Wohin gehen wir?

Das Leben der Menschen auf der Erde bedeutete Knechtschaft, nachdem die Menschen das freie Leben in der Natur aufgegeben hatten und sich „zivilisierten“… Wie kam es dazu, dass wir uns zur Sesshaftigkeit entschieden? Wie kam es dazu, dass wir uns nach und nach von der Natur entfremdeten? Mussten wir notwendigerweise an den zivilisatorischen Punkt gelangen, an dem wir heute stehen? Wann begann die Misere der Kriege? Wie wurden wir uns selbst zu Feinden?
Das Rad der Menschheitsgeschichte kann niemand zurückdrehen. Wir wurden zu Abhängigen eines Systems, das wir selbst entwickelten. Wir machten uns die Erde untertan mit all seinen Geschöpfen. Wir schufen eine Hierarchie losgelöst von der Natur. Wir knechten unsere eigenen Artgenossen. Wir verwechseln Macht mit Freiheit. Wir propagieren Menschlichkeit, handeln jedoch unmenschlich.
Wer sind wir? Woher kommen wir? (Wohin gehen wir?) Was machte uns zu den Monstern, die wir (aktuell) sind?

Ich gönne mir ein verlängertes. Einmal mehr schlafen gehen ohne eine achtstündige fremdbestimmte Verpflichtung am nächsten Tag. Es war mal wieder so weit, und ich nahm mir diese kleine Freiheit. Auch wenn dabei ein kostbarer Urlaubstag flöten geht. Scheiß drauf!
Soll ja fast frühlingshaft werden die nächsten Tage. Der Schnee der letzten Woche floss bereits fast vollständig in die Gullys. Nur wenige dreckige Inseln erinnern noch an das weiße Wunder.
Die Zeit vergewaltigt sowieso alles. In ihrem warmen Arsch stecken wir fest, bis von uns nichts mehr übrig ist… und wir alle im Gully sind.


Sandburgen, Löcher in die Luft gucken und hübsche Supermarktkassiererinnen

Mit Sonne, Schnee und Matschbirne ins Wochenende. Der Rollladen auf Halbmast. Zu viel Licht am frühen Morgen. Sieht so aus, als hätte ich einen toten Punkt erreicht. Es gibt Menschen, die sich mit Putzen und anderen Hausarbeiten ablenken können… Ich dagegen schaue Löcher in die Luft – Löcher in die Raumzeit… Löcher und Tunnel sind faszinierende Gebilde. Als Kind spielte ich viel im Sand. Ich schob den feuchten Sand zu einem großen Haufen zusammen, klopfte ihn mit Hand und Schaufel fest und machte mich ans Tunnelgraben, bis der Sandhaufen irgendwann wie ein Schweizer Käse aussah. Es war eine spannende Sache, wenn man aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander zu buddelte…, und schließlich die letzte Sandbarriere zwischen den Löchern einbrach, unsere Finger sich berührten. Manchmal fiel dabei leider die ganze Sandburg in sich zusammen – ein Bild, das sich mir auch metaphorisch tief einprägte in Hinsicht auf das „Buddeln/Graben“ nach Erkenntnis und Wahrheit: Kaum war ich zum „Licht der Erkenntnis“ durchgebrochen, fiel alles in sich zusammen. Ich erhaschte nur einen minimal kurzen Blick auf die „andere Seite“… Immerhin – das Suchen bzw. Graben nach der „Wahrheit“ ließ mich nie los – und wenn ich nur Löcher in die Luft gucke.
Das El Dorado liegt nicht in der Außenwelt, es ist in uns selbst vergraben. Sisyphos rollt ewig Steine den Berg hoch, und ich werde ewig Löcher buddeln. So oder ähnlich. Auch wenn es Tage gibt, an denen ich mich unglaublich leer und matschig fühle…

Nicht so viel Pathos, old boy, am Ende glaubst du noch, was du da zusammenfabulierst. Greife dir ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und denke an die hübsche Kassiererin im Supermarkt. Hat sie nicht ein bezauberndes Lächeln? … Ja, und auch sonst… Du wolltest doch heute einkaufen, oder nicht? … Dann setze halt die Sonnenbrille auf, wenn dich das Licht blendet. Mann o Mann! Mach hinne!

    

Im Büro gewesen

1 Tag pro Woche ist erlaubt. Will man öfter ins Büro kommen, muss man das vor der Chefin explizit begründen. Wir waren zu sechst. Wenn alle kommen, sind wir ca. 30.
Ich genoss die Begrüßung am Morgen und die Gespräche mit den Kolleginnen, die da waren. Nach ein paar Stunden kam die Sonne raus. In meiner Mittagspause marschierte ich um den Block. Auf der Sonnenseite schmolz der Schnee.
Zum Feierabend war die Sonne weg. Die Wege vereist. Ebenso mein Fahrrad, das ich im Hof abgestellt hatte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als es zu schieben.
Ich traf Necip, den Wirt der Kupferkanne, auf dem Heimweg. Fast erkannte ich ihn nicht, wie er in dicker Winterjacke und mit Mütze daherkam. Wir beklagten, dass die Politik beschlossen hatte, den Lockdown zu verlängern. Wenigstens waren wir bisher gesund geblieben. Schmerzlich wurde mir bewusst, wie sehr ich die Kneipen vermisse: die menschliche Wärme und Nähe, die kleinen/kurzen „Aufsteller“, maskenlose lachende Gesichter…
In meinem Briefkasten fand ich einen Brief von der „Bundesregierung“. Darin 2 Berechtigungsscheine für jeweils 6 Schutzmasken, die ich mir in der Apotheke abholen kann. 2 Euro Eigenanteil pro Berechtigungsschein. Warum sie das in zwei Zeiträume splitteten – keine Ahnung.
Ich packte meinen kleinen Einkauf aus, während mein Fahrrad im Wohnungsflur auftaute. Danach fläzte ich mich mit einem Bier auf die Couch und schaltete die Glotze an… einfach damit etwas lief.


und nein – das Damenrad auf dem Bild rechts oben ist nicht meins

Wie von selbst

Die Zweige der Stadtbäume schaukeln im eisigen Wind. Der Himmel grau. Kaum eine Menschenseele vor der Tür. Zwischendurch eingemummelte Gassi-Gänger. Eine Polizeistreife kreuzt meinen Blick. Ich zünde eine Kerze an. Es ist wirklich düster.
Mein Lieblingsbluessender läuft. Die Heizung aufgedreht. In den eigenen vier Wänden ist es behaglich. Ich kontempliere vor mich hin. In den letzten Tagen stieß ich auf den bemerkenswerten Thomas Campbell (Physiker und Bewusstseins-Forscher). Auf YouTube kursieren einige Gespräche/Interviews zu seinen Büchern und Thesen über die Welt und das Dasein. Seine außerkörperlichen Erfahrungen und Experimente brachten ihn zu „seiner großen Theorie von allem“. Wirklich faszinierend, was er zu sagen hat… Und nein, ich glaube nicht so recht an Astralreisen oder das Remote Viewing. Aber eine reizvolle Vorstellung. Dieser Campbell hat was. Er sieht ziemlich genau so aus, wie ich mir als Kind Gott vorstellte.
Inzwischen schneit es draußen leicht vor sich hin. Bei den jetzigen Minustemperaturen wird es liegenbleiben. Mal sehen, was der Himmel über Berlin in petto hat. Ich würde mich über eine Winterlandschaft freuen… Eine These Campbells ist, dass man durch „Absichten“ auf der „Seins-Ebene“ die Wirklichkeit beeinflussen kann. Z.B., wenn es also nur geringfügige Effekte braucht, um eine ganz andere Wetterlage herbeizuführen oder das Ergebnis eines Münzwurfs tendenziell zu beeinflussen. Als Jugendlicher verschlang ich Bücher, in denen es um solche parapsychologische Phänomene ging… Campbell betont dabei immer wieder, dass es nicht genügt, sich etwas zu wünschen. Man könne sowas nur von der „Seins-Ebene“ aus bewirken… Okay – vielleicht ist er einfach ein guter Märchenerzähler. Es gibt viele Menschen, die sich die Welt nach ihren Modellen zurechterklären, mehr naturwissenschaftlich oder mehr religiös/spirituell… Jeder aus dem Kontext seiner Realitätsblase heraus. An eine große Theorie von allem kann ich schwer glauben.

Ich stelle mir vor, jetzt über den Dächern Berlins zu schweben und zuzusehen, wie die Stadt immer weißer wird… Ob meiner Schwerelosigkeit bin ich glücklich und lächele, überrascht, dass das ganz ohne Physis geht… Nach einer (undefinierbaren) Weile kehre ich schließlich zurück zu meiner Adresse. Ich sehe mich, wie ich am Schreibtisch sitze und irgendeinen Text tippe. Neugierig schaue ich mir über die Schulter… Dann berühre ich mich liebevoll, und Flupp! bin ich wieder drin in mir… That`s it. Und es schneit weiter, als wollte es nicht mehr aufhören. Ein Universum tanzender Schneeflocken – so schön.


Über Nacht

Ich blickte heute Morgen aus dem Fenster und dachte: Man kann es Schnee nennen. Um nicht nur zu gucken, sondern diese seltene winterliche Erscheinung noch sinnlicher zu erfahren, duschte ich schnell und hüpfte in meine Klamotten. Ich nahm mir einen Rundgang vor: Erst eine Strecke durch den Park am Gleisdreieck, rechts abbiegen zum Supermarkt, Einkaufen und zurück durch den Nelly-Sachs-Park am Teich vorbei… Keine große Sache, kaum ein Kilometer. Immerhin ein Vorhaben ganz entgegen meiner Gewohnheit, das Wochenende mit dem Schreiben eines Blogbeitrags einzuläuten und erst am Nachmittag zum Einkaufen eine Runde durch den Kiez zu drehen. Und das nächste Novum: Ohne Fahrrad! Ich entdeckte die Muße des Gehens für mich wieder. Ich stapfte durch den Schnee und dachte: Wow!

 

Es schneit!

… Kinder, es schneit! Hier in Berlin ist es leider noch etwas zu warm, als dass es liegenbliebe. Ich kann mich kaum vom Fenster losreißen. Der Himmel sieht so aus, als würde noch einiges in ihm stecken…
Morgen ist dann endgültig das ganze Weihnachts-Jahresend- Silvester- und Neujahrsgedöns vorbei. Die Welt dreht sich weiter in einer inzwischen weitgehend etablierten Corona-Normalität: jeden Tag neue Zahlen, politische, gesellschaftliche und medizinische Einschätzungen, Homeoffice, die Fortsetzung des Lockdowns, Corona-Aussichten… Tagtäglich werden wir vom kürzlich angelaufenen deutschlandweiten Impfgeschehen hören, knüpfen sich doch so viele Hoffnungen daran. Leider fehlt es bisher am nötigen Durchblick, um zu sagen, wohin die Reise in den nächsten Monaten gehen wird.

Der Blick aus dem Fenster zeigt: Es schneit gemächlich vor sich hin. Die geparkten Autos tragen inzwischen weiße Hauben. Wenige eingemummelte Spaziergänger huschen über das Pflaster. Ich hocke in der warmen Bude und setze mein Nichtstun der letzten Tage fort… Zum Wochenanfang dann zurück ins Büro – den Hühnern ein frohes Neues wünschen… und ein paar Stunden mit der Tätigkeit verbringen, die mein Job ist. Muss sein.