Na dann, nochmal Spreewald

Drei Übernachtungen im „Spreewald-Idyll“ stehen kurz bevor. Am Tag der Deutschen Einheit reise ich mit Zug + Faltrad an. Kaum einen Monat ist es her, dass ich eine Fahrradreise die Spree rauf bis Lübben unternahm. Da war noch Spätsommer, und ich war weitgehend mit Kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs. Ein wenig wärmer werde ich mich diesmal anziehen müssen.
Ich bin gespannt, wie sehr der Herbst inzwischen im Spreewald Einzug hielt, wie sich die Atmosphäre veränderte… Geplant sind eine Radtour nach Burg, mit dem Paddelboot durch die Kanäle und Fließe, außerdem die nähere Erkundung Lübbenaus (wo ich auch übernachte). Ich hoffe natürlich, dass ich nicht aufgrund von Regen absaufe… (Nein, es soll lt. Wetterfrosch ab Dienstag ganz gut werden.)
Kein großes Ding diese Reise, aber allemal besser, als die ganze Urlaubswoche in Berlin zu hocken. Und ich werde wieder ein paar (schöne) Bilder mitbringen, mit denen ich meine nächsten Blogbeiträge schmücken kann.

Übergangszeit

Die Wohnung ist kühl. Ich greife an die Steigleitungen. Noch nicht warm, konstatiere ich. Im letzten Winter konnte ich meine Wohnung allein mit der Wärme der über Putz liegenden Rohre halbwegs warmhalten.
Ich öffne das Fenster und blicke in einen feuchten wolkenverhangenen Herbsttag. Vorbei mit der Kurze-Hosen-Zeit. Die Äste der Stadtbäume wiegen sich im Wind. Am Straßenrand sammeln sich gefallene braune Blätter zu Haufen. Wie man im Frühling beinahe zusehen kann, wie es überall sprießt und grünt, werden nun binnen weniger Wochen Stadt und Landschaft in ein herbstliches Farben-Potpourri getaucht.
Da ich in der ersten Oktoberwoche nochmals Urlaub habe, entschloss ich mich kurzerhand zu einem Wiedersehen mit dem Spreewald. Diesmal werde ich mit dem Zug und meinem Faltrad anreisen. Ich buchte ein günstiges Zimmer für 3 Nächte. Gerne würde ich mal eine Kanufahrt machen, außerdem mit dem Fahrrad mehr von dieser hübschen Gegend erkunden, als es mir beim letzten Besuch möglich war…, noch einmal tief durchatmen, bevor mich das Stadtgrau einen langen Winter lang gefangen halten wird.

 

Im Spreewald (4)

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ – da kann ich Hannibal Smith vom A-Team nur zustimmen. Meine Radreise klappte nach Plan. Am letzten Tag radelte ich von Lübben nach Lübbenau und drehte von dort aus eine Runde durch den klassischen Spreewald. Das Wetter war diesmal von Anfang an super. Bei schönstem Sonnenschein machte ich mich am Morgen auf den Weg nach Lübbenau. Nach einer Pause tauchte ich ein in den Spreewald…

Lübbenau

Lehde

Pohlenz-Schänke

Pohlenzschänke – Innenansicht

Touristen-Abfütterung im Ausflugslokal Wotschofska



Vor mich hin sehend

Ich sah viele freilaufende Hühner. Ich sah glücklich weidende Kühe. Ich sah Pferdehöfe. Ich sah ländliche Urgesteine. Ich sah reizend gestaltete Häuschen, die danach aussahen, dass Künstler und Alternative darin hausten. Ich sah viele Kanufahrer. Ich sah eine Menge Wald. Ich sah die Spree. Ich sah Campingplätze. Ich sah den märchenhaften Spreewald. Ich sah viele Touristen und sah die Boote, in denen sie durch den Spreewald geschippert wurden. Ich sah die Touristen auf ihren E-Bikes. Ich sah ein Lokal mitten im Spreewald, wo die Touristen massenweise abgefüttert wurden. Ich sah mich mittendrin. Ich sah mich Bier trinken. Ich sah mich fotografieren. Ich sah den Himmel und die Sonne. Ich sah die Wolken, die gleichmütig über alles hinwegzogen. Ich sah unendlich viele Bäume. Ich sah auf die Karte vom Spreewald, um zu wissen, wo ich war. Ich sah immer ein paar Stunden voraus. Ich sah mein Zelt, das ich aufgestellt hatte. Ich sah die Wege vor mir, die Wege meines ganzen Lebens… Ich sah, wie sich alles drehte. Ich sah, dass es unmöglich immer so weiter gehen konnte. Ich sah das Ende meiner Reise vor mir.

Auf dem Spree-Radweg (3)

Der dritte Tag begann wie die vorherigen Tage trübe. Ich startete mit Windjacke. Irgendwann würde es aufklaren, schätzte ich. Landschaftlich änderte sich gefühlt nicht viel. Ich kam durch kleine Ortschaften, querte da und dort die Spree und fuhr weite Strecken durch Wald. Am frühen Nachmittag setzte sich die Sonne durch, und es wurde warm und wärmer. Die Jacke legte ich natürlich ab. Leider musste ich einige Kilometer Autostraße hinter mich bringen… Dann hatte ich ihn plötzlich erreicht, den Spreewald! – also den Spreewald, wie man ihn aus Prospekten, Filmen oder Dokus kennt. In dem Örtchen Schlepzig, wo ich eine Bierpause einlegte, wurde das auch touristisch sichtbar. Kahnfahrten wurden angeboten und am Ortseingang gab es gleich zwei Biergärten.
Bis Lübben, wo ich mein Zelt aufschlagen wollte, waren es nur noch 14 Kilometer. Die führten allerdings über einen unbefestigten Dammweg ohne Schatten. Ich holte mir an diesem Tag einen leichten Sonnenbrand.
Als ich dann Lübben am frühen Nachmittag erreichte, musste ich nur noch den Campingplatz finden. Der sollte unweit des Zentrums liegen. Trotz Karte musste ich mich durchfragen. Dieses Lübben erschien mir wie ein Labyrinth.
Ich blieb 2 Nächte und erkundete von dort aus den Spreewald.

immer mal die Spree im Blick

Storchennest, aber unbewohnt (bei Neuendorf am See)

Bierpause in Schlepzig

Brauerei in Schlepzig

auf dem Weg nach Lübben

Pause im Schatten

Schleuse in Lübben