Feierabendbier

Inzwischen besuchte ich nach der weitgehenden Aufhebung der C-Regeln ein paarmal die Kupferkanne. Vom C-Virus keine Rede mehr, jedenfalls nicht in meiner Anwesenheit (was mir ganz recht ist). Thema sind nun die steigenden Preise, vor allem für den Wirt Necip – die ewige Sorge ums wirtschaftliche Überleben. Die kleinen Sparer beißen ins Gras, während die Großen immer größer werden. Der Mittelstand geht den Bach runter. Eine Entwicklung, welche in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts begann und sich zusehends beschleunigt. Ottonormalbürger muss mit immer mehr Einbußen rechnen. Vor allem die Alten sind betroffen. Die materielle Wohlfühlblase des Wirtschaftswunderlandes löst sich auf. Statt sozialer Hängematte ein Nagelbrett – „Stirb langsam“ in Deutschland.
Ich kann wirklich froh sein, einen relativ krisensicheren Arbeitsplatz zu haben. Beim Bier muss ich noch nicht knausern. Ich genieße es, etwas abseits an der Theke zu sitzen und meinen Gedanken nachzuhängen… Ab und zu wechsele ich ein Wort mit Necip oder einem Stammgast. Aller guten Dinge sind… mindestens drei, sage ich zu Gabi, die immer freitags hinter dem Tresen steht. Sie lacht und bedient den Zapfhebel. Ein Bierstrahl zischt ins Glas (ich liebe dieses Geräusch).