Elegie mit Kornkreisen

Der 2. Weihnachtsfeiertag lässt sich schwer an. Ich blicke aus dem Küchenfenster und entdecke eine tote Ratte im Hof. Offenbar unter die Räder gekommen. Der Beton glänzt feucht. Ich öffne kurz das Fenster und strecke meinen Zinken raus. Keine Menschenseele zu sehen. Auch keine lebende Ratte. Zumindest im Moment. Elegisch strecken sich die Stunden. Ich habe nichts zu tun und will auch gar nichts tun. Wie ein Tiger im Käfig laufe ich in der Wohnung hin und her, kehre an den Schreibtisch zurück: blogge, googele Kornkreise und schaue mir diese obskuren ins Getreide gezeichneten Mandalas an. Teilweise wirklich gut gemacht. Respekt! – falls die von Menschen stammen. Doof, dass die Seiten, die sie zeigen, fast alle einen esoterischen Anstrich haben. Außer Spinnern scheint sich wohl niemand für dieses Phänomen zu interessieren.
Erstmal genug der Kornkreise. Der Wein wird nicht mehr reichen. Schon gar nicht für morgen. Ich muss also nochmal raus. Eine Runde im Kiez drehen. Der Spätkauf hat offen. Das Pub heute allerdings geschlossen. Sita machte mich gestern extra darauf aufmerksam. Dann fahre ich eben zur Reza-Bar am Nollendorfplatz. Wenigstens auf ein Bier.
Ich schaue auf die Uhr. Ich sollte nicht so oft auf die Uhr schauen. Ist ja fast so, als wäre ich im Büro und würde auf den Feierabend warten. Dabei warte ich auf gar nichts.