Von Fruchtfliegen und Menschen

Die Fruchtfliege, die gerade auf meinem Schreibtisch sitzt, braucht keinen Urlaub. Nehme ich mal an. Sie muss auch kein Geld verdienen. Sie lebt ganz einfach ihr Fruchtfliegenleben. Wovon ich null Ahnung habe. Inzwischen schwirrt sie irgendwo herum. Natürlich weiß ich, worauf sie scharf ist. Ich sollte einen Bierdeckel auf das Glas legen…
Nicht dass ich mit ihr tauschen wollte. Womöglich haben auch Fruchtfliegen eine Klassengesellschaft. Oder sind sie Kommunisten?
Mein Gott, was für ein Tag heute. Die Fruchtfliege und ich wetteifern um mein Getränk. Ich sehe sie oft erst, wenn ich das Glas anhebe, weil sie dann wegschwirrt. Versoffenes Biest!
Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja, ich hatte mir überlegt, was meine Meinung wert ist… Früher konnte ich nie verstehen, dass einige meiner Mitmenschen zu gewissen Themen anderer Meinung sein konnten. Dass man z.B. gegen Krieg, gegen Umweltverschmutzung, gegen Diskriminierung, gegen Rassismus sein müsse, erschien mir sonnenklar. Alle Menschen müssten somit Kriegsgegner, Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten sein. Zumindest im Geiste. Und da ich in der Zeit der 68er pubertierte und später mit Freude die Abrüstungs-, Antiatomkraft- sowie die Grüne Bewegung wahrnahm, hatte ich noch Hoffnung…

„Du bist ganz schön naiv.“
„Was!? Wer spricht zu mir?“
„Schau nicht so blöde aus der Wäsche. Ich bin`s, die Fruchtfliege, die sich an deinem Getränk labt… Danke übrigens!“
„Hau ab, du Biest!“
„Sei doch nicht so garstig. Warst du nicht in Gedanken bei einer friedlichen und gerechten Welt?“
„Du hast doch keine Ahnung. Kümmere dich gefälligst um dein Fruchtfliegenuniversum… Warum rede ich überhaupt mit dir?“
„Baby, wir leben in ein und demselben Universum.“

Wenn der Tag mit einem Delirium beginnt, kann`s eigentlich nur besser werden.