Godzilla

Ich habe selten bis nie Besuch. Ehrlich gesagt, wünsche ich mir auch nicht, dass sich da alle naselang jemand ankündigt. Es gibt ganz wenige, die ich gern in meinen hehren Hallen begrüße. Einer davon ist Godzilla. Nein, Godzilla überfordert nicht meine Couch… haha. Ich nenne ihn so, weil er über einen monströsen Verstand verfügt. Und dazu nett ist. Und meines Erachtens sogar ehrlich. Na ja, so weit ich das beurteilen kann.
Heute kam er mal wieder vorbei. Er muss sich nicht mehr ankündigen. Ich wies ihn noch nie ab, wenn er plötzlich vor der Tür stand.
„Hi Alter!“
„Hi Godzilla! Freut mich!“
„Ich dachte halt, ich besuche den alten Furzweltmeister mal wieder…“
„Klar Mann. Mach`s Dir gemütlich. Was willst du trinken?“
„Die Berliner Luft reicht mir heute.“
„Okay.“
„Wie geht`s Deiner Stange?“
„Sie steht noch.“
„Das sind doch mal gute Nachrichten!“
„Haha!“
„Ich sehe, Du hast `ne neue DVD… „Reservoir Dogs“ von Tarantino… Leg die mal ein.“
„Wenn`s Dir Spaß macht… Ich würde aber lieber ein Schwätzchen mit Dir halten.“
„Hm, was liegt an, Bruder?“
„Es geht um meine Blogs… Ich habe das Gefühl, dass die nicht so gut in der Community ankommen.“
„Wahrscheinlich erzählst Du zu viel Scheiße, die niemand wissen will.“
„Es liegt also an mir?“
„Niemand liest in einer Kirche Bukowski vor.“
„Du empfiehlst mir also, die Community zu wechseln?“
„Genau. Ist doch genug Platz im Universum. Irgendwo kriegst Du bestimmt mehr Anerkennung.“
„Fuck!“
„Jammere nicht rum. Sehen wir uns lieber den Tarantino an. Das bringt Dich auf andere Gedanken.“

Godzilla und ich schauten uns also „Reservoir Dogs“ von Tarantino an. Blutig und irre. Irgendwann pennte ich ein. Ich glaube, es war die Stelle, als Mister Blonde dem auf dem Stuhl gefesselten Polizisten ein Ohr abschnitt… War`s das linke oder das rechte? Ich muss mir das nochmal ansehen.

 

Once Upon a Time in Hollywood

Greifswalds einziges Kino lag etwas versteckt im einzigen Shoppingcenter ganz oben. Ich mag lieber die alte Sorte Kino und nicht diese sogenannten Kino-Center, aber die haben leider wie die guten alten Kneipen inzwischen Seltenheitswert.
Nichtsdestotrotz freute ich mich auf den neuen Tarantino als abendfüllende Unterhaltung, denn ich wollte so früh nicht zurück ins Hotel… Und, was soll ich sagen: der Film enttäuschte mich nicht. Ich hatte im Vorfeld gehört, er sei etwas langatmig. Nein, das war er in meinen Augen gar nicht. Natürlich war er mit 161 Minuten lang. Und es gab nicht so viele Gewaltszenen, wie man es aus anderen Tarantino-Filmen kennt. Aber als das Licht anging, wunderte ich mich, dass schon Pause war. Ich mochte, was ich auf der Leinwand sah, wie mit Tarantino typischer Ironie ein Bild auf das Hollywood der Siebziger geworfen wurde. Dabei konnten sich die beiden Hauptprotagonisten Brad Pitt und Leonardo DiCaprio prima selbst auf die Schippe nehmen. Die Geschichte mit den Hippies um deren Leitwolf Charles Manson, welche in einem brutalen Verbrechen gipfelte, war aus meiner Sicht lediglich ein Spannungsfaden, der in das Szenario künstlich eingeflochten wurde. Es ging in der Hauptsache um das menschlich kaputte Hollywood dieser Zeit (wie es z.B. Bukowski in seinem Roman „Kaputt in Hollywood“ treffend beschrieb). Es ging um Figuren, die den Bodenkontakt verloren hatten. Zum einen die Schauspieler und Regisseure, die dem Geld- und Anerkennungswahn verfallen waren – und gewisserweise passend dazu die Hippies (auf eine ähnliche Art irre), die im Drogenrausch kranken Ideen und Idolen folgten. Als dann in der Schlusssequenz diese beiden Welten aufeinandertrafen, konnte es nur höllisch werden. Höllisch sarkastisch und zerstörerisch. Es blieben nur Witzfiguren… Die Gewalt war eine Farce. Der Film endete ganz nach meinem Geschmack.
Danke Tarantino.