Schillernde Aussichten

Die kurze Arbeitswoche ging, wie zu erwarten war, schnell rum. Das Neue Jahr begann grau in grau. Vor allem gestern. Mein Gott, war das ein Siff! Da wächst die Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Meer… Langsam sollte ich meinen Urlaub für März buchen. Das mache ich am liebsten übers Reisebüro. Stellt sich die Frage, wohin die Reise gehen soll. Da auf Mallorca das Unglück meiner letzten Liebe seinen Anfang nahm, werden mich dorthin keine zehn Pferde bringen. Wahrscheinlich werde ich wieder auf den Kanaren landen. Ich habe keine Lust drauf, dass im Urlaub alte Erinnerungen schmerzhaft aufbrechen. Wir waren nur einmal zusammen im Norden Teneriffas.
Meine Kollegin meinte, Madeira sei auch sehr schön, allerdings mehr zum Wandern. Nein, ein Aktivurlaub schwebt mir diesmal nicht vor. Den werde ich wieder im Sommer per Fahrrad unternehmen.
Der heiße und lange Sommer 2018 reichte mir nicht. Zu düster und kaputt sah es in mir selbst aus. Das Draußen soll mir so schnell wie möglich wieder zur Wohnung werden. Ich sehne mich nach der Horizontlinie und dem entspannten Klönen unter freiem Himmel.
Was ein Leben…
Mesdames et Messieurs, blicken Sie auf das einmalige Leben Bonanzamargots, ein Leben in der Seifenblase. Sensationell, wie er sein Schicksal trägt, die Ruhe in Person! Nur hier erfahren Sie die neuesten Neuigkeiten – der Mensch im Reagenzglas, wie man ihn nackter nicht sehen kann! Erstmalig bei WordPress! Hereinspaziert! Es erwartet Sie keine flache Seifenoper, sondern ein geistiger Striptease, der es in sich hat! Nur keine Scheu! Treten Sie näher! …

Mann, wenn ich mich jetzt nicht langsam vom Computer loseise, wird das heute nichts mehr mit dem Reisebüro.

Südlicher als der Südpol

Südlicher als der Südpol geht nicht. Stephen Hawking hat recht. Es kann kein Vorher geben, wenn die Raumzeit aus dem Nichts heraus startete. Ebenso verhält es sich mit unserem Leben. Vorher gab es mich nicht, und danach wird es mich nicht geben. Ich komme aus dem Nichts und gehe dahin zurück… Ich habe ein gutes Verhältnis zum Nichts. Wenn ich mir überlege, mit wieviel nichtigen Dingen ich mich Tag für Tag beschäftigen muss. Dann doch lieber gar nichts tun. Ich liebe es, einfach nur rumzusitzen und mir Gedanken um nichts zu machen. Ich sehe das als eine Form der Emanzipation von den Automatismen, Selbstverständlichkeiten und Traditionen an, in denen wir alle wie in einem Sumpf feststecken. Viele merken das gar nicht, oder wollen es nicht wahrhaben. Ihr Interesse an unabhängiger geistiger Erkenntnis hält sich in Grenzen. Schade, denn ich mag Diskussionen mit Menschen, die ihren eigenen Kopf haben.
Ich weiß, viele behaupten, einen eigenen Kopf zu haben, sind aber bei genauerer Prüfung (eingebildete) Blödiane und ziemlich weit davon entfernt. Zu dieser Gruppe gehöre ich hoffentlich nicht (- mit der Selbsteinschätzung ist das bekanntlich so eine Sache).

Heute Mittag zur Aussprache mit O. verabredet. Am Potsdamer Platz in einer Gaststätte. Süffiges bayrisches Bier gibt`s, und vor allem hat man seine Ruhe. Es war mein Wunsch. Ich will endlich wissen, woran ich bin. Eine vierjährige Beziehung schüttet man nicht einfach wie eine abgelaufene Konserve ins Klo.
Ganz schön bitter das Ganze. Große Hoffnung hege ich keine. Aber es wäre gut, wenn sie mir ihre Beweggründe näher erläuterte. Auch will ich gern wissen, wie sie sich die Beziehung zu mir unter den neuen Gegebenheiten vorstellt.

Warum platzt das ganze Universum nicht einfach wie eine Seifenblase? Warum muss sich alles endlos wiederholen? Auch die Varianten leiern sich mit der Zeit aus. Wozu so viele Tage leben, wenn man den Unsinn in einer einzigen hellen Sekunde erfassen kann?

Ich frage mich, wie O. mich lieben konnte.