Besonders Sonntags

Wobei ich sagen muss: Ich war schon immer faul wie ein Waschbär. Ich brauche dazu kein Corona. Wörter wie „Fleiß“ und „Arbeit“ sind bei mir absolut negativ besetzt. Lieber auf der Couch abhängen und Bier saufen. Dazu die Glotze einschalten. Irgendwas läuft immer. Gestern Vormittag lief „Eine schrecklich nette Familie“ – auf welchem Kanal war das nochmal? Ed O`Neill als Al Bundy – ich liebe diesen Typ!
Wie oft habe ich mich eigentlich schon am Sack gekratzt? Heute noch nicht? Dann wird`s aber Zeit. Morgen ist schon wieder Montag, und ich muss fünf Tage lang so tun, als ob ich arbeite… Wat mutt dat mutt, sagte schon Konfusius. Ich liebe alte Weisheiten.
Die Waschmaschine läuft. Solche Sachen erledige ich immer früh am Tag. Später habe ich keine Böcke mehr. Ich denke rationell. Was weg ist, ist weg. Wieder so eine Weisheit. Mein Leben ist voll davon. Und mein Glas schon wieder leer…
Das Bier im Kühlschrank schmilzt dahin. Ich sollte mir nachher was liefern lassen, und gleich noch eine Pizza (oder besser zwei Pizzen) dazu. Die gebeutelte Gastronomie unterstützen. Und dem Typen von Lieferando ein ordentliches Trinkgeld geben. So bin ich halt.



Und wieder ist Sonntag

Hertha kam noch zum Ausgleich gegen Bremen. Ich fand keinen Platz mehr an der Bar und setzte mich in die hinterste Ecke an einen Stehtisch. Meine obligatorischen drei Bier reichten etwa bis zur 85sten Minute des Spiels. Die Herthafans hofften noch auf ein Siegtor. Ich nicht.
Zuhause entledigte ich mich meiner Klamotten bis auf Boxershorts und T-Shirt und machte mich ans Essenmachen. Seltsamerweise habe ich kaum noch eine Erinnerung daran. Es waren doch nicht etwa K.O.-Tropfen in einem der Biere? … Natürlich nicht. Bevor ich ins Pub ging, hatte ich bereits zwei Flaschen Wein intus. Wahrscheinlich guckte ich in der Mediathek noch einen der neuen Miss Marple Filme (mit Darstellerin Julia McKenzie) und dämmerte dabei weg.
Heute Morgen erforschte ich am Geschirr und Abfall, was es gestern Abend zu essen gab. Sah nach Pellkartoffeln mit Quark und Sauerkraut nach koreanischer Art aus. Inzwischen läuft die Waschmaschine mit der Wochenschmutzwäsche und im Hintergrund die obligatorische Sonntagsbluesmusik. Mal höre ich mehr auf die Waschmaschine, mal mehr auf den Blues. Interessante Mischung. Ich bin erstaunt darüber, wie hell es heute ist. Schön.

 

Stress ist nicht mein Ding

Zwei Kinofilme starten, die mich reizen: „1917“ ein Kriegsdrama, und „Mach dein Ding“ über Udo Lindenbergs Anfangszeiten. Die Streifen laufen sicher einige Wochen. Schön. Es wird irgendwann passen. Vielleicht schon dieses Wochenende – obwohl ich lieber warte, bis der erste Run vorüber ist.
Auf der Staffelei steht eine Leinwand, die sich langsam mit Farbe füllen soll, aber auch da mache ich mir keinen Stress. Stress war noch nie mein Ding. Am liebsten wäre ich als Pflanze auf die Welt gekommen. Zu einer Zeit, bevor der Mensch die Natur verhunzte. Ich wäre ein kleiner Apfelbaum, der verträumt in der Landschaft stünde…
Es gibt noch zwei mediale Ereignisse, die mich dieses Wochenende reizen: Das Spiel „Deutschland – Kroatien“ in der Hauptrunde der Handball-EM und „Bayern – Hertha“ Fußball Bundeliga Rückrunde. Als Alleinlebender guckt man immer nach ein paar Lichtpunkten im Alltag. Ablenkung halt.
Die Waschmaschine läuft. Mal nicht mit Schmutzwäsche. Ich färbe eine Strickjacke und ein paar T-Shirts um und warte gespannt auf das Ergebnis. Noch eine halbe Stunde.
Strahlend blauer Himmel beim Blick aus dem Fenster. Ich atme das Licht ein.

Es gibt immer ein erstes Mal

Man muss sich mit allerlei Sachen in einem Haushalt beschäftigen, geschuldet den vielen Objekten, die im Alltag mittlerweile in schöner Regelmäßigkeit lästige Arbeiten für uns verrichten oder anderswie für unsere Annehmlichkeit sorgen. Wir wissen gerade noch, wie man sie zweckmäßig nutzt, aber das war`s dann auch. Muss ich z.B. bis ins Detail wissen, wie eine Waschmaschine funktioniert? Die wenigsten von uns sind Handwerker, Tüftler oder Techniker. Die erste Waschmaschine, die ich bediente, gehörte meinem Vermieter. Die Einweisung erfolgte kurz und knapp. Von einer Wartung/Säuberung keine Rede. Vorher wuschen die Eltern meine Wäsche. Sie machten es gern. Für sie ein Grund, mich regelmäßig zu besuchen. Ich wohnte sehr lange in einer Art Studentenbude mit Gemeinschafts-Toilette und -Dusche. Ich hauste sehr bescheiden. Aber natürlich ging mir die Abhängigkeit von meinen Eltern auf den Geist. Drum war ich froh, dass ich nach meinem ersten Umzug (nach dem Auszug aus dem Elternhaus) in der neuen Wohnung eine Waschmaschine meines Vermieters zur Nutzung bereitstand. Fantastisch! Ich war bereits über 40 und bediente zum ersten Mal eine Waschmaschine! So weit so gut. Es gab nie Probleme damit.
Seit ich in Berlin wohne, besitze ich eine eigene. (Die läuft gerade.) Ein Toplader, der perfekt in die Nische passte, wo die Anschlüsse sind. Anfangs war ich darauf stolz wie Graf Rotz. Inzwischen vier Jahre her. Die Waschmaschine läuft meist 1x am Wochenende. Wie das so ist, gewöhnt man sich an die regelmäßige Nutzung der Haushaltsgeräte und beschäftigt sich nicht weiter damit…, solange alles funktioniert.
Heute Morgen, als ich die Waschmaschine anstellte, vernahm ich ein Quietschen, nicht besonders laut, aber es beunruhigte mich. Also befragte ich wie immer, wenn ich von einer Sache wenig bis keine Ahnung habe, Prof. Google und stieß auf technische Begriffe wie „Keilriemen“ und „Lager“. Bitte nicht! dachte ich bei mir, ich will nicht, dass mein Weihnachtsgeld für eine neue Waschmaschine draufgeht – was könnte es denn sonst sein? Irgendwann ploppte bei meiner Recherche ein Wort auf, dass ich bis dato weder gelesen noch gehört hatte…
„What`s the hell ist Flusensieb !?“ Und tatsächlich entdeckte ich an meiner Maschine eine Klappe, hinter welcher es sich verbergen soll. Eine Reinigung des Flusensiebs wird bei mittlerer Benutzung alle sechs Monate anempfohlen. Dann wird`s aber langsam Zeit – was wohl alles zum Vorschein kommen wird? Hoffentlich ist es damit getan.
Noch 40 Minuten, bis das aktuelle Waschprogramm abgeschlossen ist. Danach werde ich zum ersten Mal das Flusensieb meiner Waschmaschine bergen…

Spaghetti nach dem Regen

Kürzlich hatte ich eine Vision: Ich sah vor meinem geistigen Auge die Figur eines Mischwesens, halb Mann, halb Frau. Der Kopf mit einem langen Vollbart, wie ihn traditionell viele Moslems tragen, der aber seit einigen Jahren auch bei westlichen Männern stark in Mode ist (siehe z.B. Bloggerkollege Hypermental), Gesicht und Haarschopf waren von meiner Ex; und der Oberkörper: rechts die behaarte Brust eines Mannes, links eine weibliche Brust mit mehreren Brustwarzen… oder mehrere dicht aneinanderliegende weibliche Brüste mit je einer Brustwarze – genau habe ich es nicht mehr in Erinnerung. Jedenfalls hingen daran mehrere Missgeburten, die gesäugt wurden. Als ich diese Eingebung hatte, saß ich im Biergarten und schaute Löcher in die Luft. Die Bedeutung erschließt sich mir nicht. Wäre aber ein interessantes Motiv zum Malen.

Die Waschmaschine läuft. Endlich wieder Wochenende! Meine Bürokollegin war ungewöhnlich gut drauf. Sie freute sich darauf, mit ihrem Enkel zum Feuerwehrfest zu gehen. Ich nahm mir das Bierfest auf der Karl-Marx-Allee vor. Hoffentlich bleibt es trocken… Und hoffentlich treffe ich bei meiner kleinen Rundfahrt durch Berlin nicht auf meine Ex (man soll den Teufel nicht an die Wand malen).

Ein Starkregen läutete das Wochenende ein. Ich schaffte es gerade noch in die trockene Höhle des Pubs…, genoss das Geräusch des prasselnden Regens, den Blick hinaus auf die Straße und die frische Luft, die in den Schankraum strömte. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Und so trank ich mehr als meine üblichen drei Bier.
Es sah irgendwann danach aus, als ob der Regen nachließe. Noch ein Bier? Nein, ich hatte genug. Obwohl ein netter Kerl neben mir saß, der mir zwischenzeitlich seine halbe Lebensgeschichte erzählte. Etwas schleppend, aber wirklich interessant. Er hatte alles hinter sich und wartete auf das Ende. Keineswegs verbittert – ganz im Gegenteil: er genoss seine Freiheit „jetzt und hier“. Lediglich seine Krankheiten und Gebrechen schränkten ihn ein – aber naja. Mir ginge es ähnlich, meinte ich – doch war klar: er hatte einen Vorsprung
Zuhause rieb ich mir die Haare mit einem Handtuch trocken und kochte Spaghetti.

Antimaterie

Wir leben also alle in einer Computersimulation, weil sich Materie- und Antimaterieteilchen nicht gegenseitig auslöschten, was sie aber nach heutigem Stand der Physik hätten tun müssen – damals beim Urknall. Das Universum, wie wir es heute sehen, dürfte es gar nicht geben. Gut. Ich wusste schon immer, dass irgendwas faul an der Sache ist. Aber eine Computersimulation? Nicht, dass ich so ein Leben in der Matrix für unmöglich hielte, aber wer oder was hat sie konstruiert? – und wozu der ganze Scheiß? Gott als Cyber-Freak?

Sonntag. Meine Waschmaschine läuft. Ich stelle mir vor, sie wäre eine Art Miniatur-Teilchenbeschleuniger, komme aber mit dem Gedanken nicht recht weiter… Ich habe ein Fantasieproblem. Vielleicht liegt es an der Hitze. Vielleicht habe ich noch nicht genug Drinks intus. Der Tag liegt vor mir wie ein offenes Scheunentor ohne Ideen. Das Pub öffnet erst 17 Uhr. Der Wirt ist in Urlaub. Bleibt freilich der Biergarten, der aber am Nachmittag brechend voll sein wird. Raus will ich auf alle Fälle. Vielleicht mit ein paar eisgekühlten Getränken in den nahen Park setzen und lesen: „Omon hinterm Mond“ von Wiktor Pelewin. Den Autoren kann ich nur empfehlen – sehr gut, wenn man ein Fantasieproblem hat.
Nur nicht zu früh starten, sonst kacke ich ab – wie gestern. Ich unterschätzte das Gemenge von Hitze, Sonne und Alkohol. Als ich am späten Nachmittag im Pub ankam, strich ich bereits nach einem Bier wieder die Segel. Normalerweise verlasse ich den Laden nicht unter drei. Es war mir fast peinlich – schließlich hat man seine Trinkerehre.

Wie aus dem Nichts kommt mir die Idee für einen Cocktail, den ich „Antimaterie“ nenne und im Schleudergang meiner Waschmaschine mixe. Geil.
Allen einen schönen Sonntag!

Nicht von dieser Welt

Wie ein Tiger im Käfig wandere ich zwischen dem Kochtopf mit den Pellkartoffeln und der Staffelei hin und her. Zwischendurch beantworte ich ein paar Blog-Kommentare. Ich kriegte gar nicht mit, dass die Waschmaschine inzwischen ihre Arbeit beendete. Schön, dann kann ich die Wäsche aufhängen. Aber erst die Pellkartoffeln von der Herdplatte nehmen und das Wasser abgießen. Dann zurück zur Staffelei und ein paar Pinselstriche. Keine neuerlichen Antworten auf den Blogs. Das Bloggen sollte nicht in Stress ausarten. Wie sieht`s eigentlich draußen aus? Gar nicht so übel, soweit ich es überschauen kann. Der grüne Ferrari steht etwas abseits. Ich erblicke ihn gerade noch aus dem Augenwinkel. Parkplätze sind rar. Keine Ahnung, warum er sich nicht einfach wie sonst auf dem Gehsteig vor meinem Fenster platzierte. Wahrscheinlich macht er das nur, wenn sonst nichts frei ist. Klar! Meinen hellsten Verstand habe ich heute nicht gerade eingeschaltet. Muss auch nicht immer sein. Wenn ich nur mal an diese Fußball-Geschichte denke. Echt anstrengend für die paar grauen Zellen, die mir noch verblieben. Bin ich ein Nationalist, wenn ich mir im Rahmen einer Weltmeisterschaft wünsche, dass die Deutschen siegen? Scheiße – mit dieser Frage habe ich mir ein Ei gelegt. Dazu müsste man erstmal die Geschichte und die Ausprägungen von Nationalismus erörtern. Wo kommt er her, und wo geht er hin? Von mir aus könnte er aus der Welt verschwinden, aber das ist utopisch. So utopisch wie…, dass nächste Woche eine Alien-Delegation bei mir vorbeischaut. Ich stelle mir das so vor:
Es ist Montag früh, so gegen Fünf, ich sitze am Computer, da klingelt es plötzlich. Wahnsinn, die Aliens entdeckten mich! schießt es mir in den Kopf. Ich mache ihnen auf, und sie lassen sich nicht lange bitten, fläzten sich aufs Sofa. Es sind drei. Kein Problem zu erkennen, dass sie nicht von dieser Welt sind. Der in der Mitte quatscht mich an. Erst auf Chinesisch, aber er merkt schnell, dass die Voreinstellung seines Übersetzungsprogramms falsch war und korrigiert es.
„Hast du noch von deinen Pellkartoffeln?“, fragt er. Er wählte die Stimme von Martin Semmelrogge.
„Klar Mann“, antworte ich, „ich habe die eineinhalb Kilo gestern nicht ganz geschafft. Wohl hungrig nach der langen Reise?“
Original Gelächter von Seiten der Aliens auf dem Sofa. Es hört sich in etwa so an, wie wenn ich furze. Ich nippe an meinem morgendlichen Longdrink und bin mir nicht mehr sicher, ob ich über ihre Gesellschaft glücklich sein soll. Ich träumte schon immer von einer Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit. Die Menschheit kann doch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Irgendwo in den unendlichen Weiten des Alls muss es Intelligenzen geben, die alles aus einem anderem Blickwinkel betrachten, die Wirklichkeit ganz anders erfassen…
Vielleicht funktioniert ihr Raumschiff mittels Pellkartoffeln.
Während ich meinen Gedanken nachhänge, steht der Mittlere auf und geht zum Pellkartoffeltopf.
„Deine Kartoffeln bringen`s nicht! Abmarsch Leute!“ tönt die Stimme von Martin Semmelrogge aus der Küche. „Hey, wartet doch mal… Ich hätte da ein paar Fragen!“ rufe ich ihnen nach, aber ich sehe sie nur noch von hinten. Also renne ich zum Fenster. Tatsächlich steigen sie in den grünen Ferrari und heben ab! Mann o Mann! Das ist der Hit!

Nein, außer mir will niemand meine Pellkartoffeln, nicht mal Aliens. Gut, dann habe ich sie wenigstens für mich allein. Sie sollten drei Tage reichen. Was macht man mit einem angebrochenen Sonntag? Über Nationalismus nachdenken? Scheiße, da sollte es doch besseres geben.

Gedanken, während die Waschmaschine ihre Arbeit tut

Wird sich Merkel im Sattel halten? Ich switche hin und her zwischen Polittheater und WM. Schaffen die Deutschen heute Abend einen Sieg gegen die Schweden? Das Leben kann hart sein, der Druck groß.
Die Waschmaschine spult ihr Programm ab. Derzeit „Spülen“ – noch 43 Minuten bis Ende. Der Sommer hat eine Pause eingelegt. Die Temperatur sank unter 20°C. Berlin wolkenverhangen. Ein Wochenende, das nicht gerade in den Biergarten einlädt. Auf der Staffelei steht eine leere Leinwand und starrt mich an. Mir fehlt die zündende Idee. Etwas Abstraktes sollte es sein. Die Vorstellung ist noch zu diffus, um mit einem Bild anzufangen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Merkel in der Flüchtlingsfrage klein beigibt. Seehofer ist ein Idiot. Leider gewinnt im Leben nicht immer die Vernunft. Europa gibt zur Zeit alles andere als ein gutes Bild ab. Unfassbar, wie kleinkariert viele denken. Sollen sie doch in ihrem tumben Nationalismus versumpfen…
Niemals würde ich eine Deutschlandfahne schwenken. Wie käme ich dazu? Freilich würde ich mich freuen, wenn die Deutschen in Sotschi gegen die Schweden auftrumpften. Macht mich das zu einem Nationalisten? Es gibt verdammt wichtigeres.
Im Büro tippte ich 2: 1 für die Schweden. Wir bildeten eine kleine Tippgemeinschaft für die WM mit 1 Euro Einsatz. Ich liege bis jetzt gar nicht schlecht im Rennen. Richtig spannend wird`s erst nach der Vorrunde, egal ob mit oder ohne Deutschland. Der Fußball ist keine so schlechte Allegorie auf alles Mögliche. Die Tendenzen sind klar, trotzdem erlebt man mitunter Überraschungen.
Die Waschmaschine schleudert bereits. Wie die Zeit verrinnt. Im Nachhinein sind wir alle schlauer.
Ich hänge dann mal die Wäsche auf.

Das Bett ist gemacht

Die Festplatte ab und zu aufzuräumen, kann kein Fehler sein. Programme, Bilder und Texte, deren man leid ist, lassen sich einfach zum Teufel schicken. Unser Gehirn, im Großen und Ganzen auch nichts anderes als ein Computer, sträubt sich leider gegen solche Maßnahmen. Mal von gewaltsamen Eingriffen in die Hardware abgesehen, müssen wir mit dem leben, was in unserer Birne ist – mit dem ganzen Scheiß, der sich über Jahrzehnte hinweg ansammelte. Auch wenn davon an der Oberfläche nicht viel oder gar nichts zu sehen ist, so arbeiten diese Altlasten ständig in uns, beeinflussen unsere Stimmung und wahrscheinlich sogar unser Handeln. Abschalten geht nicht. Wie schön wäre endlich Unbeschwertheit! Dem Vergangenen nicht mehr nachhängen, befreit von Trauer, Wut und Ärger. Zur Ruhe kommen. Weg mit dem ganzen Ungemach! Ein Neustart…

Wochenende. Seit Halb Sieben auf den Beinen. Das Bett ist gemacht. Die Waschmaschine läuft. Ich warte auf den Lieferdienst für Getränke und Lebensmittel. Eine bequeme Sache. Ich kann mich ganz der Muse in meinen vier Wänden widmen. Ich muss Dinge erfinden, damit ich was zu tun habe. Ich erfinde einen Traum. Ich erfinde mich und die Welt. Ich erfinde Tag und Nacht. Alles ist gut. Ich greife zum Glas. Ich drehe die Musik lauter. Das Rumoren des Waschvorgangs stört. Der Blues ist im Glas. Ich schütte nach. Es gibt sonst nichts. Nur eine Ahnung. Überall fuckin` Ahnungen. Ich wende den Kopf nach rechts und sehe in einen Tag… eine Waschküche mit hellen Streifen.