Eine kurze Woche

Die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub verging relativ schnell – wie jede erste Woche nach einem Urlaub. Außerdem wich sie durch einen Rufbereitschaftseinsatz etwas von der Routine ab. Ach ja, und sie war durch den Pfingstmontag kürzer… Der Rufbereitschaftseinsatz war extraordinär. Die Alarmanlage ließ sich nicht scharfschalten, und der Anlagenbetreiber erreichte keinen Servicetechniker – also keinen, der in einem solchen Fall zu uns kommt (eine ärgerliche Sache!). Es wurde für K., unseren IT-Mann, und mich eine lange Nacht. Meine Anwesenheit war geboten, weil ich Rufbereitschaft hatte, und K. war da, weil er noch am meisten Ahnung von der Anlage hat. Da kein Servicetechniker der Betreiberfirma vor Ort erschien, versuchte K. telefonisch das Problem zu lösen. Bis nach 2 Uhr probierten wir herum. Dann fanden wir Gott sei Dank eine Zwischenlösung und konnten das Objekt verlassen.
Was wäre das Leben ohne solche Highlights? Ich bin K. dankbar, dass er die gesamte Kommunikation übernahm. Alleine wäre ich aufgrund fehlender fachlicher Kompetenz aufgeschmissen gewesen. Sowieso ist man in solchen Ausnahmesituationen um jeden Beistand froh.
Das nächste Highlight der Woche war angenehmerer Natur. Die Kupferkanne, wo ich in den letzten Jahren (vor Corona) regelmäßig meine Mittagspausen verbrachte, hatte wieder geöffnet! Beim Vorbeifahren sah ich, dass Tische draußen standen. Offenbar ist in den Außenbereichen der Gastronomie eine Verköstigung wieder erlaubt. So kam ich in den Genuss meines ersten frischgezapften Feierabendbieres seit ca. 7 Monaten!

     

Wie viel Diskriminierung muss man hinnehmen?

Ich wartete gespannt, bis die Kollegin mit ihrem Anliegen herausplatzte. Sie schloss die Bürotür hinter sich. „Es muss nicht jeder mitkriegen…“, tat sie geheimnisvoll. Sie gehört zu jenen Hühnern, die gern mit anderen mauschelt. Wind um nichts machen ist eine Lieblingsbeschäftigung einiger Hühner. Aber so sind sie eben. Ich finde sie trotzdem fast alle auf ihre Weise prächtig und unterhaltsam…, solange sie mich nicht in ihre Geschichten hineinziehen. In dieser Hinsicht bin ich ein gebranntes Kind. Allzu gut erinnere ich mich an gewisse Geschehnisse aus meiner Altenpflegezeit, als ich zwischen die Hühner-Fronten geriet… Das war sehr, sehr unangenehm.
„Wusstest du, dass wir für die Rufbereitschaft unterschiedlich bezahlt werden?“ fuhr sie bedeutungsvoll fort. „Nein, da habe ich mir noch gar nicht den Kopp drüber gemacht“, erwiderte ich stirnrunzelnd. Und die Kollegin erläuterte mir, dass die Rufbereitschaft nicht für alle gleich, sondern proportional nach dem Gehalt, welches man verdiente, vergütet wurde. Somit erhielten unsere Chefin und bessergestellte Kollegen und Kolleginnen entsprechend mehr Geld für dieselbe Leistung. Zweifellos eine Ungerechtigkeit, stimmte ich der Kollegin zu. Da die Rufbereitschaft freiwillig ist, überlegen sich nun einige auszusteigen. „Soll doch die Chefin die Rufbereitschaft alleine machen…“, meinte die Kollegin hämisch. Mir gefiel der Tonfall nicht, in dem sie die Sache vortrug. Auch ich mag die Chefin nicht sonderlich – aber solange sie mir nicht zu nahe kommt… Sie ist zwar Nutznießerin dieser Ungerechtigkeit aber wie wir alle nur angestellt. „Mal sehen, was der Betriebsrat dazu sagt“, meinte ich. „Der wird auch nichts machen können…, also ich steige aus…“, und die Kollegin hob hervor, wie sehr sie sich den Arsch für den Betrieb aufreiße und bisher kein Entgegenkommen erhalten habe – nun sei eine Grenze erreicht. Ich schwieg. Die Kollegin hatte damals fast zeitgleich mit mir in dem Betrieb angefangen. Ich war verdammt froh, dass ich den Job kriegte. Inzwischen habe ich mich einigermaßen akklimatisiert. Im Großen und Ganzen kann ich mich über Bezahlung und Arbeitsbedingungen nicht beklagen. Auf Stress mit der Geschäftsleitung bin ich nicht aus. Aber natürlich solidarisiere ich mich mit den Hühnern, wenn es Sinn macht und verhältnismäßig ist…
In der Rufbereitschaft werden wir einfachen Angestellten gegenüber den besser positionierten eindeutig diskriminiert. Von wegen – gleicher Lohn für gleiche Leistung. Ich bin auf die Begründung der Geschäftsleitung gespannt – übrigens alles in Frauenhand. (Meine ja nur.)