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Er steht seit Monaten im Regal. Wird Zeit, dass ich ihn verkoste. Ein Zurück gibt`s nicht mehr. Sieht aus wie Pisse. Den ersten Schluck habe ich schon hinter mir – etwas gewöhnungsbedürftig für meine an Bier und Wein gewöhnten Geschmacksknospen. Aber ich will Glen Buchenbach nicht gleich abhaken. Wäre auch seltsam, wenn ich schlagartig zum Whisky-Fan würde. Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Whiskeysorten habe ich nicht. Ich glaube, ich nippte nur ein einziges Mal an einem Whiskycola. In Erinnerung blieb mir ein widerlicher Käsefußgeschmack. Also, ein déjà gouté habe ich schon mal nicht. Oder doch?! – ich rieche nochmal… Es ist nur viel länger her, reicht zurück in meine Kindheit… Als Kind naschte ich übermäßig Süßigkeiten, was freilich Karies förderte. Die Löcher in den Zähnen folgten auf dem Fuße. Wenn ich dann über tierische Zahnschmerzen klagte, fabrizierte meine Mutter einen in einer Tinktur getränkten Wattebausch in das Loch des kranken Backenzahns. Dass die Tinktur ein alkoholisches Getränk war, wusste ich alsbald – und nun bin ich sicher, dass es sich um Whiskey handelte, der mich damals benebelte und den Zahnschmerz schnell verfliegen ließ. Mit der Zeit gefiel mir dieses Gefühl gut. Ich biss solange auf den Wattebausch, bis nichts mehr aus ihm rauszuholen war… Genaugenommen fing damit meine Trinkerkarriere bereits im smarten Alter von 4-5 Jahren an.

Das Whiskyglas steht leergesüffelt auf dem Schreibtisch. Soll ich nachgießen? Nein, ich gehe es besser langsam an und mache mit Bier weiter. Das Zeug steigt einem wirklich schnell zu Kopfe.

Man kann nicht alles haben

Eine kleine schwäbische Brennerei verlor kürzlich vor Gericht gegen die großen schottischen Whiskyhersteller den Streit um den Namen ihres Whiskys. Sie dürfen ihn nicht mehr Glen Buchenbach nennen, Glen (= Tal) sei allein den schottischen Whiskyherstellern vorbehalten.
Am Tag der Urteilsverkündung sah ich zufällig eine kurze TV-Reportage zur Sache. Sehr sympathisch dieser schwäbische Familienbetrieb, vor allem Oma Gerlinde. Ein kostender Kunde meinte: „Das schmeckt ja grad, als wenn dir ein Engele auf die Zung brunzt.“ Wow! dachte ich bei mir, in den Genuss sollte ich auch mal kommen. Bis dato zeichnete ich mich eher als Whiskyverächter aus. Kann gar nicht genau sagen, warum. Vielleicht einmal probiert und nicht auf den Geschmack gekommen. Jedenfalls machte mich der Glen Buchenbach neugierig. Ich wollte Whisky in meinem Leben eine zweite Chance geben und besuchte die Website der Brennerei, wo sie ihre Produkte auch zum Verkauf anbieten. Vergriffen! Freilich, hätte ich mir denken können. Durch die Medienaufmerksamkeit wurden auch andere scharf auf den Glen Buchenbach. Ein seltenes Tröpfchen bei einer jährlichen Produktionsmenge von nur 300 Liter. Ich hätte gern eine Flasche ergattert. Und wenn mir der Whisky nicht mundete, wäre ich immer noch im Besitz einer einzigartigen Flasche mit dem Etikett Glen Buchenbach gewesen, z.B. als Kerzenständer!