9 lange Wochen und Geronimo im Bauch

10 Tage Gran Canaria, Playa del Ingles. Zugeschlagen. In solchen Fällen bin ich ein Mann der schnellen Entschlüsse. Das Reisebüro liegt in der oberen Etage der Potsdamer Platz Arkaden. Ich hatte Glück, niemand war vor mir. Nach 20 Minuten ging ich mit der Buchung im Rucksack runter ins Untergeschoss Einkaufen, ein paar Lebensmittel fürs Wochenende.
9 lange Wochen zähle ich am Kalender bis zum Abflug. Meine Freude darauf hält sich komischerweise in Grenzen, aber vielleicht kommt das noch. Alles besser, als zwei Wochen zuhause rumgammeln.
Auch wenn ich inzwischen einige solcher Pauschalreisen unternahm, konnte ich meine Vorbehalte gegen diese Form des Massentourismus nie ganz ausräumen. Bequem ist`s halt.
An Playa del Ingles habe ich ganz gute Erinnerungen. 2014 verbrachte ich dort Weihnachten, d.h. ich floh vor Winter und Weihnachten auf die Insel. Damals stand der Umzug nach Berlin noch bevor, – der Liebeshimmel rosarot eingefärbt. Wie die Zeit vergeht. Man kratzt sich ein paarmal am Arsch und vier Jahre und eine Liebe sind rum.
Die Reiseberaterin wollte mich am liebsten in Ägypten haben. Eine meiner Arbeitskolleginnen machte erst vor kurzem in Ägypten Urlaub und erzählte begeistert davon. Vor allem könne man dort prima schnorcheln. Aber kann man dort auch überall ungezwungen sein Bierchen trinken? Oder ist man quasi in einer riesigen Ferienanlage eingesperrt? Ganz abgesehen von den Terroranschlägen und Entführungsfällen… Eine dritte Option war Fuerte Ventura, aber dort verbrachte ich erst Silvester 17/18 meinen Urlaub. Das Wasser sei auf Fuerte Ventura klarer als auf Gran Canaria, meinte die Reiseberaterin, man könne bis zu seinen Fußzehen sehen. Ich schaute sie an, lächelte und sagte schüchtern: „Trotzdem Gran Canaria.“
Ich vertraue in solchen Sachen ganz meinem Bauchhirn.

Per Mail bekam ich inzwischen die Rechnung, von der ein Teil sofort fällig wird. Ein Sonntagsausflug zu meiner Hausbank steht somit auf dem Programm. Zum Internetbanking konnte ich mich bis dato nicht durchringen. Howgh! – mein Bauchhirn hat gesprochen. Bestimmt habe ich einen Indianerhäuptling im Bauch. Keine leichte Sache. Immer dieses Kriegspfadgetue.
Sonntagvormittag, die Waschmaschine schleudert. Ich drehe die Musik lauter und tanze durch die Wohnung…

Schillernde Aussichten

Die kurze Arbeitswoche ging, wie zu erwarten war, schnell rum. Das Neue Jahr begann grau in grau. Vor allem gestern. Mein Gott, war das ein Siff! Da wächst die Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Meer… Langsam sollte ich meinen Urlaub für März buchen. Das mache ich am liebsten übers Reisebüro. Stellt sich die Frage, wohin die Reise gehen soll. Da auf Mallorca das Unglück meiner letzten Liebe seinen Anfang nahm, werden mich dorthin keine zehn Pferde bringen. Wahrscheinlich werde ich wieder auf den Kanaren landen. Ich habe keine Lust drauf, dass im Urlaub alte Erinnerungen schmerzhaft aufbrechen. Wir waren nur einmal zusammen im Norden Teneriffas.
Meine Kollegin meinte, Madeira sei auch sehr schön, allerdings mehr zum Wandern. Nein, ein Aktivurlaub schwebt mir diesmal nicht vor. Den werde ich wieder im Sommer per Fahrrad unternehmen.
Der heiße und lange Sommer 2018 reichte mir nicht. Zu düster und kaputt sah es in mir selbst aus. Das Draußen soll mir so schnell wie möglich wieder zur Wohnung werden. Ich sehne mich nach der Horizontlinie und dem entspannten Klönen unter freiem Himmel.
Was ein Leben…
Mesdames et Messieurs, blicken Sie auf das einmalige Leben Bonanzamargots, ein Leben in der Seifenblase. Sensationell, wie er sein Schicksal trägt, die Ruhe in Person! Nur hier erfahren Sie die neuesten Neuigkeiten – der Mensch im Reagenzglas, wie man ihn nackter nicht sehen kann! Erstmalig bei WordPress! Hereinspaziert! Es erwartet Sie keine flache Seifenoper, sondern ein geistiger Striptease, der es in sich hat! Nur keine Scheu! Treten Sie näher! …

Mann, wenn ich mich jetzt nicht langsam vom Computer loseise, wird das heute nichts mehr mit dem Reisebüro.