Im Blubber-Modus

Buchung erledigt, Fahrkarte gekauft… nun muss nur noch Donnerstag werden. Ich liebe Reisen, die wenig Aufwand erfordern. Manchmal träume ich von einem Leben aus dem Koffer, – dass ich ganz minimalistisch, nur mit meinem kleinen Fahrrad (das auch in einen Koffer passt) durch die Welt reise. Ohne festen Wohnsitz. Natürlich bräuchte ich dazu eine Kreditkarte und ein dickes Bankkonto. Außerdem gäbe es da noch x Hindernisse mit der Bürokratie… Und schon habe ich ausgeträumt. Der Realismus ist unerbittlich.
Also backe ich weiter kleine Brötchen. Einfach über Wasser halten, ist ja auch schon was: mit einem sicheren Job, einer kleinen Wohnung in Berlin; und nun leiste ich mir eine kleine Urlaubsreise. Bescheiden geht die Welt zugrunde. (Oder so ähnlich.)
Als junger Mann freilich schienen selbst die irresten Träume noch eine Chance auf Umsetzung zu haben… Tja, hat wohl nicht ganz geklappt. Sei`s drum. Im vor mich hin blubbern bin ich auch ganz gut.

 

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu

Ich bin schon seit einiger Zeit am Überlegen, was ich über die Feiertage am Jahresende treiben soll. Eigentlich wollte ich wieder in den Süden fliegen. Aber dann entschied ich mich, besser hier zu bleiben, also nicht unbedingt in Berlin… vielleicht irgendeine Stadt in good old Germany anvisieren. Damit u.a. etwas für meine persönliche Klimabilanz tun. Das mit der Fliegerei und den Pauschalreisen hatte ich mir im Zuge meiner letzten Liebesbeziehung mehrmals angetan. Ich war sonst immer gegen den Massentourismus gewesen. Zwanzig Jahre lang unternahm ich nichts anderes als meine Fahrradreisen oder besuchte meine Fernbeziehungen, wo auch immer… per Bahn versteht sich. Oder wir reisten uns entgegen.
Ich argumentierte also vor mir selbst: Warum soll ich alleine in den Süden fliegen, wo die Menschen eine fremde Sprache sprechen, und ich wie ein Touristen-Depp in einer Bettenburg einquartiert bin? Muss nicht sein. Hatte ich in den letzten Jahren zur Genüge. Auch wenn so ein Ausflug z.B. auf die Kanaren während des deutschen Winters nicht zu verachten ist. Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht genoss – vor allem in der Zeit der Verliebtheit. Da verrät man schon mal seine selbstauferlegten Prinzipien. Doch jetzt ist Schluss damit – bei aller Sehnsucht nach Sonne und Meer… Der nächste Sommer kommt bestimmt. Außerdem liegt unweit von Berlin die schöne Ostsee.
Es beginnt schon am Flughafen, wenn man in der langen Schlange zum Einchecken ansteht… Da kam ich mir vor wie in einer Kuhherde, die mit ihrem Gepäck abgefertigt wurde – und beim Rückflug dasselbe nochmal. Ich ununterscheidbar inmitten des Spießervolks! Das bin nicht ich! dachte ich bei mir. Ätzend! – ich verachtete mich selbst. Um meinen Widerwillen ein wenig abzuschwächen, betrachtete ich das Ganze als Feldstudie. Ich wusste nun originär, warum ich den Massentourismus nicht mochte.
Also: Scheiß auf Sonne und Meer Ende 2019! Wobei ich das Meer noch nicht ganz abgeschrieben habe. Auch im Winter besitzt die Ostsee ihren Reiz. Wie gesagt, ich bin noch am hin- und herüberlegen.
Natürlich kann ich hier auch einfach auf meinem Arsch sitzenbleiben…

Freiheit?

Freiheit ist ein großes Thema in meinem Leben. Noch nie durfte ich mich so frei fühlen wie heute. Dieser Gedanke schoss mir erst vor kurzem mal wieder durch den Kopf. Befreit von Partnerin, Familie, Freunden und Bekannten*. Quasi heimatlos. Scheißegal, ob ich besoffen bin, irgendeinen Blödsinn anstelle oder von heute auf morgen von der Bildfläche verschwinde. Ich bin frei. Ich bin durchsichtig, vollkommen bedeutungslos, – keine Anrufe, keine SMS, weder Mails noch Post von irgendwem. Ich bin jeglicher Pflichten entbunden. Ich muss vor nix mehr davonlaufen. Ich kann einfach der sein, der ich bin, nurmehr mir selbst verantwortlich. Ziel erreicht, würde ich sagen und grinse in mich hinein. Die letzten Zwänge sind die des Brotverdienstes und meiner körperlichen sowie geistigen Bedürftigkeit. Auch die alten Ängste fallen nicht einfach von einem ab. So kann man im Prinzip frei sein, ohne sich wirklich frei zu fühlen. Momentan fühle ich mich so ähnlich wie am Ziel einer meiner Fahrradreisen von einer seltsamen Leere erfasst, nicht unglücklich, nein, sondern melancholisch, einsam und müde.
„Geht noch mehr frei?“ frage ich mich und antworte, ohne lange zu überlegen „Natürlich“. Vor kurzem stieß ich beim Durchblättern eines Journals auf ein Foto, auf welchem eine Gruppe indischer Yogis nackt posierte. Von solchen Typen bin ich echt beeindruckt. Sie fristen ein extrem asketisches Leben ohne jeglichen Besitz. Ich nehme an, dass sie dabei der Weltseele, respektive Gott, sehr nahekommen. Ganzschön strange für unsereins. Mir erscheinen sie auf dem Bild wie Wesen aus einer anderen Daseinsdimension. Diesen Grad von Erleuchtung und Freiheit werde ich sicher nicht mehr erreichen.
Mein Traum wäre es, meine sieben Sachen in einen Koffer zu packen und ohne viel Komfort um die Welt zu reisen – nach dem Motto „Ich bin dann mal weg“.
Aber der Weg des Loslassens ist steinig. Ständig stehen wir uns dabei selbst im Weg. Ich will mir nichts vormachen. Insgeheim sehne ich mich nach einem Zuhause, einem Hafen, einem Stück Heimat…

*  bitte nicht pikiert sein, wer sich nach wie vor mit mir freundschaftlich verbunden fühlt

Wanderungen

Ich träumte, ich würde in Paris wohnen und wanderte durch die Stadt auf der Suche nach der Magie, wie ich sie empfand, als ich dort noch nicht lebte.

Die ersten zwei Bürotage verliefen problemlos, außer dass ich sehr müde war. Es kamen die üblichen Bemerkungen und Fragen wie: Etwas Farbe hast du schon bekommen… Wie warm war es denn? Warst du im Wasser? …
Ja, und es war recht kühl, doch man war durch die Brandung schnell drin. Dann war es einfach wunderbar, zwischen den Wellen zu schwimmen und sich treiben zu lassen. Vor allem am letzten Tag lag ich eine gute Weile am Strand, chillte und ging zwischendurch ins Wasser. Ansonsten verbrachte ich die Tage mit Ausflügen in die Umgebung. Zur einen Seite gab`s da den Doppelort Morro Jable/Jandia Playa und auf der anderen Seite das Feriengebiet Costa Calma, jeweils 10-15 Kilometer von meiner Hotelanlage entfernt. Ich legte die Strecke zu Fuß zurück und fuhr je nach Gelegenheit mit Bus oder Taxi zurück. Die Strandabschnitte wurden von der steil ansteigenden steinigen Küste umsäumt. Oft musste ich bei meinen Wanderungen recht unwegsames Gelände überwinden oder auf schmalen Pfaden eine Strecke die Küste hoch schlappen. Die Crocs, die ich trug, erwiesen sich auf diesen Wegen als recht praktisch, da sie einerseits den Fuß etwas Halt gaben und schützten, andererseits auch Nässe vertrugen. Barfuß war das Fortkommen in dem Steine-Meer ein Unding, weil schmerzhaft und gefährlich. Man kann schnell mal das Gleichgewicht verlieren oder ausrutschen. Und plumps, ist es passiert! Ich saß mit dem Hosenboden zwischen den Felsen im Wasser… Wenn man unglücklich fällt, kann man sich sicherlich böse Verletzungen zuziehen (Prellungen, Splitterbrüche, Kopfverletzungen…). Ich erreichte wohlbehalten und fast wieder ganz trocken Morro Jable, das Ziel meiner ersten Wanderung.