Schieflagen

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Der Campingbetreiber, bei dem ich in Jaroslawiec unterkam, sah aus wie der Schriftsteller Wiktor Pelewin, von dem einige Bücher in meinem Regal stehen. Ich war der einzige Zelter auf seinem Platz. Nachdem mein Zelt stand, schleppten wir gemeinsam einen Tisch mit Bank zu meinem Zelt. Es war seine Idee… Na gut, warum nicht.
Am Abend, nachdem ich das (sehr schöne) Ostseebad Jaroslawiec besichtigt hatte, trank ich am Tisch vor meinem Zelt einen Rotwein und genoss meine Lieblingsmusik aus den Ohrhörern. Ich floss nach der Anstrengung des Tourtages mental dahin…
Plötzlich erschien Wiktor Pelewin wie aus dem Nichts bei mir und begutachtete meine Flasche Rotwein. Sein Angebot: Er hätte da was Besseres, einen Wein aus eigener Herstellung, der mindestens doppelt so stark sei. Pelewin ließ sich nicht davon abbringen, stellte also eine gut halbvolle Flasche seiner Produktion (siehe oben – da hatte ich aber schon davon genippt) vor mir auf den Tisch…
War wirklich süffig – obwohl ich lieber trockene Weine trinke. Leider konnte ich Pelewin nicht dazu bewegen, sich zu mir zu setzen. Schade.

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Ähnliche Schieflagen habe ich auch zuhause mit Wiktor Pelewin im Bücherregal (z.B. heute) (mit Musik ohne Ohrhörer).

Antimaterie

Wir leben also alle in einer Computersimulation, weil sich Materie- und Antimaterieteilchen nicht gegenseitig auslöschten, was sie aber nach heutigem Stand der Physik hätten tun müssen – damals beim Urknall. Das Universum, wie wir es heute sehen, dürfte es gar nicht geben. Gut. Ich wusste schon immer, dass irgendwas faul an der Sache ist. Aber eine Computersimulation? Nicht, dass ich so ein Leben in der Matrix für unmöglich hielte, aber wer oder was hat sie konstruiert? – und wozu der ganze Scheiß? Gott als Cyber-Freak?

Sonntag. Meine Waschmaschine läuft. Ich stelle mir vor, sie wäre eine Art Miniatur-Teilchenbeschleuniger, komme aber mit dem Gedanken nicht recht weiter… Ich habe ein Fantasieproblem. Vielleicht liegt es an der Hitze. Vielleicht habe ich noch nicht genug Drinks intus. Der Tag liegt vor mir wie ein offenes Scheunentor ohne Ideen. Das Pub öffnet erst 17 Uhr. Der Wirt ist in Urlaub. Bleibt freilich der Biergarten, der aber am Nachmittag brechend voll sein wird. Raus will ich auf alle Fälle. Vielleicht mit ein paar eisgekühlten Getränken in den nahen Park setzen und lesen: „Omon hinterm Mond“ von Wiktor Pelewin. Den Autoren kann ich nur empfehlen – sehr gut, wenn man ein Fantasieproblem hat.
Nur nicht zu früh starten, sonst kacke ich ab – wie gestern. Ich unterschätzte das Gemenge von Hitze, Sonne und Alkohol. Als ich am späten Nachmittag im Pub ankam, strich ich bereits nach einem Bier wieder die Segel. Normalerweise verlasse ich den Laden nicht unter drei. Es war mir fast peinlich – schließlich hat man seine Trinkerehre.

Wie aus dem Nichts kommt mir die Idee für einen Cocktail, den ich „Antimaterie“ nenne und im Schleudergang meiner Waschmaschine mixe. Geil.
Allen einen schönen Sonntag!