Flaute

Vor ein paar Tagen mistete ich meinen Nachtschrank aus. Zu entsorgen waren einige Produkte, deren Haltbarkeitsdatum überschritten war: Nasensprays, Schmerztabletten und massenhaft Kondome – aus offenbar besseren Zeiten.
Obwohl bei mir in Sachen Sex bereits seit längerem aufgrund mangelnder Gelegenheiten totale Flaute herrscht, kaufte ich eine kleine Packung Billy Boy nach. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Ich weiß schon, dass Frauen eher auf sexuell aktive Männer stehen. Das Denkmuster ist einfach: Wer viel Sex hat, muss attraktiv sein. Und die anderen sind Loser. Ich outete mich also gerade als Loser, was womöglich nicht sonderlich klug war. Aber ehrlich, wie ich bin…

Einem Gedankenblitz folgend schaute ich nach dem Haltbarkeitsdatum der neuen Packung Billy Boy.
08/2024 – Stress muss ich mir also keinen machen.



Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen

Schon Angst- und Stresssymptome wegen des Ausbruchs des Coronavirus in Deutschland? Wann gibt es die ersten Infizierten in der unmittelbaren Nachbarschaft? Für sowas wie ein Virus dürfte Berlin ein Schlaraffenland sein. Viele schwafeln derzeit in den Medien zum Thema der drohenden Epidemie herum, Mediziner, Politiker, Laien…, und hernach ist man so klug als wie zuvor. Die allgemeine Verunsicherung wächst. Weiß die Fachwelt wirklich so wenig über Viren, speziell dem aktuellen? Wenn ich den derzeit kursierenden Informationen über Corona bzw. Covid 19 Glauben schenken darf, dann müssen wir uns nicht allzu große Sorgen machen. Immungeschwächte, chronisch kranke und multimorbide Menschen haben freilich die Arschkarte. Aber die haben sie auch bei den saisonal üblichen Grippeerkrankungen. Ich verstehe schon, dass sich die Fachwelt bedeckt hält. Keiner der Herren Professoren will sich mit seinen Aussagen in die Nesseln setzen. Nur keine Panik. Wir haben soweit alles im Griff. Oder etwa nicht? … Und was können wir Bürger derweil machen, Herr Professor? Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen. Vielen Dank, Herr Professor!
Wie schön, dass die Bevölkerung derart umfassend hinsichtlich des Coronavirus aufgeklärt wurde. Der Staat – dein Freund und Helfer. Hand hoch, wer sich von Behördenseite umfänglich und gut informiert fühlt? Hm… Dort! – ein Handzeichen von einem mutigen Mitbürger!
„Wie heißen Sie, guter Mann?“
„Peter.“
„Peter, Sie hoben die Hand.“
„Äh ja.“
„Sie haben wohl sehr viel Vertrauen in unsere Behörden? – haha!“
„Äh ja.“
„Natürlich, Peter, das dürfen Sie. Nur nicht so schüchtern.“
„Äh ja. Ich meine, dass die auch nur ihre Arbeit machen. Ich meine, die Behörden und die Politiker.“
„Aber natürlich Peter! – wir alle machen unsere Arbeit – haha!“
„Ich bin Tischler wie mein Vater und Opa. Wenn Sie einen Tisch bei mir kaufen, kann ich Ihnen versichern, dass es ein guter Tisch ist.“
„Das glaube ich Ihnen sofort, Peter. Und Sie sind nicht ein bisschen misstrauisch gegenüber der Arbeit der Behörden und Politiker?“
„Ich weiß nicht viel von Politik und Behördenarbeit. Aber prinzipiell dürfte es nicht so viel anders sein, als einen guten Tisch zu bauen, – was keinesfalls einfach ist.“
„Sehr schön, lieber Peter, Sie sind ein hervorragender Tischler – und gehen davon aus, dass alle Menschen auf dieser Erde dasselbe Berufsethos haben?“
„Als Handwerker kann ich es mir gar nicht anders vorstellen. Meine Kunden müssen auf meine gute Arbeit vertrauen. Ebenso muss ich der guten Arbeit unserer Staatsdiener vertrauen.“
„Sie meinen also, dass Behörden und Politik hinsichtlich der Bedrohung durch das neuartige Coronavirus alles richtig machen?“
„Sie tun sicher ihr Bestes.“
„Danke für Ihre interessanten Ausführungen, Peter, auch wenn ich Ihr Vertrauen in Behörden und Politik nicht unbedingt teile… Also: Fleißig Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen! – haha!“

 

Wir werden sehen, was mit Corona auf uns zu schwappt. Ich sitze an meinem Ikea-Schreibtisch und wünsche mir einen, den Peter zimmerte. Sympathischer Kerl, wenn auch ganz schön naiv.

 

Stress ist nicht mein Ding

Zwei Kinofilme starten, die mich reizen: „1917“ ein Kriegsdrama, und „Mach dein Ding“ über Udo Lindenbergs Anfangszeiten. Die Streifen laufen sicher einige Wochen. Schön. Es wird irgendwann passen. Vielleicht schon dieses Wochenende – obwohl ich lieber warte, bis der erste Run vorüber ist.
Auf der Staffelei steht eine Leinwand, die sich langsam mit Farbe füllen soll, aber auch da mache ich mir keinen Stress. Stress war noch nie mein Ding. Am liebsten wäre ich als Pflanze auf die Welt gekommen. Zu einer Zeit, bevor der Mensch die Natur verhunzte. Ich wäre ein kleiner Apfelbaum, der verträumt in der Landschaft stünde…
Es gibt noch zwei mediale Ereignisse, die mich dieses Wochenende reizen: Das Spiel „Deutschland – Kroatien“ in der Hauptrunde der Handball-EM und „Bayern – Hertha“ Fußball Bundeliga Rückrunde. Als Alleinlebender guckt man immer nach ein paar Lichtpunkten im Alltag. Ablenkung halt.
Die Waschmaschine läuft. Mal nicht mit Schmutzwäsche. Ich färbe eine Strickjacke und ein paar T-Shirts um und warte gespannt auf das Ergebnis. Noch eine halbe Stunde.
Strahlend blauer Himmel beim Blick aus dem Fenster. Ich atme das Licht ein.

Verfluchter Blutdruck

„Warum haben Sie so einen hohen Blutdruck?“ fragte mich die Ärztin und schenkte mir ihr Koreanerinnen-Lächeln. Ich hatte Feierabend und wollte eigentlich nur ein neues Rezept für meine Medikamente. Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit hinter anderen Patienten angestanden war, hatte die Arzthelferin den glorreichen Einfall, mir ausserdem den Blutdruck zu messen. Dazu muss ich sagen, dass ich als Bluthochdruckpatient vor jeder Blutdruckmessung extrem angespannt bin. Ich weiß sowieso, dass er wieder zu hoch sein wird… Meine Hausärztin reichte mir die Rezepte. „Ich bin gestresst“, antwortete ich. Sie sagte noch etwas davon, dass ich dann nach Hause fahren solle und…, aber das ging bereits an mir vorbei. Ich grinste nur blöde. Das wäre erledigt, nun nur noch in die Apotheke, dachte ich. In der Apotheke hatten sie nur eines von den vier Medikamenten vorrätig, weshalb ich da heute noch mal hinmuss. Na gut. Ich schlappte um die Ecke zu einem Naturkostladen, weil die dort feines Brot und leckere Pizzastücke (aus Vollkorn) haben. Nichts im Regal. „Es sind Herbstferien“, sagte die Verkäuferin entschuldigend. „Ach so“, meinte ich und hörte bei ihren weiteren Ausführungen gar nicht mehr hin. Also weiter, rüber über die vor Verkehr brüllende Potsdamer Straße und zum Pub. Die Theke vollbesetzt. Ich nickte dem Barkeeper zu und setzte mich an einen Tisch. Das Bier kam ruckzuck. Mein Blutdruck normalisierte sich langsam…