Vorbereitungen

Die Reisetasche habe ich schon mal aus der Kammer geholt. Wird langsam Zeit, dass ich für ein paar Tage rauskomme. Sonst kommt noch das Grauen über mich – wie in Lovecrafts Erzählungen.
Ich lade schon mal den Zusatzakku fürs Smartphone, bevor ich`s vergesse. Das Reisefeeling mit ein paar Vorbereitungen hervorkitzeln. Der Zug fährt morgen Mittag. Also genug Zeit für alles. Eine Maske deponiere ich vorausschauend in der Reisetasche, nicht dass ich auf dem Bahnsteig ohne Maske dastehe, und der Zug fährt ein.
Dann überprüfe ich die Kulturtasche. Muss ich noch was nachkaufen? Nein, alles da. Nicht vergessen: Dosenbier für die Reise kaufen!
… Nur nicht zu viel Klamotten einpacken. Auf der anderen Seite werde ich um ein zusätzliches Paar lange Hosen, Strickjacke und Pullover nicht herumkommen. Was noch?
Mein Blick schweift übers Bücherregal… Welcher Lesestoff soll`s sein, mein Herr? Die Novellen von Miguel Unamuno wären sicher kein Fehlgriff. Oder doch lieber Wenedikt Jerofejew „Die Reise nach Petuschki“?
Eine Umgebungskarte, die Buchungsbestätigung und meine Fahrkarten liegen unübersehbar neben mir auf dem Schreibtisch. Ich falte die Karte auseinander. Ah ja. Schnell kommen Erinnerungen vom letzten Jahr hoch. Schön war`s da. Ruhig, friedlich. Ein Kontrast zu Berlin. Ich falte die Karte wieder zusammen. Es bleibt mir noch jede Menge Zeit, Zeit für alles…

 

 

Gerade noch gepackt

Licht, Horizont, Seeluft, Wind und Bewegung, wobei ich Bewegung nicht im sportlichen Sinne meine, sondern die Bewegung hinaus aus dem Gewohnten. Wenigstens eine Woche mit Urlaubsgefühl, das sich zuhause nicht richtig einstellen wollte. Rostock mit dem Seebad Warnemünde bietet sich von Berlin aus am Besten für einen Urlaubstrip an. 3 Stunden mit dem Interregio. Das Faltrad geht als Gepäck.
Freitag vor Pfingsten war der Zug brechend voll – klar. Nicht nur ich kam nach den Corona-Lockerungen auf die glorreiche Idee, von zuhause auszubrechen. Angesichts der dahinschmelzenden Urlaubstage hätte ich es mir nicht verziehen, wenn ich nicht weggefahren wäre. Nicht auch noch über Pfingsten hier abhängen!
Okay, Rostock und Warnemünde sind mittlerweile vertrautes Pflaster. Es reißt mich nicht mehr um, wenn ich dort ankomme. Ich entfalte mein Faltrad und weiß, welche Richtung ich einschlagen muss.
Über Pfingsten übernachtete ich in einer Kammer mit Nasszelle, max. 8 m². Das Waschbecken kaum größer als eine Seifenschale. Für meine körperlichen Ausmaße war diese Kammer gerade noch nutzbar. Nix für Menschen mit Platzangst. Immerhin hing ein Riesen-TV über dem Fußende des Bettes… Ich kriegte in der Preisklasse kurzfristig nichts anderes mehr.
Tagsüber lungerte ich in Warnemünde und Rostock herum. Oder ich radelte in die Umgebung. Zu allererst stand der Strand auf dem Programm. Ich legte mich mit einer Flasche Merlot in den Sand und schaute mich um…

 

Vorbereitungen

Inzwischen sieht`s hier so aus, als würde tatsächlich jemand in Bälde verreisen. Überall in Schlaf- und Wohnzimmer liegt Zeugs herum: Klamotten, Toilettentasche, alle möglichen Utensilien… Es gibt doch einiges zu beachten, gerade wenn man fliegt – was gehört in den Koffer, und was kann ich mit in den Flieger nehmen? Wenn man nicht oft fliegt, muss man sich doch jedes Mal wieder einen Kopf machen. Und natürlich will ich nichts für die Reise vergessen, was schon ein Minimum an Organisation/Vorbereitung braucht. Nicht, dass ich heute Nacht im Tran ins Taxi steige und erst am Flughafen bemerke, dass ich z.B. die Reiseunterlagen zuhause auf dem Tisch liegen ließ, oder dass die Brieftasche samt Ausweis noch in der anderen Jacke steckt… Ja, ich werde mir mal ein Taxi nach Tegel leisten, schließlich habe ich Urlaub. Keine Lust auf Stress. Denn ausgeschlafen werde ich sicher nicht sein.
Ein paar Dosen Bier stellte ich vorsorglich kalt – Proviant, um die Zeit zu überbrücken, bis ich an der Sicherheitsschleuse bin. Flughäfen ertrage ich schlecht nüchtern. Zu viele Touristen-Idioten, und man muss sich leider eingestehen, dass man dazugehört, auch wenn man sich innerlich dagegen sträubt…, aber ganz nüchtern betrachtet – eben – und das ist der Moment, wo ich mich an der Dose Bier festhalte.
Noch vor ein paar Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich zum Pauschalreisenden degeneriere. Aber dann kommt erstens alles anders, und zweitens als man denkt. Wenn es etwas gibt, was den Menschen besonders auszeichnet, ist es seine Willensschwäche (die er ständig bemüht ist zu kaschieren). Aber lassen wir dieses leidige Thema. Ich habe Urlaub… Ich freue mich auf diese verkackte Geröllwüste im Atlantik. Jawoll! Und darauf trinke ich jetzt einen!

Schillernde Aussichten

Die kurze Arbeitswoche ging, wie zu erwarten war, schnell rum. Das Neue Jahr begann grau in grau. Vor allem gestern. Mein Gott, war das ein Siff! Da wächst die Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Meer… Langsam sollte ich meinen Urlaub für März buchen. Das mache ich am liebsten übers Reisebüro. Stellt sich die Frage, wohin die Reise gehen soll. Da auf Mallorca das Unglück meiner letzten Liebe seinen Anfang nahm, werden mich dorthin keine zehn Pferde bringen. Wahrscheinlich werde ich wieder auf den Kanaren landen. Ich habe keine Lust drauf, dass im Urlaub alte Erinnerungen schmerzhaft aufbrechen. Wir waren nur einmal zusammen im Norden Teneriffas.
Meine Kollegin meinte, Madeira sei auch sehr schön, allerdings mehr zum Wandern. Nein, ein Aktivurlaub schwebt mir diesmal nicht vor. Den werde ich wieder im Sommer per Fahrrad unternehmen.
Der heiße und lange Sommer 2018 reichte mir nicht. Zu düster und kaputt sah es in mir selbst aus. Das Draußen soll mir so schnell wie möglich wieder zur Wohnung werden. Ich sehne mich nach der Horizontlinie und dem entspannten Klönen unter freiem Himmel.
Was ein Leben…
Mesdames et Messieurs, blicken Sie auf das einmalige Leben Bonanzamargots, ein Leben in der Seifenblase. Sensationell, wie er sein Schicksal trägt, die Ruhe in Person! Nur hier erfahren Sie die neuesten Neuigkeiten – der Mensch im Reagenzglas, wie man ihn nackter nicht sehen kann! Erstmalig bei WordPress! Hereinspaziert! Es erwartet Sie keine flache Seifenoper, sondern ein geistiger Striptease, der es in sich hat! Nur keine Scheu! Treten Sie näher! …

Mann, wenn ich mich jetzt nicht langsam vom Computer loseise, wird das heute nichts mehr mit dem Reisebüro.

Es tut sich was

Langsam werden mir Rostock und Warnemünde immer vertrauter. Natürlich gibt es noch viele Ecken, die mir fremd sind – das ist in Berlin nicht anders. Aber nach einer Weile entwickelt man doch mit einer Region, auch ohne alles zu kennen, eine gewisse Vertrautheit. Mit Menschen ist`s, glaube ich, nicht anders. So geht es mir z.B. mit den Büro-Hühnern…

Die Kälte war bei meinem Kurztrip der größte Ungemütlichkeitsfaktor. Die gefühlte Temperatur lag weit unter der gemessenen. Der Aufenthalt an zugigen Plätzen fühlte sich an wie eine Eisdusche. Ich unternahm einen kleinen Spaziergang am Strand und kehrte nach einer guten halben Stunde verfroren zurück in die windgeschütztere Ortschaft. Nun nur noch ein Plätzchen zum Aufwärmen finden – glücklicherweise hatten in Warnemünde an Heiligabend mehr Lokale offen, als ich befürchtet hatte.

Drei Tage kam ich raus, – atmete andere Luft, nahm andere Gerüche wahr, befand mich in netter Gesellschaft, sah auf das Meer und die Horizontlinie… Zuhause in Berlin wäre mir sicher die Decke auf den Kopf gefallen. So war ich mit der Reise und allerhand Eindrücken beschäftigt. Den ganzen Weihnachtszinnober nahm ich nur am Rande wahr. Gut so. Ich scheiße auf Weihnachten. Nun nur noch Silvester, und dieser irrsinnige Jahresabschlussspuk hat wieder ein Ende.

Ich genieße meine Freiheit. Ich genieße die schönen Dinge um mich herum. Ich genieße den Anblick schöner Frauen. Ich genieße die Momente, wo ich spüre, wie das Leben in mich zurückströmt. Ich genieße den Blues. Ich genieße es, einfach da zu sein. Ich genieße es, wenn sich meine Blicke mit denen wildfremder Menschen treffen. Ich genieße es, wenn wir uns zulächeln. Ich genieße die Kraft meines Körpers. Ich genieße das Zurückkommen in meine Bude. Ich genieße das Bier. Ich genieße den Blick aus dem Fenster. Ich genieße, es warm zu haben.

Wieder hier!

Jesus Christus, fühle ich mich ausgelutscht! Zurück am Schreibtischplatz in meiner Wohnung – der Blick aus dem Fenster zeigt die vertraute Kulisse von parkenden Autos, gegenüberliegender Häuserfront und Litfaßsäule. Die Sonne scheint aufs Kopfsteinpflaster, Passanten laufen durchs Blickfeld im sommerlichen Outfit, ein leichter Wind weht durch die Stadtbäume. Als ich gestern gegen 21 Uhr den Hauptbahnhof verließ, fühlte sich das Radeln durchs abendliche Berlin wie ein wohliges Wannenbad an. Vorbei an Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz erreichte ich nach wenigen Minuten meine Haustür. UFF! 12 Stunden vorher hatte ich noch mit den widrigen Wetterverhältnissen an der Nordsee gekämpft, baute das Zelt bei Wind und Regen ab, Lufttemperatur dort gerade mal 13 Grad Celsius. Die letzten drei Nächte verbrachte ich auf einem Campingplatz in St. Peter Ording. Die Nächte im Zelt waren ein Graus, weil der Wind mit 50 km/h tobte, und der Regen fast ununterbrochen auf die Zeltwand prasselte. Beides zusammen, Wind und Regen, sorgte in der Nacht für ein infernalisches Lärmspektakel! Nichts für schwache Nerven. Nordsee halt.
Inzwischen sind die Packtaschen ausgepackt. Die Waschmaschine läuft mit der Schmutzwäsche von der Reise. Die nasse Zeltplane liegt zum Trocknen aus. Ich sitze am Computer, lese die Nachrichten und einige Blogeinträge. Ich kriege nicht zusammen, was ich in den 12 Tagen auf der Strecke an mannigfaltigen Eindrücken erlebte. Wie die Schmutzwäsche in der Waschmaschine gerade geschleudert wird, wirbeln diese Eindrücke bunt durcheinander durch meinen Kopf, ein einziges konfuses Knäuel. Wahnsinn, denke ich, ich habe es wiedermal geschafft! Es war keine meiner leichtesten Touren. Ich startete konditionell in relativ schlechter Verfassung. Zwischendurch wurde es zur Tour de Torture
Schön, dass ich zurück in meinen vier Wänden bin. Der Bluessender läuft. An den Wänden prangen meine Bilder. Ich bewege mich in meinem abgesicherten Raum mit dem bescheidenen Komfort von Federkernmatratze, elektrischem Strom und warmem Wasser auf 50 Quadratmetern. Nicht zu vergessen mein Computer und der WLAN Anschluss. Schön. Ich bin zuhause. Ein Empfangskomitee gab es zwar nicht, aber egal. Eine Nachricht befand sich im Briefkasten, eine Karte, auf der stand:
„Ihr Ablesedienst war da. Wir kommen aber noch einmal.“
Schön.

Der Morgen in der Max Bar

Die Pensionswirtin kam ins Plaudern, als ich die Rechnung beglich. Sie schwärmte ganz allgemein von der Region, dem milden Klima, den schönen Plätzen, der mediterranen Atmosphäre und dem exquisiten Kuchen einer befreundeten Spanierin, die ganz in der Nähe ein Café hatte. Sah ich so aus, als wäre ich ein Kuchenliebhaber? Ich bedankte mich artig für den Tipp und schritt hinaus in den Morgen. Mich fröstelte. Das Wetter hatte nichts mehr von der Milde des Vortags. Der Himmel lag grau und schwer über der Stadt und den angrenzenden Bergen. Angestrengt spähte ich nach einem geöffneten Lokal. Früher Vormittag und Ostersonntag – da ist selbst in Berlin nicht der Bär los. Doch ich hatte Glück. Unweit fand ich eine Bar, in der ein paar Übernächtigte beim Bier saßen. Sehr gut, das Problem wäre also gelöst. Ich bestellte mir erstmal einen Kaffee und schaute durch die große Fensterfront hinaus auf den Marktplatz, wo noch wenig Betrieb herrschte. Ab und zu trudelten ein paar Gäste ein, meist Einheimische aus der hiesigen Kneipen- und Künstlerszene, die hier ihren Morgenkaffee tranken und ein Schwätzchen hielten. Ich war inzwischen beim Bier angelangt und versunken in der Betrachtung meiner Umgebung. Einer der Künstler kam mir bekannt vor. Aber klar, das war der Typ, von dem ich ein Bild habe, das ich erst vor kurzem wieder aufhing! Wie kam ich eigentlich dazu? Ich erinnerte mich an seine verwinkelte Altstadtwohnung, das Atelier sowie den anschließenden Spaziergang, wobei er mir Stadtgeschichten erzählte. Ich langweilte mich ziemlich. Lang lang ist`s her. Inzwischen dürfte ich so alt sein wie er damals. Plötzlich kam es mir wieder: Er hatte sich für einen meiner Prosatexte interessiert und schenkte mir im Gegenzuge das Bild. Kein schlechter Deal für mich. Offensichtlich schmeichelte er mir, und neben seinem Interesse als Künstler gab es noch eine Ambition anderer Art.
Der Künstler ging, und wir grüßten uns beiläufig. Hatte auch er mich wiedererkannt?
Es wurde Zeit, mich aus meiner beinah meditativen Versenkung in der Max Bar zu lösen. Schließlich hatte ich noch etwas vor…

Lektüre, Safari Bar und schlaue Mücken

Wenn ich gewusst hätte, dass Miguel de Unamuno 1924 während seiner Verbannung vier Monate in Puerto del Rosario verweilte, hätte ich als Reiselektüre ein Buch von ihm mitgenommen.
So begnügte ich mich mit Hunter S. Thomson, „Angst und Schrecken in Las Vegas“, – auch nicht schlecht. Ich trug das Buch immer mit mir rum, las dann aber meist erst am Abend, wenn ich alleine nach dem Sonnenuntergang in meinem Appartement verweilte. Der Lesestoff reichte nicht ganz für die Woche. Gegen Ende meines Aufenthalts war ich genötigt, einen Spiegel zu kaufen. Es hatte ganz gutgetan, ein paar Tage nichts vom Weltgeschehen und dem ganzen Zinnober mitzukriegen. Falls die Welt unterginge, würde ich es schon merken.

Für den Abend gab es die Safari Bar, die recht einladend wirkte, aber seltsamerweise verweilte ich dort nur für ein Bier oder einen Cocktail nach der Rückkehr von meinen Tagesausflügen.
Die meisten Touristen waren Deutsche, hauptsächlich Rentner, einige Familien und ein paar jüngere Pärchen, die wenigsten Alleinreisende. Mir war die Anonymität ganz lieb. Es gab unter diesen Leuten niemanden, der mich interessierte, der hervorstach. Small Talk finde ich außerdem eher lästig. Aus Höflichkeit freilich… Man kann sich nicht allem entziehen.
Die Kneipenmutter der Safari Bar war die auffälligste Person in der Ferienanlage, eine temperamentvolle Spanierin um die Fünfzig. Sie kleidete sich betont sexy mit Minirock und schwarzen Nylons, bewegte sich demgemäß aufreizend und war ständig am Quasseln und Turteln. Für die alten Säcke, die da größtenteils rumsaßen, sicher eine Aufmunterung. Mir ging ihr Gehabe nach Kurzem auf den Keks. Sowieso: wer mich ewig auf mein Bier warten lässt, sammelt Minuspunkte.
Während meiner täglichen Ausflüge hatte ich in den Strandbars genug getrunken, so dass ich abends kaum noch das Bedürfnis nach mehr hatte. Von der Safari Bar schlappte ich hoch zu meinem Appartement, wo ich mir auf dem Balkon ein Glas Rotwein und einen Imbiss genehmigte, bis es mich in die Heia zu Hunter S. Thompson zog.

In der Nacht sorgten schließlich die Mücken für Abwechslung. Ich hatte sie, da ich aus dem deutschen Winter kam, gar nicht auf dem Schirm gehabt. Ihr ätzendes Summen weckte mich mehrmals. Genervt knipste ich das Licht an und suchte wie ein Luchs die gekalkten Zimmerwände und die Decke ab… Ich jagte diese Teufelsviecher regelrecht und brachte auch einige zur Strecke (der Spiegel erwies sich als ideale Fliegenklatsche). Sie machten es mir schwer, – verbargen sich schließlich im Vorhang, wo ich sie kaum ausmachen und schlecht erschlagen konnte. Wer die Mücken beherrscht, wird auch die Welt beherrschen, sinnierte ich schlaftrunken.

Back in Town

Eine Woche, die Tage flogen wie die Samen einer Pusteblume davon. Ich blicke ihnen staunend hinterher. Das Berliner Grau ist schon überwältigend als Kontrast zu meinen Eindrücken auf Fuerteventura. Ich versuche gerade in aller Gemütlichkeit anzukommen. Mir bleibt dazu ein Tag. Morgen geht`s zurück ins Büro. Noch fühlt es sich an, als ob Sonne, Wind, Sand und Meerwasser an mir haften. Ich glühe innerlich nach.
Die Heimreise verlief planmäßig. Allerdings empfinde ich das Ganze immer als Tortur für Seele, Geist und Körper: zwölf Stunden vom Einstieg am frühen Morgen in den Transfer-Bus vorm Hotel bis zur Ankunft in unserer Wohnung. Am Flughafen kam ich mir vor wie in einer Hammelherde, die abgefertigt wird. Freilich, man muss sich erst gar nicht auf solch einen Trip einlassen. Was habe ich mit diesem Massentourismus am Hut? Was mache ich sechs Tage auf einer Insel, gut dreieinhalbtausend Kilometer von Berlin?
Schon wegen des Lichts und dem Meer lohnte es sich.
Nein, nicht dass ich dort leben wollte. Vieles würde mir fehlen. Aber ein oder zwei Wintermonate würde ich gerne dort verbringen, auch um Land und Leute besser kennenzulernen. Eine Woche ist definitiv zu kurz. Kaum (halbwegs) angekommen, hat man bereits die Rückreise vor Augen.
Geldsäckel und Urlaubstage des deutschen Normalverdieners geben nun mal nicht mehr her. Dementsprechend leistet sich die Hammelherde wenigstens ein paar Tage auf der Insel, hin und zurück mittels Billigflieger plus Unterkunft und Abspeisung in Bettenburgen (oder riesigen Ferienanlagen). Man gönnt sich ja sonst nichts. Alles wunderbar durchorganisiert.