Über das Lebendige hinaus

Stolz ist die Quelle meiner Kraft. Ich meine nicht den falschen Stolz: die Eitelkeit der Schönen oder die Arroganz der Mächtigen. Ich meine den urtümlichen Stolz des Seins, die Erhabenheit eines jeden Geschöpfes und jeder Erscheinung. Über das Lebendige hinaus.

Darum: Stolze Menschen zeigen Achtung voreinander und vor der Natur. Sie hören einander zu. Sie zeigen ihr Wohlwollen. Sie umarmen sich. Und wenn sie streiten, kommen sie danach wieder aufeinander zu.
Stolze Menschen stützen die Schwachen und kritisieren den Machtmissbrauch.

Die Welt gehört uns Menschen nicht. Aber wir verhalten uns so, als würden wir alles einfach in Besitz nehmen können.
Wir hören der Natur nicht zu. Wir hören uns auch untereinander nicht zu.

Wir sollten zurückfinden zu unserem urtümlichen Stolz, der uns mit allen anderen Wesenheiten verbindet.

Der falsche Stolz ist Gift für unsere Seelen. Er trennt uns von der universellen Liebe und sperrt uns in den Kerker der Verdammnis und Eigenliebe.

Darum: Stolze Menschen vermeiden Lügen. Sie betrügen weder andere noch sich selbst. Sie sind ein Quell an Aufrichtigkeit und Wahrheit. Sie lassen sich nicht leicht hinters Licht führen. Sie schauen hinter die Dinge.

Stolze Menschen sind weise.


Vom verdammten Glück

Glücklichsein half mir in meinem Leben wenig. Mein Herz verausgabte sich. Der Verstand wurde schwach. Das Glück fraß die Wirklichkeit auf. Nur die bleichen Knochen blieben. Ich erwachte und hatte Durst. Mir war nach Ertrinken in der Wüste. Weit entfernt von Deinem Schoß. Weit entfernt von der Quelle des Lebens. Ich wünschte, ich wäre dem Glück nie begegnet.
Und es lässt mich nicht los. Die Verarschung nimmt kein Ende. Nach wie vor wiegt mich das Glück in trügerischer Hoffnung. Als gäbe es für die Toten mehr als die Liebe der Maden und Würmer. Wie ferngesteuert verbringe ich einen Tag nach dem anderen. Ich kratze an den Wänden meines Sarges… und kann selbst dem noch etwas abgewinnen.