Mein Baum

Wenn ich mir meine Lebenslinie als einen Weg vom Stamm hinauf in die Krone vorstelle, als eine Möglichkeit von vielen, je nachdem, ob ich an der Astgabel den Weg links oder rechts nehme, und es zwischen Lebensanfang und -Ende tausende solcher Abzweige gibt, und jedes Mal mein Ich kopiert wird  in eines, das links – , und eines, das rechts den Weg weitergeht usw. – usf., immer wieder eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie entsteht, bis ich ganz oben in der Baumkrone ankomme als ein Schatten meiner selbst… doch auch als Teil eines viel größeren Gesamt-Ichs, welches von dem Baum mit allen seinen Verästelungen und Wegen gebildet wird, das ich nicht erkenne, weil ich nur einen Weg sehen kann, genau diesen einen, der sich mein Leben nennt…; wenn ich daran denke, dass ich auf der anderen Seite trotz meiner immer blasser werdenden Gegenwärtigkeit, den ganzen Baum repräsentiere mit all den anderen kopierten Ichs, die an anderer Stelle in der Krone ankommen, die womöglich dasselbe denken und fühlen, mit denen ich zusammen den gesamten Baum bilde, durch die Zeit und alle Möglichkeiten, wie jeder Würfelwurf gleichsam für alle Würfe steht, obwohl im Ergebnis anders, und jeder Mensch, egal, wo er auf die Welt kommt, für uns alle der Spezies Mensch steht, weil wir trotz unserer Unterschiedlichkeiten auf dieselben Wurzeln zurückblicken…; wenn ich derart in den Tag hineinträume, als könnte mein Selbst jeden Moment verschwinden wie ein Herbstblatt, das einsam zu Boden schwebt und sich im Dreck der Straße auflöst…, dann bin ich zurück, ganz bei mir.