Die Frau

Sie sollte (noch) eine Taille haben. Ihr Gesicht sollte mir sympathisch sein. Ich liebe Frauen mit einer offenen Ausstrahlung. Sie sollte Humor besitzen und gern lachen. Aber bitte nicht so ein aufgesetztes überlautes Lachen – das kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Sie sollte natürlich intelligent sein. Aber was heißt schon Intelligenz? Jedenfalls mag ich nicht diesen von Ehrgeiz zerfressenen Typ, dem seine Karriere wichtiger als die Partnerschaft ist. Überwiegend materialistisch eingestellte Menschen sind nicht meins. Darum sollte die Frau vor allem Muße für die schöngeistigen Dinge des Lebens haben. Wäre freilich nicht schlecht, wenn sie ein Stück weit meinen Musik- und Literaturgeschmack teilte. Ist aber nicht Bedingung. Viel wichtiger ist mir eine offene und unangestrengte Herangehensweise. Sie sollte auch mal Fünfe gerade sein lassen und vor allem nicht oberlehrerhaft auftreten. Schwächen gehören zum Menschen und sollten gegenseitig akzeptiert werden. Was nicht immer einfach ist – ich weiß – gerade beim Konsum von gesellschaftsüblichen Genuss- und Suchtmitteln wie Nikotin und Alkohol. Da gäbe es sicher Gesprächsbedarf. Was ich aber absolut nicht leiden kann: wenn man seine Meinung dazu nicht offen äußert oder von vorneherein kompromisslos ist. Die Frau sollte weitgehendst keine Vorurteile haben und zu denen stehen, die sie nicht ablegen kann – warum auch immer. Ich mag selbstkritische Geister. Ich mag Selbstironie. Die Frau sollte treu sein oder zumindest so ehrlich, dass sie ihre Untreue zeitnah eingesteht. Nichts ist schlimmer als eine durch Lüge aufrechterhaltene Beziehung. Freilich kann ich von niemandem erwarten, was ich selbst nicht erfülle. Man muss erstmal zu sich selbst ehrlich sein… Die Frau sollte eine gewisse Reife besitzen, d.h. Lebenserfahrung. Sie sollte schon das eine oder andere durchgemacht haben. Sie sollte gelernt haben, mit ihren Ängsten/Dämonen umzugehen (was auch heißt, sie erstmal zu kennen). Sie sollte in ihrem Denken und Handeln weitgehend frei von nationalistischen, religiösen oder anderweitig ideologischen Dogmen sein. Ich liebe den emanzipierten Geist, der sich aus sich selbst erklärt, sich nicht so leicht verbiegen lässt. Wir sind alle (nur) Menschen. Es ist natürlich, dass wir uns mit sozialen Gruppen wie z.B. der Familie oder unserem Freundeskreis identifizieren. Aber die Identifikation mit großen Gesellschaften wie Staat oder Religionsgemeinschaft halte ich für Schwachsinn. Die Frau sollte mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie sollte aber auch ihren Träumen Platz einräumen. Das muss keinen Widerspruch bedeuten. Sie sollte einen Sinn für das scheinbar Unsichtbare/Unfassbare haben. Sie sollte sich nicht zu sehr am Vordergründigen orientieren. Sie sollte ein Herz haben. Am Besten ein großes.

Erinnerungen

Seit langem griff ich mir mal wieder „Adam & Eva“ aus dem Bücherregal, ein dicker Karikaturen-Band des Künstlers Tomi Ungerer. Herrlich! Ich ergatterte das Buch vor diversen Jahren an einem Antiquariatsstand in Fürth. Ich war auf Besuch bei einer Internetbekanntschaft, die wie ich Gedichte in einem Literaturforum veröffentlichte. Wolfsfrau nannte sie sich damals. Ihr Hobby war Bergsteigen. Nicht unbedingt meine Welt, aber mir gefielen die Sachen, die sie schrieb. Wenn ich mich recht erinnere, war ich nur übers Wochenende bei ihr. Nein, es lief nichts zwischen uns. Damals trank ich exzessiv und war ziemlich derangiert. Wir schrieben uns weiterhin und träumten von einem gemeinsamen Gedichtband…, aber mit der Zeit schlief der Kontakt ein – wie das so ist. Zurück blieben das Karikaturen-Buch Tomi Ungerers und ein Schnellhefter mit Wolfsfraus Gedichten. Ich komme darauf, weil ich heute in den Internet-Nachrichten von Tomi Ungerers Tod las. Er verstarb 87jährig in Irland bei seiner Tochter.
Ich mag seine Karikaturen, und es wurde Zeit, sie mal wieder hervorzuholen.

Die Luft ist raus

Wenn Träume platzen, ist das immer bitter. Das ganze Leben besteht aus platzenden Träumen. Die so fantastisch aufspielende Deutsche Handballmannschaft unterlag im Halbfinale Norwegen. Schade, ich hätte den Jungs die Erfüllung ihres großen Traums, Weltmeister zu werden, gewünscht. Sie waren auf einem guten Weg dorthin. Jeder kennt den Katzenjammer nach der Euphorie. Man könnte sich angesichts der geplatzten Träume in den Arsch beißen. Es wäre zu schön gewesen …
Nun ist heute Morgen auf Berlins Dächern und Straßen tatsächlich ein wenig Schnee zu sehen. Vielleicht ein halber Zentimeter. Am frühen Morgen hörte ich das Scharren der Schneeschaufel im Hof. Ich lag bereits wach, schaute mir eine Doku über Jack Londons Leben an. Ein rasantes kurzes Dasein fristete er. Seine Geschichten und Romane unvergessen. Er zählte schon immer zu meinen Lieblingsautoren. Also war mein Gedanke: Ich muss mal wieder den guten alten Jack London lesen. Da von ihm im Bücherregal lediglich „König Alkohol“ steht, bestellte ich mir bei Amazon zwei Erzählbände. Leider muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich derzeit sehr wenig lese. Die ungelesenen Bücher stapeln sich bereits. Nur auf Reisen komme ich vermehrt zum Lesen, und ich weiß, dass Jack London eine ausgezeichnete Reiselektüre ist. Ich freue mich schon darauf, auf Gran Canaria seine Geschichten zu lesen.
Das Wetter am Wochenende soll trist werden. Der wenige Schnee wird schnell wieder verschwunden sein. Noch verzuckert er die Bürgersteige und parkenden Autos. Bald wird es bei knapp über null Grad regnen. Der Winter gab nur ein kurzes Stelldichein. Das Siffwetter kehrt zurück. Alles ist so verdammt flüchtig. Die Träume platzen wie Seifenblasen, während man sich Tag für Tag im Hamsterrad einen abstrampelt. Jack London schaffte den Sprung aus dem Hamsterraddasein. Er war ehrgeizig und begabt. Das bin ich weniger. Viel weniger. Vor allem mein Tatendrang lässt zu wünschen übrig. Meine Lieblingsbeschäftigung ist Abhängen… zuhause, in Kneipen und Biergärten. Das größte Defizit, welches ich im Winter empfinde, ist, dass die Biergärten geschlossen sind. Ich sitze also zuhause und schaue aus dem Fenster… hinaus in die Kälte, auf die Passanten, die parkenden Autos, die Litfaßsäule auf der anderen Straßenseite und die dahinterliegende Häuserfront mit den vielen Fenstern – bienenwabengleich. Apropos Litfaßsäule, ich recherchierte inzwischen, warum sie derzeit nackt herumsteht. Sie ist nicht alleine betroffen. Die Litfaßsäulen Berlins sollen neuen Modellen Platz machen, wahrscheinlich irgendwelchem digitalen Schnickschnack, der mit der herkömmlichen Litfaßsäule nicht mehr viel zu tun hat. Erst das Baumsterben, und nun erlebe ich auch noch das Sterben der Litfaßsäulen…
Das Leben ist grausam. Gnadenlos weicht das Alte dem Neuen und vermeintlich Besseren. Der ewige Lauf der Dinge. Evolution und Auslese. Wir Menschen drehen munter mit an den Stellschrauben der Schöpfung. Das macht uns anscheinend ganz heiß. Immer schneller, immer weiter! Hinterm Horizont wartet der ultimative Orgasmus.

Ich hänge dann mal ab. Jack London disziplinierte sich dazu, jeden Tag 1000 Wörter zu schreiben. Da komme ich freilich nicht mit. Heute schaffte ich gerade mal die Hälfte.

Rührei in der Mikrowelle

Man kann eine Menge machen im Leben, z.B. Rührei in der Mikrowelle. Da unser Büro unweit der Kaffeeküche liegt, kriege ich solcherlei Ereignisse am Rande mit. Der junge Kollege mit den strahlenden Augen erklärt das Rezept. Er ist ein großer schlaksiger Kerl, ein echter Sonnenschein mit tiefer sonorer Stimme. Regelmäßig veranlasst er die Hühner zu Lachtiraden. Alle mögen ihn. Er gehört zu den Menschen, denen man schwer was krummnehmen kann. Wenn er die nötige Kohle hätte, würde er ein Fitnessstudio aufmachen, erzählte er, das sei sein Traum. Wenigstens hat er einen Traum…, dachte ich bei mir, – beneidenswert. Was man nicht alles macht. Vor ein paar Jahren hatte ich null Ahnung von Tumordokumentation, und nun verbringe ich wöchentlich 40 Stunden damit. Hätte ich wie mein junger Kollege einen Traum, würde es mir vielleicht nicht so schwerfallen. Wirklich, ich kann mir keinen Traumjob vorstellen. Mein beruflicher Ehrgeiz hält sich somit stark in Grenzen. Immerhin mache ich mit der Tumordokumentation was halbwegs Sinnvolles. Oder? Meiner Kollegin und mir kommt es immer häufiger so vor, als ob wir ohne Sinn und Verstand die Daten ins Dokumentationssystem kloppen. Das zugrundeliegende Konzept erscheint mir verworren und unzureichend durchdacht. Politischer Aktionismus? Mehr Schein als Sein? Hat überhaupt jemand den Durchblick – Krankenkassen, Ärztekammer, Senat? Die Onkologischen Zentren? – Unglaublich, wie viele Organisationen und Parteien involviert sind. Man kann nur hoffen, dass in den Leitungsebenen sehr gescheite Köpfe sitzen. Unsere Arbeit wird schon von Nutzen sein, sonst würde doch nicht solch ein Aufwand betrieben werden…
Das Wochenende steht wie immer im Zeichen des Blues. Jetzt nicht mehr über den Job nachdenken. Morgen geht`s bereits wieder ran an die Buletten. Tausende Tumorfälle warten in den Stahlschränken.

Die Fußball WM lief an. Heute Deutschland gegen Mexiko. Der Fußball bedeutet etwas Ablenkung – von der Arbeit, vom Schwarzen Hund, von allem. Ich glaube, es geht nicht nur mir so. Die Kneipen und Pubs voller Leute. Und ich mittendrin. Mal sehen, – weil zu voll mag ich es nicht. Vielleicht besser im Biergarten. Dort bauten sie eine Leinwand auf. Das Wetter scheint auch zu passen. Nur kein Stress. Notfalls schaue ich mir das Drama zuhause auf der Couch an. Nach den jüngst abgelieferten Leistungen der Deutschen Mannschaft bei den zwei Testspielen, bin ich einigermaßen besorgt. Ein Tipp fällt mir schwer. Aber Löw wird schon wissen, was er tut. Oder? Wie stark ist Mexiko? Das Ballspiel hat dort eine lange Tradition… noch aus Zeiten der Mayas. Aber natürlich hat der moderne Fußball mit den damaligen Bräuchen gar nichts zu tun. Heute steht der Spaß im Vordergrund. Na ja, und das Geld. Bei solch internationalen Turnieren auch Völkerverständigung. Ein Spiel erobert für vier Wochen die Welt. Selbst der ein oder andere Fußballignorant wird von der Stimmung mitgerissen. Das rätselhafte Wesen Mensch findet sich affenmäßig zusammen, um auf einen Bildschirm zu glotzen, wo zwei Mannschaften auf einem Spielfeld 90 Minuten lang einem Ball nachjagen, welchen sie nach gewissen Regeln in den Kasten des Gegners befördern müssen. Oder so ähnlich. Was man nicht alles macht. Mehr oder weniger leidenschaftlich. Wie Rührei in der Mikrowelle…

Enervator

Träumte heute davon, dass mir meine Zahnärztin den Vorschlag machte, mir einen „Enervator“ in die Brust zu pflanzen, – mit Hilfe dessen könne ich meine Anspannung sowie meinen hohen Blutdruck einfach herunterregeln. Sie habe sofort gesehen, dass ich Probleme mit den Nerven habe – weil sich meine Hände an den Armlehnen des Stuhls festklammerten. Ich wollte es nicht leugnen, denn die Aussicht auf einen solchen „Enervator“ war geradezu genial. Warum hatte ich von dieser Möglichkeit nicht schon früher gehört?
Die Ärztin erläuterte mir sachkundig das Modell und machte mir sogleich einen Kostenvoranschlag. Ich werde es mir überlegen, sagte ich…