Für die Katz

Die Wörter sitzen in meinen Eingeweiden. Ich warte, bis sie langsam hoch rutschen. Ich spüre sie bereits. Sie sind noch nicht konkret. Ein paar Stoßgebete schicke ich nach unten, um sie zu reizen. Doch nichts passiert. Die Wörter brodeln vor sich hin, ungeordnet und sinnlos. Als Inspiration drehe ich die Musik auf. Yeah! Trey Anastasio! Gar nicht mal schlecht, oder was meint ihr? Ein paar Wörter rülpsen. Mehr tut sich nicht. Das ist schlimmer als eine Verstopfung! Vielleicht hilft ein Kaffee. Oder soll ich mir gleich einen Drink mixen? Es ist erst 10 Uhr. Scheiß drauf. Zum warm werden. Was ist das überhaupt für ein Maiwetter!? Die Hände kalt auf der Computertastatur. 15°Celsius im Zimmer. Verfickter Mittwochmorgen! Mit Wörtern, die in den Eingeweiden festsitzen. Der Fernseher läuft stumm. „How I met your Mother“ – die tausendste Wiederholung. Welcher Motherfucker hat sich diese scheiß Serie ausgedacht?!? Schimpfen tut gut. Schimpfen reinigt die Seele. Die Wörter in mir juchzen. Gel, das gefällt euch. Ich reibe mir die Hände. Zur Vorbereitung Schwachsinn schreiben. Manchmal wird was draus. Ich wippe im Rhythmus der Musik. Scheiß alt ist der Bürostuhl mit dem roten Polster, auf dem ich sitze. Der dürfte bald vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Nur ich bin älter, HAHA!
War wohl ein Schuss in den Ofen – ich warte vergeblich auf die Wörter. Obwohl ich meinte, sie bereits zu spüren, als wären sie kurz davor, hoch zu kommen. Es klappt oft. Ich muss nur anfangen. Mit irgendwas anfangen, und es geht automatisch weiter. Die Wörter ordnen sich dann ohne mein Zutun zu Sätzen, und die Sätze wiederum zu Absätzen. Ich muss dabei nicht viel denken. Ja, das merkt man, HAHA, nicht wahr? Die meisten Gedichte schreibe ich so. Ich bringe mich in Stimmung und lege los, ohne Idee – es muss bloß ein erster Satz her, ein richtig blöder Satz, ein Satz, der einem gleich zu Anfang zu denken gibt, so was wie „Ein Eichhörnchen springt von Ast zu Ast“ oder „Ich lag mit offenem Mund auf einer Wiese und trank Himmel“. Profan aber gut. Die Assoziationskette hat ihren Anfang, und die Wörter hüpfen mir wie junge Fohlen entgegen. So sollte es sein.
Heute wie an anderen Tagen ist der Wurm drin. Dabei dachte ich, den Dreh raus zu haben. Für alle Zeiten. Nur ist es jedes mal anders. Mit dem Schreiben ist es nicht wie mit einem Kuchenrezept. Die Bedingungen ändern sich ständig. Das Schreibuniversum hat jeden Tag andere Naturgesetze. Jedenfalls bei mir. Ich kann sowieso nur von mir sprechen. Freilich, im Großen und Ganzen bleibt es gleich. Doch die verfickten Feinheiten ändern sich ständig. Wieso erkläre ich das überhaupt? Für wen? Wer will so was wissen? HAHA! Ich will mich selbst etwas aufmuntern. Die meiste Zeit fickt man sich selbst. Aus Langeweile, oder wie man es nennen will. Es kann auch Frust sein. Oder eine Wörter-Verstopfung. Am Besten ignoriert man einfach alles, das Leben und die Sonne und den Himmel und die Bäume und die Mitmenschen und die Wörter und den Dreck und das eigene Selbst, was man so den ganzen Tag lang macht, was man jeden Tag macht, ohne darüber großartig nachzudenken, weil es sowieso keinen Sinn macht, weil alles, was man weiß, gar nichts wert ist, weil das Eichhörnchen mehr Ahnung vom Leben hat, weil wir nichts als Popanze sind, die sich alles mögliche einbilden, Einbildungsaffen sind wir, ignorante Einbildungsaffen …
Mehr kam nicht. Schon wieder leer. Kotzen mit Wörtern. Ich dachte, es würde etwas mehr in mir stecken. Heute Morgen. Ein bisschen dünn die Ausbeute.
Gerade läuft ein Song von U2 „I still haven`t found what I`m looking for“. Kann man so sagen.
Es gibt nicht mehr zu sagen.

4 Gedanken zu “Für die Katz

  1. vielleicht ist es ja nicht deine absicht gewesen, aber du hast mir mit deinem text grad ein lächeln geschenkt…danke 🙂
    viele grüße von nachtschichtler zu nachtschichtler…bei mir kommt jetzt der angenehme wenn auch anspruchsvolle teil…ich hole mein enkelchen von der schule…

    Gefällt mir

  2. eine regelrechte schreibblockade habe ich nicht. und mit stephen king würde ich mich niemals vergleichen. der schreibt ganz anderen scheiß als ich.
    ich schreibe echte horrorgeschichten. die echt echten. ich setze mich dabei nicht unter erfolgsdruck. der horror des lebens geht auch ohne meine dichterischen ergüsse weiter.
    ich schreibe für die katz. ich schreibe, weil es besser ist als däumchendrehen. ich schreibe, weil es mir spaß macht. ja, es macht mir spaß, die wörter hochkommen zu spüren … es ist (sogar für mich) spannend.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.