Brasko und der Engel (3)

„Warum dieses ständige Auf und Ab? Warum braucht man die Niederlagen? Immer wieder muss man sich aufrappeln,“ ich schaute Birgit an – eine fremde Frau, ein fremder Mensch war in mein Leben getreten, vor weniger als einer Stunde… „Also im Augenblick fühlt sich mein Dasein prima an“, ich zwinkerte etwas verlegen.
Sie lachte mich an, „Prima!“ ihre Augen strahlten, „So ist das Leben.“
„Alles andere als einfach“, ergänzte ich, „vielleicht ist das Glück nur eine Momentaufnahme: Wir sitzen im Biergarten in der Sonne und trinken lecker Bier… Aber nur gut 1000 Kilometer von hier ist Krieg. Soldaten morden auf Befehl ihrer Regierungen. Städte werden zerbombt und friedliche Menschen müssen ihr Zuhause verlassen, müssen um ihr Leben fürchten… Wie geraten wir immer wieder in diesen Schlamassel?“ Ich nahm einen großen Schluck Bier. „Entschuldige, Birgit, der Tag ist viel zu schön, um sich solch schwere Gedanken zu machen.“
„Schon gut, Mr. Brasko. Alle Menschenkinder müssen da durch. Das Leben ist eine Art Zwischenstation hin zur Entfaltung der Seele. Du kannst es auch Metamorphose oder zweite Geburt nennen.“
„Einfacher und weniger schmerzhaft geht es wohl nicht?!“ diesmal grinste ich breit – ich aale mich gern im Sarkasmus. Wieder erschallte Birgits herzhaftes Lachen. Es hatte die Leichtigkeit von bunten Schmetterlingsflügeln. Dem Zauber ihres Lachens konnte man sich schwer entziehen. Einige Biergartenbesucher blickten zu unserem Tisch.

Die Zeit verflog nur so in der Gesellschaft Birgits. Sie musste gar nicht viel sagen. Ich dagegen redete wie ein Wasserfall. Sie gab mir dabei nicht das Gefühl, dass es ihr zu viel sei. Im Gegenteil, sie überließ den Gesprächsfaden ganz mir. Mit großem Interesse lauschte sie meinen Ausführungen über Gott und die Welt.
Im Nachschub holen und Bezahlen am Bierausschank wechselten wir uns ab. Die Sonne näherte sich bereits den Hausdächern. Ich fragte Birgit, wie lange sie noch Zeit habe. „Genaugenommen zwei Tage“, antwortete sie.

10 Gedanken zu “Brasko und der Engel (3)

      • nun ja. auch wenn es Liebesschmerz gab, war vor dem Schmerz Glück und Leichtigkeit. Man lernt niemanden kennen und ist von Anfang an im Schmerz und Leid gefangen.
        vielleicht sehe ich das auch falsch. kann sein.

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      • kann man über falsches glück glücklich sein? das wäre ja so, als wenn du dir von einem betrüger (z.b. auf einer kaffeefahrt) ein produkt aufschwatzen lässt… und darüber glücklich sein sollst. okay, du bist eine zeitlang glücklich mit diesem produkt, bis du merkst, dass es keinesfalls hält, was dir der verkäufer versprach/einredete. danach könnte man sich doch in den arsch beißen, oder nicht?
        gibt es was schlimmeres als den betrug in der liebe?

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      • ich sehe das anders. es gibt kein falsches Glück.
        Entweder gibt es Glück oder nicht.
        was ist Betrug in der Liebe? Wer jemandem auf immer und ewig Liebe und Treue schwört, kann nicht ganz bei Sinnen sein. Dies ist nur unter Verleugnung der eigenen Gefühle möglich. Alles kann sich jeden Tag ändern. Die Liebe lässt sich nicht einsperren. Sie ist ein freies Kind. Wer ist wessen Eigentum? Wer hat der Menschheit die Monogamie übergestülpt? Sicher keine Frau.
        Ein ganz einfaches Beispiel: Eine Frau hat 3 Kinder. Sie liebt alle Kinder. Wie wäre es, wenn sie 2 Kinder verstossen würde, weil sie doch nur 1 lieben kann?

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      • mit betrug meine ich nicht das auseinandergehen von (ehemals) liebenden, sondern lüge und vorspiegelung falscher tatsachen, das spielen mit den gefühlen des anderen.
        es gibt menschen, die monogam leben wollen und die liebe nicht teilen können/wollen. ich will mir nicht vorstellen, dass meine partnerin mit einem anderen mann intim ist. das wurde mir meines wissens nach nicht eingeimpft oder übergestülpt. ich fühle original so. vielleicht bin ich mehr ein löwe als ein rammler/kaninchen.
        wir menschen müssen uns akzeptieren, wie wir sind. darum sollte man in der liebe ehrlich sein…, auch wenn das den eigenen vorstellungen und wünschen entgegenläuft.
        ich machte meine erfahrungen. und sicher war ich nicht nur opfer, auch täter. ich brach herzen. ich agierte leichtsinnig.

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