Meine Augen werden sich freuen

Ganz werde ich das Reisefieber vor einer größeren Fahrt nie ablegen. Für ein paar Tage verlasse ich mein Quartier. Der Tagesablauf wird auf den Kopf gestellt. Es stellen sich die immer selben Fragen: Erwische ich den Zug? (Hoffentlich verschlafe ich nicht.) Finde ich einen Platz? Bin ich ausgerüstet? Genug Bier dabei? … Und Zweifel kommen auf: Was will ich eigentlich dort den lieben Tag lang treiben? Wozu diese Anstrengung? Lohnt sich die Reise? Ich und meine fixen Ideen…
In meinem Innersten weiß ich freilich, dass alles tausendmal besser ist, als in Berlin abzuhängen. Die Hälfte der freien Tage ist bereits rum. Wird also höchste Zeit, dass ich den Arsch hochkriege.
Eindreiviertel Jahre ist es her, dass ich dort war. Erinnerungen werden wach. Keine allzu guten… Schwamm drüber. Jetzt ist jetzt. Man muss sich die Scheiße von den Schuhen kratzen und weiter geht`s. Auch dafür die Reise. Vielleicht wird mir die alte Vertrautheit guttun, auch wenn ich nicht mehr dazugehöre, sozusagen der Heimat entwachsen bin. Die Orte und Wege von damals gibt es nach wie vor. Sie werden mich wiedererkennen. Menschen dagegen sind flüchtig wie Jahreszeiten – gute und schlechte. Sie gehen dahin, bis sie der Horizont des Lebens verschluckt.
Es wird eine Reise nach innen. Meine Augen werden sich freuen. Mein Herz wird weinen.
Warm anziehen sollte ich mich. Eine Sonnenbrille werde ich nicht brauchen. Genügend Aspirin. Und ein gutes Buch.