Vom verdammten Glück

Glücklichsein half mir in meinem Leben wenig. Mein Herz verausgabte sich. Der Verstand wurde schwach. Das Glück fraß die Wirklichkeit auf. Nur die bleichen Knochen blieben. Ich erwachte und hatte Durst. Mir war nach Ertrinken in der Wüste. Weit entfernt von Deinem Schoß. Weit entfernt von der Quelle des Lebens. Ich wünschte, ich wäre dem Glück nie begegnet.
Und es lässt mich nicht los. Die Verarschung nimmt kein Ende. Nach wie vor wiegt mich das Glück in trügerischer Hoffnung. Als gäbe es für die Toten mehr als die Liebe der Maden und Würmer. Wie ferngesteuert verbringe ich einen Tag nach dem anderen. Ich kratze an den Wänden meines Sarges… und kann selbst dem noch etwas abgewinnen.

 

Das Verarschungssystem

Ständig verarscht durch unsinnige Regeln, durch eine unverständliche Justiz, durch die Bürokratie, durch doofe Werbung, durch Politiker, die mehr versprechen, als sie halten können, durch die Millionen Lügen im Internet, durch Meinungsmache in den Medien… Wem kann ich als Bürger, Konsument und Mensch überhaupt noch glauben? Dem Pfarrer, der auf der Kanzel steht und predigt? Meinem Chef, der mir bald eine Gehaltserhöhung in Aussicht stellt? Oder meinem Vermieter, der mir sagt, dass er sofort einen Handwerker schicken wird, um das Klo zu reparieren? Dem Bankberater, der mir ein Aktienpaket aufschwätzt? Der Polizei, die mir verspricht, dem Diebstahl meines Fahrrads nachzugehen? Meiner Freundin, die mir tausendmal versichert, dass sie mich liebt? Dem Arzt, der mir Medikamente gegen meinen Bluthochdruck verschreibt?
Wem soll ich bitte sehr noch glauben? Vielleicht nur noch mir selbst? Wäre wohl das Beste. Es kommt selten vor, dass ich mich selbst belüge. Und wenn ich mal wirklich Scheiße baue, kann ich das vor mir ganz gut abbügeln. Ich bin sehr tolerant gegenüber mir.