Pustekuchen. Ich hörte beim Einpacken meiner Einkäufe lediglich, wie die Kassiererin eine Kundin darauf hinwies, dass sie nur drei Pakete (à 10 Rollen) kaufen dürfe.

Was für ein schöner Tag! musste ich auf meinem Weg nachhause immer wieder denken. Zügig entledigte ich mich meiner Last, um sofort wieder nach draußen zu starten. Der Park am Gleisdreieck sowie der kleinere Nelly-Sachs-Park liegen gleich um die Ecke. Ich radelte erstmal Richtung Gleisdreieck und war schon etwas erstaunt über die vielen Menschen, die sich auf den Parkwegen tummelten und mit ihren Kindern auf dem Spielplatz waren. Von wegen Corona-Virus-Ansteckungsangst. Die nächste Überraschung war der geöffnete Biergarten des BRLO-Brauhauses. Der liebe Gott meinte es gut mit mir!

 

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am Gleisdreieck

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Aufkleber mit der Bitte, 1,5 Meter Abstand zu halten

 

(Dass auf meinen Fotografien wenige Menschen zu sehen sind, hat vor allem damit zu tun, dass ich die Persönlichkeitsrechte meiner Mitmenschen diesbezüglich achte. Auch ich will nicht fotografiert/gefilmt werden!)

Ganz authentisch

Ich sitze im Pub, weil mir die Schlange im Biergarten zu lang wurde. Imogen sprang hin und her, sah mich nicht mal. Oder sie sah mich, aber ich gehörte eben auch nur zum Meer der gesichtslosen Konsumgeier. Ich gehe in den Biergarten, um zu entspannen, Sonne zu schöpfen und ein paar Bierchen zu tanken, gerade so viel, dass ich mit meiner Lieblingsmusik auf einer Welle der Unbeschwertheit surfen kann. Eigentlich hatte ich auf ein Wiedersehen mit meiner Ex gehofft, aber die mailte mir, dass sie erkältet ist. Klar, wenn ich erkältet bin, mache ich auch keinen Mucks und verharre am Besten Zuhause, schon gar nicht treffe ich mich mit einer Ex-Liebe, die sagt, sie sei noch verliebt. Wer braucht eine solche Sentimenral-Scheiße? Würg.
Wahrscheinlich würde ich mich in jede meiner Ex-Frauen nochmal neu verlieben, falls sie mich nett anlachte und inzwischen nicht ganz aus dem Leim ging.
Ich sitze also jetzt im Pub und sehe, während ich das hier tippe, ganz entspannt „Gladbach gegen Düsseldorf“. Okay, viel sehe ich nicht, weil ich total in Gedanken bin. Ich sitze an der Bar mit einer Zeitschrift vor mir und nuckele an meinem Bier. In Reichweite steht ein Schälchen mit Salzgebäck. Genug über Liebe gegrübelt. Man sollte nicht ständig die Scheiße studieren, die man hinterlässt.
Steht inzwischen 1:0 für Düsseldorf.

Affenzirkus

Workshop zum Wochenstart. Eineinhalb Tage Spielchen in großer Runde gemixt mit Binsenweisheiten. Zwei weibliche Coaches, ich schätzte sie Mitte Vierzig, wollten uns aus der Reserve locken – natürlich alles zu unserem Besten. Ach ja, wir versprachen uns, dass alles im Raum bleiben sollte. Viel gibt`s dazu von meiner Seite auch nicht zu sagen, außer dass es emotional recht anstrengend war. Das meinten auch die Hühner, denen das Gackern stellenweise im Halse stecken blieb. Das Ganze war als teamfördernde Maßnahme von der Geschäftsleitung angedacht. Der Arbeitgeber macht sich Sorgen um unsere psychische Gesundheit. Oder anders gesagt: Der Krankenstand ist ziemlich hoch, und es gab zwischen den Hühnern ein paar Zwistigkeiten. Aber muss man auf jeden Zug springen, bloß weil es in der affigen Arbeitswelt gerade Mode ist? Was für ein dämlicher Affenzirkus das!
Okay, der Käs ist gegessen. Nun wieder Business as usual.
Ein Wochenende, an dem die Temperaturen nochmal zum Seele pflegen in den Biergarten einladen. Sehr wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr. Ich habe weiche Knie. Keine Ahnung, was mit mir los ist. Mein Selbstbewusstsein fährt Achterbahn.

Ein echtes Wiedersehen

Es fühlte sich gut und richtig an, als ich mich zu ihr setzte. Ich folgte einem inneren Impuls. Na, mach schon! sagte der Impuls. Der Biergarten füllte sich langsam, ich saß auf einem Hocker an einem der Stehtische, blinzelte in die Sonne und hörte über Ohrstöpsel meine Lieblingsmusik. Sie sah mich nicht, als sie sich ihr Bier holte nur ein paar Meter entfernt. Ich wartete, bis sie sich gesetzt hatte… und plötzlich stand ich also vor ihr.
Sie lachte mich an, wie es ihre Art ist. Ich mochte immer ihr Lachen, solange es nicht zu exaltiert war. Zum Einstieg redeten wir über unsere Jobs. Viel hatte sich nicht geändert. Ich erzählte ihr, dass ich mich inzwischen bei den Hühnern ganz gut eingelebt hatte. Ich fragte sie dies und das zu ihrer Arbeit und schaute in ihre strahlenden Augen, während sie erzählte. Als mein Bier leer war, lud sie mich zum nächsten ein. Und als das leer war, lud ich sie ein. Sie zeigte mir Bilder von ihren Kindern und ihren Eltern, die vor wenigen Wochen Berlin besucht hatten. Ihr Sohn war in die Höhe geschossen und zum jungen Mann geworden. Na ja, fast. Meine Augen füllten sich mit Tränen hinter der Sonnenbrille. Auch sie bekam feuchte Augen und reichte mir ihr Taschentuch. Ich entschuldigte mich für die Fiesheiten, die ich dann und wann auf meinem Blog über sie geschrieben hatte. Sie lachte. Davon wisse sie gar nichts, sagte sie. Wir redeten und tranken. Als es dämmerte, fragte ich mich, wo die Stunden geblieben waren. Ich hatte alles um mich herum ausgeblendet. Ich sah nur sie.
Beim Abschied meinten wir beide, dass wir uns wiedersehen sollten. Natürlich. Wie konsterniert stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr die wenigen Meter nach Hause. Schwer zu beschreiben, was ich fühlte. Erstmal sacken lassen.