Nichts ist, wie es scheint

Ich träumte von Costa, meinem Lieblingsgriechen (in meiner alten Heimat). Im Traum war er allerdings Italiener, der das beste Tiramisu ever machen konnte. Das Tiramisu stellte sich im Traum dann als belegte Sandwiches heraus bzw. Baguette-Brötchen, auch unter La Flute bekannt. Süßspeisen mag ich eh nicht. Jedenfalls stand Costa in Rivalität mit einem Franzosen. Dessen belegte Sandwiches waren zwar nicht annähernd so gut, aber er konnte sie besser anpreisen und verkaufen; und so gewann der Franzose den Wettbewerb. Ich war wütend, denn nichts hasse ich auf der Welt mehr als solche zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten. Ich hätte es Costa gegönnt. Nicht umsonst war er mein Lieblingsgrieche, respektive -Italiener…
Was wollte mir dieser Traum nur sagen?
Vielleicht: Ich habe Appetit auf ein lecker belegtes Sandwich, und nichts ist, wie es scheint.

Viele Nachmittage verbrachte ich damals in Costas Gaststätte an der Bar und trank. Ich kann mich nicht erinnern, bei ihm jemals gegessen zu haben. Doch: Ab und zu bestellte ich Gyros zum Mitnehmen. Unglaublich, was man sich im Suff alles reinhaut… Das waren die Neunziger. Ich pendelte 30 Kilometer zwischen Wohnung und Altenheim, wo ich in einer Dachmansarde hauste, um nicht täglich hin und herfahren zu müssen. Mitunter praktisch, zwei Schlafplätze zu haben. Das sorgte für Abwechslung und hielt mich in Bewegung, denn ich pendelte die 30 Kilometer mit dem Fahrrad. Noch heute träume ich manchmal, ich hätte irgendwo eine Wohnung, die ich nur vergaß.

In zwei Wochen ist es soweit, dass ich mal wieder meine alte Heimat besuche. Wahrscheinlich gehen mir deshalb vermehrt solche Erinnerungen durch den Kopf. Ich habe nicht vor, irgendjemanden zu treffen. Sicher ein paar der alten Plätze aufsuchen, u.a. den Friedhof, auf dem meine Eltern seit 2013 ruhen. Nein, auf Wiedersehensgespräche mit alten Bekannten habe ich keinen Bock. Es gibt nur wenige alte Freunde, an die ich öfter mal denke, und die verlor ich aus den Augen. Kapitel abgeschlossen.
Eine gewisse Aufregung vor dieser Reise in meine Vergangenheit kann ich nicht verhehlen…, wird sicher emotional. Einen Rückzieher schließe ich aber aus.

 

Auf Augenhöhe

Was mir immer wieder bitter aufstößt, ist, dass Menschen mit ihren Leistungen unterschiedlich beurteilt werden, je nachdem, ob sie oben in der Politik bzw. in der Wirtschaft arbeiten oder nur Fußvolk sind. Regelmäßig lese ich, dass Manager, die Scheiße bauten, mit einer hohen Abfindung bedacht werden und einige Zeit später auf einem ähnlichen Posten in einem anderen Konzern sitzen, oder dass führende Politiker bis zum bitteren Ende an ihrem Posten bzw. an ihrer Macht kleben, obwohl fast allen klar ist, dass sie unglaublichen Mist bauten. Bei uns kleinen Lichtern hätte man da längst den Stecker gezogen, aber bei den Oberen Zehntausend gelten offenbar andere Regeln. Wozu überhaupt noch das ganze Geschwätz über Gerechtigkeit!? Warum darf ein Seehofer immer noch blöde in die Kamera grinsen und rumstottern? Und warum hält sich Angela Merkel trotz allem im Sattel? Bei allem Respekt vor ihren Leistungen… Ihre Zeit ist rum, ihr Abgang überfällig! Und was soll`s – Leute, die solch hohe Ämter innehaben, werden sicher weich fallen. Ganz anders bei uns Dumpfbacken, die wir gerade mal knapp über Harz IV verdienen. Wir sind die Deppen der Nation. Die Politiker wollen unsere Stimmen und die Wirtschaftsbosse unsere sauerverdiente Kohle. Sie babbeln uns über ihre Demagogie und Werbung blöde, während sie sich gegenseitig einen einschenken, Kaviar fressen und im Whirlpool die Arschbacken von Nutten kneten. Nein, bitte nicht missverstehen, darauf bin ich überhaupt nicht neidisch. Aber mich kotzt die Ungerechtigkeit an. Mich kotzten diese privilegierten Menschen an, die glauben, sich alles erlauben zu können, und außerdem noch über unser Leben und unsere Zukunft bestimmen wollen. Ich kann diese Scheinheiligkeit nicht mehr ertragen. Diese Versprechungen, Erklärungen und Ausflüchte…! Ich will das alles nicht mehr! Aber ich weiß auch, dass es nirgendwo auf der Erde besser ist. Im Gegenteil. Die meisten Flüchtlinge landen bei uns, weil sie da, wo sie herkommen, noch weit mehr am Arsch sind. Sie wollen endlich gerechterweise etwas vom globalen Kuchen abhaben. Ausgebeutet wurden sie lange genug. Es geht für viele ums blanke Überleben.
Ich verstehe die Welt nicht…
Warum geben diese Arschlöcher (da oben) nicht zu, dass sie einfach nur Arschlöcher sind? Damit könnte ich leben. Da befänden wir uns doch auf Augenhöhe.