Morro Jable

Ein altes Ehepaar setzte sich auf der Café-Terrasse neben mich, Deutsche um die Achtzig. Wie ich bestellten sie Bier und bekamen dazu ein Schälchen gerösteter Erdnüsse. Auf der Markise des vor uns liegenden Lokals lauerten bereits die Tauben, drei an der Zahl. Wie die Geier saßen sie dort und starteten abwechselnd ihre Angriffe auf die Erdnüsse. Ich hatte mein Schälchen zurückgehen lassen. Mir waren die Nüsse zu fettig, und ich wollte sie nicht ständig gegen die Tauben verteidigen. Anders das alte Ehepaar neben mir. Der Alte hatte bereits in feindseliger Manier die Karte zusammengerollt. Er wartete nur darauf, dass die Vögel zum Tisch flogen und schlug dann fluchend nach ihnen. „Ich krieg euch noch!“ brüllte er, „ich schlag euch tot!“ Peinlich, peinlich, dachte ich bei mir, was für böse Menschen es gibt. Die Frau hielt sich etwas zurück, schaute aber ebenso grimmig. Der Alte führte sich auf wie ein Nazi-General. Er befand sich im Krieg mit den Tauben, und ich hatte das Gefühl, dass er dazu absichtlich diesen Platz ausgesucht hatte. Der Kellner ermahnte ihn. Vielleicht kannte er das alte Ehepaar bereits. Ich trank mein Bier zügig aus und bezahlte.

Morro Jable ist ein Hafenstädtchen. Nichts Besonderes, aber immerhin konnte man hier neben dem Tourismus ein wenig das einheimische Leben beobachten. Ich schlenderte herum, legte da und dort ein Päuschen ein und schoss mit dem Smartphone einige Fotos.

Das Müllproblem

Voll der Herbst jetzt. Tauben sitzen auf den kahlen Ästen. Ich suche die Krähen. Na gut, dann eben nicht. Ich schlurfe durch die Wohnung von Fenster zu Fenster. Der Nachbar von gegenüber ist im Hof beschäftigt. Zum Hobby hat er ein Geländemotorrad, an dem er herumbastelt, und das er mit seinem Kombi an den Wochenenden zu einer Motocross-Strecke transportiert. Jedenfalls sieht`s danach aus. Ich bleibe im Halbschatten des Zimmers. Ich starre auf das hässliche Bild der Müllcontainer, die überquellen. Aufgeplatzte Säcke und Tüten stehen daneben. Zwei Wochen wurde der Müll nicht abgeholt. Der Servicemann vom Abfallunternehmen sagte mir am Telefon, das Tor zum Hof sei abgeschlossen gewesen. Ich rief die Vermieterin an, die sich wunderte, dass die Müllmänner keinen Schlüssel hatten. Sie werde sich darum kümmern, sagte sie. Nun gut. Montag ist Abholtag, morgen ist Montag.
Ich warte auf O.. Sie ist noch bei ihrer taiwanesischen Freundin, die gestern Geburtstag feierte. Wir wollen zum „Bazaar Berlin“. Ich war schon ewig nicht mehr auf einer Messe. Bunt und international wird`s sicher. Na mal sehen. Hauptsache, ich kriege dort irgendwo was zu trinken.
Es regnet nicht. Wäre aber auch wurscht, denn ich kaufte mir einen Parka, das fehlende Glied zwischen leichter Regenjacke und Mantel. O. simst, dass sie schon in der U-Bahn ist. Gut. Ich schlurfe in die Küche, schenke mir einen Gin-Tonic nach und schaue raus auf den Scheiß Müll – hoffentlich ist der morgen weg.