Im Zuge des Zeittotschlagens

Im Zuge des Zeittotschlagens landete ich heute bei YouTube. Als Liebhaber der Mysterien von Raum und Zeit (der Materie und des Daseins an sich) klickte ich ein paar Vorträge an, die sich solchen und ähnlichen Themen widmen. Einiges war seriös, vieles schon auf den ersten Blick Spinnerei. Regelrecht neues erfuhr ich nicht. Am Ende blieb ich bei Ausschnitten von Prof. Christian Spannagels Mathe-Vorlesungen an der PH Heidelberg hängen. Der Typ kam mir irgendwie bekannt vor. Könnte sein, dass ich ihm im „Betreutes Trinken“ in der Unteren Straße mal begegnete. (Das waren noch Zeiten…) Mathematik kann total geil sein. Ehrlich. Man kann Dinge beweisen, ohne sie hernach zu verstehen. Oder man beweist Dinge, einfach nur um sie zu beweisen. Apropos: Ich war, nachdem es mit Kunstgeschichte und Philosophie in Heidelberg nicht klappte, auch ein paar Semester für Mathematik eingeschrieben. Eine Vorlesung besuchte ich allerdings nie. Die Mathe-Fakultät befand sich fernab der Kneipen im Neuenheimer Feld. Ich war schon immer ein pragmatisch veranlagter Mensch. Längst hatte ich mich an das Leben des ewigen Studenten gewöhnt, der sich als Pflegehilfskraft im Altenheim mehr schlecht als recht über Wasser hielt. Andere jobbten in den Kneipen, in denen ich lieber als Gast an der Bar saß. Ein Faulenzerleben muss schließlich finanziert werden. Alles läuft auf schnöde Mathematik hinaus. Das sah ich bald an den roten Zahlen auf meinen Kontoauszügen. Aber gut, die Weichen für mein Leben waren längst gestellt.
Wenn ich nun also solche Vorträge von Prof. Spannagel auf YouTube verfolge, kriege ich vor lauter nostalgischen Gefühlen feuchte Augen. Hach, wie gerne wäre ich wieder Student und würde in den Vorlesungen Gedichte schreiben, während die eifrigen vor und neben mir alles von der Tafel abschrieben und die Überschriften fein säuberlich mit Lineal unterstrichen. Ich war sowas von cool. Keine Ahnung, wann das anfing. Das Universum ist 13,82 Milliarden Jahre alt. So lange kann es also nicht her sein. Was hätte aus mir alles werden können…

Aber nun zurück zu was ganz Profanem. Die Hessen wählen. Auch hier geht`s letztlich um Mathematik. Wir dürfen gespannt sein, was bei dieser Wahl ausgerechnet wird. Oder? Natürlich wissen wir es im Großen und Ganzen schon. Wir warten nur noch auf den Beweis. Und dann hoffen wir auf den Unterhaltungswert des Gelaberes drumherum – wie sich die Politiker fetzen und mal wieder die schlechten Ergebnisse schönreden. Grusel pur, diesmal zeitnah zu Halloween. Ich hoffe, die hessischen Politiker sind nicht so langweilig wie Seehofer & Co vor zwei Wochen. Als Aufmunterung empfehle ich den Hit „Erbarme, die Hesse komme“ von den Rodgau Monotones. Der Song ist von 1984, also quasi vor dem Urknall. Verdammt lang her! Das waren noch Zeiten.

Der Film läuft mir nicht davon

„Intrigo – Tod eines Autors“ wäre einen Kinobesuch wert, denke ich. Ich mag Krimis, die ins Philosophische abdriften. Der Krimiautor Hakan Nesser, der die Vorlage zum Film schrieb, ist bekannt für hintersinnige Krimis. Gelesen habe ich allerdings noch nichts von ihm.
Die Besetzung mit Ben Kingsley, Benno Fürmann, u.a. Veronika Ferres ist ganz ordentlich, und er läuft in Wohnungsnähe am Potsdamer Platz.
Eigentlich wollte ich mir „Bad Times at the Al Royale“ anschauen, aber der läuft nur noch am Abend 22 Uhr 10 – und das ist mir zu spät, zumal der Streifen fast zweieinhalb Stunden geht.
Liegt schon ein paar Jahre zurück, dass ich allein ins Kino ging, meist um die Zeit totzuschlagen. Als ich Anfang des Jahrtausends in Heidelberg mit einem Psychologiestudium begann und mich während des Wintersemesters täglich in der Stadt herumdrücken musste, füllte ich die Nachmittagsstunden des Öfteren mit Kinobesuchen. Leider lief meist Schrott. Nur wenige Filme blieben mir in Erinnerung. Na ja, besser als stundenlang in der Mensa rum zu hocken oder in der Kneipe. Zu öde auf die Dauer. Ich war schon immer ein einsamer Wolf, der gerne alleine herumstreunte. Die vielen Menschen in der Stadt stimmten mich nach einer Weile depressiv. Im Kino dagegen war ich in den Nachmittagsvorstellungen nur mit wenigen anderen im Kinosaal, hatte es warm, ließ mich von dem Schrott, der über die Leinwand flimmerte, berieseln und trank Dosenbier. Am liebsten saß ich in der Nähe der Toiletten. Wenn ich nach dem Film rauskam, war es bereits dunkel, und ich schlappte die Hände tief in den Manteltaschen vergraben durch die Fußgängerzone vorbei am Psychologischen Institut zur Bushaltestelle. Mir war klar, dass so nichts aus dem Studium werden konnte. Mir fehlte es am nötigen Ehrgeiz für eine akademische Laufbahn. Doch damals wollte ich es nochmal wissen…
Mit den Frauen ist es ein ähnliches Dilemma wie mit meinem vergeblichen Herumstudieren: ich lernte einige Herzdamen kennen, aber eine Verbindung fürs Leben wurde nie daraus. Dabei wäre ich verdammt froh, endlich einen bleibenden Heimathafen zu finden in Sachen Liebe. Schließlich wird man nicht jünger. Die Welt wird kälter um mich herum, und ich gleichzeitig schwächer. Meine letzte Beziehung war mit so viel Hoffnung verknüpft – und ich verhob mich dabei gründlich. Aus diesem Tief wieder herauszukommen, ist scheiße schwer. Es gibt Momente, wo ich nicht weiß, ob ich`s nochmal packe.

Gehe ich heute oder morgen ins Kino? Nur kein Stress. Der Film läuft mir nicht davon.