Für die beste aller Welten (nur für Geimpfte)

Jeder Mensch wünscht sich Sicherheit. In allerlei Belangen. Wobei die Schwerpunkte voneinander abweichen können. Auch gibt es Menschen, die risikofreudiger sind als andere. Risiko ist nicht gleich Risiko. Jeder Mensch schustert sich selbst zusammen, welchen Schutz er sich wo wünscht, oder wo er welches Risiko in Kauf nimmt. Die Versicherungen und das Gesundheitssystem verdienen daran – nicht wenig, behaupte ich. Man schwatzt uns überflüssige Versicherungen auf. Ebenso soll es für jedes Zipperlein Medikamente bzw. Behandlungen geben. Wie sinnvoll oder verhältnismäßig es im konkreten Fall ist, soll möglichst nicht hinterfragt werden. Wir liefern uns einer Maschinerie aus, die angeblich nur für unser Wohl arbeitet. So wird es uns jedenfalls verkauft. Wir dürfen uns in sicheren Händen fühlen. Kritisches Nachfragen ist dabei Sand im Getriebe. Für alles gibt es Fachleute, die schon wissen werden, was sie tun oder empfehlen. Und seit Neuestem vertrauen wir quasi blind der Politik sowie den Leitmedien. Ist es nicht wunderbar, wenn sich so viele kompetente Geister zusammenschließen, um das Beste für uns alle zu bewirken?! – Wow! – Sogar die Multi-Milliardäre (Dagobert Duck vornean) opfern sich altruistisch für den Segen der Menschheit auf. Es kommt mir fast so vor wie die Wiederkehr Jesu auf Erden. Endlich siegen Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe – länderübergreifend! Dass es dafür die ein oder andere Impfung braucht, ist nebensächlich. Oder? Das ist doch nicht zu viel verlangt – für Liebe und Freiheit auf der ganzen Welt! Und auf dem Mond! Und noch viel weiter!
Demütig falle ich als dummer kleiner Mensch in den Staub und finde zurück zum Glauben. Ich bin nur einen Piks oder zwei oder drei oder vier oder fünf… Pikse entfernt davon, ein vollkommener und guter Mensch zu werden. Für das Glück und die Sicherheit der gesamten Welt! Ich danke Herrn Lauterbach. Ich danke Herrn Drosten. Ich danke Herrn Wieler. Ich danke Frau Merkel. Ich danke den vielen anderen, die unermüdlich für die richtige Sache kämpfen und sich von Wirrköpfen, Querdenkern und Verschwörungstheoretikern nicht beirren lassen. Vor meinen Augen tut sich das Paradies auf…

Ungewissheiten aushalten

… ist ein No-Go in einer Technokratie.
Wissenschaftler träumen von der Weltformel. Der Staat träumt von der absoluten Kontrolle über die Bürger. Die Bürger ihrerseits träumen von garantierten Sicherheiten in allen Lebenslagen, ewiger Gesundheit und Wohlstand. Die Ingenieure träumen von Technologien, die Unmögliches schaffen.
Und alle glauben daran, dass sie ihren Träumen näherkommen. Man müsse nur an gewissen Stellschrauben drehen, einige Verbesserungen vornehmen, die richtigen Maßnahmen ergreifen und das ein oder andere noch erforschen. Früher oder später werde man Herr der Lage sein. Wer daran zweifle, der stehe nur im Weg.
In den Geschichtsbüchern können wir von Zeiten lesen, als Menschen anderen Glaubens verfolgt, ausgegrenzt und ermordet wurden. Die Religionsfürsten hatten damals das Zepter in der Hand. Heute sind es die Herrscher über Kapital und Kommunikation, die meinen, die Geschicke der Menschheit lenken zu müssen. Sie beenden das Zeitalter der Aufklärung und erklären Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft zur neuen Religion. Man habe den Stein der Weisen gefunden. Auch die letzten Ungewissheiten würden ausgeräumt werden. Die Menschheit sähe einer segensreichen Zukunft entgegen, einer Zukunft ohne Krieg, Krankheit und Armut. Allerdings müsse man vorher noch eine Zeit lang die Arschbacken zusammenkneifen sowie die hartnäckigen Zweifler beseitigen. Das sei angesichts der großartigen Aussichten hinzunehmen.
Also mir ist es lieber, einige Ungewissheiten auszuhalten, mit Ungewissheiten zu leben, als in eine perfekte Welt verschraubt zu werden. Ich falle auf ihre Verführungen und Scheinheiligkeiten nicht herein. Ich bin einer jener Zweifler, die ihnen im Weg stehen. Ich träume von einer Welt, in der kein Mensch über einen anderen herrscht. Ich träume von einer friedlichen Zwiesprache mit Himmel, Erde und allen Mitgeschöpfen. Ich träume von einem Meer der Freiheit und dem Glück in einer lauen Sternennacht… Bastelt euch meinetwegen eine perfekte Welt. Ich lehne dankend ab.