Sagen wollte ich noch

Das Smartphone, das ich zur Reparatur eingeschickt hatte, halte ich bereits wieder in Händen. Die SIM Karte, die ich blöderweise vergessen hatte herauszunehmen, war beigelegt.
Mal sehen, wie lange es nun hält. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht skeptisch wäre. Ich besorge mir am liebsten solche Teile, die als besonders stabil in Hinsicht Gehäuse und Verarbeitung gelten. Das ist mir wichtiger als anderer Schnickschnack, den ich sowieso nicht benötige. Die angepriesenen Outdoorqualitäten eines Smartphones/Handys sind in meinen Augen leider nach dieser Erfahrung mehr Fake als Fakt. Aber gut, vielleicht war ich ausgerechnet an ein sogenanntes Montags-Modell gekommen.

Mit Menschen kann einem ähnliches passieren. Und da hat man nicht mal eine Garantiezeit. Heute noch voller Versprechungen, und morgen bist du angeleimt. Alles schon erlebt. Bei Menschen nimmt die Nachhaltigkeit mindestens so rasant ab wie bei Technikprodukten. Freilich gibt`s rühmliche Ausnahmen. Aber aufgepasst: bei aller Liebe kann man nie ganz sicher sein. Genaugenommen ist die Liebe das Problem. Gut, dass es sowas wie eine Fake-Liebe gibt, die von echter Liebe kaum zu unterscheiden ist – und man selbst glaubt dran. Wenn die Sache dann schief geht, bringt man sich nicht gleich um, sondern greift sich einfach das nächstbeste Modell. Scheiß drauf. Gerade Frauen, die halbwegs gut aussehen und keinen Charakter haben, sind prädestiniert für eine solche Fake-Liebe*. Sie können gar nicht anders. Charakterlose Männer gibt es freilich auch genügend. Längst ist bekannt, dass Geld den Charakter verdirbt. Sowieso dann, wenn man schon als Arsch geboren wurde. Wie auch immer.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, beim sogenannten Montagsmodell. Kann passieren. Man will den Scheiß, oder lässt es sein.

 

*Sie surfen von einer Fake-Liebe zur nächsten.

Eine Woche rund ums Handy/Smartphone

Wie kann man so schusselig sein? Nach Feierabend wollte ich das Ding endlich klarmachen. Ich kaufte mir also einen geeigneten Versandkarton, faltete den zuhause zusammen, klebte die Paketmarke drauf, dachte daran, aus dem Smartphone die SIM-Karte zu nehmen, schaltete das Smartphone aus, steckte es zur Sicherheit in einen gepolsterten Umschlag, – diesen dann in den Karton, legte Reparaturschein und Kaufvertrag dazu… Fertig! Ich schwang mich auf mein Bike und radelte zum nahen DHL Shop, einer der unzähligen Kioske, die nebenbei noch Paketdienste anbieten. Danach gleich wieder zurück zur Wohnung – Uff! dachte ich, das wäre erledigt – nun nur noch mein altes Handy mit der SIM-Karte flott machen… Aber Pustekuchen! Ich alter Schussel hatte die Speicherkarte entfernt! In der Eile entnahm ich nur die Karte, die obenauf lag. Sollte ich nochmal zurückradeln? Ich stellte mir vor, wie ich dem Türken mein Missgeschick erklärte – nein, darauf hatte ich keinen Bock. Ich war müde. Ich wollte endlich vorm TV chillen und mir dabei etwas zwischen die Kiemen schieben.

Am nächsten Tag fuhr ich zum Telekomshop in den Potsdamer Platz Arkaden. Ein schöner kleiner Fahrradausflug nach Feierabend. Prima! Ich wollte wissen, ob ich vielleicht besser die Karte sperren lassen sollte. Auf jeden Fall musste ich wieder telefonieren können. Der Telekom-Mitarbeiter riet mir von einer Sperrung ab. Das Smartphone wäre schließlich nicht gestohlen, außerdem würde es mich 30 Euro kosten. Okay, er hatte mich so gut wie überzeugt – also kaufte ich mir für 15 Euro eine Prepaid-Karte und machte mein altes Handy damit flott. Für die Zeit der Reparatur bin ich nun freilich nicht auf meiner eigentlichen Rufnummer zu erreichen. Dazu muss ich erklären, dass ich zwar einen Festnetzanschluss habe, an welchem aber kein Telefon hängt. Überall gab ich meine Mobilnummer an. Hoffentlich dauert die Reparaturgeschichte nicht zu lange. Aber mich ruft sowieso kein Schwein an – meine privaten Kontakte tendieren gegen Null. Außer meinem Arbeitgeber (den Bürohühnern) und ein paar Bloggern würde niemand merken, wenn ich nicht mehr da wäre.

So weit so gut. Das alte Handy tuts auch. Allerdings fehlt es ihm an Speicherplatz*. Im Biergarten höre ich ab und zu gern über Ohrstöpsel Musik. Also nach Feierabend erneut einen kleinen Ausflug gemacht, dieses Mal zur Mall of Berlin am Leipziger Platz. Dort gibt es einen Saturn-Markt. Schön. Ich hasse Einkaufscenter, insbesondere die, die wie Irrgärten angelegt sind. Und dann das Menschengewimmel, der überbordende Konsum – mir wird schlecht, wenn ich nur dran denke. Also ging ich stracks zu Saturn, besorgte mir die Speicherkarte und verließ diesen Ort kapitalistischer Verkommenheit schnell wieder.

Wider Erwarten riss gestern zum Feierabend ins Wochenende die Wolkendecke auf. Ich saß im Biergarten und genoss über Ohrstöpsel meine Musik. Was für eine beknackte Welt, dachte ich immer wieder, gar nicht speziell auf meine Woche gemünzt, sondern ganz allgemein.

 

*Für den aufmerksamen Leser: Ich hatte doch eine Speicherkarte zuhause auf meinem Schreibtisch liegen – warum verwendete ich die nicht? Leider nicht möglich, da ich für das alte Handy maximal eine Speicherkarte bis 16 GB verwenden darf.

Tja

Anscheinend wurde ich bei meiner Fahrt durch Polen derart durchgeschüttelt, dass nun eine Taste meines Outdoor-Smartphones (von mir unbemerkt) abfiel. Ärgerlich, da ich das Teil erst vor einem Jahr kaufte. Ich werde es wohl einschicken – schließlich habe ich Garantie drauf.
Nachher bei der Morgentoilette werde ich mich mal etwas sorgfältiger im Spiegel betrachten. Kann ja sein, dass an mir auch etwas abfiel. Ein Ohr zum Beispiel, oder so ein anderes Kleinteil…
Nein, ganz im Ernst: Oft bemerkt man kleine Veränderungen erst nach Tagen oder Wochen. Dazu zwei Beispiele: Erst einige Monate nach dem Einbruch (November 2015) fiel mir in einem hellsichtigen Moment auf, dass der Einbrecher auch das Sparschwein mit dem Kupfergeld mitgehen ließ. Eigentlich war es vom Bett aus gesehen gut sichtbar auf dem Kleiderschrank gestanden.
Und aktuell, als ich wie jeden Werktag in der Kupferkanne meine Mittagspause machte, beim Bier verträumt auf die Steinmetzstraße schaute, wurde mir plötzlich gewahr, dass die eigentlich unübersehbare Litfaßsäule verschwunden war. Ich sprach Gabi, die Bedienung, darauf an, und sie sagte, dass die schon einige Tage weg sei. Auch sie hatte es nicht gleich registriert.
Typisch Wahrnehmungspsychologie – wir kriegen weniger mit, als wir denken, und unseren Erinnerungen dürfen wir sowieso nicht vertrauen. Vieles ist vom Gehirn getürkt.