Wumms!

Ich könnte in meiner Bude sitzen oder liegen und langsam vor mich hin mumifizieren. Keine schöne Vorstellung. Nur mal angenommen, ich kriege während des Schreibens eines Blogbeitrags einen Hirnschlag. Mein Kopf fällt auf die Tastatur vor mir (Wumms!), und das war`s. Im Hintergrund Bluesmusik, oder Spotify läuft mit dem Ambros-Song „Die Finsternis“ in Endlosschleife. Je nachdem. Könnte auch zufällig „Hey Jude“ von den Beatles sein oder „Gamma Ray“ von Birth Control oder oder oder.
Mein Kopf liegt auf der Tastatur, und aus meinem rechten Mundwinkel läuft Speichel auf das „S“ und das „D“. Auf dem Bildschirm der angefangene Text. Ich schreibe darin über Pickel am Arsch und Schnürsenkel, die aufgehen… Wahrscheinlich fand ich diese Dinge gerade interessant oder lustig. Auch ein philosophischer Zusammenhang ist möglich. Als letzten Satz stelle ich mir z.B. vor: „Die Pickel auf deinem Arsch waren mein Universum.“ Oder: „Das Ende einer Liebe ist wie ein Schlupf, der langsam aufgeht, und man merkt es nicht.“ Auch ganz banale letzte Sätze sind denkbar. Sogar wahrscheinlicher. Der Tod kommt allermeist völlig unpathetisch. Eher situativ witzig bis skurril. Ich erinnere mich an den alten Mann, der im Speisesaal starb, während alle gerade zu Mittag aßen. Er saß in seinem Rollstuhl zusammengesunken über seinem Essen und fiel nicht weiter auf. Als ich seinen Teller abräumen wollte, sah ich in sein aschfahles Gesicht und wusste sofort, dass Herr X das Zeitliche gesegnet hatte. Vorsichtig bugsierte ich ihn in seinem Rollstuhl an den anderen vorbei und winkte einen Kollegen herbei… Nicht nur beim Essen stirbt es sich gut, sondern auch auf dem Klo – beim letzten Schiss. Alles erlebt.
Ich bin also tot, und aus meinem Kopf weicht das Blut. Meine Augen verlieren ihren Glanz. Es ging schnell, wie ich`s mir immer gewünscht hatte. Kurz und schmerzlos. Danke lieber Gott für diese Gnade! Es gibt dich also doch. Nimm es mir bitte nicht krumm, dass ich nicht an dich glaubte. Ich war eine verirrte Seele. Schade nur, dass ich diesen Beitrag nicht mehr auf mein Blog stellen konnte. Mist aber auch! Er war fast fertig.

 

60 Gedanken zu “Wumms!

      • Nur weil du tot bist, lebe ich trotzdem. Wahrscheinlich. Es ging auch nur um die Verabschiedung und die Erinnerung. Mehr gibt es dann wirklich nicht. An ein Jenseits glaube ich nicht. Höchstens noch einen gewissen Nachhall in Menschen, die mit einem zu tun hatten. Aber das ist nicht übersinnlich.

        Liken

      • Ein letzter Gruß von dir und man erlebt dich so, wie du warst. Hoffentlich.. Ich habe schon Nachruf gehört und gesehen, da habe ich mich gefragt: „Von wem reden die?“ Oder sie waren heuchlerisch.

        Liken

      • wozu ein testament, wenn`s eh nichts zu vererben gibt? ein armengrab, und fertig. ich mache mir über sowas wenige bis keine gedanken.
        unangenhem ist mir lediglich die vorstellung, dass ich evtl. in meiner wohnung verrotte, bis ich aufgefunden werde. dagegen traf ich vorkehrungen.

        Gefällt 1 Person

      • Was für Vorkehrungen kann man denn da treffen? Ich habe über sowas noch nie nachgedacht, lebe ja in einer Partnerschaft. Aber der Herr über uns macht mir Sorgen. Der könnte evtl. verrotten, obwohl Verwandtschaft von ihm hier wohnt.

        Gefällt 1 Person

      • ich würde lügen, wenn ich nicht noch ein bisschen leben wollte. zwingend notwendig ist es aber auch nicht. was soll ich noch zustande bringen? ich habe keinen plan. also werde ich noch ein wenig auf diesem planeten herumdümpeln. gesagt ist so gut wie alles über die menschen und den zustand der welt. erhellende perspektiven gibt es weder für mein leben noch für die menschheit. trotzdem kann man noch etwas spaß haben – gute gespräche führen, ein gedicht schreiben, ein bild malen, eine reise unternehmen…
        hellseher ist niemand. aber prognosen kann man schon abgeben.

        Gefällt 1 Person

      • Also was du noch alles machen könntest… Klingt doch nach was! Manchmal hörst du dich an wie meine Mutter. Alles muss einen Sinn haben. Manchmal ist der Sinn einfach, dass man Spaß an etwas hat. Den gönne ich dir auf jeden Fall!

        Gefällt 1 Person

      • etwas sinn im dasein zu sehen, fände ich persönlich nicht schlimm. ein sinn im leben lässt sich aber nicht backen. mein sinn war bis dato, einfach relaltiv frei zu denken, zu träumen, zu leben… das habe ich sogar erreicht – also im maße des mir möglichen. kann sein, dass darunter meine sozialen kontakte litten. aber so ist es nunmal. alkis sehen keinen guten zeiten entgegen… in einer gesellschaft, die den moralischen zeigefinger hochhält. wenigstens ist berlin in dieser hinsicht noch relativ cool.
        es ist jedenfalls nicht so, dass ich keinen spaß in meinem leben hatte. mag`s halt am liebsten etwas tiefsinniger und nicht so oberflächlich.

        Gefällt 1 Person

      • Nein, das hast du falsch verstanden. Die Definition von „Sinn“ ist ausschlaggebend. Wenn „Sinn“ immer nur „für andere oder allgemein nützlich“ beinhaltet, wird es irgendwann doof. Gegen Plattheiten habe ich auch was, aber die Gesellschaft entwickelt sich immer mehr in diese Richtung. In gewissem Maße habe ich mich schon angepasst, merke ich. Aber meine Studien- und damit die ganz tiefgründigen Zeiten liegen auch schon eine ganze Weile zurück.

        Liken

      • für mich bedeutete sinnsuche immer was urpersönliches – also nicht in hinsicht des vernunftdenkens mit dem ziel, nach dem duktus der umgebenden gesellschaft erfolgreich und angepasst zu leben.
        mir lag schon immer die freiheit sehr am herzen – und da bin ich froh, dass ich in deutschland nicht vor 1945 geboren wurde.
        trotzdem blieben auch in unserer „freiheitlichen“ demokratie viele zwänge und unfreiheiten, die mit dem gesellschaftssystem zusammenhängen oder mit der vorherrschenden meinung. das wird aber immer so sein…, egal wo man unter menschen lebt. ich finde auch nicht alle gebote, regeln und konventionen schlimm. einige sind sehr nützlich, um trotz diversitäten ein friedliches miteinander aufrechtzuerhalten.
        mir erscheint das leben in deutschland allerdings zunehmend überreglementiert, verlogen und oberflächlich… diese entwicklung seit den siebzigern bedaure ich.

        Gefällt 1 Person

      • Für mich ist diese Entwicklung erst seit den 90-ern ersichtlich. Früher lebte ich in der anderen Welt. Anders verlogen, aber weniger oberflächlich.

        Liken

      • das ist wahrscheinlich der perspektive deines jüngereren lebensalters geschuldet.
        ich wurde anfang sechzig geboren und wuchs in das wirtschaftswunderland und das achtundsechziger lebensgefühl hinein, das noch bis in die siebziger/achtziger nachhallte. aber bereits mitte der siebziger wurde es immer oberflächlicher… für mich sichtbar an der aufkommenden discomusik und dem immer stärker werdenden einfluss des konsums auf den menschen. lediglich die grüne bewegung gab mir damals noch hoffnung. leider verflachte diese dann auch in den neunzigern – die realos siegten. der kapitalismus saugte alles auf, ohne dass es die menschen als gefahr wahrnahmen. im gegenteil waren sie zunehmend betäubt und abgelenkt von den konsummöglichkeiten.
        als dann die ddr von der brd 1990 regelrecht einverleibt wurde, war der käs in diesem land gegessen. erst jetzt, 30 jahre später, werden die wachstums- und kapitalismuskritischen stimmen wieder etwas stärker… auch auf dem hintergrund des klimawandels.

        seit ich als junger mann bemerkte, wie rücksichtslos der lebensraum für industrie und individualverkehr verbaut wurde, fühle ich mich zu dieser gesellschaft nur eingeschränkt zugehörig. die politiker, die ich durch mein kreuz bei den wahlen unterstützte, waren stets in der opposition. grausam…, wenn du 16 jahre kohl, einen selbstherrlichen schröder und 16 jahre merkel erlebst und nichts dagegen machen kannst… gar nichts!! politisch gesehen bin ich totalfrustriert!
        als mensch sage ich mir: okay. es waren alles mehrheitsentscheidungen. sie wollten es so. scheiße nur für die welt und die nächsten generationen.

        Gefällt 1 Person

      • Na, ich bin ein Kind der DDR. Genau deshalb habe ich das alles erst ab den 90-ern erlebt. Gelogen wurde bei uns auch, aber anders. Letztlich war das ganze System anders… Heute ist es nicht besser, leider. Nur anders und Vieles noch subtiler.

        Liken

      • Ich verstehe. Der Sozialismus war als Ideologie gerechter, unterdrückte aber die Menschen, besonders jene, die das System kritisierten. Der kapitalistische Westen spiegelte Freiheit vor und fickte die Gerechtigkeit.
        Ich bin froh, dass ich in der BRD groß wurde. Dieses engstirnige Ost-Regime hätte mich noch unglücklicher gemacht.
        Ich kann es also drehen und wenden, ich kann nirgendwo eine politische Heimat entdecken.

        Gefällt 1 Person

      • Ja, so geht mir das auch. Ich meinerseits bin froh, dass ich auf der anderen Seite aufgewachsen bin. Möglicherweise hätte ich das später anders gesehen, ich war zur Wende erst 20.

        Liken

      • Ich fing etwa mit 15 mit dem gesellschaftskritischen Denken an. Also so richtig. Ich konnte sagen, was mir überhaupt nicht gefiel. Nicht einfach so – ich argumentierte und suchte die Diskussion.
        Das war die Zeit, wo ich anfing, Gedichte zu schreiben und meine ersten Bilder zu malen.

        Gefällt 1 Person

      • In dem Alter war ich leider mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich beneide dich fast ein bisschen für deine geistige Freiheit. Die hatte (und habe ich manchmal noch) nicht.

        Gefällt 1 Person

      • geistige freiheit ist das eine – das umsetzen in der welt das andere – kann zum bruch mit der welt führen und damit zur isolation.
        brauchst mich also nicht gerade beneiden. ich kämpfe mit lethargie und schwermut. man darf sich die geistige freiheit nicht als einen quell der lebensfreude vorstellen.

        Liken

      • Hm, wenn die geistige Freiheit unterdrückt wird, ist das aber auch nix. Und immerhin kämpfst du. Ich hatte schonmal damit aufgehört.
        Wie man’s dreht und wendet – alles Mist irgendwie! Bis auf paar hübsche Momente zwischendurch.

        Liken

      • es ist ein kampf gegen windmühlen – tragikkomisch. geht nur mit einer großen portion selbstironie. und bringen tut`s letztlich nichts. es wie ein weg ins nirgendwo.
        jeder mensch kämpft um sein leben, je nachdem, was ihm wichtig ist. ansonsten müsste man sich umbringen – konsequenterweise.
        ja, ich hatte auch ein paar schöne momente, meistens in der liebe. oder in momenten, wo ich mich wirklich frei fühlte…

        Liken

      • Siehste, doch was Positives. Was empfindest du eigentlich, wenn du mal mit dem Rad fährst?
        Ja, umbringen – oft dran gedacht. Letztlich auch zu lethargisch dafür gewesen. Langsam geht es weg davon.

        Gefällt 1 Person

      • für selbstmord hänge ich dann doch zu sehr am leben. ich habe mich damit abgefunden, dass es mich gibt. oder: meine „normale seite“ siegt über meine beklopptheit.
        ich unternahm nur zwei versuche, mich zu töten. beide misslangen relativ schändlich.

        meine radreisen wurden für mich zum highlight eines jeden jahres. auf ihnen habe ich diese sagenhaften momente des freiheitsgefühls, von denen ich im letzten kommentar sprach.

        Gefällt 1 Person

  1. Zitat: „Ich könnte in meiner Bude sitzen oder liegen und langsam vor mich hin mumifizieren“ Düsterer kann eine Einleitung nicht sein, aber trotzdem musste ich laut lachen, als ich das gelesen habe. Und dann das anschließende Szenario, dass du dazu geschildert hasst. 😀
    Das Gute an solchen einem Szenario ist, wenn er dann tatsächlich eintreten sollte, dass man ihn nicht mitbekommt. Das ist dann ein Trost.

    Liken

      • du unterschätzt die intelligenz von schafen. sie sind als herdentier geboren und machen genau das, für was sie prädestiniert sind.
        bei uns menschen verhält sich das etwas anders. eigentlich hätten wir die möglichkeiten, als vernunftwesen moralisch zu handeln. das machen wir aber in der breite mangelhaft. wir verhalten uns wie zombies… als beispiel führe ich nur mal den weihnachtsirrsinn an oder black friday. das verhalten der menschen ist vergleichbar mit dem verhalten von zombies. sie stürzen sich wie im rausch auf die konsumgüter… schafe würden das nie tun. wenn sie satt sind, legen sie sich auf die wiese und pennen.

        Liken

      • ein anderes beispiel:
        krebszellen sind sowas wie zombiezellen für den menschlichen organsismus. sie sind außer rand und band… ähnlich verhält es sich mit den menschen hinsichtlich des ökosystems erde.

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.